Ukraine-News am Dienstag Deutschland und Niederlande liefern Ukraine weitere Panzerhaubitzen

Gemeinsam mit den Niederlanden wolle Deutschland sechs zusätzliche Haubitzen in die Ukraine liefern, sagt Verteidigungsministerin Lambrecht. Und: Der Kreml will Beziehungen zu den Taliban verbessern. Der Überblick.
Soldaten neben einer von den USA gelieferten Haubitze in der Region Donezk

Soldaten neben einer von den USA gelieferten Haubitze in der Region Donezk

Foto: Efrem Lukatsky / dpa

Das war der Überblick zu den Entwicklungen im Ukrainekrieg am 29. Juni 2022.

Das Wichtigste in Kürze
  • Mindestens 20 Menschen starben bei einem russischen Angriff in Krementschuk. Die Suche nach zahlreichen Vermissten dauert an. Russland behauptet, das Einkaufszentrum nicht direkt attackiert zu haben.

  • Die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk gehen weiter. Der Feind stürme die Siedlung Wowtschojariwka südwestlich der Stadt, teilt der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit.

  • Nach der Ankündigung der Nato, die Zahl der schnellen Eingreifkräfte zu erhöhen, hat der Kreml das Bündnis als »aggressiven Block«, der auf Konfrontation angelegt sei, bezeichnet.

  • Der neue britische Armeechef hat eine Mobilisierung der Truppen gefordert und die Situation mit der Lage kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen: »Dies ist unser 1937-Moment.«

  • Die USA wollen ihre militärische Präsenz in Europa dauerhaft verstärken.

  • Prorussische Streitkräfte sollen laut Medienberichten den gewählten Bürgermeister der südukrainischen Stadt Cherson, Igor Kolychajew, gefangen genommen haben.

  • Der Kreml betont sein Interesse an einer Verbesserung des Verhältnisses zu den militant-islamistischen Taliban in Afghanistan.

  • Deutschland und die Niederlande werden der Ukraine zusammen sechs weitere Modelle der Panzerhaubitze 2000 liefern.

  • Die Türkei unterstützt NATO-Aufnahme von Schweden und Finnland.

  • Deutschland will sich mit 15.000 Soldaten an den erweiterten Nato-Eingreifkräften von insgesamt mehr als 300.000 Soldaten beteiligen.

Putin laut Boris Johnson ein gutes Beispiel für »toxische Männlichkeit«

21.43 Uhr: Der britische Premier Boris Johnson hält das Verhalten des russischen Präsidenten Wladimir Putin für ein gutes Beispiel toxischer Männlichkeit, also einem auf Gefühllosigkeit, Härte und auch Aggressivität basierenden Rollenbild. »Wenn Putin eine Frau wäre, glaube ich einfach nicht, dass er so einen machohaften Krieg vom Zaun gebrochen hätte«, sagte Johnson in einem ZDF-Interview  laut Übersetzung des Senders. »Wenn Sie ein sehr gutes Beispiel haben wollen von toxischer Männlichkeit, dann haben wir das in seiner Person vor uns.«

Lambrecht kündigt 15.000 Soldaten für erweiterte Nato-Eingreifkräfte an

20.59 Uhr: Deutschland will sich mit 15.000 Soldaten an den erweiterten Nato-Eingreifkräften von insgesamt mehr als 300.000 Soldaten beteiligen. Die Bundesregierung sei bereit, »eine Division zu stellen, sprich: 15.000 Soldatinnen und Soldaten«, sagte Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht am Dienstagabend kurz vor Beginn des Nato-Gipfels in Madrid. Dazu sollen nach ihren Angaben »circa 65 Flugzeuge und 20 Schiffe« kommen.

Christine Lambrecht bei der Eröffnung des Tags der Bundeswehr 2022

Christine Lambrecht bei der Eröffnung des Tags der Bundeswehr 2022

Foto: IMAGO/Sven Eckelkamp

Türkei unterstützt NATO-Aufnahme von Schweden und Finnland

20.34 Uhr: Die Türkei hat ihren Widerstand gegen die Aufnahme von Schweden und Finnland in die Nato aufgegeben. Die Türkei werde während des Nato-Gipfels in Madrid die Einladung an Finnland und Schweden unterstützen, Bündnismitglied zu werden, teilte der finnische Präsident Sauli Niinistö mit. Ein entsprechendes Memorandum sei nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, Schwedens Ministerpräsidentin Magdalena Andersson und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan unterzeichnet worden. Mehr dazu lesen Sie hier.

Lambrecht kündigt Lieferung von sechs Haubitzen an

19.47 Uhr: Deutschland und die Niederlande werden der Ukraine zusammen sechs weitere Modelle der Panzerhaubitze 2000 liefern. Das sagten Verteidigungsministerin Christine Lambrecht und ihre niederländische Amtskollegin Kasja Ollongren am Rande des Nato-Gipfels in Madrid.

Die Bundesregierung habe entschieden, »dass wir drei weitere Panzerhaubitzen 2000 an die Ukraine abgeben können«, kündigte Lambrecht an. »Damit gehe ich schon an die absolute Grenze dessen, was verantwortbar ist«. Nach ihren Angaben hatte die Ukraine Deutschland und die Niederlande um die zusätzlichen Lieferungen gebeten.

Klitschko fordert in Madrid mehr und schnellere Waffenlieferungen

19.37 Uhr: Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko hat angesichts des Nato-Gipfels in Madrid mehr und schnellere Waffenlieferungen an die Ukraine gefordert. Man erwarte, dass die Lieferung von Defensivwaffen beschleunigt werde, sagte Klitschko in der spanischen Hauptstadt. Er benutze den Begriff Defensivwaffen, weil sein Land sich gegen Russland verteidige. Konkret brauche die Ukraine ein Raketenabwehrsystem. »Von der Ukraine hängt in diesem Moment der Frieden in Europa ab«, sagte Klitschko.

Der russische Angriff sei kein Krieg gegen die ukrainische Armee, sondern gegen die ukrainische Bevölkerung. Es handele sich um einen Genozid am ukrainischen Volk. Man sei zu Verhandlungen mit Russland bereit, sobald der letzte russische Soldat ukrainisches Gebiet verlassen habe. Die Tür der Nato müsse für das osteuropäische Land offenstehen.

