»Grünes Licht für weitere Bombardierung« Selenskyj kritisiert Nato wegen Ablehnung einer Flugverbotszone

Der Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj drängt weiter auf eine Flugverbotszone über seinem Land – und verurteilt die gegenteilige Entscheidung der Nato. Bei einer Demo in Frankfurt wurde er zugeschaltet und bat: »Schweigt nicht, geht auf die Straße, unterstützt die Ukraine.«
Per Videoschalte sprach Wolodymyr Selenskyj auf der Demo in Frankfurt

Per Videoschalte sprach Wolodymyr Selenskyj auf der Demo in Frankfurt

Foto: Boris Roessler / dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Entscheidung der Nato, keine Flugverbotszone über der Ukraine einzurichten, scharf verurteilt. »Indem sie die Schaffung einer Flugverbotszone verweigert, hat die Führung der Militärallianz grünes Licht für die weitere Bombardierung ukrainischer Städte und Dörfer gegeben«, sagte Selenskyj in einem am Freitag veröffentlichten Video.

»Wir glauben, dass die Nato-Länder selbst die Erzählung geschaffen haben, dass eine Schließung des Himmels über der Ukraine eine direkte russische Aggression gegen die Nato provozieren würde«, sagte Selenskyj. An das Westbündnis gerichtet fügte er hinzu: »All die Menschen, die von heute an sterben, werden auch Ihretwegen sterben. Wegen Ihrer Schwäche, wegen Ihrer Abkopplung.«

Nato-Chef Jens Stoltenberg hatte der Bitte der Ukraine nach einer Flugverbotszone nach einem Sondertreffen der Außenminister in Brüssel am Freitag eine Absage erteilt. Das Bündnis verstehe zwar die »Verzweiflung« der ukrainischen Regierung, sagte Stoltenberg. Wenn sich die Nato aber direkt militärisch in den Konflikt mit Russland einmische, würden zahlreiche weitere Länder in Europa in den Krieg hineingezogen.

Um eine Flugverbotszone zu kontrollieren, müssten Kampfflugzeuge der Nato über der Ukraine »russische Flugzeuge abschießen«, sagte Stoltenberg. »Wenn wir das täten, wäre ein umfassender Krieg in Europa die Folge, der viel mehr Länder einschließen und noch mehr menschliches Leid verursachen würde.«

Per Videoschalte bei Sitzung des US-Senats

Selenskyj richtet sich derzeit täglich in Videobotschaften an die ukrainische Bevölkerung und das Ausland. Am heutigen Samstag soll der ukrainische Präsident per Videoschalte an einer Sitzung des US-Senats teilnehmen, wie die Nachrichtenagentur AFP aus Parlamentskreisen erfuhr. Die Forderung Selenskyjs nach einer Flugverbotszone über seinem Land wird von einigen US-Parlamentariern unterstützt.

Am Freitagabend hat sich Selenskyj per Live-Schalte an Demonstranten in Frankfurt am Main und mehreren anderen europäischen Städten gewandt. »Wenn die Ukraine fällt, werden alle fallen«, warnte er in seiner Rede vor den Auswirkungen des Krieges auf den ganzen Kontinent.

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Er rief die unter anderem in Frankfurt, Paris, Bratislava, Vilnius, Prag und Tiflis versammelten Menschen zu einer Schweigeminute auf – für die Männer, Frauen und Kinder, Soldaten, Polizisten und Zivilisten, die bisher seit dem Angriff Russlands auf das osteuropäische Land ums Leben kamen.

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»Schweigt nicht, geht auf die Straße, unterstützt die Ukraine«, forderte Selenskyj die Menschen in Europa auf. Wenn die Ukraine in diesem Konflikt siege, dann werde das auch der Sieg der ganzen demokratischen Welt sein, »der Sieg des Lichts über die Dunkelheit«. Der Präsident verabschiedete sich mit kämpferisch gereckter Faust und den Worten »Ruhm der Ukraine«.

In Frankfurt am Main waren nach Polizeiangaben gut 2000 Menschen zusammengekommen, viele von ihnen mit ukrainischen Flaggen oder Kleidung in den ukrainischen Landesfarben Gelb und Blau.

cop/dpa/AFP
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