Umkämpfte Gebiete im Osten Ukraine muss Fluchtkorridore offenbar vorerst schließen

Die Verhandlungen über weitere Fluchtrouten sind für den Ostersonntag gescheitert. Das teilte die ukrainische Regierung mit. Tags zuvor konnten sich zumindest mehrere hundert Menschen auf diesem Weg retten.
Eine Mutter wartet mit ihrer Tochter auf einen Bus, um aus der Stadt Slowjansk im Bezirk Donezk zu fliehen

Eine Mutter wartet mit ihrer Tochter auf einen Bus, um aus der Stadt Slowjansk im Bezirk Donezk zu fliehen

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Petros Giannakouris / dpa

Die ukrainische Regierung hat mitgeteilt, am Sonntag keine Fluchtkorridore aus den umkämpften Gebieten im Osten des Landes zu öffnen. Es sei nicht gelungen, mit der russischen Armee eine Feuerpause für die Evakuierungsrouten zu vereinbaren, schrieb die stellvertretende Regierungschefin Iryna Wereschtschyk am Sonntagvormittag auf Telegram. »Wir arbeiten hart daran, damit die humanitären Korridore so schnell wie möglich wieder geöffnet werden können«, so Wereschtschyk.

Am Samstag waren laut Wereschtschyk noch mehrere Fluchtkorridore im Osten des Landes geöffnet. Dabei konnten ihren Angaben zufolge 1449 Menschen evakuiert werden, unter anderem aus der besonders umkämpften Stadt Mariupol. Am Freitag war es laut Regierungsangaben noch über 2800 Menschen gelungen, sich aus umkämpften Gebieten über Fluchtrouten in Sicherheit zu bringen.

Wereschtschyk forderte am Sonntag auch die Einrichtung einer Evakuierungsroute für verletzte Soldaten aus Mariupol. Für die Zivilisten von Mariupol, insbesondere für Frauen und Kinder, forderte die stellvertretende Regierungschefin ebenfalls einen sicheren Weg raus aus dem Kampfgebiet. Die Hafenstadt im Südosten wird seit Wochen von russischen Truppen belagert. Experten sehen in dem kontinuierlichen Beschuss und der Zerstörung von Wohngebäuden eine bewusste russische Kriegstaktik, die den Willen der Bevölkerung brechen soll.

Moskau hat den verbliebenen Kämpfern in Mariupol offenbar ein Ultimatum gestellt, sich bis zum Mittag zu ergeben. Laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur sicherte das russische Verteidigungsministerium den ukrainischen Soldaten zu, dass sie überleben, wenn sie ihre Waffen niederlegen.

Polen berichtet von mehr Rückkehrern als Ausreisenden

Der polnische Grenzschutz meldete unterdessen, dass am Samstag mehr Menschen in die Ukraine zurückgekehrt als ausgereist seien. Rund 22.000 Menschen hätten Polen Richtung Ukraine verlassen, teilte der Grenzschutz am Sonntag per Twitter mit. Dagegen kamen im gleichen Zeitraum aus der Ukraine 19.200 Menschen nach Polen – fast ein Viertel weniger als am Vortag.

Bei den Ukraine-Rückkehrern handelte es sich nach Angaben der Behörden zum Großteil um ukrainische Staatsbürger. Sie reisen meist in Gebiete, die die ukrainische Armee zurückerobert hat. Seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine haben sich nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 2,8 Millionen Menschen von dort ins westliche Nachbarland Polen in Sicherheit gebracht.

Die Bundespolizei hat bislang 354.663 Geflüchtete aus der Ukraine in Deutschland festgestellt. Das teilte das Bundesinnenministerium am Sonntag auf Twitter mit.

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Damit ist die Zahl der Menschen, die vor dem Krieg nach Deutschland geflohen sind, seit dem Vortag um rund 4000 gewachsen. Den Angaben zufolge kommen vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen. Die tatsächliche Zahl der Geflüchteten aus der Ukraine dürfte höher liegen, weil nicht alle von ihnen erfasst werden.

hpp/dpa/reuters/afp
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