Krieg in Osteuropa am Dienstag Polen will deutsches Flugabwehr-Angebot doch annehmen

Nach einigem Hin und Her will der polnische Verteidigungsminister die Patriot-Flugabwehrsysteme im Land stationieren lassen. Und: In der Ukraine sollen nicht notwendige Operationen ausgesetzt werden. Das waren die News am 6. Dezember 2022.
Ein Patriot-Flugabwehrsystem, stationiert im slowakischen Siliac

Ein Patriot-Flugabwehrsystem, stationiert im slowakischen Siliac

Foto: MARTIN DIVISEK / EPA

Besuch in Frontnähe: Selenskyj dankt ukrainischen Streitkräften

23.47 Uhr: Bei einem Besuch in Frontnähe hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj seinen Soldaten für die Verteidigung ihres Landes unter schwierigsten Bedingungen gedankt. Er habe während des Aufenthalts im ostukrainischen Gebiet Donezk auch Auszeichnungen verliehen an die Soldaten, die an den »gefährlichsten und verantwortungsvollsten« Orten eingesetzt seien, sagt Selenskyj in einem Video, das er nach seiner Rückkehr nach Kiew auf Telegram veröffentlichte. Er sei auch im Gebiet Charkiw gewesen und habe dort Ärzte getroffen, die verwundete Kämpfer behandeln. Früher am Tag hatte sich Selenskyj bei Minusgraden am Ortseingang der Stadt Slowjansk im Donezker Gebiet gezeigt (siehe Eintrag von 12.30 Uhr).

Vereinte Nationen: Mehr als 14 Millionen Menschen gewaltsam vertrieben

22.39 Uhr: Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, hat auf einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats die Folgen des russischen Einmarschs in die Ukraine am 24. Februar skizziert, die durch Moskaus jüngste Angriffe noch verschärft wurden.

Mehr als 14 Millionen Menschen seien derzeit gewaltsam aus ihren Häusern vertrieben worden, davon 7,8 Millionen in ganz Europa und 6,5 Millionen im Land selbst, sagte er. Nach Angaben des Uno-Menschenrechtsbüros wurden insgesamt 17.023 Zivilisten getötet, darunter 419 Kinder (Stand: 1. Dezember), und es gab mindestens 715 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen.

»In der Ukraine wird heute die Überlebensfähigkeit der Zivilbevölkerung angegriffen«, sagte Griffiths und verwies auf die Angriffe auf Kraftwerke und Heizwerke, durch die Millionen von Menschen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt keinen Zugang zu Wärme, Strom und Wasser haben, Familien keine medizinische Versorgung erhalten und Kinder nicht zur Schule gehen können.

Trotz Uno-Kritik: Denkmal aus Sowjetzeit in Vilnius wird abgebaut

21.58 Uhr: Trotz eindringlichen Appells der Vereinten Nationen hat Litauen als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit dem Abbau eines bedeutenden Denkmals aus der Sowjetzeit begonnen. Dies sei »ein glücklicher Moment«, sagte der Bürgermeister der Hauptstadt Vilnius, Remigijus Simasius, am nach einem Besuch an dem Denkmal auf dem Antakalnis-Friedhof. Das Denkmal soll bis Anfang kommender Woche vollständig abgebaut werden.

Litauen hatte sich aus Solidarität mit Kiew für die Entfernung des Denkmals entschieden, das sechs Skulpturen sowjetischer Soldaten zeigt. Die russische Botschaft in Litauen reagierte verärgert: »Eine solche barbarische Verhöhnung der Gefallenen ruft bei jedem normalen Menschen nur Gefühle tiefer Verachtung und gerechter Empörung hervor.«

Litauen läuft zudem Gefahr, sich mit den Vereinten Nationen anzulegen. Sie hatten das EU- und Nato-Mitglied im September eindringlich aufgefordert, das Denkmal vorerst nicht abzubauen. Zunächst sollte ein Streit zwischen der Regierung und Kritikern des Abbaus beigelegt werden. Fünf litauische Einwohner hatten sich an den Uno-Menschenrechtsausschuss gewandt und argumentiert, die Entfernung des Denkmals verletze »ihre nationalen Minderheitenrechte«.

