Krieg in Osteuropa Ukrainische Armee hat Teile von Sjewjerodonezk zurückerobert

Laut der Ukraine hat sie etwa 20 Prozent der umkämpften Stadt wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Und: Nach ukrainischen Angaben zieht die russische Armee Kräfte für einen Angriff im Donbass zusammen. Das waren die News am 03.06.
In der Stadt Sjewjerodonezk in der umkämpften der Region Luhansk: Menschen gehen eine unbefestigte Straße hinunter, weil der Bus nicht weiterfahren konnte (am 07.04.2022)

In der Stadt Sjewjerodonezk in der umkämpften der Region Luhansk: Menschen gehen eine unbefestigte Straße hinunter, weil der Bus nicht weiterfahren konnte (am 07.04.2022)

Foto: IMAGO/Daniel Carde / IMAGO/ZUMA Wire
+++ Das Wichtigste in Kürze +++
  • Der ukrainische Präsident hat am 100. Tag des Krieges bei mehreren Auftritten eine Bilanz des aus ukrainischer Sicht gezogen. Die russischen Truppen seien in 3620 Ortschaften der Ukraine einmarschiert, 1017 davon seien wieder befreit worden.

  • Die 27 EU-Staaten haben das sechste Sanktionspaket gegen Russland beschlossen.

  • Die Ukraine wird die von den USA gelieferten Mehrfachraketenwerfer laut Präsidentenberater Mychailo Podoljak nicht nutzen, um Einrichtungen in Russland anzugreifen.

  • Schwer umkämpft ist insbesondere die Industriestadt Sjewjerodonezk, die letzte Bastion der Ukrainer in der Region Luhansk. Nach Gajdajs Angaben vom Vortag kontrollieren die russischen Truppen 80 Prozent der Stadt. Ukrainische Soldaten halten sich demnach noch im Industriegebiet der Stadt verschanzt.

  • Laut Selenskyj kontrollieren die russischen Streitkräfte mittlerweile »rund 20 Prozent« des ukrainischen Staatsgebiets.

Vitali Klitschko zeigt sich nach 100 Tagen Krieg in Ukraine siegessicher

22.17 Uhr: 100 Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat sich Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko siegessicher gezeigt. Russland führe einen »barbarischen Krieg zur Vernichtung der Ukraine und der Ukrainer«, sagte er in einem Selfie-Video, das er am Freitag in seinem Telegram-Kanal veröffentlichte. Zu hören ist auch Luftalarm, den es in der ukrainischen Hauptstadt immer wieder gibt. 100 Tage Krieg seien voller blutiger Schlachten, Verluste und Todesfälle, sagte Klitschko.

»Es ist aber auch eine Zeit des Mutes und der Ausdauer«, so der frühere Box-Weltmeister. »Wir stehen und kämpfen alle zusammen. Jeder an seinem Platz. Wir bewundern unsere Streitkräfte«, sagte er. Die Ukraine werde sich von den »russischen Barbaren« befreien. »Ja, es wird schwierig. Aber ich glaube, dass jeder von uns diese Prüfungen mit Würde überstehen wird. Denn dies ist ein Krieg des Bösen und des Guten. Und Güte und Gerechtigkeit gewinnen immer noch.«

Die Ukraine sei stärker und erfolgreicher geworden, sagte der 50-Jährige. »Deshalb werden wir gewinnen!«

Ukrainisches Militär: Russische Armee sammelt im Osten starke Kräfte

21.19 Uhr: Die russische Armee zieht nach Angaben des ukrainischen Generalstabs starke Kräfte für einen Angriff auf die Großstadt Slowjansk im Donbass zusammen. Das ukrainische Militär sprach am Freitagabend auf Facebook von bis zu 20 russischen Bataillons-taktischen Gruppen (BTG). Das sind Kampfeinheiten mit gepanzerter Infanterie, Artillerie und Luftabwehr, sie zählen 600 bis 800 Soldaten.

Slowjansk gehört zum ostukrainischen Verwaltungsgebiet Donezk, dessen vollständige Eroberung sich Russland in dem seit 100 Tagen währenden Krieg auf die Fahnen geschrieben hat. Die Stadt liegt außerdem im Rückraum des seit Tagen umkämpften Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk.

Die militärischen Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar. In Sjewjerodonezk rücke der Feind im Schutz von starkem Artilleriefeuer in den Wohnvierteln weiter vor, habe aber nur teilweise Erfolg, hieß es in dem Bericht. Die russische Seite hat verkündet, die Stadt fast vollständig unter Kontrolle zu haben. Dagegen berichtete die ukrainische Gebietsverwaltung, die ukrainische Armee habe mit Gegenangriffen ein Fünftel der Stadt zurückgewonnen.

Ukraine – Haben Teile von Sjewjerodonezk zurückerobert

20.54 Uhr: Die Ukraine hat nach eigener Darstellung etwa ein Fünftel des an die russische Armee verlorenen Gebietes in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk zurückerobert. Dies teilte der Chef der Region Luhansk, Serhij Gaidai, im Fernsehen mit. Die Angaben können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden.

