Trotz angeblichen Teilabzugs Nato berichtet über mehr russische Truppen an der Grenze

Sind die Berichte über einen Teilrückzug russischer Soldaten nur ein Bluff? Nach Erkenntnissen der Nato und der USA hat Moskau die Anzahl der Truppen an der Grenze zur Ukraine offenbar sogar erhöht.
Panzer an der Grenze zur Ukraine (Foto des russischen Verteidigungsministeriums): »Bislang haben wir vor Ort keine Deeskalation gesehen. Im Gegenteil«, heißt es bei der Nato

Panzer an der Grenze zur Ukraine (Foto des russischen Verteidigungsministeriums): »Bislang haben wir vor Ort keine Deeskalation gesehen. Im Gegenteil«, heißt es bei der Nato

Foto: AP

Der von Moskau behauptete Rückzug russischer Soldaten aus dem Grenzgebiet zur Ukraine ist für die Nato und die USA nicht zu erkennen. Stattdessen erhöhe Moskau sogar die Anzahl der Truppen. »Bislang haben wir vor Ort keine Deeskalation gesehen. Im Gegenteil: Russland scheint den Militäraufmarsch fortzusetzen«, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg am Mittwoch in Brüssel am Rande eines Treffens der Verteidigungsminister der Bündnisstaaten.

Ähnlich äußerte sich auch US-Außenminister Antony Blinken. Bisher sei kein Rückzug russischer Streitkräfte zu beobachten, sagte er dem Fernsehsender MSNBC. »Sie bleiben in einer sehr bedrohlichen Weise entlang der ukrainischen Grenze versammelt.« Man sehe weiterhin russische Einheiten, die sich auf die Grenze zubewegten, nicht von der Grenze weg. Mit Blick auf die Ankündigung Moskaus, Truppen abzuziehen, sagte Blinken: »Was Russland sagt, ist das eine. Was Russland tut, ist das andere.« Es wäre gut, »wenn sie ihren Worten Taten folgen lassen würden, aber bis jetzt haben wir das nicht gesehen«.

Das Verteidigungsministerium in Moskau behauptete dagegen, es würden weitere Teile der Truppen abgezogen. Mehrere Einheiten, die an Übungen auf der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim beteiligt waren, kehrten demnach nun zu ihren Standorten zurück. Das russische Verteidigungsministerium veröffentlichte ein Video, das einen Zug bei Dunkelheit mit Panzern und anderen Militärfahrzeugen auf der Krim-Brücke zeigt. Die Brücke führt von der Halbinsel, die sich Russland 2014 einverleibt hatte, aufs russische Festland. Auf der Krim ist zudem Militär dauerhaft stationiert.

Stoltenberg: »Sie haben Truppen immer vor und zurück bewegt«

Stoltenberg sagte, dass man Bewegungen von Truppen und Kampfpanzern sehe, beweise noch nicht, dass es einen echten Rückzug gebe. »Sie haben Truppen immer vor und zurück bewegt.« Russland behalte die Fähigkeit, ohne jegliche Vorwarnzeit eine umfassende Invasion zu starten. Er spielte damit darauf an, dass im Westen seit Wochen befürchtet wird, die Stationierung von Truppen nahe der ukrainischen Grenze könnte der Vorbereitung eines Kriegs dienen. Nach Angaben von US-Präsident Joe Biden vom Dienstag hat Russland mittlerweile mehr als 150.000 Soldaten unweit der Grenze zusammengezogen.

Auch Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht äußerte sich zu russischen Angaben über einen Rückzug von Truppen vorsichtig. »Es gibt Signale, die uns zumindest hoffnungsvoll stimmen lassen. Aber es ist wichtig, genau zu beobachten, ob diesen Worten auch Taten folgen«, sagte sie. Es sei wichtig, dass nicht nur Truppen abgezogen würden, die sowieso abgezogen werden sollten. »Wie ernst gemeint, wie nachhaltig sind diese Signale? Darum geht es.«

als/dpa
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