Die russische Minderheit in Litauen stellt etwa fünf Prozent der 2,8 Millionen Einwohner. Am 9. Mai versammelten sich bislang viele von ihnen an dem Denkmal, um an den Tag des Sieges über Nazi-Deutschland 1945 zu erinnern. Bei den meisten Litauern hingegen weckt das Datum hingegen Erinnerungen an den Beginn der fast 50-jährigen sowjetischen Besatzung. Erst 1991 wurde der Baltenstaat unabhängig.

Polen will deutsches Flugabwehr-Angebot nun doch akzeptieren

21.01 Uhr: Polen will die von Deutschland zur Verteidigung seines Luftraums angebotenen Patriot-Flugabwehrsysteme nun doch annehmen. Man arbeite daran, die Patriots auf polnischem Gebiet zu stationieren und sie dem polnischen Kommandosystem zu unterstellen, schrieb Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak auf Twitter.

Allerdings hatte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bereits darauf gepocht, dass die deutschen Flugabwehrsysteme Teil der integrierten Nato-Luftverteidigung sind. Davon, die Waffensysteme einem polnischen Kommando zu unterstellen, war zunächst keine Rede gewesen.

Vor zwei Wochen hatte Lambrecht die Verlegung der Patriots nach Polen vorgeschlagen. Blaszczak nahm das Angebot zunächst an. Einen Tag später schlug er jedoch überraschend vor, die deutsche Flugabwehr statt in Polen auf ukrainischem Gebiet zu stationieren. Dies hatte in Berlin für Verstimmung gesorgt.

Leseempfehlung: Was steckt hinter den Drohnenangriffen auf Russland?

20.33 Uhr: Putins Militär erlebt eine weitere Demütigung: Auf zwei Luftstützpunkten weit von der Grenze zur Ukraine entfernt gibt es Explosionen. Wie hat es die ukrainische Armee geschafft, so tief im Landesinnern anzugreifen? Antworten lesen Sie hier. 

Mangelnde Gesprächsbereitschaft: Russland und USA beschuldigen sich gegenseitig

20.07 Uhr: Die Vereinigten Staaten und Russland haben sich gegenseitig vorgeworfen, nicht an Friedensgesprächen für die Ukraine interessiert zu sein. Russlands Uno-Botschafter Wassilij Nebenzia sagte auf einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats zur humanitären Lage in der Ukraine, Moskau habe »das Interesse einer bedeutenden Mehrheit« der Uno-Mitgliedstaaten an einer diplomatischen Lösung festgestellt.

»Wir reagieren darauf sehr ernsthaft. Wir bekräftigen unsere Bereitschaft, Verhandlungen zu führen«, sagte er, fügte aber hinzu, dass das Ziel darin bestehe, »die Ursachen zu beseitigen, die uns gezwungen haben, unsere militärische Sonderoperation zu starten«. Ursprünglich hatte Moskau erklärt, seine Mission bestehe darin, die Ukraine zu »entwaffnen« und sie zu »entnazifizieren«.

Russlands Uno-Botschafter Nebenzia

Russlands Uno-Botschafter Nebenzia

Foto: IMAGO/Eskinder Debebe / IMAGO/Xinhua

Nebenzia warf den westlichen Ländern vor, nicht an einer diplomatischen Lösung in der Ukraine interessiert zu sein, weil sie stattdessen die Waffenlieferungen an Kiew ausweiteten. »Was Sie jetzt sehen, ist ein andauernder Krieg des Westens gegen Russland.« Das lasse dem Land keine andere Wahl, als die Ziele weiterzuverfolgen«, sagte Nebenzia.

