Ukraine-News am Dienstag Ukraine meldet russische Sturmangriffe im Osten

Russland gruppiert seine Truppen nach Angaben aus Kiew um, in Sjewjerodonezk wird demnach weiter um jede Straße gekämpft. Und: Die Ukraine beklagt schleppende Waffenlieferungen. Der Überblick.
Während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk: ein ukrainischer Soldat in einer zerstörten Wohnung

Während schwerer Kämpfe an der Front in Sjewjerodonezk: ein ukrainischer Soldat in einer zerstörten Wohnung

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Oleksandr Ratushniak / dpa

Das waren die Ukraine-News am 15.06.2022.

+++ Das Wichtigste in Kürze +++
  • Russland hat Dutzenden britischen Journalisten, Medienvertretern und Vertretern der Verteidigungsindustrie die Einreise ins Land untersagt.

  • Russland will den in dem Chemiewerk Asot in Sjewjerodonezk eingekesselten Zivilisten angeblich die Flucht über einen humanitären Korridor ermöglichen. Die Verteidiger des Werks hat Moskau zur Kapitulation aufgefordert.

  • Wolodymyr Selenskyj hat den Kirchen in Deutschland Schweigen gegenüber dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., vorgeworfen.

  • Die Besatzungsverwaltung in Cherson im Süden der Ukraine hat die Zugehörigkeit zu Russland beansprucht.

  • Die Kämpfe in der Ostukraine gehen weiter, prorussische Separatisten in Donezk berichten von dem bislang angeblich heftigsten ukrainischen Beschuss auf die Stadt seit Beginn des Krieges. Auch Kiew spricht von schweren Gefechten, laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist die Stadt Sjewjerodonezk mittlerweile komplett von Russen eingekesselt.

  • Selenskyj erwartet, dass die Europäische Union seinem Land noch in diesem Juni den Status eines Beitrittskandidaten zuerkennt. Von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wünsche er sich, dass dieser persönlich die EU-Mitgliedschaft der Ukraine unterstütze, sagte Selenskyj.

  • Scholz soll für Mittwoch eine Ukrainereise geplant haben, hat den Besuch bislang aber weder bestätigt noch dementiert.

  • Die Ukraine hat durch den russischen Angriffskrieg rund ein Viertel ihrer landwirtschaftlichen Nutzfläche eingebüßt. Trotz dieses Verlustes könne in diesem Jahr genug angepflanzt werden, um die Nahrungsmittelsicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, sagte der stellvertretende ukrainische Landwirtschaftsminister Taras Wysozkyj.

Selenskyj: Ukraine brauche moderne Raketenabwehr

23.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ausländische Partner um die Lieferung moderner Raketenabwehrwaffen gebeten. Es werde in dieser Woche eine Reihe wichtiger Verhandlungen dazu geben und zwar nicht nur mit europäischen Politikern, kündigte er in Kiew an, ohne Details zu nennen. »Wir wiederholen gegenüber unseren Partnern, dass die Ukraine moderne Raketenabwehrwaffen benötigt«, sagte er in seiner Videoansprache.

Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz

Wolodymyr Selenskyj bei einer Pressekonferenz

Foto: IMAGO/Ukrainian Presidential Press Off / IMAGO/ZUMA Wire

Sein Land habe schon vor der russischen Invasion um solche Waffensysteme gebeten, ein Aufschub sei nicht zu rechtfertigen. Die Ukraine habe derzeit »den größten Bedarf an solchen Waffen in Europa«.

Angesichts der verlustreichen Abwehrschlacht gegen Russland im Donbass hat Selenskyj seine Truppen zum Durchhalten aufgerufen. »Das ist unser Staat. Dort im Donbass durchzuhalten, ist lebenswichtig«, sagte er. »Es gibt Verluste, und sie sind schmerzhaft.« Doch an der Front im Osten des Landes entscheide sich, welche Seite in den kommenden Wochen dominieren werde. Je höher die Verluste des Feindes dort seien, desto weniger Kraft habe er, die Aggression fortzusetzen, sagte Selenskyj.

