»Dies ist das grenzenlose Böse« Selenskyj fordert »starke weltweite Antwort« auf Angriff in Kramatorsk

Die Bombardierung von Flüchtlingen auf dem Bahnhof von Kramatorsk sorgt weltweit für Entsetzen. Der ukrainische Präsident fordert den Westen nun zu einem vollständigen Embargo auf russisches Öl und Erdgas auf.
Wolodymyr Selenskyj

Wolodymyr Selenskyj

Foto: Uncredited / dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach einem Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk mit mehr als 50 Toten eine entschiedene Antwort der internationalen Gemeinschaft. Er forderte ein vollständiges Embargo auf russisches Öl und Erdgas.

Der Bahnhof der ostukrainischen Stadt Kramatorsk war voller Flüchtlinge, als er am Freitag von einer Rakete getroffen wurde. Mindestens 52 Menschen wurden nach Angaben der örtlichen Behörden bei dem Angriff getötet, unter ihnen fünf Kinder. An dem Bahnhof hatten zuvor hunderte Menschen auf einen Zug zur Flucht Richtung Westen gewartet.

Die Attacke löste weltweit Entsetzen aus. US-Präsident Joe Biden sprach von einer »schrecklichen Gräueltat«, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen von einem »verachtenswerten Angriff«. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zeigte sich erschüttert. »Die Tötungen von Zivilisten sind Kriegsverbrechen, und die Verantwortung für diese Verbrechen trägt der russische Präsident«, sagte er bei einem Besuch in London.

»Wenn es nicht bestraft wird, wird es nie aufhören«

Selenskyj warf Russland vor, die Zivilbevölkerung seines Landes »zynisch zu vernichten«. »Dies ist das grenzenlose Böse«, schrieb er auf Twitter. »Und wenn es nicht bestraft wird, wird es nie aufhören.« In seiner Videobotschaft fordert er: »Wir erwarten eine starke weltweite Antwort auf dieses Kriegsverbrechen.«

Russland wies jegliche Verantwortung für den Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk zurück und beschuldigte die Ukraine: »Das Regime in Kiew« habe den Bahnhof beschossen, um die Flucht von Bewohnern zu verhindern und sie als »menschliche Schutzschilde« zur Verteidigung ukrainischer Armeestellungen zu missbrauchen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau.

Bereits nach dem Fund dutzender Leichen von Zivilisten im Kiewer Vorort Butscha vor einer Woche nach dem Abzug russischer Truppen war Russland ähnlich vorgegangen und hatte von einer »Provokation« durch die ukrainische Regierung gesprochen.

dop/AFP