Beratungen zu Nato-Blockade der Türkei dauern an

19.30 Uhr: Die Beratungen zur türkischen Blockade bei der Nato-Norderweiterung um Schweden und Finnland dauern an. Das Treffen in Madrid sei pausiert worden und solle danach weitergeführt werden, teilte das türkische Präsidialamt rund zwei Stunden nach Beginn auf Twitter mit. Zunächst hatte das Präsidialamt von einem Ende der Gespräche berichtet, den entsprechenden Tweet aber später gelöscht.

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An den Verhandlungen nehmen NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, die schwedische Regierungschefin Magdalena Andersson, der finnische Präsident Sauli Niinistö sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan teil.

Bulgarien will 70 russische Diplomaten ausweisen

19.13 Uhr: Bulgarien hat die Ausweisung von 70 russischen Diplomaten angekündigt. »Unsere Dienste haben sie als Personen identifiziert, die gegen unsere Interessen arbeiten«, sagte der Regierungschef des Balkanlandes, Kiril Petkow.

Die Diplomaten, die als »Gefahr für die nationale Sicherheit« identifiziert wurden, müssten bis zum 3. Juli ausreisen, erklärte das bulgarische Außenministerium. Die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanowa sei einbestellt worden, um sie über Sofias Entscheidung zu informieren.

Putin will Verhältnis zu Taliban verbessern

19.07 Uhr: Der Kreml betont sein Interesse an einer Verbesserung des Verhältnisses zu den militant-islamistischen Taliban in Afghanistan. »Wir tun alles dafür, dass sich die Situation in dem Land normalisiert und versuchen, Beziehungen zu den politischen Kräften aufzubauen, die die Lage kontrollieren«, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Besuch in der an Afghanistan grenzenden Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan laut der Nachrichtenagentur Interfax, wie dpa berichtet.

International wird das Regime der Taliban nicht anerkannt – auch in Russland gelten sie offiziell als islamistische Terrororganisation. Allerdings war schon auf dem internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg eine Taliban-Delegation anwesend.

USA werfen chinesischen Firmen Unterstützung des russischen Militärs vor

19.03 Uhr: Die US-Regierung hat 36 Unternehmen aus mehreren Staaten auf eine schwarze Liste zum Handel gesetzt. Einige von den chinesischen Unternehmen unterstützten das russische Militär und die Rüstungsindustrie dort, heißt es in einer Veröffentlichung des US–Bundesamtsblattes. Auch Firmen etwa aus Russland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan sind aufgeführt.

Ehemaliger Bürgermeister von Cherson von prorussischen Streitkräften festgenommen

18.39 Uhr: Prorussische Streitkräfte sollen laut Medienberichten den gewählten Bürgermeister der südukrainischen Stadt Cherson, Igor Kolychajew, gefangen genommen haben, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Der stellvertretende Leiter der Besatzungsverwaltung der Region Cherson, Kirill Stremoussow, äußerte sich bei der russischen staatlichen Nachrichtenagentur RIA Nowosti entsprechend. Auch von ukrainischer Seite gibt es eine Bestätigung für die Festnahme: Kolychajews Beraterin Galyna Lyaschewska schrieb auf Facebook, der Ex-Bürgermeister sei am Dienstagmorgen von prorussischen Streitkräften »entführt« worden, berichtet AFP.

Cherson war nur knapp eine Woche nach Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine von Moskau erobert worden und ist seitdem von der Außenwelt praktisch abgeschnitten. Die russischen Truppen hatten Ende April eine eigene »Verwaltung« eingesetzt. Kolychajew sagte damals, er wolle dennoch in der Stadt bleiben und sich weiter engagieren.

Litauen verlängert erneut Ausnahmezustand

18.11 Uhr: In Litauen ist der wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine landesweit verhängte Ausnahmezustand bis zum 15. September verlängert worden. Die Sonderregelung ermöglicht es den Behörden des EU- und Nato-Staates, Fahrzeuge und Menschen im Grenzgebiet zu stoppen und zu durchsuchen. Auch der Schutz strategischer Objekte und Infrastruktur wird in diesem Zeitraum verstärkt, die Ausstrahlung von russischen oder belarussischen Radio- und Fernsehprogrammen ist untersagt. Öffentliche Veranstaltungen zur Unterstützung der russischen Invasion bleiben weiter verboten.

Im Parlament in Vilnius stimmten am Dienstag 80 Abgeordnete für die Verlängerung des Ausnahmezustands, sieben votierten dagegen und 28 enthielten sich. Gegner der Entscheidung argumentierten, es gebe keine Rechtfertigung dafür, das gesamte Land in den Ausnahmezustand zu versetzen. Aus ihrer Sicht hätte eine Sonderregelung nur für das Grenzgebiet genügt. Der Ausnahmezustand wurde unmittelbar nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar verhängt und seither mehrfach verlängert.

Baerbock: Keiner weiß, wie lange der Krieg dauern wird

17.59 Uhr: Wie lange der russische Angriffskrieg noch dauern wird, ist nach Worten von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock völlig offen. »Wir wissen nicht, wann der Krieg enden wird. Er könnte schon morgen enden, wenn der russische Präsident die Bombardierungen einstellt«, sagte Baerbock vor dem Nato-Gipfel in Madrid.

Dies sei die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geäußerte Hoffnung. Und der Westen müsse alles tun, um diese Hoffnung am Leben zu halten. »Wir werden alles tun, damit die Ukraine ein souveräner Staat bleibt und das ganze Land in Frieden und Freiheit leben kann«, versprach Baerbock.

Spionagevorwürfe: Bulgarien weist 70 russische Diplomaten aus

17.47 Uhr: Bulgarien weist 70 russische Diplomaten wegen Spionageverdachts aus. Das teilte das Außenministerium mit. Damit wird die Hälfte der russischen diplomatischen Präsenz in Bulgarien des Landes verwiesen.

Auch Warschaus Bürgermeister telefonierte mit falschem Klitschko

17.15 Uhr: Ähnlich wie Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey hat auch Warschaus Bürgermeister ein im Nachhinein als Fälschung entlarvtes Videotelefonat mit einem vorgeblichen Vitali Klitschko geführt. Das Gespräch von Rafal Trzaskowski mit dem vermeintlichen Kiewer Bürgermeister habe bereits Anfang Juni stattgefunden, berichteten polnische Medien. Nachdem in den vergangenen Tagen mehrere solcher Fake-Telefonate eines unechten Klitschko publik geworden waren, bestätigte Trzaskowski sein Gespräch am Montagabend dem Sender Radio Zet.