»Präsident Putins eskalierende Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur sind ein Beweis dafür, dass er kein echtes Interesse an Verhandlungen oder sinnvoller Diplomatie hat«, sagte dagegen die stellvertretende US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Lisa Carty, vor dem 15-köpfigen Rat. »Stattdessen versucht er, den Kampfeswillen der Ukraine zu brechen«, indem er die Zivilbevölkerung bombardiere, »bis sie sich unterwirft«, sagte sie. Russland hat beantragt, dass der Rat am Freitag erneut zusammentritt.

Ukrainische Krankenhäuser sollen planbare Operationen aussetzen

19.20 Uhr: Krankenhäuser in der Ukraine sollen wegen des Strommangels im Zuge der russischen Angriffe planbare Operationen vorübergehend aussetzen. Das teilt das Gesundheitsministerium in Kiew mit, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Nicht notwendige Eingriffe sollten trotz Notstrom-Generatoren verschoben werden, bis sich die Energiesituation in der Ukraine wieder stabilisiert habe. Acht Wellen mit russischen Luftangriffen haben die kritische Infrastruktur in der Ukraine stark beschädigt und führen zu Stromausfällen im gesamten Land.

Scholz drängt Westbalkan-Länder zu Umsetzung der EU-Sanktionen

18.18 Uhr: Beim Westbalkan-Gipfel in Albanien hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Serbien und andere Länder aufgerufen, die Sanktionen der Europäischen Union gegen Russland umzusetzen. »Wir erwarten von den Beitrittsländern, dass sie sich an der Sanktionspolitik der Europäischen Union ausrichten«, sagte Scholz zum Abschluss des Treffens in Tirana. Ähnliches gelte für die Politik bei der Vergabe von Visa.

Serbien gilt unter den sechs Westbalkan-Ländern als engster Verbündeter Russlands. Die Bundesregierung hat das Land bereits mehrfach aufgerufen, die bisher acht Sanktionspakete gegen Russland mitzutragen, welche die EU wegen des Angriffskriegs in der Ukraine verhängt hat. Zu seiner Haltung zu Russland befragt, entgegnete der serbische Präsident Aleksandar Vucic in Tirana, Serbien sei »ein unabhängiges Land«.

Uno: Millionen Menschen in der Ukraine vom Winter bedroht

17.20 Uhr: Vor dem erwarteten harten Winter in der Ukraine haben die Vereinten Nationen angesichts vieler Angriffe auf die Infrastruktur des Landes Alarm geschlagen. »Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine, einschließlich Kraftwerke und Heizwerke, haben Millionen Menschen den Zugang zu Wärme, Strom und Wasser verwehrt«, sagte Uno-Nothilfekoordinator Martin Griffiths vor dem Uno-Sicherheitsrat in New York. Dies füge der humanitären Krise, die durch den Krieg verursacht wurde, eine weitere gefährliche Dimension hinzu.

Griffiths hob dabei zahlreiche Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen seit Beginn des russischen Angriffskriegs Ende Februar hervor. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe bislang 715 Attacken gegen Krankenhäuser und ähnliche Gebäude gezählt. »Diese Angriffe in der Ukraine machen mehr als 70 Prozent aller Angriffe auf die Gesundheitsinfrastruktur weltweit aus.«

Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine sind in Deutschland oft doppelt belastet

16.48 Uhr: Viele Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine nehmen in Deutschland nachmittags zusätzlich an ukrainischem Onlineunterricht teil – und sind damit doppelt belastet. Das berichtet der Mediendienst Integration nach Anfragen in allen Bundesländern. Genaue Zahlen hätten die Länder demnach nicht vorlegen können, Bremen etwa gebe an, dass »ein Großteil« der Schülerinnen und Schüler so verfahren würde. Oft sei unklar, wie lange die Familie in Deutschland bleiben werde.

Die Auswertung betont außerdem, dass einige durch die Kriegserlebnisse traumatisiert sind. An einigen Orten würden außerdem noch Schulplätze fehlen. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs haben Schulen hierzulande nach KMK-Zahlen 201.000 Schüler aus der Ukraine aufgenommen.

Leseempfehlung: Angriff mit der Wunderdrohne – oder dem Museumsstück?

