Krieg in der Ukraine London liefert Kiew erneut Mehrfachraketenwerfer

Der ukrainische Verteidigungsminister hat sich via Twitter für schwere Waffen aus Großbritannien bedankt. Die Armee werde diese gekonnt einsetzen. Und: Kremltruppen rücken im Donbass weiter vor. Die News.
Ein Mehrfachraketenwerfer des Typs M270 MLRS

Ein Mehrfachraketenwerfer des Typs M270 MLRS

Foto: Christof Stache / AFP

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Ursachen für die Explosionen auf dem Militärflughafen Saki auf der Krim sind unklar, doch der britische Geheimdienst sieht die Luftwaffe der Schwarzmeerflotte »erheblich geschwächt«.

  • Der ukrainische Parlamentspräsident hofft auf eine noch schnellere Unterstützung bei Waffenlieferungen durch Deutschland.

  • Zwei weitere Schiffe mit Getreide haben ukrainische Häfen verlassen, eines davon transportiert erstmals Weizen.

  • Der IAEA-Chef drängt auf Zugang zum Atomkraftwerk Saporischschja. Russland zeigt sich offen, um das AKW eine entmilitarisierte Zone einzurichten.

Estlands Außenminister kontert Scholz: Das ist ganz Russlands Krieg

12.43 Uhr: Estlands Außenminister Urmas Reinsalu hat in der Diskussion um Einreisebeschränkungen für Russen den Worten von Bundeskanzler Olaf Scholz widersprochen. »Ich bin nicht einverstanden mit einem Ansatz, bei dem wir die sogenannten einfachen russischen Bürger nehmen und sie von Putin unterscheiden. Der Krieg wird von der Russischen Föderation als Staat geführt. Und zweifellos tragen die russischen Bürger durch ihre Passivität moralische Verantwortung dafür«, sagte der Chefdiplomat des baltischen EU- und Nato-Landes im Fernsehen.

Die Regierung in Tallinn hatte am Donnerstag beschlossen, dass russische Staatsbürger vom 18. August an nicht mehr mit einem von Estland ausgestellten Schengenvisum einreisen dürfen. Zusammen mit mehreren anderen EU-Ländern macht sich Estland für ein generelles Verbot von Touristenvisa stark. Dem hatte Scholz am Donnerstag eine Absage erteilt. »Das ist Putins Krieg, und deshalb tue ich mich mit diesem Gedanken sehr schwer«, sagte der Kanzler in Berlin.

Uno-Schiff mit Getreide für Afrika soll bald aus Ukraine ablegen

12.25 Uhr: Nach Angaben von EU-Ratspräsident Charles Michel könnte bald das erste Transportschiff mit Getreide im Auftrag der Uno von der Ukraine nach Afrika fahren. Die »Brave Commander« werde in einem ukrainischen Hafen beladen und werde sich auf den Weg nach Äthiopien machen, teilte Michel mit. Es sei wichtig, dass alle Beteiligten zusammenarbeiteten, um eine Lebensmittelknappheit und Hunger zu vermeiden, sagte Michel. Das Schiff soll mehr als 23.000 Tonnen Getreide in das afrikanische Land bringen.

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Großbritannien liefert weitere Mehrfachraketenwerfer

12.20 Uhr: Kiew hat weitere schwere Waffen aus London erhalten. Die ukrainische Armee hat laut Verteidigungsminister Oleksij Resnikow weitere Mehrfachraketenwerfer des Typs M270 MLRS aus Großbritannien geliefert bekommen. Resnikow dankte auf Twitter für die Lieferung und schrieb, dass bald weitere Waffenlieferungen eintreffen sollen. Der M270 kann bis zu zwölf Raketen transportieren, die Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung treffen können.