Durch den Gesprächsverlauf misstrauisch geworden, nahmen Trzaskowskis Mitarbeiter nach Angaben der Nachrichtenagentur PAP sofort danach Kontakt mit dem Büro des echten Klitschko in Kiew auf. Von dort wurde versichert, der Kiewer Bürgermeister habe zu diesem Zeitpunkt kein Videotelefonat geführt. Das Warschauer Rathaus schaltete deshalb die Polizei ein. Trzaskowski nahm den offensichtlichen Betrug gelassen. Es seien keine heiklen Themen besprochen worden, beteuerte der liberale Politiker gegenüber Radio Zet.

Das Warschauer Rathaus plant nun nach PAP-Informationen eine gemeinsame Videokonferenz der betroffenen Bürgermeister von Warschau, Berlin, Wien, Budapest und Madrid zu organisieren. Diese dann aber echte Videokonferenz solle ein Signal der Solidarität mit Kiew aussenden.

Draghi glaubt an Ende von Hafenblockade: Keine Minenräumung nötig

16.40 Uhr: Die Ukraine und viele arme Länder der Welt können nach Einschätzung des italienischen Ministerpräsidenten Mario Draghi auf ein baldiges Ende der russischen Schwarzmeerblockade hoffen. Der Regierungschef berichtete zum Abschluss des G7-Gipfels in Bayern, dass alle involvierten Verhandlungspartner auf die Zusage Moskaus warten. »Und die sollte sehr bald kommen«, habe Uno-Generalsekretär António Guterres den Staats- und Regierungschef der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte bei deren Treffen berichtet.

Draghi sprach darüber hinaus von »guten Nachrichten« im Hinblick auf die konkrete Ausfuhr des Getreides, das wegen des Krieges und der Blockade der ukrainischen Häfen durch die russische Marine bislang nicht verschifft werden konnte. Anders als von Moskau behauptet, müssten die Häfen nämlich nicht erst noch von Minen befreit werden, sagte Draghi: »Es gibt sichere Korridore, durch die die Schiffe fahren können.« Das spare zwei Wochen bis einen Monat – so lange war zuletzt für eine Unterwasser-Minenräumung spekuliert worden.

Britischer Armeechef ruft zu Stärkung der Streitkräfte auf

16.23 Uhr: Der neue britische Armeechef hat als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine eine Modernisierung der Truppen gefordert und die Situation mit der Lage kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verglichen. »Dies ist unser 1937-Moment«, sagte Patrick Sanders in einer Rede im Royal United Services Institute (RUSI) in Anspielung auf den Kampf der Alliierten gegen Nazi-Deutschland.

»Wir befinden uns nicht im Krieg«, sagte Sanders, der seit Juni Generalstabschef der britischen Streitkräfte ist: »Doch wir müssen schnell handeln, damit wir nicht in einen solchen hineingezogen werden, weil es uns nicht gelingt, die territoriale Ausweitung einzudämmen.« Es sei gefährlich anzunehmen, dass Russlands Aggression bei der Ukraine ende, fügte er hinzu. Russland werde künftig eine noch größere Gefahr für die Sicherheit Europas darstellen.

Großbritanniens Streitkräfte müssten mit einer schnelleren Modernisierung und erhöhten Kampfbereitschaft an der Seite der Nato auf die aktuelle Lage reagieren. Sanders nannte den am Mittwoch in Madrid beginnenden Nato-Gipfel eine Gelegenheit für Großbritannien, sein »anhaltendes Engagement für unsere Verbündeten« zu demonstrieren und bei der Modernisierung der Armee »mit gutem Beispiel voranzugehen«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, Patrick Sanders habe zu einer Mobilisierung der Truppen aufgerufen. Das war ein Übersetzungsfehler. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

Zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn: US-Schauspieler Sean Penn in Kiew

16.20 Uhr: Der US-amerikanische Schauspieler Sean Penn ist zum zweiten Mal seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew empfangen worden. »Sean, wir sind sehr daran interessiert, der Welt zu zeigen, was um Kiew herum geschehen ist«, sagte Selenskyj einer Mitteilung zufolge. Der 44-Jährige forderte Penn auf, auch die Geschehnisse in anderen vom Krieg betroffenen ukrainischen Städten in seinem geplanten Dokumentarfilm festzuhalten.

Penn war bereits kurz nach Kriegsbeginn vor rund vier Monaten überraschend in der ukrainischen Hauptstadt Kiew gewesen und hatte sich mit Selenskyj getroffen. Bereits damals plante der 61-Jährige, den russischen Angriffskrieg filmisch zu verarbeiten.

Russischer Oligarch Deripaska bezeichnet Ukrainekrieg als »kolossalen Fehler«

16.15 Uhr: Der russische Oligarch Oleg Deripaska hat den Ukrainekonflikt als enormen Fehler bezeichnet. »Ist es in Russlands Interesse, die Ukraine zu zerstören? Natürlich nicht, das wäre ein kolossaler Fehler«, sagte er auf einer Pressekonferenz in Moskau. Vertreter der russischen Elite äußern sich nur selten in einer solchen Deutlichkeit.

Der Gründer des Aluminiumkonzerns Rusal sprach auf der Pressekonferenz wiederholt von einem »kolossalen Fehler« und bezeichnete die russische Militäroffensive in der Ukraine zudem als »Krieg« – eine Bezeichnung, die von den russischen Behörden eigentlich verboten wurde.

Spanischer Außenminister vor Nato-Gipfel: »Dies ist der Krieg eines einzigen Mannes«

16.00 Uhr: In Madrid treffen sich die Nato-Staaten zum Gipfel. Gastgeber Albares hofft auf einen Durchbruch für die Mitgliedschaft von Finnland und Schweden – und spricht über mögliche Panzerlieferungen an Kiew. Lesen Sie das Interview. 

US-Regierung will langfristig mehr Militärpräsenz in Europa

15.20 Uhr: Die USA wollen ihre militärische Präsenz in Europa angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine dauerhaft verstärken. Die US-Regierung werde am Mittwoch spezifische Ankündigungen über »langfristige« zusätzliche Kräfte zu Land, zu Wasser und in der Luft machen, sagte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan. Die Zusagen würden »über die Dauer dieser Krise hinausgehen«. Unter anderem sollten mehr US-Kriegsschiffe auf der von den Vereinigten Staaten mitbenutzten Militärbasis Rota in Spanien stationiert werden – sechs statt bisher vier Zerstörer.