Uno fordert von Russland Verzicht auf Adoption ukrainischer Kinder

22.13 Uhr: Die Vereinten Nationen haben Russland aufgefordert, Adoptionen ukrainischer Kinder zu unterlassen. »Wir bestehen immer darauf, dass während eines Konflikts kein Kind zur Adoption freigegeben wird«, sagte Afshan Khan, Regionalbeauftragte für Europa und Zentralasien des Kinderhilfswerks Unicef, in New York. Die Kinder sollten immer zu ihren Familien zurückgebracht werden.

Die Entscheidung, ein Kind umzusiedeln, müsse immer auf dessen Wohl ausgerichtet sein, führte Khan aus. Auch brauche es immer die Zustimmung der Familie. Kinder, die infolge einer Notsituation von ihren Familien getrennt wurden, »können nicht als Waisen betrachtet werden«, betonte sie. Bereits im März hatten sich die Vereinten Nationen besorgt über mögliche Zwangsadoption ukrainischer Kinder geäußert.

Ukraine meldet Sturmangriffe im Osten

20.59 Uhr: Russische Truppen haben nach Kiewer Militärangaben an mehreren Stellen in der Ostukraine Sturmangriffe geführt. In der Stadt Sjewjerodonezk werde weiter um jede Straße gekämpft, teilte der ukrainische Generalstab abends mit. Der Feind gruppiere seine Truppen um und versuche Verstärkung heranzuführen.

Russische Sturmangriffe wurden außerdem bei Rubischne im Gebiet Charkiw und bei Solote im Gebiet Luhansk verzeichnet. Bei Berestowe im Gebiet Donezk sei ein solcher Angriff abgewehrt worden, hieß es. Die Militärangaben waren nicht unabhängig überprüfbar. An fast allen Frontabschnitten im Osten und Süden wurde von schwerem russischem Artilleriefeuer berichtet.

Ukraine hat nach eigenen Angaben nur zehn Prozent der geforderten Waffen bekommen

20.09 Uhr: Die Ukraine hat vom Westen nach Angaben der Regierung in Kiew erst rund zehn Prozent der von ihr angeforderten Waffen erhalten. »Egal wie sehr sich die Ukraine bemüht, egal wie professionell unsere Armee ist, ohne die Hilfe westlicher Partner werden wir diesen Krieg nicht gewinnen können«, sagte die stellvertretende Verteidigungsministerin Anna Maljar im ukrainischen Fernsehen, wie AFP berichtet.

Die schleppenden Waffenlieferungen müssten beschleunigt werden, forderte sie weiter. »Denn jeder Tag der Verzögerung ist ein weiterer Tag gegen das Leben der ukrainischen Soldaten, unseres Volkes.«

Russische und belarussische Sportler bei US Open zugelassen

19.26 Uhr: Die US Open werden in diesem Jahr Tennisspieler aus Russland und Belarus zulassen – trotz der anhaltenden Invasion in der Ukraine, die Wimbledon noch dazu veranlasste, diese Sportler von dem Tunier auszuschließen. Der Geschäftsführer der US Tennis Association, die das Tunier ausrichtet, sagte der Nachrichtenagentur Associated Press, dass der USTA-Vorstand beschlossen habe, Russen und Belarussen zum Turnier zuzulassen. Grund seien Bedenken, einzelne Athleten für die Handlungen ihrer Regierung verantwortlich zu machen.

Sherr sagte, dass die Athleten aus Russland und Belarus in Flushing Meadows unter einer neutralen Flagge spielen werden – eine Regelung, die bereits bei verschiedenen Tennisturnieren angewendet wurde. Die US Open beginnen am 29. August in New York.