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Tchibo hat Russland-Geschäft aufgegeben

12.10 Uhr: Der führende deutsche Kaffeeröster Tchibo hat sein Russland-Geschäft vollständig aufgegeben. Die dortige Gesellschaft sei bereits Anfang Juli verkauft worden, sagte ein Sprecher in Hamburg der Nachrichtenagentur dpa. Das Unternehmen habe in Russland ausschließlich Kaffeeprodukte angeboten und schon zu Beginn des Krieges Ende Februar die Belieferung mit Kaffee eingestellt. »Das Rösten von Tchibo-Kaffee bei einem Lohnfertiger in Russland wurde beendet und sämtliche Marketingaktivitäten sowie die Onlinepräsenz gestoppt.«

Sieben britische Städte stehen bereit, um den Eurovision Song Contest anstelle der Ukraine auszurichten

11.47 Uhr: Da der Eurovision Song Contest 2023 aus Sicherheitsgründen nicht in der Ukraine stattfinden kann, springt Großbritannien ein. Sieben britische Städte haben sich bereit erklärt, den Wettbewerb in Vertretung auszurichten. Wie die BBC am Freitag mitteilte, setzten sich Glasgow, Manchester, Liverpool, Birmingham, Newcastle, Leeds und Sheffield im ursprünglichen Feld von 20 Bewerbern durch und schafften es auf die Shortlist.

Im Herbst soll entschieden werden, welche Stadt den Musikwettbewerb im kommenden Jahr austragen wird. Alle Bewerber hätten bereits gezeigt, wie sie ukrainische Kultur, Musik und Gemeinschaften widerspiegeln wollten, um die Tatsache hervorzuheben, dass der diesjährige Wettbewerb von der Ukraine gewonnen worden sei, hieß es weiter. Beim diesjährigen Wettbewerb in Turin hatte die Ukraine mit dem Kalush Orchestra gewonnen.

Russische Armee rückt nach schweren Angriffen im Donbass weiter vor

10.35 Uhr: Das russische Militär hat nach ukrainischen Angaben bei schweren Angriffen in der Ostukraine Stellungen nördlich von Horliwka erobert. »Beim Vorstoß in Richtung Horliwka–Sajzewe hatte der Feind teilweise Erfolg«, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht mit. Die Großstadt Horliwka nördlich von Donezk wird bereits seit 2014 von den prorussischen Separatisten kontrolliert. Nun wurden offenbar die stark befestigten ukrainischen Stellungen nördlich der Stadt im Donbass gestürmt.

Kämpfe wurden auch vor Donezk und südlich des Verkehrsknotenpunkts Bachmut gemeldet, der Teil des Verteidigungswalls um den letzten von Kiew kontrollierten Ballungsraum im Donbass, Slowjansk–Kramatorsk, ist. In beiden Fällen halten die Gefechte den ukrainischen Angaben nach an, während sie an anderen Stellen zurückgeschlagen worden seien. Unabhängig lassen sich die Berichte nicht überprüfen.

Moskau will entmilitarisierte Zone um AKW Saporischschja unterstützen

10.13 Uhr: Russland deutet an, die Lage um das Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine entschärfen zu wollen. Die Forderung einer Entmilitarisierung sei »vernünftig«, erklärte der Vizechef des Außenausschusses im russischen Parlament, Wladimir Dschabarow. »Ich denke, wir werden das unterstützen«, sagte er der Agentur Interfax zufolge.

DER SPIEGEL

Die Kontrolle über das AKW will Moskau aber behalten. Eine Übergabe des leistungsstärksten Kernkraftwerks in Europa an die Ukraine schloss der Duma-Abgeordnete der Kremlpartei »»Einiges Russland«« aus. Russland ist eigenen Angaben auch dazu bereit, internationale Experten den Zugang zu Saporischschja zu ermöglichen. Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensja erklärte, eine solche Mission solle »möglichst schnell – vielleicht sogar bis Ende August stattfinden«.