Sullivan deutete auch eine Erhöhung der Kräfte an der Nato-Ostflanke an, nannte aber keine Details. Es gehe darum, »einer akuteren und verschärften russischen Bedrohung Rechnung zu tragen«, sagte er. Aufgrund der Truppenverstärkungen wegen des Kriegs in der Ukraine sind inzwischen mehr als 100.000 US-Soldaten in Europa. Die USA schlossen bereits in den vergangenen Monaten eine dauerhaft höhere Truppenpräsenz nicht aus.

US-Soldaten in Ungarn (15.06.2022): Mehr Militärpräsenz in Europa

US-Soldaten in Ungarn (15.06.2022): Mehr Militärpräsenz in Europa

Foto:

Zsolt Czegledi / dpa

Britischer General: Moskau unabhängig von Kriegsausgang gefährlicher

15.05 Uhr: Nach Einschätzung des Generalstabschefs der britischen Streitkräfte steigt die von Russland ausgehende Gefahr für die Sicherheit Europas unabhängig vom Ausgang des Ukrainekriegs. »Wir wissen nicht, wie der Krieg in der Ukraine ausgehen wird, aber in den meisten Szenarien wird Russland eine größere Gefahr für die europäische Sicherheit sein als vorher«, sagte Generalstabschef Patrick Sanders bei einer Konferenz in London.

Russland habe in der Vergangenheit oft bewiesen, dass es trotz anfänglicher Schwierigkeiten dank seiner Ausdauer und seiner beinahe endlosen Ressourcen siegreich aus einer militärischen Auseinandersetzung hervorgehen könne, begründete Sanders seine Warnung. Zudem habe Russlands Präsident Wladimir Putin klargemacht, dass er expansionistische Ziele verfolge. Rückschläge seien daher nur temporär.

Uno: 5,5 Millionen ukrainische Binnenflüchtlinge zurück in der Heimat

14.47 Uhr: In der Ukraine sind 5,5 Millionen Menschen, die nach dem russischen Angriff in andere Landesteile geflohen waren, nach Angaben der Vereinten Nationen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Weiterhin seien aber 6,2 Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben, berichtet das Uno-Büro für Migration (IOM) in Genf. Viele Rückkehrer gab es im Norden des Landes und in der Hauptstadt Kiew. Binnenflüchtlinge sind Menschen, die in innerhalb ihres eigenen Landes aus der Heimat geflohen sind, aber nicht im Ausland Schutz suchten.

Aus dem Ausland seien etwa zehn Prozent der Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt, berichtet IOM. Nach Daten des Uno-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) befinden sich gut 5,2 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer im Ausland, die nach dem russischen Angriff am 24. Februar geflohen sind.

Finnland: Tempo bei Verhandlungen mit der Türkei hat zugenommen

14.31 Uhr: Vor einem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan sehen Finnland und Schweden Fortschritte bei der Lösung des Nato-Streits mit der Türkei. Das Tempo der Verhandlungen habe sich deutlich erhöht, sagte Finnlands Präsident Sauli Niinistö nach Angaben der Nachrichtenagentur STT auf einer Pressekonferenz vor finnischen Journalisten. Natürlich werde die Diskussion mit Erdoğan unvoreingenommen beginnen, um zu sehen, »wo der Schuh wirklich drückt und ob etwas dagegen getan werden kann«, sagte er demnach. Er sei zu diesem Zeitpunkt weder optimistisch noch pessimistisch.

Die schwedische Außenministerin Ann Linde sprach davon, dass die Verhandlungen mit der Türkei vorangekommen seien. »Wir sind darauf vorbereitet, dass heute etwas Positives passiert, aber dass es auch länger dauern kann«, sagte sie vor ihrem Abflug in Stockholm zum Nato-Gipfel in Madrid der Zeitung »Svenska Dagbladet«.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wollte sich am Dienstagnachmittag am Rande des Gipfels mit Erdoğan, Niinistö und der schwedischen Ministerpräsidentin Magdalena Andersson treffen. Dabei wird es vor allem um die türkischen Einwände gegen einen Nato-Beitritt der beiden nordischen Länder gehen. Ankara fordert der eigenen Darstellung nach neben der Einstellung der »Unterstützung von Terrororganisationen« auch die Auslieferung mehrerer Menschen, die in der Türkei unter Terrorverdacht stehen. Außerdem wird die Aufhebung eines Waffenembargos gefordert.

Kiew: Ukraine erhält mehr als 40 Leichen gefallener Soldaten

14.21 Uhr: Die Ukraine hat nach eigenen Angaben erneut Leichen gefallener Soldaten aus den eigenen Reihen von Russland erhalten. »Die Ukraine hat die Körper von 46 heldenhaften Verteidigern für ihre würdige Bestattung zurückgeholt«, teilte das Ministerium für Reintegration in Kiew mit. 21 der Leichen seien von Verteidigern des Stahlwerks Asow in Mariupol.

Die Übergabe habe im südostukrainischen Gebiet Saporischschja stattgefunden. Ob und wie viele Tote an die russische Seite übergeben worden seien, wurde nicht mitgeteilt. Eine russische Bestätigung lag zunächst nicht vor. Tags zuvor hatten Vertreter der abtrünnigen Region Donezk mitgeteilt, dass sie insgesamt 172 Leichen ukrainischer Soldaten auf dem Territorium von des Stahlwerks gefunden hätten.

Die ukrainische Seite teilte zudem mit, dass es einen Gefangenenaustausch gegeben habe. Demnach kehrten 16 ukrainische Soldaten zurück, darunter zwei Offiziere. Fünf von ihnen seien schwer verletzt gewesen und hätten medizinisch behandelt werden müssen. Auch hierzu gab es noch keine Bestätigung von russischer Seite.

Scholz: G7 wollen G20-Runde nicht auseinandertreiben

14.18 Uhr: Olaf Scholz hat sich dafür ausgesprochen, am Format der G20-Runde führender Wirtschaftsmächte festzuhalten, obwohl auch Russlands Präsident Wladimir Putin der Runde angehört. »Was G20 betrifft, bestand hier bei allen Gesprächen große Einigkeit, dass wir die G20 nicht auseinandertreiben wollen«, sagte der Bundeskanzler zum Abschluss des G7-Gipfels in Elmau. Deshalb laute von heute aus gesehen die Entscheidung der in Elmau versammelten Staaten, »dass sie da sich hinbegeben«, erklärte Scholz mit Blick auf den im November in Indonesien geplanten G20-Gipfel.

