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Vitali Klitschko verlangt Einreisesperren für Russen »Der Eiserne Vorhang muss wiederkommen«

Kiews Bürgermeister Klitschko erträgt es nicht mehr, urlaubende Russen in Europa zu sehen. Er fordert Einreisesperren, »damit das nicht mehr möglich ist«.
Vitali Klitschko im Mai 2022: »Es muss Sanktionen geben«

Vitali Klitschko im Mai 2022: »Es muss Sanktionen geben«

Foto: FABRICE COFFRINI / AFP

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko verlangt, dass Europa Einreisesperren gegen Russinnen und Russen verhängt. »Der Eiserne Vorhang muss wiederkommen. Russland zeigt jeden Tag, dass dieses Land eine Diktatur ist – und über 70 Prozent der Russen unterstützen Putin«, sagte er der »Bild« .

Trotz des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine könnten Russen ihren Urlaub in Europa genießen. »Es muss Sanktionen geben, Einreisesperren, damit das nicht mehr möglich ist«, sagte Klitschko. Viele der Reisenden lehnten europäische Werte ab: »Wie kann es dann sein, dass sie gleichzeitig das europäische System genießen?«

Länder wollen Wellnessurlaub verhindern

In den vergangenen Wochen hatten bereits mehrere Länder die Vergabe von Schengen-Visa an Russen im Alleingang eingestellt. Dazu gehören Estland, Lettland, Litauen und Tschechien. Finnland erschwert die Einreise erheblich, Polen erwägt eine ähnliche Regelung. Dänemark dringt auf eine EU-Lösung und will sonst ebenfalls selbst handeln.

Finnland war bislang für viele Russen das Tor nach Europa. Zwar ist als Folge des Ukrainekriegs der EU-Luftraum für russische Maschinen gesperrt. Wer jedoch die nötigen Dokumente hatte, konnte weiterhin über die etwa 1300 Kilometer lange Grenze von Russland nach Finnland reisen. Trips ins Nachbarland sind bei Russen beliebt: zum Shopping, für den Wellnessurlaub oder um von einem finnischen Flughafen aus in ein anderes europäisches Land weiterzufliegen.

In Deutschland fordern Unionspolitiker eine umfassende Regelung zu Einreisesperren. »Urlaubsvisa für Russen müssen gestoppt werden. Urlaubsziele dürfen in Putins Russland nicht länger Paris und Porto, sondern Pjöngjang und Peking heißen«, sagte die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Unionsfraktion, Andrea Lindholz (CSU), der »Bild«. Es gehe darum, auch der russischen Bevölkerung klare Zeichen zu setzen.

Der Europapolitiker Dennis Radtke (CDU) sagte »Bild«, es sei »unerträglich, dass Russen in Europa Urlaub machen und ihr Geld verjubeln, als sei nichts geschehen«. Deutschland und Europa drohten aktuell »bei den Sanktionen und bei den Waffenlieferungen einzuschlafen«. Wer Putin stoppen wolle, dürfe jetzt nicht lockerlassen, sondern müsse mit einer Touristenvisa-Sperre für russische Staatsbürger nachlegen.

ptz