Bund erwartet langen Aufenthalt von Ukrainern selbst bei Kriegsende

18.42 Uhr: Viele ukrainische Geflüchtete werden nach Einschätzung der Bundesregierung wohl auch nach einem Ende des Kriegs vorerst in Deutschland bleiben. Das machten Bundesinnenministerin Nancy Faeser und Arbeitsminister Hubertus Heil beim Besuch einer Einrichtung für Geflüchtete in Berlin deutlich.

Nach Einschätzung Heils geschieht die Integration der Geflüchteten in Deutschland »mit großen Schritten«. Die Weichen entsprechend zu stellen, sei vernünftig. »Selbst wenn der Krieg bald zum Stillstand kommt und es Waffenstillstand gibt, wird die Zerstörung so heftig sein, dass eine Rückkehr vieler Menschen in kurzer Zeit nicht realistisch ist«, sagte Heil. »Deshalb werden wir in Deutschland die Großherzigkeit länger brauchen.«

Berlins Sozialsenatorin Katja Kipping hält auch ein erneutes starkes Anwachsen der Zahl ukrainischer Kriegsflüchtlinge in der Hauptstadt für möglich. Momentan seien die Ankunftszahlen in Berlin wieder ein bisschen zurückgegangen auf 500 am Tag, »aber wir müssen jederzeit damit rechnen, dass es wieder zu einem sprunghaften Anstieg kommt«, sagte Kipping. Dies sei abhängig von dem Verlauf des Kriegs und Entwicklungen in anderen Aufnahmeländern.

Russland belegt britische Journalisten mit Einreiseverboten

17.12 Uhr: Russland hat Dutzenden britischen Journalisten, Medienvertretern und Vertretern der Verteidigungsindustrie die Einreise ins Land untersagt. Das teilte das Außenministerium mit.

Der Kreml bezeichnete dies als Reaktion auf die westlichen Sanktionen und den Druck auf seine staatlichen Medien im Ausland. 29 Journalisten und Mitglieder britischer Medienorganisationen wie der BBC, des Senders Sky News und der Zeitungen »Guardian« und »Times« wurden persönlich mit einem Einreiseverbot belegt. Mehr als ein Dutzend Briten, die laut Moskau mit der Rüstungsindustrie in Verbindung stehen, erhielten ebenfalls ein Einreiseverbot.

Bundesregierung hilft Gazprom Germania mit Milliardendarlehen

17.05 Uhr: Um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit abzuwenden, hilft die Bundesregierung Gazprom Germania mit einem Kredit der Staatsbank KfW. Den muss das unter Treuhandverwaltung stehende Unternehmen möglicherweise nicht zurückzahlen. Lesen Sie hier mehr.

Bundesregierung plant Konferenz zu Hungerkrise

16.40 Uhr: Die Bundesregierung will mit einer internationalen Konferenz gegen die sich anbahnende Hungerkrise vorgehen, die unter anderem durch die Blockade von ukrainischem Weizen durch Russland bedingt wird. Die Ampelregierung soll bei dem Treffen mit Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne), Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) sowie Ernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) vertreten sein. Zuerst hatten die Zeitungen der Funke Mediengruppe über die Konferenz berichtet. »Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine stellt die Welt vor eine Hungerkrise von dramatischen Ausmaßen«, heißt es in der Einladung.

Die russische Marine blockiert seit Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine vor mehr als drei Monaten die ukrainischen Schwarzmeerhäfen. Die Ukraine, weltweit der viertgrößte Getreideexporteur, sitzt deshalb auf den eigenen Vorräten fest. Nach ukrainischen Angaben können mehr als 23 Millionen Tonnen Getreide und Ölsaaten nicht exportiert werden.

Ukraine meldet Austausch getöteter Soldaten

15.24 Uhr: Die Ukraine hat erneut den Austausch getöteter Soldaten mit Russland bekannt gegeben. Russland habe die Leichen von 64 »heldenhaften«, gefallenen Verteidigern des Asow-Stahlwerks in Mariupol übergeben, teilte das ukrainische Ministerium für die Wiedereingliederung der von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiete mit. Wie viele Leichen an Russland übergeben wurden, blieb unklar.