Kreml hat keine Frist für ein Kriegsende

14.15 Uhr: Russland hat sich nach eigenen Angaben keine Frist für ein Ende seines Angriffskriegs gegen die Ukraine gesetzt. Auf die Frage eines Journalisten, ob es einen ungefähren Zeitrahmen für den in Moskau als »militärische Spezialoperation« bezeichneten Krieg gebe, antwortete Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge: »Nein.«

Scholz und von der Leyen bereiten Ukraine-Wiederaufbaukonferenz vor

13.55 Uhr: Der Wiederaufbau der Ukraine soll nach Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz auf einer großen Konferenz besprochen werden. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und er hätten sich vorgenommen, eine solche Konferenz gemeinsam vorzubereiten, sagte Scholz. Dort wolle man mit vielen anderen darüber sprechen, wie es gelingen könne, ein solch großes Land wie die Ukraine, das militärisch so zerstört worden sei, wieder aufzubauen.

»Es wird nicht um eine Anstrengung von wenigen Jahren gehen, sondern um viele Jahre«, sagte Scholz – und was die finanziellen Konsequenzen angehe noch viel länger. Die Weltgemeinschaft müsse hier gemeinsam vorgehen – mit einem Gesamtkonzept, das mit Forschern und Experten von OECD, Weltbank und anderen entwickelt werden müsse und das über viele Jahrzehnte funktioniere. Es gehe um eine »gigantische Aufgabe«.

»Wir brauchen einen Marshallplan für die Ukraine, der muss auch gut geplant und entwickelt werden, das haben wir uns vorgenommen«, hatte Scholz schon vor dem G7-Gipfel betont.

Söder will vorerst keine großen Gipfeltreffen mehr in Bayern

13.50 Uhr: Nach dem G7-Treffen in Elmau will Bayern auf »absehbare Zeit« nach Worten von Ministerpräsident Markus Söder nicht noch einmal einen großen internationalen Polit-Gipfel ausrichten. »Bayern kann Gipfel«, sagte Söder. Das habe der Freistaat in den vergangenen Tagen bewiesen. Er fügte hinzu: »Jetzt ist aber auch mal wieder gut.«

Bayern habe seine Pflicht getan, sagte Söder. Der Freistaat war auf Schloss Elmau Ausrichter für die letzten beiden G7-Gipfel unter deutscher Gastgeberschaft 2015 und 2022. Für den nächsten G7-Gipfel in Deutschland, voraussichtlich 2029, schlug er andere Bundesländer vor. Statt der Gebirgsschützen und Trachtler, die bei den ausländischen Gästen großen Anklang gefunden hätten, könne man etwa einen Shanty-Chor oder einen Bergmannschor einladen, schlug Söder in Anspielung auf nördlicher gelegene Bundesländer vor. Ein G20-Treffen steht nach Hamburg im Jahr 2017 in Deutschland turnusmäßig erst wieder im Jahr 2037 an.

Litauens Parlament verbietet Gasimporte aus Russland

13.47 Uhr: In Litauen hat das Parlament den Import von Gas aus Russland verboten. Die Volksvertretung Seimas beschloss einstimmig gesetzliche Änderungen, die Lieferanten aus Ländern, die als Bedrohung für die nationale Sicherheit gelten, den Zugang zum litauischen Gastransportsystem verwehren. Auch das Flüssiggasterminal in Klaipeda kann nicht von ihnen genutzt werden. Ausnahmen gelten für Lieferanten, die Gas über Litauen in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad transportieren.

Das baltische EU- und Nato-Land hatte seine Energieimporte aus Russland nach eigenen Angaben vor gut einem Monat vollständig gestoppt. Mit der Regelung soll das Gas-Embargo nach Angaben von Energieminister Dainius Kreivys auch de jure festgeschrieben werden. »Wir brauchen dieses Gesetz, um es auf Dauer zu erhalten«, wurde er in einer Parlamentsmitteilung zitiert.

Kreml: Russland würde Offensive bei Kapitulation der Ukraine sofort beenden

13.33 Uhr: Russland würde seine Offensive gegen die Ukraine nach Kreml-Angaben im Fall einer Kapitulation Kiews sofort beenden. »Die ukrainische Seite kann alles noch vor dem Ende des heutigen Tages stoppen«, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Dafür sei ein Befehl an die Kämpfer notwendig. Kiew müsse zudem alle russischen Bedingungen erfüllen: »Dann wäre alles binnen eines Tages vorbei.«

Mehr als die Hälfte der Trümmer in Krementschuk geräumt

13.16 Uhr: Nach dem Raketenangriff im zentralukrainischen Krementschuk dauern die Aufräumarbeiten in dem völlig zerstörten Einkaufszentrum an. »Mehr als 60 Prozent der Trümmer sind geräumt«, schreibt der Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin,im Nachrichtendienst Telegram. Nach jüngsten Angaben der ukrainischen Behörden stieg die Zahl der Todesopfer erneut – auf inzwischen mehr als 20. Mindestens 59 Menschen wurden verletzt. Mehrere Dutzend werden weiter vermisst.

Die Staatsanwaltschaft nahm indes Ermittlungen wegen eines möglichen russischen Kriegsverbrechens auf. Nach Angaben des Bürgermeisters von Krementschuk, Witalij Malezkyj, wird zudem gegen das Management des Zentrums ermittelt. Dieses habe angeordnet, den Luftalarm zu ignorieren – weswegen das Gebäude nicht geräumt worden sei.

Feuerwehrleute tragen Trümmer: Zahlreiche Menschen werden noch vermisst

Feuerwehrleute tragen Trümmer: Zahlreiche Menschen werden noch vermisst

Foto: GENYA SAVILOV / AFP

Russland will westliche Außengrenze stärken

13.13 Uhr: Als Reaktion auf die von der Nato geplante Aufstockung ihrer schnellen Eingreifkräfte will Russland seine westliche Grenze weiter stärken. Vor dem Hintergrund neuer Gefahren entwickele das Verteidigungsministerium entsprechende Pläne, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Details nannte er nicht. »Die Nato ist ein aggressiver Block, ein Block, der zu Konfrontationszwecken geschaffen wurde.«

Russland, das vor mehr als vier Monaten das Nachbarland Ukraine angegriffen hat, wirft dem westlichen Militärbündnis vor, mit seiner Infrastruktur in Richtung der russischen Grenze vorzurücken. Russland hat etwa eine mehr als 1300 Kilometer lange Grenze zu Finnland. Das Land will ebenso wie Schweden in die Nato.