Luxemburg verärgert über Zugeständnisse an Ungarn bei Sanktionen

19.30 Uhr: Luxemburgs Ministerpräsident Xavier Bettel zeigt sich wegen der Zugeständnisse an Ungarn bei den Sanktionen gegen Russland verärgert. Es sei nicht akzeptabel, dass es Ungarn gelungen sei, Patriarch Kirill von der jüngsten Sanktionsliste der Europäischen Union (EU) zu streichen, sagt Bettel bei einer Konferenz der paneuropäischen liberalen ALDE-Fraktion. Kirill ist das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche und ein enger Verbündeter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. »Ich muss Ihnen sagen, dass ich wirklich aufgebracht bin.« Alle Entscheidungen der EU zu den Sanktionsmaßnahmen fallen unter dem Einstimmigkeitsprinzip.

Selenskyj zeigt sich 100 Tage nach russischer Invasion siegesgewiss

18.55 Uhr: Hundert Tage nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat sich die ukrainische Führung siegessicher gezeigt: »Der Sieg wird unser sein«, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag in einem Video. Der Kreml teilte hingegen mit, »bestimmte« Ziele in der Ukraine erreicht zu haben. Die Vereinten Nationen mahnten: »Dieser Krieg hat und wird keinen Gewinner haben.«

Tausende Menschen wurden getötet, Millionen in die Flucht getrieben und Städte in Schutt und Asche gelegt, seitdem Kremlchef Wladimir Putin am 24. Februar seine Truppen in die Ukraine einmarschieren ließ. Nachdem Russland wegen des heftigen ukrainischen Widerstands die Städte Kiew und Charkiw nicht einnehmen konnte, verlagerte es seine Offensive aus dem Norden in den Osten der Ukraine.

Seitdem rücken russische Soldaten vor allem im Donbass vor. Inzwischen hat Russland ein Fünftel des ukrainischen Territoriums besetzt. Damit kontrolliert Moskau dreimal so viel Fläche in der Ukraine wie nach 2014, als die Krim-Halbinsel annektiert wurde und prorussische Separatisten Teile des Donbasses einnahmen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, Russland habe »zahlreiche Orte« von »bewaffneten, pronazistischen ukrainischen Kräften« und »nationalistischen Elementen« »befreit«. Er ergänzte: »Diese Anstrengung wird weitergehen, bis alle Ziele der militärischen Spezialoperation erfüllt sind.«

In Bulgarien müssen ukrainische Flüchtlinge für Touristen Platz machen

18.36 Uhr: Rund 60.000 ukrainische Flüchtlinge sind seit dem russischen Einmarsch in Hotels an der bulgarischen Schwarzmeer-Küste untergekommen. Zum Start der Hochsaison müssen sie jedoch ausweichen. Die bulgarische Regierung hat den Zuschuss für Hotelbesitzer von rund 20 Euro pro Tag für die Unterbringung von Flüchtlingen gestrichen.

In dem Melia Sunny Beach Hotel seien seit Beginn des Krieges in der Ukraine etwa 2500 Flüchtlinge untergebracht worden, sagt Manager Hristo Karailiew. Die meisten seien bereits abgereist. Knapp 175 könnten bleiben, sie würden als Saisonarbeiter eingesetzt. Für die anderen sei die Ungewissheit am schwierigsten zu ertragen. »Bis zur letzten Minute wurde ihnen nicht mitgeteilt, wo sie untergebracht werden sollen«, sagt Karailiew. In dem Vier-Sterne-Hotel mit 3200 Plätzen werden vor allem Touristen aus Großbritannien, Deutschland und Polen erwartet.

Nach offiziellen Angaben sind in der letzten Woche rund 16.000 Flüchtlinge aus Bulgarien in die Ukraine zurückgekehrt. Etwa 3000 Schutzsuchende sind in staatlichen Einrichtungen untergekommen und 12.000 Menschen konnten in kleineren Hotels untergebracht werden. Darüber hinaus seien zwei Flüchtlingslager in der Nähe von Burgas, nahe der türkischen Grenze, eröffnet worden. Bulgarien ist das wirtschaftlich schwächste Land der EU und tut sich schwer mit der Unterbringung der Geflüchteten.

Ukrainischer Minister: 370 kulturelle Stätten durch Krieg zerstört

18.23 Uhr: Russland hat es mit seinem Krieg gegen die Ukraine nach Ansicht des Kiewer Kulturministers Olexandr Tkatschenko auf die Auslöschung der Identität des Landes angelegt. Während der ersten 100 Tage der Invasion habe Russland 370 kulturelle Stätten zerstört, sagte Tkatschenko am Freitag in Kiew. Es seien Kulturdenkmäler, vor allem Kirchen, aber auch Exponate zu Schaden gekommen.

»Kultur ist Identität«, sagte der Minister. Deshalb gehe es Russland darum, die identitätsstiftende ukrainische Kultur zu vernichten. Die Ukraine habe eine große Kultur und werde sie auch international stärker fördern. »Wir können die russische Kultur, die Moskau als Waffe sieht, im Ausland und überall durch unsere eigene Kultur ersetzen«, meinte Tkatschenko.