16.06 Uhr: Die Ukraine hat russische Militärflugplätze mit Drohnen angegriffen. Russland hat offenbar ein massives Problem mit der Flugabwehr. Was bisher bekannt ist .

Rund 20 Öltanker stauen sich offenbar in türkischen Gewässern – wegen Ölpreisdeckel gegen Russland

15.48 Uhr: Die G7-Staaten wollen für ein Barrel russisches Rohöl nicht mehr als 60 US-Dollar zahlen – und diese Obergrenze auch international durchsetzen. Jetzt kommt es wegen der Maßnahme offenbar zu Verzögerungen auf den Weltmeeren.

Unbekannter schießt auf Polizisten in Südrussland

15.20 Uhr: Ein Unbekannter hat im südrussischen Gebiet Rostow-am-Don nahe der ukrainischen Grenze eine Patrouille beschossen und dabei einen Polizisten verletzt. »Das Verbrechen wurde heute gegen 12 Uhr in der Vorstadt von Nowoschachtinsk verübt«, teilten die Behörden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Den Angaben zufolge war der Mann in Flecktarn gekleidet und mit einem Sturmgewehr bewaffnet. Es soll sich nach Tass-Informationen angeblich um einen Deserteur handeln, der zuvor in Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geschickt worden war.

Nähere Angaben zur Person des Täters gab es nicht. Nach dem Schusswechsel mit der Polizei sei er untergetaucht, hieß es. Die Fahndung laufe. Die Stadtverwaltung von Nowoschachtinsk verstärkte in dem Zusammenhang die Bewachung von Schulen und Kindergärten.

Seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine haben Russlands Behörden im eigenen Land einen deutlichen Anstieg von Angriffen mit Sprengsätzen und Schusswaffen registriert. Laut einer jüngst veröffentlichten Statistik des russischen Innenministeriums ist die Zahl solcher Taten im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent gestiegen.

Satellitenbild der Woche: Russen verstecken das zerstörte Theater von Mariupol

15.10 Uhr: Der Angriff auf das Theater der ukrainischen Stadt Mariupol im März sorgte weltweit für Entsetzen, mehrere Hundert Menschen kamen ums Leben. Satellitenbilder zeigen nun, wie die russischen Besatzer die Ruine abschirmen.

Leseempfehlung: Wie Späher die Nachschublinien der Russen auskundschaften

14.55 Uhr: Charkiw und Cherson haben die Ukrainer zurückerobert – und jetzt stoßen sie weiter vor. Sie wollen die Versorgung der Russen in den Donbass kappen. Ukrainische Späher haben dabei eine wichtige Funktion . Aus der Ostukraine berichten Alexander Sarovic und Emre Caylak (Fotos):

Putin beruft nach Drohnenangriffen Sicherheitsrat ein

14.14 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat wegen mutmaßlichen Drohnenangriffen auf Militärstützpunkte in Russland den Sicherheitsrat seines Landes einberufen. Das teilte der Kreml mit. Hochrangige Vertreter der Sicherheitsbehörden berieten demnach mit Präsident Putin in einem Videogespräch darüber, wie die »innere Sicherheit« des Landes gewährleistet werden könne. Details wurden nicht bekannt.

Moskau macht die Ukraine für die Explosionen auf den Flugplätzen verantwortlich. Putins Sprecher Dmitri Peskow wiederholte das den Berichten zufolge und warf Kiew »Terrorismus« vor. Gleichzeitig hatte Russland selbst am Montag die Ukraine massiv mit Raketen angegriffen und dabei Infrastruktur und Häuser zerstört. Zwei Menschen starben. Am Dienstag hatte laut einem russischen Beamten angeblich erneut eine Drohne einen Flugplatz in der an die Ukraine grenzenden russischen Region Kursk angegriffen (siehe Eintrag von 8.47 Uhr).

Leseempfehlung: »Das Risiko eines Tankerunglücks ist so groß wie lange nicht«

13.45 Uhr: Mit einer »Schattenflotte« aus alten Tankern will Russland den Ölpreisdeckel des Westens umgehen. Das könnte gefährlich werden, sagt der Experte Adnan Vatansever. Im Interview  warnt er vor weiteren Risiken.