Der Austausch fand demnach in der Region Saporischschja statt. Zum genauen Ort und Zeitpunkt machte Kiew keine Angaben. Bei zwei früheren ähnlichen Aktionen waren bereits 210 getötete ukrainische Soldaten wieder in ihre Heimat überführt worden.

Scholz setzt auf Whistleblower gegen russische Oligarchen

15.13 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz unterstützt den Versuch, die Sanktionen gegen russische Oligarchen durch eine Whistleblower-Hotline effektiver zu machen. »Die Aggression Russlands gegen die Ukraine hat gezeigt, dass Sanktionen dringend wirksamer werden müssen – insbesondere gegen russische Oligarchen und deren versteckte Vermögenswerte«, sagte Scholz auf einer Veranstaltung der Financial Action Task Force (FATF), eines internationalen Gremiums zur Bekämpfung und Verhinderung von Geldwäsche.

Man werde in Kürze ein zweites Sanktionsvollzugsgesetz beschließen, das unter anderem ein nationales Register für Vermögenswerte vorsehe, die mit Sanktionen belegt sind oder deren Herkunft unklar ist. »Außerdem werden wir eine spezielle Hotline für Whistleblower einrichten«, kündigt der Kanzler an.

»Micky Maus Magazin« erscheint auf Ukrainisch

14.58 Uhr: »Micky Maus« gehört zu den erfolgreichsten Kindermagazinen weltweit. Nun sind die Comicgeschichten aus Entenhausen einmalig auf Ukrainisch zu lesen, um geflüchteten Kindern etwas Vertrautheit in den neuen deutschen Alltag zu bringen.

Das Rätsel um die Minen vor Odessa

14.49 Uhr: Angeblich ist das Schwarze Meer großflächig vermint. Die Funktionsweise der Sprengkörper ist heimtückisch, ihre Räumung extrem komplex. Doch wie groß ist die Zahl der Seeminen wirklich, und wer hat sie ausgelegt?

Russland fordert Kämpfer im Chemiewerk Asot zur Aufgabe auf

13.55 Uhr: Im Chemiewerk Asot in Sjewjerodonezk halten sich laut ukrainischen Angaben Hunderte Zivilisten auf. Nun hat das russische Verteidigungsministerium nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax ukrainischen Kämpfern, die sich in der Fabrik verschanzt haben, die Möglichkeit geboten, sich am Mittwoch zu ergeben.

Das Ministerium erklärte demnach außerdem, die Ukraine habe darum gebeten, einen Evakuierungskorridor einzurichten, um den Zivilisten zu helfen, das Werk zu verlassen.

Russland erklärte, es werde am Mittwoch einen humanitären Korridor öffnen, damit die Zivilisten die Stadt verlassen können, und forderte gleichzeitig die ukrainischen Kämpfer auf, »ihren sinnlosen Widerstand zu beenden und ihre Waffen niederzulegen«.

Nach der Zerstörung der letzten strategisch wichtigen Brücke nach Sjewjerodonezk gibt es nach ukrainischen Angaben für die Bewohner keinen Ausweg mehr aus der seit Wochen umkämpften Stadt. »Eine Evakuierung ist unmöglich«, erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj.

Russland reduziert Gaslieferungen durch Nord-Stream-Pipeline um 40 Prozent

13.36 Uhr: Der russische Energieriese Gazprom reduziert die maximalen Gasliefermengen durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 nach Deutschland um 40 Prozent. Grund seien Verzögerungen bei Reparaturarbeiten durch die Firma Siemens, teilte der Staatskonzern mit. Ein Gasverdichteraggregat sei nicht rechtzeitig aus der Reparatur zurückgekommen. Deshalb könnten nun nur noch täglich bis zu hundert Millionen Kubikmeter Gas durch die Pipeline gepumpt werden – oder rund 60 Prozent des bisher geplanten Tagesvolumens von 167 Millionen Kubikmeter Gas, hieß es.