Viele Künstler und professionelle Kulturschaffenden seien an der kulturellen Front tätig. Auch bei einem Konzert am Brandenburger Tor in Berlin unlängst hätten sich die Menschen in der deutschen Hauptstadt davon überzeugen können. Dort trat auch die Band Kalush Orchestra auf, die in diesem Jahr den Eurovision Song Contest (ESC) in Turin gewonnen hatte.

Tkatschenko bekräftige Pläne, den ESC im kommenden Jahr in der Ukraine auszurichten - trotz des nicht absehbaren Endes des Krieges. Die Bedingungen für ein Musikfest in Kriegszeiten müssten noch geklärt werden, meinte er. Es solle aber in dem Siegerland über die Bühne gehen.

Deutschland darf frühere Schweizer Leopard-Panzer weitergeben

17.49 Uhr: Deutschland darf Kampfpanzer aus früheren Beständen der Schweizer Armee an andere europäische Staaten liefern. Das neutrale Land habe für einen entsprechenden Antrag Deutschlands grünes Licht gegeben, wie das Schweizer Verteidigungsministerium mitteilte .

Deutschland beabsichtige aufgrund des Ukrainekrieges, verschiedenen europäischen Staaten Waffen zur Verfügung zu stellen. Das Land suche deshalb unter anderem Kampfpanzer des Typs »Leopard 2 A4« aus Industriebeständen. 42 solcher außer Dienst gestellten Panzer habe die Schweiz 2010 und 2011 dem Hersteller Rheinmetall zurückverkauft.

Die weitere Verwendung der Panzer liege in der alleinigen Verantwortung von Rheinmetall und unterstehe damit der deutschen Kriegsmaterialexportgesetzgebung. »Deutschland kann frei über die weitere Verwendung dieser Fahrzeuge entscheiden«, hieß es in der Mitteilung.

Lindner plant Reise nach Kiew

17.23 Uhr: Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) bereitet eine Reise nach Kiew vor. »Ich habe eine Einladung erhalten – und die werde ich annehmen«, sagte er am Freitag im TV-Sender Welt. »Mein ukrainischer Finanzminister-Kollege hat bei einem Gespräch jetzt diese Tage gesagt, es wäre für sie eine Hilfe, wenn ich als Finanzminister und gegenwärtiger G7-Vorsitzender der Finanzminister bei einer Gelegenheit in Kiew sei. Und deshalb gehen wir das jetzt an.«

Mariupol: Vertriebener Bürgermeister beklagt Geiselnahme von Bürgern

16.38 Uhr: Nach der russischen Einnahme der Hafenstadt Mariupol hat der vertriebene Bürgermeister Wadym Boitschenko der Führung in Moskau eine Geiselnahme der dort verbliebenen Menschen vorgeworfen. Es seien noch etwa 100.000 Einwohner in Mariupol. »Sie werden dort festgehalten von den russischen Truppen und praktisch als menschliche Schutzschilde benutzt«, sagte Boitschenko in Kiew. Die Einwohner könnten nicht auf von der Ukraine kontrolliertes Gebiet fliehen. Vielmehr wollten die Russen die Zivilisten in der Stadt behalten, um der Ukraine eine Befreiungsoffensive zu erschweren.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte gesagt, dass Kiew auf die Lieferung von Waffen aus dem Westen warte, um ihre Gebiete zu befreien. Dabei solle aber nicht das Leben vieler Menschen gefährdet werden. Bürgermeister Boitschenko sagte, dass Mariupol nicht aufgegeben werde, obwohl die Stadt zu 95 Prozent zerstört sei.

Russland sei ein »Terrorstaat«, der in der einst von fast 500.000 Menschen bewohnten Stadt Verbliebene zwinge, russische Pässe anzunehmen – »Lappen der Schande«. Boitschenko sagte auch, dass bei den Kämpfen um Mariupol mehr als 20.000 Menschen getötet worden seien. »Das sind doppelt so viele wie im Zweiten Weltkrieg unter der deutschen Besatzung. Es ist das größte Blutvergießen in der Geschichte Mariupols«, sagte er. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

In der ganzen Stadt verbreite sich Leichengeruch und die Gefahr von Infektionen, weil die Toten nur sehr oberflächlich in Vorgärten oder Hinterhöfen verscharrt worden seien. Angesichts der sommerlichen Hitze und zerstörten kommunalen Infrastruktur wie Strom- und Abwasserleitungen und Müllentsorgung verschärfe sich die Lage zusehends. »Der Gestank des Todes macht das Atmen schwer.«

Bundestag beschließt Grundgesetzänderung für Bundeswehr-Sondervermögen

16.20 Uhr: Erster Schritt zum 100-Milliarden-Paket für die Bundeswehr: Mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit hat der Bundestag zugestimmt, das geplante Sondervermögen durch eine Änderung im Grundgesetz abzusichern.

