Russlands Krieg gegen die Ukraine Selenskyj drängt auf Kampfpanzer, Polen will wohl Kiews Truppen an Leopard ausbilden

Der ukrainische Präsident Selenskyj hält die Lieferung von Leopard-2-Panzern an sein Land für unausweichlich. Laut seinem Verteidigungsminister soll das Militär schon jetzt darauf geschult werden. Die jüngsten Entwicklungen.
Wolodymyr Selenskyj im Mai 2022

Wolodymyr Selenskyj im Mai 2022

Foto: Ukrainian Presidential Press Service / EPA

Das sagt Kiew

Auf der Ukraine-Konferenz auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Ramstein bekam Präsident Wolodymyr Selenskyj keine Zusage für deutsche Leopard-2-Panzer – nun will Selenskyj weiter dafür kämpfen. Er habe bei den Gesprächen viel Verständnis für die Erfordernisse der von Russland angegriffenen Ukraine gehört, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft. »Ja, wir werden noch kämpfen müssen um die Lieferung moderner Panzer, aber mit jedem Tag machen wir es noch offenkundiger, dass es keine Alternative gibt zu der Entscheidung für Panzer.« Selenskyj sagte, notwendig seien auch Raketen mit größeren Reichweiten, um ukrainische Gebiete zu befreien.

Auch der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow sagte nach einem Treffen mit seinem neuen deutschen Kollegen Boris Pistorius, dass die Gespräche über die Leopards 2 fortgesetzt würden. Er dankte der deutschen Regierung und der Bevölkerung für die Militärhilfe. Gleichzeitig kündigte er an, dass ukrainische Streitkräfte in Polen auf Leopard-2-Kampfpanzern trainieren sollen. »Länder, die bereits über Leopard-Panzer verfügen, können mit der Ausbildung unserer Panzerbesatzungen beginnen«, sagte er der ukrainischen Version des US-Senders »Voice of America «. Resnikow bezeichnet die Entwicklung der Ausbildung als Durchbruch und führt den Erfolg auf die Bemühungen Polens zurück.

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Internationale Reaktionen

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat Deutschland trotz des Zögerns mit Blick auf eine Lieferung von Leopard-2-Kampfpanzern an die Ukraine als verlässlichen Partner gelobt. »Ja, sie sind ein zuverlässiger Verbündeter. Das sind sie schon seit sehr, sehr langer Zeit«, sagte Austin am Freitag in Ramstein nach dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe.

Deutschland nimmt als Produktionsland in der Frage der Leopard-2-Lieferungen eine Schlüsselrolle ein. Eine Weitergabe an die Ukraine auch durch andere Länder muss von der Bundesregierung genehmigt werden. Austin betonte, für den militärischen Erfolg der Ukraine sei nicht ein einzelnes Waffensystem entscheidend. Die Ukrainer hätten ein Paket mit großen militärischen Fähigkeiten bekommen – darunter seien Schützenpanzer aus den USA und anderen Ländern. Wenn diese Mittel richtig eingesetzt würden, könnten sie zum Erfolg führen.

Ein namentlich nicht genannter ranghoher Vertreter der US-Regierung empfahl der Ukraine laut der Nachrichtenagentur AFP außerdem, sich nicht auf die Verteidigung der ostukrainischen Stadt Bachmut zu fixieren, sondern die Zeit zur Vorbereitung einer Gegenoffensive gegen die russischen Truppen zu nutzen. Statt Soldaten und Munition im Kampf um ein strategisch unwichtiges Ziel zu opfern, rate die US-Regierung der Ukraine ihre Truppen neu zu ordnen und von den USA geleitete Ausbildungsprogramme zu nutzen, um eine hoch entwickelte und schwer bewaffnete Truppe in eine Offensive im Süden des Landes schicken zu können, sagte er demnach.

Die US-Regierung kündigte außerdem an, die private russische Söldnertruppe Wagner zur transnationalen kriminellen Organisation zu erklären. Die US-Regierung werde kommende Woche konkrete Sanktionen gegen die Wagner-Gruppe verhängen, hieß es. Wagner sei eine kriminelle Organisation, die für Gräueltaten und Menschenrechtsverstöße in der Ukraine und weltweit verantwortlich sei. Den US-Angaben zufolge kämpfen für Wagner auf russischer Seite derzeit 10.000 Söldner und 40.000 Strafgefangene, die in russischen Gefängnissen angeworben wurden.

In den USA sind außerdem zwei Männer angeklagt worden, die im Verdacht stehen, dem seit 2018 von Sanktionen betroffenen russischen Oligarchen Viktor Wekselberg bei der Verschleierung der Besitzverhältnisse seiner Superjacht geholfen zu haben. Dem US-Justizministerium zufolge wurde ein Brite in Spanien festgenommen und soll an die USA ausgeliefert werden. Ein weiterer Verdächtiger mit russischer und schweizerischer Staatsbürgerschaft sei flüchtig. Wekselberg soll die Jacht in »Fanta« umgetauft haben, um weiterhin mit US-Ausrüstern zusammenarbeiten zu können. Die 78 Meter lange, auf einen Wert von 90 Millionen Dollar geschätzte Jacht wurde im vergangenen April auf Antrag der USA in Spanien beschlagnahmt.

Was am Samstag wichtig wird

Die Ukraine will weiter Druck machen auf Deutschland, Kampfpanzer zu liefern. Die russischen Truppen hingegen setzen ihre Angriffe in den Regionen Donezk und Saporischschja fort, um die von der Kiew kontrollierten Teile der ukrainischen Gebiete zu besetzen. Die russischen Truppen hatten dort nach eigenen Angaben zuletzt erstmals seit dem Sommer und nach vielen Niederlagen wieder von Eroberungen gesprochen.

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kko/AFP/dpa/Reuters
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