Für Deutschland ist Nord Stream 1 die Hauptversorgungsleitung mit russischem Gas. Zuvor war schon die Leitung Jamal-Europa nicht mehr befüllt worden. Reduziert ist auch die Durchleitung von russischem Gas durch die Ukraine, die deutlich unter Plan liegt. Bereits durch die bisherigen Einschränkungen hatten sich die Energiepreise erhöht, weil insgesamt weniger Gas von Russland nach Europa fließt. Die fertige Gaspipeline Nord Stream 2 ist bisher nicht in Betrieb genommen worden.

Französische Regierung: Kiewreise Macrons nur eine Option

13.22 Uhr: Ein Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Kiew ist nach Angaben der Regierungssprecherin Olivia Gregoire nur eine von »mehreren Optionen«. Es gebe keine Entscheidung, sagt sie zu Berichten, dass Macron zusammen mit Kanzler Olaf Scholz und Italiens Regierungschef Mario Draghi am Donnerstag nach Kiew reisen wolle.

Umfrage: 812 Millionen Euro Spenden aus Deutschland

12.57 Uhr: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs haben die Menschen in Deutschland einer Umfrage zufolge mindestens 812 Millionen Euro gespendet. Das teilte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin mit. Das Spendenaufkommen für die vom Krieg betroffenen Menschen in und aus der Ukraine dürfte demnach sogar noch höher liegen, da auch viele kleinere Initiativen Geld gesammelt hätten, die bei der Ergebung nicht berücksichtigt worden seien.

Dem Institut zufolge ist mit dem Zwischenstand bislang nominal das höchste Spendenaufkommen gesammelt worden, das seit Ende des Zweiten Weltkrieges für eine einzelne Katastrophe gemessen worden sei. Für die Betroffenen des Tsunamis in Südostasien (2004) seien damals 670 Millionen Euro zusammengekommen. Berücksichtigt man die Geldentwicklung, wären das bei heutiger Preisentwicklung 904 Millionen Euro, wie das DZI vorrechnete.

Kreml: »Volksrepublik Donbass« wäre bei Schicksal britischer Soldaten gesprächsbereit

12.28 Uhr: Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow hat Reportern laut der russischen Nachrichtenagentur Ria mitgeteilt, er sei »sicher«, dass die Führer der prorussischen Separatisten im Donbass bereit seien, einen Appell Großbritanniens bezüglich des Schicksals zweier Briten anzuhören, die wegen ihres Kampfes für die Ukraine zum Tode verurteilt wurden.

Die beiden Briten im Alter von 28 und 48 Jahren hatten sich nach wochenlangen Kämpfen in der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol prorussischen Truppen ergeben.

Sie lebten laut Medienberichten schon vor dem Krieg in der Ukraine und heirateten dort auch. Gemeinsam mit einem Marokkaner wurden sie am Donnerstag als »Söldner« zum Tode verurteilt.

Die britische Außenministerin Liz Truss sprach von einem »Scheinurteil ohne jegliche Legitimität«.

Selenskyj kritisiert deutsche Kirchen

12.20 Uhr: Wolodymyr Selenskyj hat den Kirchen in Deutschland Schweigen gegenüber dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I., vorgeworfen. »Wenn ein religiöser Führer solche Untaten und das Abschlachten von Menschen segnet, warum verurteilen ihn andere Kirchenführer dann nicht? Wie können Christen da schweigen?«, sagte Selenskyj im Interview mit der »Zeit« .