Russischer Journalist erhält ukrainische Staatsbürgerschaft

15.39 Uhr: Die Ukraine hat dem prominenten russischen Journalisten Alexander Newsorow und seiner Frau die Staatsbürgerschaft verliehen. Das geht aus Angaben eines Beraters des ukrainischen Innenministeriums hervor. Newsorow hat die Aussage auf seinem Telegram-Kanal bestätigt. »Ich stehe auf der Seite der Opfer. Und ich bin den gequälten, verzweifelten, blutbefleckten Menschen in der Ukraine verdammt dankbar, dass sie mir erlaubt haben, meinen Platz unter ihnen einzunehmen.«

Newsorow war im März mit seiner Frau aus Russland geflohen, nachdem er die russische Invasion in der Ukraine angeprangert hatte. Russische Behörden wollen Newsorow verhaften, weil er ihrer Ansicht nach Falschinformationen verbreitet hat.

Ende April wurde er als »ausländischer Agent« eingestuft. Anlass war Newsorows Berichterstattung über einen russischen Angriff auf eine Geburtsklinik in Mariupol, die der Kreml abstreitet.

Russland droht US-Medien in Moskau mit strengsten Maßnahmen

15.15 Uhr: Das russische Außenministerium hat die Leiter der Moskauer Büros aller US-Medien vorgeladen und mit Einschränkungen gedroht. Die Journalisten würden kommenden Montag in dem Pressezentrum des russischen Außenministeriums erwartet, erklärte Pressesprecherin Maria Sacharowa. Ihnen sollten die Folgen der »feindseligen« Haltung ihrer Regierung gegenüber russischen Medien erläutert werden. »Wenn die Arbeit der russischen Medien – Betreiber und Journalisten – in den Vereinigten Staaten nicht normalisiert wird, werden strengste Maßnahmen erfolgen«, sagte Sacharowa.

Nach einem kürzlich verabschiedeten Gesetz kann die Staatsanwaltschaft ausländische Medienbüros schließen, wenn ein Land sich »unfreundlich« gegenüber russische Medien verhält. Zuvor hatten Internetkonzerne sowie westliche Länder Verbote gegen von dem russischen Staat unterstützte Medien verhängt. In Deutschland gingen Behörden gegen den russischen Sender RT vor.

Kreml sieht »bestimmte Ziele« erreicht

14.50 Uhr: Hundert Tage nach Beginn der russischen Offensive in der Ukraine sieht der Kreml »bestimmte« Ziele als erreicht an. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte vor Journalisten, »zahlreiche Orte« seien durch Russland von »bewaffneten, pro-nazistischen ukrainischen Kräften« und »nationalistischen Elementen« »befreit« worden. Dies habe der Bevölkerung eine Rückkehr zu einem »Leben in Frieden« ermöglicht.

Peskow ergänzte: »Diese Anstrengung wird weitergehen, bis alle Ziele der militärischen Spezialoperation erfüllt sind.« Mit Blick auf die Bevölkerung im Donbass sagte Peskow: »Bezüglich der Sicherheit laufen gerade Maßnahmen, bestimmte Ergebnisse wurden erreicht«.

Moskau: Getreidelieferungen Hauptthema bei diplomatischen Bemühungen

14.08 Uhr: Die blockierten Getreidelieferungen sind nach Angaben aus dem Kreml eins der wichtigsten Themen der diplomatischen Initiative Moskaus in den nächsten Tagen. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte laut der Nachrichtenagentur Interfax, dass das Thema sowohl beim Treffen von Präsident Wladimir Putin mit seinem Amtskollegen aus Senegal, Macky Sall, als auch bei der Türkei-Reise von Außenminister Sergej Lawrow ganz oben auf der Agenda stehe.

Putin, der am Freitag im russischen Schwarzmeerkurort Sotschi Sall als Vorsitzenden der Afrikanischen Union empfängt, werde »ausreichende Erklärungen seiner Sicht auf die Situation mit dem ukrainischen Getreide geben« und »unseren afrikanischen Gästen und Freunden die faktische und reale Lage« darstellen, sagte Peskow.

Uno-Menschenrechtsexperten ermitteln ab nächster Woche zu Kriegsverbrechen

14 Uhr: Eine Kommission der Vereinten Nationen wird nächste Woche Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine aufnehmen. Die Menschenrechtsexperten werden vom 7. bis zum 16. Juni unter anderem Lwiw, Kiew, Charkiw und Sumy besuchen, um Überlebende, Zeugen und Vertriebene zu treffen, wie die Vereinten Nationen in Genf am Freitag ankündigten.

Der Norweger Erik Møse, ein ehemaliger Präsident des Völkermord-Tribunals für Ruanda, leitet die Untersuchung im Auftrag des Uno-Menschenrechtsrates in Genf. Die Ermittler sollen Beweise für Menschenrechtsverstöße und Kriegsverbrechen für die zukünftige Strafverfolgung der Täter sammeln.

Ehemaliger Regierungschef Kassjanow aus Russland ausgereist

13.51 Uhr: Der ehemalige russische Regierungschef Michail Kassjanow hat das Land verlassen. »Er ist derzeit im Ausland, ich kenne weder seinen Aufenthaltsort noch das Datum seiner Rückkehr«, sagte Konstantin Merslikin, ein Parteikollege Kassjanows, der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Über den Grund der Ausreise machte Merslikin ebenfalls keine Angaben.