Wert deutscher Importe aus Russland stark gestiegen

9.31 Uhr: Trotz der Sanktionen hat Deutschland mehr für Wareneinführungen aus Russland ausgegeben als zuvor. Im ersten Halbjahr 2022 legte der Gesamtwert um 51,3 Prozent auf 22,6 Milliarden Euro zu, insbesondere aufgrund höherer Preise für Öl und Gas. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Mengenmäßig dagegen sanken die Russlandimporte um 24,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Die Exporte nach Russland brachen ein. In den ersten sechs Monaten des Jahres führte Deutschland Waren im Wert von 8,3 Milliarden Euro nach Russland aus – das waren 34,5 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2021. Der Importüberschuss im Handel mit Russland vervielfachte sich dadurch: von 2,2 Milliarden auf 14,2 Milliarden Euro.

Gerhard Schröder verklagt den Bundestag

9.12 Uhr: Gerhard Schröder kämpft um sein Büro: Der Ex-Kanzler hat beim Berliner Verwaltungsgericht eine Klage gegen den Bundestag eingereicht. Im Mai waren ihm seine Sonderrechte entzogen worden – nicht wegen seiner Haltung in der Ukraine-Frage oder seiner Freundschaft zu Wladimir Putin, sondern im Rahmen einer grundsätzlichen Regelung: Altkanzler, die keine Verpflichtungen aus ihrem Amt mehr wahrnehmen, sollten auch kein Büro mehr bekommen. Lesen Sie hier die gesamte Meldung.

Britischer Geheimdienst sieht russische Luftwaffe durch Explosionen in Saki »erheblich geschwächt«

8.30 Uhr: Nun bestätigt auch der britische Geheimdienst die Schäden auf dem russischen Militärflughafen in Saki auf der besetzten Halbinsel Krim. Dort war es am Dienstag zu Explosionen gekommen , bei der eine Anzahl von Kampfjets ausgeschaltet wurden. Die Ukraine sprach von zehn Fliegern, der britische Geheimdienst vermeldet nun via Twitter  fünf SU-24 Fencer-Kampfbomber und drei SU-30 Flanker-Mehrzweckflugzeuge, die zerstört oder schwer beschädigt seien.

Das sei zwar nur ein kleiner Anteil der insgesamt verfügbaren Flugzeuge, dennoch sei durch den mutmaßlichen Angriff die Leistungsfähigkeit der Luftwaffe der Schwarzmeerflotte »in erheblichem Maße geschwächt« worden, urteilt der Geheimdienst. Das russische Militär müsse seine Gefahreneinschätzung ändern, die Krim sei bisher offenbar als sicherer Rückzugsraum gesehen worden. Der mutmaßlich ukrainische Angriff habe diese Gewissheit zerstört.

Die Ursache für die Explosionen ist auch laut britischem Geheimdienst noch unklar. Ziemlich sicher seien sie aber auf die Zerstörung von bis zu vier ungeschützten Munitionsdepots zurückzuführen. Der Flughafen von Saki sei beschädigt, könne aber weiterhin genutzt werden. Werfen Sie hier einen Blick auf die Satellitenbilder  vom Militär-Stützpunkt.

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Ukraine dringt auf schnelle weitere Hilfe aus Deutschland

7.55 Uhr: Die Ukraine hofft auf rasche weitere Hilfe von deutscher Seite. »Wir sind sehr dankbar für die Entscheidung Deutschlands, uns zu unterstützen«, sagte der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. »Ich hoffe sehr, dass die Zeiträume zwischen den Entschlüssen und dem tatsächlichen Eintreffen der Hilfen immer kürzer werden. Denn wir brauchen wirklich deutsche Technik, inklusive Panzer und Haubitzen.«

Deutschland hatte bei der Lieferung schwerer Waffen lange gezögert. Erst zwei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs machte Berlin erste Zusagen. Inzwischen sind erste Systeme wie die Panzerhaubitze 2000, Mehrfachraketenwerfer vom Typ Mars II oder Gepard-Flugabwehrpanzer geliefert worden.

Türkei: Zwei weitere Schiffe mit Getreide verlassen ukrainische Häfen

7.15 Uhr: Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums haben am Freitag zwei weitere Schiffe die ukrainischen Schwarzmeerhäfen verlassen. Damit steigt die Gesamtzahl der Schiffe, die das Land im Rahmen eines von den Vereinten Nationen vermittelten Abkommens verlassen haben, auf 14.

