Spannungen in Osteuropa Erste US-Verstärkungstruppen in Deutschland eingetroffen

Die Soldaten sind in Wiesbaden angekommen und sollen ihr Hauptquartier in Deutschland einrichten: Angesichts der Krise um die Ukraine haben die USA weitere Truppen entsandt. Auch Frankreich erhöht den Druck auf Russland.
US-Soldaten in Wiesbaden (Archivbild)

US-Soldaten in Wiesbaden (Archivbild)

Foto: Frank May / dpa

Die ersten von insgesamt 2000 US-Soldaten, die die Regierung in Washington zur Verstärkung nach Europa schickt, sind nach Angaben des US-Militärs in Wiesbaden eingetroffen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Sie sollen in Deutschland ihr Hauptquartier einrichten und von hier aus Fallschirmjäger unterstützen, die ihrerseits nach Polen entsandt werden, wie das Militär mitteilte. Das US-Verteidigungsministerium hatte zuvor angekündigt, 1700 Soldaten aus den USA nach Polen und 300 weitere nach Deutschland zu schicken. Zudem sollen etwa tausend US-Soldaten, die in Vilseck bei Nürnberg stationiert sind, nach Rumänien entsandt werden.

Die Truppenverschiebungen finden im Kontext der Krise in Osteuropa statt. Russland hat rund um die Ukraine mehr als 100.000 Soldaten zusammengezogen.

Macron will Putin zu Truppenreduzierung auffordern

Im Hintergrund finden weiterhin diplomatische Verhandlungen zur Lösung des Konflikts statt. Bei seinem Treffen mit Wladimir Putin am kommenden Montag in Moskau will Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den russischen Staatschef zu einem Truppenabbau an der Grenze zur Ukraine auffordern. Wie ein Sprecher des Pariser Präsidialamts sagte, setzt Macron zudem darauf, auf bereits erzielten Erfolgen bei vorangegangenen Gesprächen zur Ostukraine aufzubauen. So versuche Macron, für Entspannung in der Ukrainekrise zu sorgen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Putin 2019 zu Gast bei Macron im Élysée

Putin 2019 zu Gast bei Macron im Élysée

Foto: Alexei Nikolsky / dpa

Abstimmung mit Bundeskanzler Scholz

Kurz vor der Reise nach Kiew und Moskau will Macron sich noch mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) abstimmen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Er wolle noch am Abend mit Scholz telefonieren, hieß es am Freitag im Élysée. Es sei auch möglich, dass es nach Macrons Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Treffen mit Scholz und dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda in Berlin gebe.

Es handle sich um eine »französische Initiative«, aber Macron wolle sehr eng mit allen Partnern zusammenarbeiten, insbesondere mit Deutschland, betonte der Élysée. Die Moskau-Reise von Scholz Mitte Februar diene auch dazu, »die Botschaft zu bekräftigen«.

Macron wolle zudem mit US-Präsident Joe Biden sprechen, außerdem seien Gespräche mit dem britischen Premierminister Boris Johnson und möglicherweise auch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan geplant. Die Einbeziehung Polens sei besonders wichtig. »Es müssen alle Empfindlichkeiten berücksichtigt werden, insbesondere die der Länder, die unter dem sowjetischen Joch gelitten haben«, betonte der Élysée. Putin habe Macron gesagt, er sei »ein Gesprächspartner, mit dem er den Dingen auf den Grund gehen könne«, hieß es im Élysée.

Ukraine testet neu gelieferte US-Waffen

Das Militär der Ukraine testet derweil die kürzlich aus den USA gelieferten Waffen. Bei einem Manöver im Westen des Landes kamen Panzerabwehrraketen und andere Rüstungsgüter zum Einsatz, die zu einem insgesamt 200 Millionen Dollar schweren Militärhilfe-Paket der USA gehören. »Diese Waffen werden dabei helfen, Militärfahrzeuge zu stoppen«, sagte ein Sprecher des ukrainischen Militärs. Laut Reuters erwartet die Ukraine schon bald die nächsten Lieferungen aus den USA.

col/Reuters/AFP