Kassjanow war während der ersten Amtsperiode von Präsident Wladimir Putin von 2000 bis 2004 Regierungschef in Russland. Kurz vor den Präsidentenwahlen 2004 wurde er entlassen, nachdem er zuvor die Verhaftung des Oligarchen und Yukos-Chefs Michail Chodorkowski kritisiert hatte.

Später versuchte Kassjanow sich als Oppositionspolitiker. Den Führungsstil Putins kritisierte er als autoritär. Bei der Präsidentenwahl 2008 wurde die Kandidatur des heute 64-Jährigen von der Wahlkommission wegen angeblich gefälschter Unterstützerunterschriften abgelehnt.

Ukrainische Zivilisten flüchten offenbar in Bunker unter Chemiefabrik

13.43 Uhr: Rund 800 Zivilisten weigern sich offenbar, die Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine zu verlassen. Sie harren übereinstimmenden Berichten zufolge in Bunkern unter einer Fabrik aus – darunter sind demnach auch Kinder.

Moskau: »Remilitarisierung« Deutschlands erhöht Sicherheitsrisiken

13.30 Uhr: Russland hat die erhöhten Ausgaben für die Bundeswehr als eine Remilitarisierung Deutschlands kritisiert, die die Sicherheitsrisiken erhöhe. »Wir nehmen die Erklärung des deutschen Bundeskanzlers als eine weitere Bestätigung dafür wahr, dass Berlin einen Kurs für eine beschleunigte Remilitarisierung des Landes eingeschlagen hat«, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa. Wie das enden könne, habe leider die Geschichte gezeigt, fügt sie hinzu.

Lukaschenko stellt Getreideexport über Belarus in Aussicht

13.25 Uhr: Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat sich grundsätzlich offen für einen Export von ukrainischem Getreide über sein Land geäußert, aber zugleich ein Entgegenkommen bei Sanktionen gefordert. Ukrainisches Getreide könne über Belarus zu Häfen der baltischen Staaten transportiert werden, wenn auch belarussische Güter von dort aus weiterverschifft würden, sagte Lukaschenko laut der heimischen Nachrichtenagentur Belta.

Darüber habe Lukaschenko auch mit Uno-Generalsekretär António Guterres bei einem Telefonat gesprochen, hieß es weiter. Belarus ist als enger Verbündeter Russlands ebenfalls schwer von den westlichen Sanktionen betroffen. Die Vereinten Nationen verhandeln auch mit Russland, um die Getreidelieferungen möglich zu machen.

Ukraine: Türkei kauft von Russland gestohlenes Getreide

13.11 Uhr: Laut Kiew hat Russland Hunderttausende Tonnen Getreide aus der Ukraine gestohlen und teilweise weiterverkauft. Der ukrainische Botschafter in der Türkei wirft dem Land nun vor, zu den Käuferländern zu gehören. Das sagte Vasyl Bodnar der Nachrichtenagentur Reuters.

Zudem habe er türkische Behörden und die internationale Polizeiorganisation Interpol um Hilfe bei Ermittlungen zu Getreidelieferungen nach Syrien ersucht. Die Schiffe passieren dabei türkische Gewässer.

Die ukrainische Botschaft im Libanon warf Russland gestern vor, Getreide aus der Ukraine nach Syrien verschifft zu haben. Satellitenbilder zeigten Ende Mai ein russisches Handelsschiff im syrischen Hafen Latakia. Das Schiff war zehn Tage zuvor bei der Weizenverladung auf der russisch besetzten Krim gesichtet worden.

Allianz bleibt in Russland – verkauft aber Mehrheitsbeteiligung

12.43 Uhr: Die Allianz will sich nicht vollständig aus Russland zurückziehen, aber ihr Engagement dort reduzieren. Der Dax-Konzern wird die Mehrheit an seinem russischen Geschäft verkaufen, wie das Unternehmen in München mitteilte. Käufer soll die Interholding LLC werden, Eigentümerin des russischen Versicherers Zetta. Die Allianz will 49,9 Prozent an dem kombinierten Unternehmen behalten. Die Transaktion wird sich laut Mitteilung mit etwa 400 Millionen Euro »negativ auf die Gewinn- und Verlustrechnung auswirken«. Die Aufsichtsbehörden müssen noch zustimmen.

Ukraine-Beauftragter der Uno: »Krieg wird keinen Gewinner haben«

12.29 Uhr: Laut dem Uno-Koordinator für die Ukraine, Amin Awad, wird kein Land als Sieger aus dem Krieg hervorgehen. »Dieser Krieg hat und wird keinen Gewinner haben«, sagte Awad. »Stattdessen haben wir 100 Tage lang gesehen, was verloren ist: Leben, Häuser, Arbeitsplätze und Perspektiven.« Der Krieg habe eine »inakzeptable Opferzahl« und »praktisch alle Aspekte zivilen Lebens verschlungen«, sagte Awad, der auch stellvertretender Uno-Generalsekretär ist.