Scholz: Werden Kosten des Ukrainekriegs für Putin hochtreiben

12.57 Uhr: Zum Abschluss des G7-Gipfels auf dem bayerischen Schloss Elmau hat Kanzler Olaf Scholz die Geschlossenheit der Teilnehmer gegenüber Russland unterstrichen. »Wir sind uns einig: Präsident Putin darf diesen Krieg nicht gewinnen«, sagte der SPD-Politiker am Dienstag in Elmau. »Und wir werden weiter die wirtschaftlichen und politischen Kosten für Präsident Putin und sein Regime hochhalten und in die Höhe treiben. Dafür ist es wichtig, zusammenzustehen, auch auf der langen Strecke, um die es hier sicherlich noch gehen wird.«

Zudem wolle man geschlossen dem »russischen Narrativ« entgegentreten, wonach nur der Westen den Angriff auf die Ukraine verurteile, »und ansonsten die Welt zuschaut, was Russland da eigentlich macht«, sagte Scholz. Er verwies auch auf Beschlüsse zur Unterstützung der Ukraine, unter anderem zur Bereitstellung von Budgethilfen von rund 29 Milliarden US-Dollar. Hinzu komme humanitäre Hilfe, wozu auch schon Beschlüsse getroffen worden seien. Insgesamt gehe es hier um 2,8 Milliarden Dollar. Außerdem erhalte das Land Waffen.

Feuer in Krementschuk: Macron wirft Russland Kriegsverbrechen vor

12.51 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat den russischen Angriff auf ein ukrainisches Einkaufszentrum in Krementschuk als »Kriegsverbrechen« bezeichnet. Mindestens 18 Menschen waren bei dem Brand des Einkaufszentrums ums Leben gekommen, Dutzende werden noch vermisst.

Macron sicherte zu, die Ukraine so lange wie nötig zu unterstützen. »Russland kann und darf diesen Krieg nicht gewinnen«, sagte Macron auf dem G7-Gipfel im bayerischen Elmau.

Scholz: G7 steht unverbrüchlich zur Ukraine

12.45 Uhr: Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat der Ukraine die Unterstützung durch die G7-Runde der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte versichert. Die G7 stünden »eng und unverbrüchlich an der Seite der Ukraine«, sagte Scholz zum Abschluss des G7-Gipfels im bayerischen Elmau: »Wir unterstützen das Land bei seiner Verteidigung und bieten ihm eine Perspektive für die Zukunft an.«

Scholz sprach von einem wichtigen G7-Gipfel in einer ganz besonderen Zeit. Das Treffen habe auf beeindruckende Weise die Geschlossenheit und Entschlossenheit gezeigt, der russischen Aggression entgegenzutreten. 125 Tage lang führe Russland nun schon Krieg gegen die Ukraine, sagte der Bundeskanzler. Als Gruppe der wirtschaftlich starken Demokratien verurteile die G7 diesen erbarmungslosen Krieg.

Gouverneur: Ukrainische Armee verteidigt weiterhin Lyssytschansk

12.42 Uhr: Nach der Einnahme der ostukrainischen Großstadt Sjewjerodonezk durch russische Truppen verteidigt die ukrainische Armee laut Behördenangaben weiterhin die Nachbarstadt Lyssytschansk. »Lyssytschansk setzt die Verteidigung fort«, erklärte Regionalgouverneur Serhij Hajdaj bei Telegram. Russische Truppen versuchten weiterhin, Lyssytschansk einzukreisen und die Autobahn zwischen Bachmut und Lyssytschansk unter ihre Kontrolle zu bringen.

Von den ursprünglich 95.000 Einwohnern harren laut Gouverneur Hajdaj noch etwa 15.000 in der Stadt aus. Die gesamte Region Luhansk liege nach wochenlangen russischen Angriffen inzwischen in »Ruinen«. Die Zerstörung in den Dörfern sei »katastrophal«.

Selenskyj zu Angriff auf Einkaufszentrum: »Eine der dreistesten Terrorattacken in der Geschichte Europas«

12.15 Uhr: Russische Raketen haben ein Einkaufszentrum in Krementschuk getroffen, viele Menschen wurden verletzt oder getötet. Der ukrainische Präsident nennt die Attacke »Terror«.

DER SPIEGEL

Timoschenko: Derzeit keine Chance auf friedliche Lösung mit Russland

12.05 Uhr: Die frühere ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko sieht aktuell keine Chancen auf eine diplomatische und friedliche Lösung im Ukrainekrieg. »Putin will die ganze Ukraine zerstören und das ganze ukrainische Volk töten«, sagte sie im Interview mit RTL/ntv mit Blick auf den von Russlands Präsident Wladimir Putin angeordneten Krieg. Ihr Land werde niemals der von Russland vorgeschlagenen Lösung zustimmen, die besetzten Gebiete zu annektieren und die ukrainische Armee nahezu aufzulösen, sagte sie.

In den ersten Wochen nach dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar gab es noch Verhandlungen zwischen beiden Ländern. Mittlerweile sind sie aber ausgesetzt. Die in der Öffentlichkeit geäußerten Forderungen Moskaus zu Beginn des Kriegs bestanden unter anderem in der Anerkennung der ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk als unabhängige Staaten sowie der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim als russisches Staatsgebiet. Erst kürzlich wiederholte der Kreml, auf seinen Maximalforderungen zu beharren.

Kreml: Nato ein »aggressiver Block«

12.00 Uhr: Nach der Ankündigung der Nato, die Zahl der schnellen Eingreifkräfte zu erhöhen, hat der Kreml das Bündnis als »aggressiven Block«, der auf Konfrontation angelegt sei, bezeichnet. In einer Telefonkonferenz mit Reportern erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow, der Krieg in der Ukraine, den Russland als »spezielle Militäroperation« bezeichnet, verlaufe nach Plan.

