Russische Invasion Putin zu Verhandlungen mit Ukraine bereit

Am Donnerstag hat Russland die Ukraine angegriffen, mehrere Gesprächsangebote aus Kiew lehnte der Kreml ab. Nun will Putin nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Ria angeblich doch reden.
Kremlchef Wladimir Putin

Kremlchef Wladimir Putin

Foto: Sergei Guneyev / imago images/ITAR-TASS

Einen Tag nach seinem befohlenen Angriff auf die Ukraine zeigt sich der russische Präsident Wladimir Putin angeblich gesprächsbereit. Das meldet die russische Nachrichtenagentur Ria . Demnach habe Putin in einem Telefonat mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping gesagt, er sei bereit, »auf hoher Ebene« mit der ukrainischen Führung zu verhandeln.

Das chinesische Staatsfernsehen bestätigt den Wortlaut des Gesprächs. »Russland ist bereit, hochrangige Verhandlungen mit der Ukraine aufzunehmen«, heißt es laut chinesischem Außenministerium. Schon kurz darauf bezeichnete Putin die ukrainische Regierung jedoch in einer neuen Rede als »Bande von Drogenabhängigen und Neonazis« und »Terroristen«.

Nach einer Anordnung Putins hatten russische Truppen am Donnerstagmorgen mit der Invasion der Ukraine begonnen. Die russischen Truppen rückten in einer Zangenbewegung ins Land ein, derzeit stehen sie kurz vor Kiew. (Hier lesen Sie die aktuelle SPIEGEL-Titelgeschichte zum Thema)

Es gibt Berichte von Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt. Die ukrainische Regierung rechnet in Kürze mit einem russischen Einmarsch in Kiew. »Der schwerste Tag wird heute sein. Der Plan des Feindes ist, mit Panzern von Iwankiw und Tschernihiw nach Kiew durchzubrechen«, sagte Anton Geraschtschenko, Berater im Innenministerium.

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Angebliche »völkermörderische Methoden«

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte seit Donnerstagmorgen nach eigenen Angaben mehrfach vergebens versucht, mit Putin Gespräche aufzunehmen: »Lassen Sie uns am Verhandlungstisch Platz nehmen, um das Sterben der Menschen zu stoppen.«

Putins Bedingung für ein Gespräch soll jedoch die Kapitulation der Ukraine sein. Kremlsprecher Dimitri Peskow sagte, Russland betrachte die »Entmilitarisierung und Entnazifizierung« der Ukraine, Putins angeblichen Grund für die Invasion, als »untrennbaren Bestandteil des neutralen Status«.

Selenskyj wirft Russland Angriffe auf zivile Ziele vor. Am späten Donnerstagabend meldete Selenskyj mindestens 137 Tote auf ukrainischer Seite. 316 Menschen wurden zudem durch die Kampfhandlungen verletzt.

Ob Gespräche zwischen Putin und Selenskyj realistisch sind und wen Putin mit einer »hohen Ebene« in der ukrainischen Regierung meint, ist offen. Am Nachmittag hatte Putin neue Beleidigungen gegen Kiew ausgesprochen. Er rief die ukrainische Armee auf, die Macht in Kiew zu übernehmen und Selenskyj und seine Regierung zu stürzen. »Nehmt die Macht in Eure Hände. Mir scheint, Verhandlungen zwischen Euch und uns wären einfacher«, sagte Putin in einer an die ukrainischen Streitkräfte gerichteten Rede, die im russischen Fernsehen übertragen wurde. Die Mitglieder der ukrainischen Regierung bezeichnete Putin als »Bande von Drogenabhängigen und Neonazis« und »Terroristen«.



Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte die Regierung der Ukraine zuletzt als undemokratisch bezeichnet. »Wir sehen nicht die Möglichkeit, eine Regierung als demokratisch anzuerkennen, die ihr eigenes Volk unterdrückt und völkermörderische Methoden anwendet«, sagte er.

Der Westen hatte den russischen Großangriff auf die Ukraine scharf verurteilt. Die EU, die USA und weitere westliche Verbündete hatten wegen des russischen Einmarschs in die Ukraine umfangreiche Sanktionen gegen Moskau verhängt. US-Präsident Joe Biden gab am Donnerstag Strafmaßnahmen gegen mehrere russische Banken sowie Exportkontrollen bekannt, die nach seinen Worten »mehr als die Hälfte der Hightech-Importe Russlands abschneiden« werden (mehr zu den Maßnahmen der USA lesen Sie hier).

mrc/Reuters
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