»In etwas mehr als drei Monaten waren fast 14 Millionen Ukrainer gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen, die Mehrheit Frauen und Kinder.« Die Uno bemühten sich darum, die »verheerenden Auswirkungen« des Krieges auf die Lebensmittelsicherheit zu begrenzen, indem sie sich um ein Ende der Blockade des wichtigen Getreide- und des Rohstoffhandels bemühten, sagte Awad.

Etwa 1,4 Milliarden Menschen könnten von Nahrungsmittelknappheit betroffen sein, wenn Exporte von Getreide aus der Ukraine und Dünger aus Russland weiter ausblieben, sagte Awad. Es sei deshalb unbedingt notwendig, dass die Handelsrouten über das Schwarze Meer nicht länger blockiert bleiben. »Wenn die Öffnung der Häfen scheitert, wird das Hunger, Destabilisierung und Massenmigration auf der ganzen Welt zur Folge haben«.

Putin wird Nahrungsmittelkrise mit Afrikanischer Union besprechen

12.21 Uhr: Wladimir Putin und Senegals Präsident Macky Sall treffen sich am Freitag in Sotschi, unter anderem, um über die wachsende Nahrungsmittelkrise zu beraten. Das gab der Kreml bekannt. Sall ist derzeit Präsident der Afrikanischen Union.

Ukraine: Russland plant langwierigen Stellungskrieg

12.15 Uhr: Russland plant nach Einschätzung des ukrainischen Verteidigungsministers Olexij Resnikow einen langwierigen Stellungskrieg. »Der Kreml versucht, den Krieg in eine langwierige Phase zu bringen«, sagte Resnikow auf der Sicherheitskonferenz Globsec 2022 Bratislava Forum per Videoschalte. »Anstatt vorzurücken, bauen die russischen Streitkräfte in den besetzten Gebieten im Süden des Landes, vor allem in Cherson, gestaffelte Verteidigungsstellungen auf.«

Parlamentspräsident der Ukraine: Deutschlandbesuch Selenskyjs denkbar

11.59 Uhr: Ruslan Stefantschuk kann sich vorstellen, dass Staatschef Wolodymyr Selenskyj Deutschland besucht, wenn sich das Kriegsgeschehen positiv für die Ukraine entwickelt. »Wenn der Sieg naht, dann denke ich, wird er (Selenskyj) schon Besuche in verschiedenen Ländern machen und zu einem offiziellen Besuch nach Deutschland kommen«, sagte der ukrainische Parlamentspräsident der Nachrichtenagentur dpa nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin.

Stefantschuk lud Scholz auch ein, im ukrainischen Parlament Rada zu reden. »Er hat sich bei mir bedankt, und nun bleibt zu hoffen, dass er die Einladung annimmt«, sagte der Parlamentspräsident. »Ich bin sehr optimistisch. Deswegen werde ich mal hoffen, dass er nach seinem Dank auch die Annahme der Einladung ausspricht.«

Ein Regierungssprecher in Berlin sagte nach dem Treffen, Scholz habe die Einladung Stefantschuks »freundlich zur Kenntnis« genommen. Über die Reisepläne des Kanzlers werde die Öffentlichkeit informiert, wenn diese feststünden.

Scholz ist auch von Selenskyj schon nach Kiew eingeladen worden. Zuletzt hatte er gesagt, dass er nur in die ukrainische Hauptstadt reisen werde, wenn konkrete Dinge zu regeln seien.

Ukrainischer Verteidigungsminister verlangt inoffizielle Nato-Mitgliedschaft

11.52 Uhr: Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow hat eine Art inoffizielle Nato-Mitgliedschaft seines Landes vorgeschlagen. Die Nato sollte in Erwägung ziehen, der Ukraine eine »de facto«– und nicht eine »de jure«-Mitgliedschaft in dem westlichen Militärbündnis zu gewähren, wenn sie auf einem Gipfel im Juni ihre Strategie für die nächsten zehn Jahre erörtere, sagt Resnikow per Videoschalte auf einer Konferenz in Bratislava.

»Die Ukraine wird auch Teil der Strategie sein, weil wir auch Teil der Ostflanke Europas sind, der Ostflanke der Nato-Länder, der Ostflanke der EU. Ich denke, es wird eine Win-Win-Situation für alle Länder sein«, sagte Resnikow.

»Guardian«: Weniger Ukraine-Flüchtlinge in Großbritannien und Frankreich

11.22 Uhr: Großbritannien und Frankreich haben einer Berechnung des »Guardian« zufolge bislang proportional deutlich weniger Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen als andere europäische Länder. Mit 65.700 Geflüchteten nahm Großbritannien bis Ende Mai etwa zehn Ukrainerinnen und Ukrainer pro 10.000 Einwohnern auf, wie die Zeitung berichtet. Frankreich lag mit etwa neun Flüchtlingen pro 10.000 Einwohnern auf einem ähnlich niedrigen Niveau. Allerdings deuteten Zahlen von einzelnen Präfekturen darauf hin, dass die Gesamtzahl mittlerweile höher liegen könnte als die aktuellsten offiziellen Zahlen besagen, hieß es.

