Konflikt mit Russland Ukraine kündigt gemeinsame Militärübung mit Nato an

1000 Soldaten, fünf Nato-Mitgliedsländer: Die Ukraine will ein Militärmanöver mit der westlichen Allianz durchführen. Gerade erst hat Russland Truppen an der Grenze zusammengezogen – und gedroht.
Ukrainische Militärübung im Jahr 2015: »Grenze eines Landes wiederherstellen«

Ukrainische Militärübung im Jahr 2015: »Grenze eines Landes wiederherstellen«

Foto: ANATOLII STEPANOV/ AFP

Die ukrainische Armee hat eine gemeinsame Militärübung mit der Nato in einigen Monaten angekündigt. Mehr als 1000 Soldaten aus mindestens fünf Nato-Mitgliedstaaten sollen daran teilnehmen, schreiben die Streitkräfte auf Facebook. Die Übung soll in der aktuell angespannten Lage offenbar zur Abschreckung dienen – sie könnte die Beziehungen zu Russland aber auch weiter verschlechtern.

»Insbesondere wird die Verteidigung geprobt, gefolgt von einer Offensive, um die Grenze eines Landes und die territoriale Integrität eines Staates wiederherzustellen, der von einem Nachbarstaat bedroht wurde«, heißt es in der Erklärung. Die Armee nannte kein Datum für die Übung, auch der Ort war zunächst nicht bekannt.

Die Ukraine wird von Russland massiv bedroht. Russland hat die ukrainische Halbinsel Krim annektiert, außerdem unterstützt das Land Rebellen in der Ostukraine militärisch. In den vergangenen Jahren gab es mehrfach militärisch heikle Situationen entlang der russisch-ukrainischen Grenze.

Aktuell gehen die Spannungen allerdings über das übliche Säbelrasseln hinaus. Russland konzentriert mehr Militäreinheiten als bisher entlang der Grenze, die Ukraine bereitet die Einberufung von Reservisten vor.

»Unerschütterliche Unterstützung« Amerikas

US-Präsident Joe Biden hatte seinem ukrainischen Kollegen Wolodymyr Selenskyj am Freitag versichert, er könne auf die »unerschütterliche Unterstützung« Amerikas für die Souveränität und Integrität des Landes zählen. Beide Präsidenten führten am Freitag ihr erstes Telefonat seit Bidens Amtsantritt. Das Weiße Haus warf Russland in einer Mitteilung »anhaltende Aggression« im Donbass und auf der Krim vor.

Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte Russland am Donnerstag vorgeworfen, seine Truppenpräsenz an der Grenze zur Ukraine verstärkt zu haben. Moskau wolle dadurch eine »bedrohliche Atmosphäre« schaffen. Der ukrainische Militärgeheimdienst beschuldigte die russische Armee, ihre Präsenz in den von den prorussischen Rebellen kontrollierten Regionen Donezk und Luhansk ausweiten zu wollen.

Fragiler Waffenstillstand

Der Kreml hat die Vorwürfe zurückgewiesen. »Russland bedroht niemanden und hat nie jemanden bedroht«, behauptete Kremlsprecher Dmitri Peskow vor Journalisten. Zu einer möglichen westlichen Truppenverlegung in die Ukraine betonte Peskow, dass »ein solches Szenario zweifellos zu einem weiteren Anstieg der Spannungen in der Nähe der russischen Grenzen führen« würde: »Natürlich würde dies zusätzliche Maßnahmen der russischen Seite erforderlich machen, um die russische Sicherheit zu gewährleisten.«

Im seit 2014 andauernden Konflikt um die Ostukraine wurden mehr als 13.000 Menschen getötet. Im Juli vergangenen Jahres hatten sich die Konfliktparteien auf einen Waffenstillstand geeinigt. Seit Mitte Februar wird aber wieder mehr gekämpft, was den ohnehin fragilen Waffenstillstand untergräbt.

Experten vermuten, dass die russischen Truppenverlegungen dazu dienen könnten, die Reaktion der neuen US-Regierung unter Präsident Joe Biden zu testen.

sep/Reuters
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