Aus einem Kriegsgebiet ins nächste: Warum eine Ukrainerin ausgerechnet in Gaza Schutz sucht

11.50 Uhr: Als Putins Angriff begann, flohen Viktoria Saidam und ihr Mann nicht nach Westeuropa – sondern in den Gazastreifen. Explosionen gibt es hier auch, die Versorgung ist katastrophal. Bereuen sie die Entscheidung? 

Russland untersagt Bidens Frau und Tochter die Einreise

11.40 Uhr: Als Reaktion auf westliche Sanktionen hat Russland weitere Einreiseverbote gegen Amerikaner verhängt, darunter gegen die Familie von US-Präsident Joe Biden. Dessen Frau Jill und Tochter Ashley dürften nicht mehr nach Russland reisen, teilt das Außenministerium in Moskau mit. Der Präsident selbst und Außenminister Anthony Blinken sowie Hunderte Mitglieder des US-Repräsentantenhauses stehen bereits auf dieser Liste. Neu aufgenommen wurden demnach weitere Mitglieder des US-Senats und mehrere Professoren von Hochschulen. Sie seien für einen »russophoben Kurs« in den USA verantwortlich, heißt es aus dem russischen Außenamt.

Die USA und Kanada hatten im Zuge von Russlands Krieg gegen die Ukraine auch zwei erwachsene Töchter von Kremlchef Wladimir Putin auf ihre Sanktionsliste gesetzt.

G7 wollen Ukraine bei kommender Getreide-Ernte helfen

11.31 Uhr: Angesichts der sich ausweitenden Hungerkrise vor allem in Afrika wollen die G7-Staaten ihre Bemühungen verstärken, der Ukraine bei der Produktion landwirtschaftlicher Güter mit Blick auf die kommende Erntesaison zu helfen. Das geht aus einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Elmau hervor. Darin heißt es, Russland habe mit seiner Aggression gegen die Ukraine die globale Hungerkrise auf dramatische Weise verschärft. Deshalb wollen die sieben führenden westlichen Industriestaaten weitere 4,5 Milliarden Dollar gegen Mangelernährung bereitstellen.

London: Russische Streitkräfte zunehmend ausgezehrt

11.18 Uhr: Russlands Invasionstruppen in der Ukraine sind nach Einschätzung britischer Geheimdienstexperten von ihren schweren Verlusten deutlich gezeichnet. »Die russischen Streitkräfte sind zunehmend ausgezehrt«, heißt es in dem täglichen Lagebericht des britischen Verteidigungsministeriums zum Ukrainekrieg.

Beim Kampf um die ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk seien die Hauptbestandteile von sechs verschiedenen russischen Armeen zum Einsatz gekommen. Trotzdem sei mit der Einnahme der Stadt nur ein kurzfristiges Ziel erreicht worden, so die Mitteilung weiter. Die russische Militärführung akzeptiere derzeit »ein Niveau verminderter Kampfkraft, das sich wahrscheinlich als nicht tragfähig erweisen wird«, resümieren die britischen Experten.

Russland: Einkaufszentrum in Krementschuk angeblich nicht direkt attackiert

10.37 Uhr: Russland behauptet, das Einkaufszentrum in Krementschuk am Montag nicht direkt attackiert zu haben. Das russische Verteidigungsministerium erklärt, es habe Raketen auf ein Waffendepot in Krementschuk abgefeuert, in dem von den USA und Europa gelieferte Waffen gewesen seien. Die anschließende Explosion der Munition habe den Brand in dem nahe gelegenen Einkaufszentrum ausgelöst. Infolge des Raketenangriffs starben ukrainischen Angaben zufolge mindestens 18 Menschen, 36 Menschen gelten noch als vermisst.

Der ukrainische Präsident sowie Beobachter vor Ort hatten berichtet, es habe sich um einen kalkulierten russischen Angriff gehandelt, eine russische Rakete habe das Einkaufszentrum getroffen.

Selenskyj spricht mit Stoltenberg – und betont Bedeutung von Luftabwehrsystem

10.30 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben in einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg betont, wie wichtig ein Raketenabwehrsystem für die Ukraine sei. Auf Twitter schreibt Selenskyj, er habe anlässlich des bevorstehenden Nato-Gipfels in Madrid mit Stoltenberg gesprochen. »Ich habe die Bedeutung eines leistungsfähigen Raketenabwehrsystems für die Ukraine betont, um russische Terroranschläge zu verhindern«, so Selenskyj.

Kissinger äußert Verständnis für Deutschland im Umgang mit Ukrainekrieg

10.05 Uhr: Nach Ansicht Henry Kissingers werde Deutschland eine wichtige Rolle bei der Schaffung eines neuen Europas spielen. Dass Berlin mit militärischer Führung hadere, sei nachvollziehbar, findet der 99-jährige US-Staatsmann.

Gouverneur: Noch 36 Vermisste nach Angriff auf Einkaufszentrum

09.41 Uhr: Infolge des Raketenangriffs auf ein Einkaufszentrum in der Ukraine mit mindestens 18 Toten dauert die Suche nach möglichen weiteren Opfern an. 36 Menschen gelten noch als vermisst, wie der Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, im Nachrichtendienst Telegram schreibt. Hunderte Einsatzkräfte seien vor Ort. Lunin veröffentlichte zudem Bilder, die zeigen, wie schwere Metallplatten von einem Kran angehoben werden.

Bei dem Angriff am Montag wurden laut ukrainischen Angaben mindestens 18 Menschen getötet.

Lubmin 2 in Mecklenburg-Vorpommern: Hier kommt Putins Gas an – na ja, ein wenig und auf Umwegen

09.38 Uhr: Im Ostseebad Lubmin liegt die Empfangsstation der Pipeline Nord Stream 2. Mit dem Ende des Projekts scheitern auch die Hoffnungen vieler Menschen hier. Die Übernahmestation ist dennoch in Betrieb und wird auch in Zukunft gebraucht. 

Russische Truppen stürmen offenbar Siedlung bei Lyssytschansk

08.57 Uhr: Im Osten der Ukraine gehen nach Angaben aus Kiew die Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Lyssytschansk weiter. Der Feind stürme die Siedlung Wowtschojariwka südwestlich der Stadt, teilt der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Russische Einheiten stehen im Süden bereits am Stadtrand. Gekämpft werde zudem an einer Ölraffinerie.

Lyssytschank ist die letzte große Stadt in der Region unter ukrainischer Kontrolle. Dort sollen noch mehrere Tausend ukrainische Soldaten stationiert sein. Nach ukrainischen Angaben haben russische Truppen neben dem Einsatz von Mörsern und Artillerie auch Luftangriffe in Richtung der Stadt geflogen.