Für Deutschland errechnete der »Guardian« eine Quote von 87 ukrainischen Flüchtlingen pro 10.000 Einwohner. Dies bezieht sich allerdings auf Zahlen vom 11. Mai. Spitzenreiter ist Polen mit 957 Kriegsflüchtlingen auf 10.000 Polinnen und Polen.

Russisches Militär meldet Tötung von 360 ukrainischen Soldaten

11.15 Uhr: Das russische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht weitere schwere Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe gestartet. »Insgesamt sind durch Schläge der Luftwaffe mehr als 360 Nationalisten sowie 49 Waffensysteme und Militärfahrzeuge vernichtet worden, darunter eine Funkstation für die Luftraumüberwachung in Slowjansk in der Donezker Volksrepublik«, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Im Raum Slowjansk befindet sich das Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte im Donbass.

Nach russischen Angaben wurden neben Kampf- und Schützenpanzern auch mehrere noch aus sowjetischer Produktion stammende Raketenwerfer vom Typ »Grad« und vier Munitionsdepots für die ukrainischen Artillerie- und Raketenstreitkräfte im Donbass-Gebiet beschossen. Daneben seien Dutzende Gefechtsstände und im südukrainischen Gebiet Mykolajiw auch ein Punkt zur Steuerung von Drohnen getroffen worden, sagte Konaschenkow. Die Angaben konnten nicht mittels unabhängiger Quellen überprüft werden.

Selenskyj-Berater: Werden Russland nicht mit US-Raketenwerfern angreifen

11 Uhr: Die Ukraine wird die von den USA gelieferten Mehrfachraketenwerfer laut Präsidentenberater Mychailo Podoljak nicht nutzen, um Einrichtungen in Russland anzugreifen. Die Ukraine führe einen Verteidigungskrieg, erklärt Podoljak auf Twitter. »Unsere Partner wissen, wo ihre Waffen genutzt werden.«

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Dänemarks Signal an Europa und Putin

10.54 Uhr: Putins Angriff auf die Ukraine bringt Dänemark näher an die EU: Seit gut 30 Jahren halten sich die Dänen raus aus der europäischen Verteidigungspolitik. Nun haben die Bürger für einen historischen Kurswechsel gestimmt.

Sechstes EU-Sanktionspaket gegen Russland beschlossen

10.50 Uhr: Die 27 EU-Staaten haben das sechste Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Das teilten die EU-Staaten mit. Das Sanktionspaket sieht unter anderem ein weitgehendes Öl-Embargo gegen Russland vor. Außerdem wird unter anderem die größte russische Bank, die Sberbank, aus dem Finanzkommunikationsnetzwerk Swift ausgeschlossen und es werden mehrere russische Nachrichtensender in der EU verboten. Nach dem formellen Beschluss dürften die Sanktionen noch am Freitag im Amtsblatt der EU veröffentlicht werden. Dann sind sie in Kraft.

Selenskyj: 1017 von 3620 Ortschaften zurückerobert

10.41 Uhr: Der ukrainische Präsident hat am 100. Tag des Krieges bei mehreren Auftritten eine Bilanz des aus ukrainischer Sicht gezogen. Im Osten des Landes würden täglich bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet, sagte Wolodymyr Selenskyj. »Und ein paar Hundert Menschen – 450, 500 Menschen – werden verletzt jeden Tag.« Ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes sei derzeit von Russland besetzt.

Die russischen Truppen seien in 3620 Ortschaften der Ukraine einmarschiert, 1017 davon seien wieder befreit worden, sagte Selenskyj. »Weitere 2603 werden noch befreit werden.« Zwölf Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer seien im Land auf der Flucht; fünf Millionen im Ausland. Russland habe über 30 000 Soldaten verloren, behauptete Selenskyj. Auch westliche Experten vermuten zwar schwere russische Verluste, halten die Kiewer Zahlen aber für zu hoch.

Linke und AfD scheitern mit Intervention gegen 100-Milliarden-Sondertopf

10.05 Uhr: Die Linke ist im Bundestag mit einer Intervention gegen eine umgehende Entscheidung über das 100-Milliarden-Paket für die Ausrüstung der Bundeswehr gescheitert. Neben der Linkenfraktion war am Freitag noch die AfD dafür, nicht schon am heutigen Freitag über das sogenannte Sondervermögen und die nötige Grundgesetzänderung zu entscheiden. Die Fraktionen der Ampel-Koalition und der Union votierten aber dafür, an der geplanten Tagesordnung des Bundestages festzuhalten.

»Sie haben vorgeschlagen, heute die Grundgesetzänderung plus 100 Milliarden Euro Sondervermögen in 78 Minuten Debatte hier abzuhandeln«, kritisierte der Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken, Jan Korte, vor dem Votum. Der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, bemängelte, es müsse über Papiere entschieden werden, die »in Hinterzimmern ausgekungelt« worden seien. Er plädierte dafür, eine Entscheidung in die kommende Sitzungswoche zu verschieben.

Der Sondertopf soll über eine erforderliche Grundgesetzänderung mit einer eigenen Kreditermächtigung ausgestattet werden. Bundestag und Bundesrat müssen der Grundgesetzänderung und dem Sondervermögen zustimmen. Erwartet wurde eine breite Zustimmung für den Schritt, der eine Reaktion auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist.

