Aggression gegen Ukraine Estlands Premierministerin warnt vor Zugeständnissen an Russland

Europa und die USA sollten nicht »irgendwelche Schritte auf Russland zu« machen, sagt Kaja Kallas. Die estnische Regierungschefin möchte Waffen an die Ukraine weitergeben – und wartet auf Zustimmung aus Berlin.
Estlands Premierministerin Kaja Kallas sieht eine »sehr geschlossene Position« der Nato

Estlands Premierministerin Kaja Kallas sieht eine »sehr geschlossene Position« der Nato

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RAIGO PAJULA / AFP

Die estnische Regierungschefin Kaja Kallas hat vor Konzessionen an Russland in der Ukrainekrise gewarnt. Europa und die USA müssten »sehr vorsichtig« agieren und nicht »irgendwelche Schritte auf Russland zu« machen, sagte Kallas in einem am Freitag geführten Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Der Westen solle Russland »nichts anbieten, was sie nicht vorher schon hatten«. Es liege allein an der Regierung in Moskau, die Lage zu deeskalieren.

Kallas sagte, Russland folge im Ukrainekonflikt einer sowjetischen Vorgehensweise, indem es Ultimaten stelle, um im Gegenzug Zugeständnisse des Westens zu erreichen. Die Ministerpräsidentin von Estland betonte, dass die Nato-Staaten in der Ukrainefrage im Allgemeinen eine »sehr geschlossene Position« verträten. Die Alliierten hätten zwar »unterschiedliche Ideen« und »unterschiedliche taktische Herangehensweisen«, aber »insgesamt halten wir zusammen«.

Estland will Abwehrraketen aus DDR-Beständen liefern

Russland hatte nach westlichen Angaben an der ukrainischen Grenze rund 100.000 Soldaten samt schwerem Gerät zusammengezogen. Dies schürt Ängste in der Ukraine und im Westen, dass Russland einen Einmarsch in das Nachbarland vorbereiten könnte. Die Regierung in Moskau bestreitet dies. Sie fordert, dass Nato-Truppen aus osteuropäischen Ländern wie Estland abgezogen werden, die dem Bündnis nach dem Ende des Kalten Krieges beigetreten waren.

Der estnischen Regierung liegt nach Angaben aus Tallinn das Einverständnis der USA vor, »Dutzende« Javelin-Panzerabwehrraketen sowie einige 122-mm-Haubitzen an die Ukraine zu liefern. Die Haubitzen stammen noch aus früheren DDR-Beständen. Für ihre Lieferung von Estland an die Ukraine wäre aber die Zustimmung der Bundesregierung erforderlich, die nicht vorliegt.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag beklagt, der Westen setze sich über die Sicherheitsbedenken seines Landes hinweg. Kallas dagegen sagte, die Nato-Verbündeten hätten zuletzt über eine »Verstärkung, nicht Abschwächung« ihrer Position gegenüber Russland gesprochen. Dies sei gut zur Verteidigung und »Abschreckung«, unterstrich die Regierungschefin.

mas/AFP
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