Russland und Ukraine tauschen Kriegsgefangene aus

13.36 Uhr: Zwischen Russland und der Ukraine hat es nach übereinstimmenden Angaben beider Kriegsparteien wieder einen größeren Gefangenaustausch gegeben. 60 russische Soldaten seien aus dem von Kiew kontrollierten Gebiet zurückgebracht worden, hieß es vom russischen Verteidigungsministerium. Die Männer würden medizinisch versorgt und seien mit Transportflugzeugen des Militärs nach Moskau ausgeflogen worden.

Kiew bestätigte den Austausch. »Symbolisch. Am Tag der Streitkräfte kehren 60 Kämpfer zurück«, schrieb der Chef des Präsidentenbüros in Kiew, Andrij Jermak, im Nachrichtenkanal Telegram. Es handle sich um 58 Männer und zwei Frauen von Nationalgarde und Grenztruppen der Ukraine. Den Angaben zufolge sind unter den nun zurückgekehrten ukrainischen Kämpfern auch Personen, die zu den Verteidigern Mariupols und des Asow-Stahlwerks gehörten. »Manche sind verwundet, und werden in der Ukraine die notwendige Hilfe bekommen«, schrieb Jermak.

Bereits in der vergangenen Woche gab es einen umfangreichen Gefangenenaustausch. Dabei ließen beide Kriegsparteien je 50 gefangene Soldaten der Gegenseite zurückkehren.

Ungarn blockiert Finanzhilfen

13.21 Uhr: EU-Finanzhilfen von bis zu 18 Milliarden Euro für die Ukraine können weiterhin nicht ausgezahlt werden. Der Vertreter Ungarns stimmte bei einer öffentlichen Beratung der EU-Finanzminister in Brüssel gegen die Freigabe der Gelder, die einstimmig beschlossen werden muss. Eine eigentlich geplante Abstimmung über das Aussetzen von Milliardenhilfen für Ungarn im Rechtsstaatsstreit wurde laut Diplomaten vertagt.

»Unser Ziel bleibt es, Anfang Januar mit der Auszahlung der Hilfen für die Ukraine zu beginnen«, sagte der tschechische Finanzminister Zbynek Stanjura, dessen Land noch bis Jahresende den EU-Ländern vorsitzt. Nach seinen Worten wollen die anderen 26 Mitgliedsländer nun eine Alternativlösung suchen, was jedoch als kompliziert gilt. Ungarn will mit seiner Blockadehaltung laut Diplomaten verhindern, dass die anderen Mitgliedsländer EU-Hilfen im Umfang von insgesamt mehr als 13 Milliarden Euro für Budapest sperren .

Ukrainischer Geheimdienstchef: Russland hat noch genug Präzisionsraketen für mehrere Angriffe

13.04 Uhr: Die Ukraine geht laut Geheimdienstchef Kyrylo Budanov nicht davon aus, dass Russlands Vorrat an hochpräzisen Raketen schon jetzt erschöpft sind. Es seien noch genug davon vorhanden, um mehrere große Angriffe auf die Ukraine auszuführen, sagte Budanov im Fernsehen.

Selenskyj besucht Streitkräfte in der Ostukraine

12.30 Uhr: Am Ehrentag der ukrainischen Streitkräfte ist Präsident Wolodymyr Selenskyj in die Nähe der Front im Osten des Landes gereist. »Gerade den heutigen Tag werde ich an der Front mit unseren Kämpfern begehen«, sagte der 44-Jährige in einer Videobotschaft. Der Staatschef stand dabei am Ortseingang der Stadt Slowjansk im Donezker Gebiet. Slowjansk ist rund 35 Kilometer von der Front entfernt. Rund 40 Kilometer südöstlich liegt die heftig umkämpfte Industriestadt Bachmut.