Russische Gebietsverwaltung in Cherson: »Wir sind unwiderruflich Russland«

11.52 Uhr: Die Besatzungsverwaltung in Cherson im Süden der Ukraine hat die Zugehörigkeit zu Russland beansprucht. Das sagte der stellvertretende Leiter der militärisch-zivilen Gebietsverwaltung von Cherson, Kyrill Stremoussow, bei einer Videoansprache auf Telegram vor dem Hintergrund einer russischen Flagge und eines Fotos von Wladimir Putin.

In der Region gebe es keine »Symbolik des Nazismus« mehr, sagte der Beamte. Sabotageakte sowie Aktivitäten von Partisanen bezeichnete er als »sinnlose Zeitverschwendung«. Die Region sei nun »unwiderruflich Russische Föderation«, sagte Stremoussow.

Cherson wurde komplett von russischen Truppen erobert. Die Besatzer haben begonnen, russische Pässe an die Einwohner zu verteilen. Die Ukraine befürchtet eine Annexion des Gebiets.

70 Menschen aus Nachbarorten von Sjewjerodonezk evakuiert

11.40 Uhr: Aus Lyssytschansk, der Nachbarstadt des schwer umkämpften Sjewjerodonezk, und weiteren umliegenden Orten sind 70 Einwohner evakuiert worden. Das teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, via Telegram mit. Evakuierungen aus der Stadt seien riskant, schrieb Hajdaj. Es gebe keine sicheren Wege zu den Fahrzeugen von Polizei und Grenzschützern, zudem seien auch die Transporte selbst manchmal beschossen worden.

Russischer Raketenangriff auf ukrainisches Waffenlager

10.40 Uhr: Russland hat laut der Nachrichtenagentur RIA ein ukrainisches Artilleriewaffen-Depot in der nördlichen Region Tschernihiw mit Marschflugkörpern vom Typ Kalibr beschossen. Zudem habe die Luftabwehr einen ukrainischen MiG-29-Kampfjet und einem MI-24-Hubschrauber abgeschossen, meldet die russische Nachrichtenagentur Tass ebenfalls unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau.

Papst kritisiert Russlands Krieg gegen Ukraine als »brutal und grausam«

10.39 Uhr: Papst Franziskus hat Russland wegen seines Vorgehens in der Ukraine erneut scharf angegriffen. Er bezeichnete in einem am Dienstag veröffentlichten Interview die russischen Truppen als brutal und grausam und lobte zugleich den Mut der Ukrainer, die um ihr Überleben kämpften. Russlands Einsatz von Söldnern etwa aus Tschetschenien und Syrien sei ungeheuerlich. In dem Gespräch, das der Papst vorigen Monat mit Redakteuren jesuitischer Medien führte, sagte er jedoch auch, dass die Situation nicht schwarz-weiß sei und dass der Krieg »vielleicht in gewisser Weise provoziert« worden sei.

Russische Grenzregion Brjansk meldet Verletzte nach Beschuss

10.36 Uhr: In der russischen Region Brjansk ist nach offiziellen Angaben erneut ein Dorf unweit der Grenze zur Ukraine aus dem Nachbarland beschossen worden. In dem Ort Saimischtsche seien mindestens vier Bewohner verletzt worden, teilte Gouverneur Alexander Bogomas am Dienstag mit. Mehrere Wohngebäude seien beschädigt worden.

Russland hat am 24. Februar einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen und beklagt seitdem wiederholt auch Angriffe auf sein eigenes Staatsgebiet. Neben Brjansk werfen auch andere russische Regionen wie Kursk und Belgorod der gegnerischen Seite immer wieder Beschuss vor. Die Regierung in Kiew äußert sich zu den Vorwürfen in der Regel nicht.

Menschen in Sjewjerodonezk sitzen fest

10.13 Uhr: Nach der Zerstörung der letzten strategisch wichtigen Brücke nach Sjewjerodonezk gibt es nach ukrainischen Angaben für die Bewohner keinen Ausweg mehr aus der seit Wochen umkämpften Stadt. »Eine Evakuierung ist unmöglich«, erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj. Das ukrainische Militär teilte mit, russische Truppen versuchten, im Zentrum der Stadt Fuß zu fassen. Zugleich bereiteten sie Offensiven auf westlich von Sjewjerodonezk gelegene Städte wie Slowjansk vor.