Merz fordert mehr Waffenlieferungen

08.41 Uhr: CDU-Chef Friedrich Merz fordert mehr Waffenlieferungen an die Ukraine. »Die Ukraine braucht mehr militärische Unterstützung«, sagte Merz im ZDF-»Morgenmagazin«: »Der Verlauf des Krieges zeigt ganz eindeutig, dass die ukrainische Armee nicht in der Lage ist, dieser russischen Aggression militärisch hinreichend zu begegnen.« Russland mache Geländegewinne und die Ukraine sei kaum in der Lage, Territorium zurückzuerobern. Merz befürwortet zudem die Pläne der Nato, die schnelle Eingreiftruppe von 40.000 auf 300.000 aufzustocken: »Es geht ja nicht nur um einen Angriff auf das Territorium der Ukraine, sondern es ist ein Angriff auf unsere Freiheit.«

Konsumlaune der Deutschen wird mit steigender Inflation schlechter

08.32 Uhr: Das Konsumklima in Deutschland ist wegen der Folgen des Ukrainekriegs auf ein Rekordtief gefallen. Das Konsumforschungsunternehmen GfK ermittelte für Juli einen Wert von minus 27,4 Punkten, was im Vergleich zum Vormonat ein Rückgang um 1,2 Punkten ist. »Der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie unterbrochene Lieferketten lassen vor allem die Energie- und Lebensmittelpreise explodieren und führen dazu, dass sich das Konsumklima so trüb wie noch nie zeigt«, erklärte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Vor allem die um knapp acht Prozent erhöhten Lebenshaltungskosten drückten auf die Stimmung, sagte er. Die Kaufkraft schmelze dahin. Die Hoffnung, dass die in der Pandemie angehäuften Ersparnisse in Anschaffungen umgesetzt würden, werde sich vermutlich nicht erfüllen. »Wenn für Energie und Lebensmittel von den privaten Haushalten deutlich mehr gezahlt werden muss, stehen entsprechend weniger finanzielle Mittel, vor allem für größere Anschaffungen, zur Verfügung«, heißt es in einer GfK-Mitteilung. Dadurch werde die Binnenkonjunktur auch in den kommenden Monaten leiden.

US-Lieferung für ukrainische Armee: Mit diesem Luftabwehrsystem soll der russische Vormarsch gestoppt werden

08.15 Uhr: Die USA wollen die Ukraine mit weiteren Raketen beliefern. Das Luftabwehrsystem soll eine große Schwachstelle an der Front beheben – wie es funktioniert und was es bringen soll.

Retter suchen weiter nach Verletzten in ukrainischem Einkaufszentrum

7.05 Uhr: Nach dem Raketenangriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk suchen Rettungsmannschaften weiter nach Überlebenden. Den ukrainischen Behörden zufolge wurden am Dienstag noch mehr als 40 Menschen vermisst. Angehörige versammelten sich in der Nähe des Einkaufszentrums, in dem sich zum Zeitpunkt des Raketenangriffs am Montag mehr als 1000 Menschen befunden hatten. Zuletzt wurden mindestens 16 Tote und 59 Verletzte gemeldet. Russland hat sich bisher nicht offiziell zu dem Angriff geäußert.

Feuerwehrleute des Katastrophenschutzes beseitigen Trümmer des zerstörten Einkaufszentrums

Feuerwehrleute des Katastrophenschutzes beseitigen Trümmer des zerstörten Einkaufszentrums

Foto: Efrem Lukatsky / dpa

Russische Bürgerrechtler berichten über Festnahme von Oppositionspolitiker Jaschin

6.23 Uhr: In der russischen Hauptstadt Moskau ist der prominente liberale Politiker Ilja Jaschin nach Angaben von Bürgerrechtlern festgenommen worden. Er sei auf eine Polizeistation gebracht worden, teilte das Bürgerrechtsportal Owd-Info in der Nacht zum Dienstag mit. Sein Anwalt habe zunächst keinen Zugang zu dem Oppositionspolitiker bekommen. Der 38-Jährige soll Forderungen eines Polizeibeamten nicht nachgekommen sein, wie Owd-Info die Journalistin Irina Bablojan zitierte, die mit Jaschin vor der Festnahme spazieren war. Im Frühjahr war gegen ihn laut Medienberichten wegen angeblicher Verunglimpfung der russischen Armee während Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine ermittelt worden.

Inspekteur: Deutsche Marine bereit für Führungsrolle in der Ostsee

5.53 Uhr: Die Deutsche Marine ist in der Ostsee bereit für zusätzliche Aufgaben in der gemeinsamen Verteidigung des Nato-Gebietes. »Die Deutsche Marine ist in dieser Region keine kleine Marine. Die Verantwortung, die daraus erwächst, nehmen wir gern an«, sagte der Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Jan Christian Kaack, in einer Grundsatzrede zu 100 Tagen in dem Amt, die er am Montag an Bord des Tenders »Rhein« vor den Kreidefelsen der Insel Rügen hielt. Das Manuskript der Rede lag der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vor. Die Deutsche Marine habe deswegen angeboten, in Rostock ein regionales Marine-Hauptquartier für die Ostsee einzurichten, sagte Kaack.

Er habe Zeit und Ort bewusst ausgewählt, sagte der Marine-Chef. »Denn mit dem russischen Überfall auf die Ukraine wird uns allen doch deutlich, dass ein Leben in Frieden und Freiheit eben nicht selbstverständlich sind und Recht, Demokratie und Menschenwürde unseres Schutzes bedürfen. Überall. Auch und gerade in der Ostsee, in der sich Freunde und Verbündete wieder bedroht fühlen.«

Er warnte davor, die militärischen Fähigkeiten Russlands zu unterschätzen. »Sie alle haben darüber hinaus die Versenkung des russischen Kreuzers »Moskwa« sowie einiger anderer russischer Einheiten durch ukrainische Flugkörper verfolgen können«, sagte Kaack. »Wir alle sollten uns jedoch von diesen Bildern nicht täuschen lassen: Die russische Marine wird aus diesem Krieg im Wesentlichen unbeschadet hervorgehen. Darauf müssen wir – gemeinsam mit unseren Verbündeten – vorbereitet sein.«

muk/ptz/svs/ani/dpa/AFP/Reuters
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