»Wir beginnen (...) mit einem Gedenken an unsere gefallenen Helden, all jene, die ihr Leben für die Ukraine gegeben haben«, sagte Selenskyj bei seiner Ansprache. Der Präsident dankte den Soldaten für ihren Kampf gegen den Angreifer Russland. »Wir sind stolz auf die Streitkräfte der Ukraine.«

Wolodymyr Selenskyj in der Region Donezk

Wolodymyr Selenskyj in der Region Donezk

Foto: Ukrainian Presidency / REUTERS

Moskau hält schwere Raketenangriffe auf Ukraine für gerechtfertigt

11.30 Uhr: Russland hält seine schweren Raketenangriffe auf zivile Ziele in der Ukraine für gerechtfertigt. Verteidigungsminister Sergej Schoigu behauptete einer offiziellen Mitteilung zufolge, es handele sich um Schläge gegen militärische Ziele, darunter die militärische Führung und Rüstungskonzerne. Was er konkret meinte und ob es solche Schläge wirklich gegeben hat, ist unklar. Schoigu sagte weiter, es ginge darum, »das Militärpotenzial der Ukraine zu brechen«.

Tatsächlich greift Russland seit Oktober die Energieversorgung der Ukraine an und hat diese massiv beschädigt. Bei den Angriffen sterben immer wieder Menschen. Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer haben nur noch eingeschränkt Zugang zur Stromversorgung. Auch die Versorgung mit Wasser und Wärme ist vielerorts schwierig.

Zugleich warf Schoigu Kiew Angriffe auf Europas größtes Atomkraft Saporischschja vor, das auf ukrainischem Gebiet liegt. Die Anlage sei in den vergangenen 14 Tagen 33 Mal beschossen worden, sagte Schoigu. Kiew und Moskau beschuldigen sich gegenseitig für Angriffe auf das AKW, das Russland besetzt hält.

Lettland entzieht unabhängigem russischem Sender die Lizenz

10.34 Uhr: Lettland hat dem unabhängigen russischen Fernsehsender Doschd, international auch TV Rain genannt, die Sendelizenz entzogen. Das hat der lettische Nationale Rat für elektronische Massenmedien (NEPLP) beschlossen. Der Ratsvorsitzende Ivars Āboliņš schrieb auf Twitter, die Gesetze des Landes müssten »von allen respektiert werden«. Hintergrund war ein Streit über die Ukraine-Berichterstattung des Senders. Lesen Sie hier mehr:

US-Außenminister Blinken warnt vor Scheinfrieden

9.58 Uhr: Russland könnte nach den Worten von US-Außenminister Antony Blinken zum Schein einen Waffenstillstand anstreben. »Wenn Russland mit seinem derzeitigen Versuch, das ukrainische Volk zum Aufgeben zu bringen, keinen Erfolg hat – und das wird ihnen nicht gelingen –, dann kann man sich vorstellen, dass Russland eine Ausweichmöglichkeit sucht, die eine Scheinlösung wäre«, sagt Blinken bei einer Veranstaltung der Zeitung »Wall Street Journal «.

Blinken sagte weiter, er könne sich einen von Russland initiierten Waffenstillstand vorstellen – mit entsprechenden Konsequenzen: »Der Konflikt wird eingefroren, es wird nie über das Gebiet verhandelt, das sie erobert haben und weiterhin halten«, sagte Blinken. Russland könnte eine solche Gelegenheit nutzen, um sich neu zu ordnen und die Ukraine später erneut anzugreifen.

Solange Russland nicht zeige, dass es an einer sinnvollen diplomatischen Lösung interessiert sei, werde sich nichts bewegen. Blinken forderte: »Wir brauchen einen gerechten und dauerhaften Frieden, keinen Scheinfrieden.« Gleichzeitig sei es das Recht der Ukraine, die Bedingungen für Verhandlungen festzulegen.