Die Situation in Sjewjerodonezk habe sich extrem verschärft, erklärte Hajdaj auf dem Nachrichtendienst Telegram. »Die Russen zerstören Hochhäuser und Azot«, fügte er mit Blick auf das Chemiewerk in der Stadt hinzu. Nach früheren Angaben Hajdajs haben in den Bunkern der Anlage Hunderte Zivilisten Schutz gesucht. Die Situation erinnert an die Lage in der Hafenstadt Mariupol, wo Zivilisten wochenlang mit verwundeten ukrainischen Kämpfern in einem Stahlwerk ausgeharrt hatten.

Litauen kauft 18 Haubitzen von Frankreich

9.55 Uhr: Litauen kauft 18 Haubitzen von Frankreich. Die Haubitzen vom Typ Caesar Markt II würden Litauens Verteidigungskapazitäten »erheblich stärken«, erklärte der litauische Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas auf Twitter. Frankreich bestätigte die Kaufvereinbarung. Moskaus Einmarsch in die Ukraine hat in Litauen und den anderen kleinen baltischen Staaten die Befürchtung geweckt, Russland könnte auch sie angreifen.

Das Nato- und EU-Mitglied Litauen rüstet derzeit wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine sein Waffenarsenal auf. Die Regierung will ihr Verteidigungsbudget für das Jahr 2022 um weitere 300 Millionen Euro aufstocken.

London: Russen machen kleine Fortschritte im Bereich Charkiw

9.06 Uhr: Die russischen Invasionstruppen in der Ukraine haben nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums wohl erstmals seit Wochen kleinere Fortschritte im Bereich um die Millionenstadt Charkiw gemacht. Die hauptsächlichen russischen Angriffsbemühungen seien aber weiterhin auf den Kessel von Sjewjerodonezk gerichtet, hieß es in dem täglichen Geheimdienst-Update zum Ukrainekrieg.

Nach Einschätzung britischer Regierungsexperten passt sich Russlands Industrie dank Finanzierung durch den Kreml langsam an die Nachfrage durch den Ukrainekrieg an. »Die Industrie könnte aber Schwierigkeiten haben, viele dieser Bedürfnisse zu decken, zum Teil wegen der Sanktionen und eines Mangels an Expertise«, so die Mitteilung. Schwierigkeiten, Material zu ersetzen, dürfte Moskau vor allem im Bereich hochwertiger Optik und fortschrittlicher Elektronik haben, hieß es weiter.

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CDU-Politikerin Güler fordert schnelle Lieferung schwerer Waffen

8.49 Uhr: Die CDU-Verteidigungspolitikerin Serap Güler hat vor der möglichen Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Kiew gefordert, zugesagte schwere Waffen schnellstens an die Ukraine zu liefern. Gepard-Flugabwehrpanzer oder Panzerhaubitzen seien schon vor Wochen oder Monaten von der Bundesregierung zugesagt worden, sagte Güler in der Sendung »Frühstart« von RTL und ntv. Die Lieferung sei aber bisher nicht erfolgt. »Das wäre jetzt wirklich allerhöchste Zeit.«

Analysten rechnen mit mehr als 15.000 russische Exilanten im Jahr 2022

6.31 Uhr: Immer mehr reiche Russinnen und Russen verlassen nach dem Angriffskrieg von Kremlchef Wladimir Putin ihre Heimat. Datenanalysten der Aussteigerfirma Henley & Partners gehen laut dem britischen »Guardian« davon aus, dass 2022 mehr als 15.000 Millionäre ins Exil gehen. Die Londoner Firma Henley & Partners vermittelt Staatsangehörigkeiten von Drittstaaten an Superreiche – und beobachtet seit Jahren einen starken Anstieg von reichen Russen, die das Land verlassen.

