Russischer Angriff auf eine Familie »Die ganze Welt soll erfahren, was hier passiert«

Das Foto ging um die Welt: Am Sonntag sind eine Frau und ihre Kinder bei einem russischen Angriff im ukrainischen Irpin getötet worden. Serhiy Perebyinis hat via Twitter von dem Tod seiner Familie erfahren. Nun hat er sich geäußert.
Irpin in der Ukraine: Die Russen rücken weiter auf Kiew vor, ihr Weg führt auch durch die Kleinstadt

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Foto:

Felipe Dana / dpa

Ihre Geschichte ist zu einem Symbol der Grausamkeiten im Ukrainekrieg geworden: Am Sonntag wurde in der ukrainischen Stadt Irpin nahe Kiew eine Mutter mit ihren zwei Kindern durch einen russischen Angriff getötet. Die Familie hatte versucht, aus der Stadt zu fliehen. Nun hat die »New York Times«  mit dem Vater und Ehemann der Getöteten gesprochen.

»Die ganze Welt soll erfahren, was hier passiert«, sagte Serhiy Perebyinis der Zeitung. Zum Zeitpunkt des tödlichen Angriffs war er in den Separatistengebieten im Osten des Landes. Die Familie stammt von dort, war jedoch wegen der Kämpfe 2014 aus der Region geflohen. Perebyinis kehrte vor Beginn des Ukrainekrieges dorthin zurück, um sich um seine kranke Mutter zu kümmern. Als die russische Invasion vor zwei Wochen begann, konnte er nicht mehr zurück.

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Die Nacht vor der tödlichen Attacke habe er seiner Frau am Telefon gesagt, es tue ihm leid, nicht bei ihr sein zu können. Ihre Antwort, so erzählte er es nun der »New York Times«, habe gelautet: »Mach dir keine Sorgen, ich komme hier raus.«

Gemeinsam mit einem Bekannten habe die Familie fliehen wollen. Perebyinis wusste von den Plänen. Am Sonntag, dem Tag der geplanten Flucht, konnte er seine Frau dann nicht mehr telefonisch erreichen. Auch Anrufe auf den Telefonen der neunjährigen Tochter und des 18-jährigen Sohnes liefen ins Leere. Via Twitter habe er erfahren, warum niemand mehr auf seine Anrufe reagierte.

In einem ersten Post habe er gelesen, dass eine Familie auf der Fluchtroute bei Irpin durch einen Mörserangriff getötet worden sei. Kurz darauf zeigte ein weiterer Post ein Foto des Angriffsorts: »Ich habe das Gepäck erkannt, und so wusste ich es«, sagte er. Ein Foto der grausamen Szenen ging um die Welt.

Kriegsreporterin Lynsey Addario war Zeugin der Tat. Die »New York Times« veröffentlichte das Foto auf dem Titel. Deutlich darauf zu erkennen sind die Leichen dreier Menschen, offensichtlich Zivilisten. Sie sei selbst beschossen worden. »Ich dachte aber auch, dass dieses Foto das Zeugnis eines Kriegsverbrechens ist, und dass ich dieses Foto machen soll. Diese Menschen, unschuldige Zivilisten, wurden angegriffen«, sagte Addario dem ZDF-»heute-journal« . Ihrer Beschreibung nach seien Tetiana Perebyinis und ihre Kinder Ziel russischer Granaten geworden.

»Ich weiß nicht, wie Gott solche Verbrechen vergeben kann.«

Serhiy Perebyinis, hat seine Frau und Kinder durch einen russischen Angriff verloren

»Das war eine Situation, wo Zivilisten das Ziel waren und die Granaten, die wurden wirklich auf die Zivilisten geworfen«, sagte sie. Auch der Bekannte, der Familie Perebyinis bei der Flucht helfen wollte, hat den Angriff nicht überlebt.

»Ich weiß nicht, wie Gott solche Verbrechen vergeben kann«, sagte Perebyinis der »New York Times«. Um nach dem Tod seiner Familie aus der Ostukraine zurück Richtung Kiew zu gelangen, musste er nach Russland reisen. Über Kaliningrad sei er nach Polen und schließlich zurück in sein Heimatland gelangt.

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An der russisch-polnischen Grenze, sagte er, hätten ihn russische Wachen verhört, ihm Fingerabdrücke abgenommen und seien bereit gewesen, ihn aus unklaren Gründen zu verhaften, obwohl er schließlich weiterreisen durfte. Die einzige Grenze zwischen Polen und Russland verläuft um die russische Exklave Kaliningrad.

Er sagte, er habe ihnen gesagt: »Meine ganze Familie ist bei etwas gestorben, was ihr als Spezialoperation bezeichnet und wir einen Krieg nennen. Du kannst mit mir machen, was du willst. Ich habe nichts mehr zu verlieren.«

asc
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