London hält Angriffe auf russische Flughäfen für schweren Schlag

9.40 Uhr: Die britischen Geheimdienste werten die jüngsten Angriffe auf zwei russische Militärflughäfen als signifikanten Rückschlag für den Kreml. Sollte Russland die Explosionen, deren Ursache noch unklar sei, als gezielte Attacken einstufen, sei dies wohl ein schweres Versagen beim Schutz der eigenen Truppen, schrieb das britische Verteidigungsministerium auf Twitter.

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Die Geheimdienste vermuten, dass Moskau Langstreckenbomber vom betroffenen Militärflughafen »Engels« nun auf andere Flugplätze verlegen könnte. Langstreckenbomber seien Teil der russischen nuklearen Abschreckung und würden häufig für konventionelle Raketenangriffe auf die Ukraine genutzt. Den verantwortlichen russischen Offizieren drohten harte Strafen, heißt es in dem Bericht.

Besatzer in Region Cherson fordern zum Geldumtausch in Rubel auf

9.20 Uhr: Die russischen Besatzer in Orten in der Region Cherson haben die Bevölkerung zum Umtausch ihrer Ersparnisse in russische Rubel aufgefordert. Die ukrainische Landeswährung ist Hrywnja. »Vom 1. Januar 2023 an kann in den Geschäften oder bei der Bezahlung von Dienstleistungen nur noch in Rubel abgerechnet werden«, teilte Besatzungschef Wladimir Saldo auf Telegram per Video mit.

Als Grund nannte er auch den massiven Wertverfall der Hrywnja. Dieser ist eine Folge des russischen Angriffskriegs. Saldo sagte, alle Banken seien verpflichtet, das Geld umzutauschen.

In der Region Cherson sind die gleichnamige Gebietshauptstadt und weitere Orte wieder unter ukrainischer Kontrolle. Der Großteil des Gebiets aber ist von russischen Truppen besetzt, Russland will es völkerrechtswidrig in sein Staatsgebiet eingliedern.

Russischer Gouverneur spricht von neuem Drohnenangriff

8.47 Uhr: Eine Drohne soll nach russischen Angaben angeblich einen Flugplatz in der an die Ukraine grenzenden russischen Region Kursk angegriffen haben. Durch den Beschuss »geriet ein Öltank in Brand«, erklärte der örtliche Gouverneur Roman Starowojt in Online-Netzwerken. »Es gab keine Verletzten«, teilte er mit. Der Gouverneur machte keine Angaben dazu, woher die Drohne kam. Die Berichte konnten zunächst auch nicht unabhängig überprüft werden.

Videos aus der Industriestadt Kursk zeigten eine große Stichflamme im Bereich des Flughafens. Dieser wird seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland Ende Februar ausschließlich für militärische Zwecke genutzt. Für zivile Flüge ist er gesperrt.

Zudem berichtete das Internetportal Baza am Dienstag über eine Drohnenattacke auf das Kombinat »Slawa« im Gebiet Brjansk, etwa 80 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Die Tätigkeit des Kombinats haben die russischen Behörden zum Staatsgeheimnis erklärt, weil es Verbindungen zur nationalen Sicherheit habe. Ziel waren Berichten zufolge offenbar ebenfalls Treibstoffreservoirs. Angeblich waren sie aber leer, weshalb die Attacke keinen größeren Brand ausgelöst habe. Auch das ließ sich nicht unabhängig überprüfen.

Am Montag hatte es bereits Explosionen auf zwei russische Militärflughäfen mit mindestens drei Toten gegeben. Offenbar handelte es sich um Drohnenangriffe. Russland macht die Ukraine dafür verantwortlich, die Regierung in Kiew hat sich bisher nicht offiziell dazu geäußert.

Ukrainische Spezialkräfte lenkten offenbar Angriff in Russland, Kiew zur Hälfte ohne Strom

7.00 Uhr: Bei mindestens einem der Drohnenangriffe auf russische Militärbasen sollen ukrainische Spezialeinheiten weit hinter der Grenze operiert haben. Russland startet am selben Tag neue Angriffe. Lesen Sie hier die wichtigsten Entwicklungen aus der Nacht.

kko/ulz/sak/dam/dpa/AFP/Reuters
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