Scholz empfängt ukrainischen Parlamentspräsidenten im Kanzleramt

9.24 Uhr: 100 Tage nach Beginn des Ukrainekriegs hat Bundeskanzler Olaf Scholz am Freitag den ukrainischen Parlamentspräsidenten Ruslan Stefantschuk in Berlin empfangen. Stefantschuk kam in Militärkluft ins Kanzleramt, Scholz begrüßte ihn dort in Anzug und Krawatte.

Am Donnerstag hatte der Parlamentspräsident zum Auftakt seines Deutschlandsbesuch die Lieferung deutscher Leopard- und Marder-Panzer in die Ukraine für den Kampf gegen die russischen Angreifer gefordert. »Natürlich brauchen wir vor allem moderne Waffen. Wir können auch mit alten Waffen aus alten Beständen kämpfen und standhalten, aber die neueren Waffen sind effizienter«, sagte er nach einem Treffen mit Bundestagsabgeordneten laut offizieller Übersetzung. »Deshalb erwarten wir sowohl die Marder als auch die Leoparden.«

Stefantschuk begrüßte zwar, dass Scholz (SPD) am Mittwoch im Bundestag die Lieferung weiterer schwerer Waffen in die Ukraine angekündigt hat. Er betonte aber, dass diese nun schnell geliefert werden müssten. Es würden jeden Tag an die 100 Menschen in der Ukraine getötet und etwa 500 verwundet. »Deshalb wäre es schön, wenn die Zeit (…) zwischen der Entscheidung und der tatsächlichen Lieferung so kurz wie möglich gehalten wird.« Stefantschuk wollte am Freitag auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier treffen.

Luhansk wohl bald voll unter russischer Kontrolle

8.50 Uhr: Russland hat nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums seine ursprünglichen Ziele im Ukrainekrieg – nämlich die Einnahme Kiews und ukrainischer Regierungszentren – verfehlt, kommt aber im Donbass voran. »Gemessen am ursprünglichen Plan Russlands wurden keine der strategischen Ziele erreicht«, schreibt das Ministerium auf Twitter. Im Donbass im Osten der Ukraine seien aber taktische Erfolge erzielt worden. Die Region Luhansk werde inzwischen zu mehr als 90 Prozent von Russland kontrolliert und es sei wahrscheinlich, dass die vollständige Kontrolle in den kommenden zwei Wochen übernommen werde. Der Donbass umfasst die beiden Regionen Luhansk und Donezk.

Deutsche Exporte legen im April dreimal so stark zu wie erwartet

8.36 Uhr: Die deutschen Exporte haben sich im April vom Schock nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine überraschend stark erholt. Sie wuchsen wegen gut laufender Geschäfte mit den USA und den Euro-Ländern um 4,4 Prozent zum Vormonat auf 126,4 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 1,5 Prozent gerechnet, nachdem es im März noch einen saison- und kalenderbereinigten Rückgang von 3,0 Prozent gegeben hatte. Die Importe legten diesmal mit 3,1 Prozent ebenfalls weitaus stärker zu als erwartet, nach einem Plus von 3,2 Prozent im Vormonat.

Die deutschen Ausfuhren nach Russland brachen im April wegen der Sanktionen als Reaktion auf den Krieg gegen die Ukraine und anderer Maßnahmen zur Exportbeschränkung um 10,0 Prozent auf nur noch 0,8 Milliarden Euro ein, nachdem sie im März sogar um mehr als 60 Prozent eingebrochen waren. Die Importe aus Russland gaben sogar um 16,4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro nach. Deutschland importiert von dort vor allem Öl und Erdgas.

Ukrainische Behörden rufen am 100. Kriegstag zum Durchhalten auf

7.47 Uhr: Mit Durchhalteparolen haben die ukrainischen Behörden den 100. Tag der russischen Invasion begonnen. »Heute kämpfen und halten wir jeden Meter der Region Luhansk«, sagte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Freitagmorgen. In den vergangenen hundert Tagen hätten die russischen Angriffe in der Region 33 Krankenhäuser, 237 ländliche Gesundheitseinrichtungen, fast 70 Schulen und 50 Kindergärten zerstört.

Botschafter Melnyk: Wir werden nie auf die Krim verzichten

7.40 Uhr: Die Ukraine besteht weiterhin auch auf die Rückgabe der 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim. »Wir werden auf die Krim nie verzichten. Das ist klar«, sagt der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, im ZDF am 100. Tag des Krieges. Die Frage sei jedoch wann. »Wir sind realistisch. ... Wir verstehen, dass wir nach wie vor unterlegen sind.« Erstes Ziel, »auch um die Verhandlungen zu beginnen, und zwar ernsthaft«, wäre daher die Rückeroberung der seit dem Beginn des Krieges am 24. Februar von Russland besetzten Gebiete. Und andere Ziele, die Krim und auch Teile vom Donbass, der schon seit dem Jahr 2014 besetzt sei, »auch zurückzuholen, das sind Ziele, die natürlich bleiben werden.«

muk/til/svs/jso/dpa/Reuters/AFP
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