Die unter belizischer Flagge fahrende Sormovsky verließ demnach den ukrainischen Hafen Chornomorsk mit 3050 Tonnen Weizen an Bord, die in die nordwestliche türkische Provinz Tekirdag gebracht werden sollen. Außerdem legte die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende Star Laura mit 60.000 Tonnen Mais an Bord am Hafen von Pivdennyi in Richtung Iran ab.

Kiewer Parlamentschef sieht deutschen Kurswechsel gegenüber Russland

6.24 Uhr: Der ukrainische Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk sieht einen Kurswechsel Deutschlands gegenüber Russland und hat diesen gewürdigt. Der Ukraine sei wichtig, dass Russland für Deutschland nicht länger ein Land sei, mit dem man normale Wirtschaftsbeziehungen unterhalte und Geschäfte mache, sagte Stefantschuk dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). »Deutschland hat uns sehr geholfen, indem es seine Position gegenüber Russland geändert hat.«

Ukrainischer Brigadegeneral: Russland hat Zahl der Luftangriffe verdoppelt

6.10 Uhr: Russland hat laut einem ukrainischen Brigadegeneral die Zahl der Luftangriffe auf militärische Stellungen und zivile Infrastruktur der Ukraine im Vergleich zur Vorwoche verdoppelt. »Die Flugzeuge und Hubschrauber des Gegners vermeiden es, in die Reichweite unserer Luftabwehr zu fliegen, und deshalb ist die Genauigkeit dieser Angriffe gering«, sagte der ukrainische Brigadegeneral Oleksij Hromow auf einer Pressekonferenz.

IAEA-Chef drängt auf Zugang zum AKW Saporischschja

5.55 Uhr: Bei einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats hat der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, den sofortigen Zugang zum ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja gefordert. »Dies ist eine schwere Stunde, eine ernste Stunde, und die IAEA muss so schnell wie möglich ihre Mission in Saporischschja vornehmen können«, sagte der per Video zugeschaltete Grossi. »Die Zeit drängt.«

US-Vertreterin Bonnie Jenkins sagte, mit einer IAEA-Mission könne »nicht länger gewartet werden«. Die »Lösung« für die Probleme mit dem Atomkraftwerk wäre aber einfach: »Die USA rufen die Russische Föderation auf, umgehend ihre Soldaten von ukrainischem Territorium abzuziehen.« Dies würde es der Ukraine erlauben, die Sicherheit am AKW Saporischschja wiederherzustellen, die es dort »jahrzehntelang« gegeben habe.

Seit Tagen wird aus der Gegend um das von Russland besetzte AKW im Süden der Ukraine heftiger Beschuss gemeldet, auch am Donnerstag gab es Raketenangriffe. Russland und die Ukraine machen sich gegenseitig verantwortlich. Die Angriffe wecken Befürchtungen vor einer Katastrophe am größten Atomkraftwerk Europas.

Selenskyj: Nicht mehr über Taktik gegen Russland reden

5.30 Uhr: Präsident Wolodymyr Selenskyj hat ukrainische Beamte aufgefordert, nicht mehr mit Reportern über Kiews militärische Taktik gegen Russland zu sprechen. Solche Äußerungen seien »offen gesagt unverantwortlich«.

Nach den Explosionen, die am Dienstag einen russischen Luftwaffenstützpunkt auf der Krim zerstörten, zitierten die Zeitungen »New York Times« und »Washington Post« nicht identifizierte Beamte mit der Aussage, ukrainische Streitkräfte seien dafür verantwortlich. Die Regierung in Kiew hingegen lehnte es ab, zu sagen, ob sie hinter den Explosionen steckte.

»Krieg ist definitiv nicht die Zeit für Eitelkeiten und laute Erklärungen. Je weniger Details Sie über unsere Verteidigungspläne preisgeben, desto besser ist es für die Umsetzung dieser Verteidigungspläne«, sagte Selenskyj in einer Abendansprache.

als/mgo/svs/dpa/Reuters/AFP
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