Übereinstimmende Berichte Putin soll Geheimdienstchefs unter Hausarrest gestellt haben

Russlands Angriff auf die Ukraine verläuft langsamer als von der Führung in Moskau geplant. Nun verdichten sich Hinweise, Präsident Wladimir Putin habe an der Spitze von Armee und Geheimdienst Konsequenzen gezogen.
Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml

Russlands Präsident Wladimir Putin im Kreml

Foto: MIKHAIL KLIMENTYEV / KREMLIN POOL / SPUTNIK / EPA

Kremlchef Wladimir Putin ist angeblich unzufrieden mit dem Verlauf der russischen Invasion in der Ukraine. Er soll laut übereinstimmenden Berichten angesichts des schleppenden Vormarsches seiner Truppen mehrere Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen haben. Mindestens zwei hochrangige Geheimdienstler sollen unter Hausarrest stehen, laut ukrainischen Sicherheitskreisen sollen gar Generäle gefeuert worden sein.

Die Meldung über die Hausarreste gehen auf den russischen Investigativjournalisten, Kremlkenner und Militärexperten Andrei Soldatov zurück. Dieser schrieb auf Twitter, Putin habe bei einem Sicherheitstreffen die Auslandsverantwortlichen beim FSB »attackiert«, der Leiter Sergei Beseda und sein Stellvertreter stünden unter Hausarrest. Soldatov gilt als in Geheimdienstkreisen gut vernetzt und glaubwürdig.

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Der britischen »Times«  sagte Soldatov, es könne gut sein, dass der FSB realistische Kenntnisse über die Lage in der Ukraine hatte – die Frage sei nur, was davon an Putin weitergegeben worden sei. »Das Problem liegt darin, dass es für die Verantwortlichen oft riskant ist, Putin Dinge mitzuteilen, die er nicht hören will«, so Soldatov. Daher würden sie Informationen für ihn »frisieren«.

Wie desolat die Lage im Kreml sei, schildert auch Philip Ingram, Sicherheitsexperte und früherer Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes. Demnach sei Putin »deutlich« verärgert, sagte Ingram der »Times«. Der Kremlchef sehe den russischen Geheimdienst FSB in der Hauptverantwortung für Niederlagen der russischen Armee in der Ukraine. Konkret würden die Leiter der dortigen Auslandsabteilung nun für »schwache Entscheidungen« abgestraft.

Der Bericht über die Lage im Kreml passt zu einer anderen Meldung aus ukrainischen Geheimdiensterkenntnissen. Demnach soll Putin acht hochrangige Militärs gefeuert haben. Das behauptete Oleksij Danilow, Chef des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrats, laut »Ukrayinska Pravda«  und anderen ukrainischen Medien.

Laut Danilow wurden die Generäle gefeuert, weil sie »ihre Aufgabe« nicht erfüllt hätten. Gemeint ist damit offenbar eine rasche Einnahme der Ukraine. Russland hatte am Donnerstag vor zwei Wochen mit einer völkerrechtswidrigen Invasion begonnen. Mehrere Großstädte wurden seither eingekesselt, doch abgesehen von Cherson erlangten russische Einheiten bislang keine Kontrolle über Großstädte. Auch die komplette Lufthoheit konnte Russland – anders als von vielen Fachleuten vermutet – bislang nicht erringen.

»So wie ich das sehe, sind sie verzweifelt«

»So wie ich das sehe, sind sie verzweifelt«, sagte der ukrainische Sicherheitschef Danilow. Neue Generäle seien bereits bestimmt, die Änderungen der militärischen Führung könne auch eine Änderung der Kriegsstrategie bedeuten.

In Moskau wurden die Gerüchte zu den angeblichen Hausarresten und Entlassungen im Militär nicht kommentiert.

Putin hatte sich am Vormittag mit seinem Sicherheitsrat in einer Videokonferenz besprochen. Dabei verkündete sein Verteidigungsminister Sergej Schoigu, die »militärische Operation« in der Ukraine verlaufe planmäßig.

Zugleich ordnete Putin jedoch an, künftig die Entsendung von »freiwilligen« Kämpfern in die Ukraine zu erleichtern. Bisher war lediglich geplant, russische Soldaten in dem Angriffskrieg einzusetzen.

Die »Freiwilligen« sollen zur Unterstützung der prorussischen Separatisten im Osten des Landes anreisen. Allein aus dem Nahen Osten hätten sich bereits über 16.000 Personen gemeldet, die für die »Befreiungsbewegung« der selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk kämpfen wollten.

mrc/Reuters