Die meisten Aussteiger werden in den Vereinigten Arabischen Emiraten erwartet, auch nach Australien, Singapur und Israel wollten je mehr als tausend auswandern.

Lambrecht verteidigt deutsche Unterstützung für die Ukraine

5.15 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht hat die deutsche Unterstützung für die Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Mit Blick auf die gemeinsame Reaktion der Nato und mit den EU-Partnern sagte die SPD-Politikerin am Montag bei einer deutsch-amerikanischen Veranstaltung in Berlin: »Im Moment der Gefahr stehen wir zusammen. Und wir sind zu außerordentlichem Handeln fähig.« Man unterstütze die Ukraine mit Waffen, Geld und Hilfsgütern. Gemeinsam stärke man die verletzliche Ostflanke der Nato, um das gesamte Bündnis sicherer zu machen. Auch Deutschland helfe viel.

So habe die Bundesregierung sehr schnell vom Material der Bundeswehr abgegeben, »was wir konnten«, betonte Lambrecht. Man sei aber sehr schnell an Grenzen gestoßen, nachdem die Bundeswehr in den vergangenen Jahren zusammengespart worden sei. Auch die zugesagte Lieferung von sieben Systemen der Panzerhaubitze 2000 gehe angesichts der Nato-Verpflichtungen an die Grenze. Beim Mehrfachraketensystem Mars versuche man gemeinsam mit den USA, den Wunsch der Ukraine zu erfüllen. Aber auch hier komme Deutschland an die Grenzen. Zudem habe die Industrie Flugabwehrpanzer vom Typ Gepard instand gesetzt, nun werde daran ausgebildet.

Macron reist nach Rumänien und Moldau

5.01 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reist angesichts des Kriegs in der Ukraine in deren Nachbarländer Rumänien und Moldau. Am frühen Morgen wollte Macron nach Angaben des Élysée-Palasts nach Rumänien aufbrechen, um dann am Mittwoch nach Moldau weiterzureisen. In beiden Ländern geht es um die Bedrohung durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Weiteres Thema ist der Wunsch der Ukraine, Moldaus und Georgiens auf einen Beitritt zur Europäischen Union. Auf dem EU-Gipfel am 23. und 24. Juni wollen sich die EU-Staaten zum Kandidatenstatus der drei Länder positionieren.

Das geschah in der Nacht

5.00 Uhr: Das ostukrainische Sjewjerodonezk ist weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Prorussische Separatisten berichten von Beschuss auf Donezk. Und: Die Ukraine hat ein Viertel ihrer Aussaatfläche verloren. Die Details im Überblick.

Selenskyj warnt vor »beängstigender« Schlacht um Donbass

2.29 Uhr: Die Schlacht um den östlichen Donbass wird nach den Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als eine der brutalsten in die europäische Geschichte eingehen. »Für uns ist der Preis für diese Schlacht sehr hoch. Es ist einfach beängstigend«, sagt Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft. »Wir machen unsere Partner täglich darauf aufmerksam, dass nur eine ausreichende Anzahl moderner Artillerie für die Ukraine unseren Vorteil sichern wird.« Die Ukraine brauche 1000 Haubitzen, 500 Panzer und 1000 Drohnen sowie andere schwere Waffen, erklärt der ukrainische Präsidialamtsberater Mychajlo Podolyak.

Özdemir rechnet mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen

2.00 Uhr: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) rechnet infolge des Ukrainekriegs mit weiter steigenden Lebensmittelpreisen in Deutschland. »Wir müssen im Herbst und Winter mit Steigerungen rechnen, weil sich der Handel jetzt mit teurer Energie versorgen muss und die Preissteigerungen an die Kunden weitergereicht werden«, sagte Özdemir der Zeitung »Rheinische Post«. »Vieles kommt leider erst noch.«

ani/mrc/svs/sog/dpa/AFP/Reuters
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