Krieg in Osteuropa Ukrainisch-orthodoxe Kirche sagt sich von Moskau los

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche hat ihre »völlige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit« vom Moskauer Patriarchat erklärt. Und: Finnland drängt auf eine schnelle Lösung im Streit um seine Nato-Mitgliedschaft. Das waren die News am 27. Mai.
Die ukrainisch-orthodoxe Kirche will ihm nicht mehr folgen: Kyrill I., Patriarch von Moskau und Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche will ihm nicht mehr folgen: Kyrill I., Patriarch von Moskau und Vorsteher der Russisch-Orthodoxen Kirche

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IMAGO/Oleg Varov / IMAGO/ITAR-TASS

  • Prorussische Separatisten haben mit der Tötung dreier gefangen genommener Ausländer gedroht, die aufseiten der Ukraine gekämpft haben sollen.

  • Die besonders schwer umkämpfte ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk ist nach Angaben der dortigen Militärverwaltung kurz davor, von russischen Truppen komplett umzingelt zu werden.

  • Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Ansicht von Österreichs Kanzler Karl Nehammer im Ukrainekrieg ein Entgegenkommen bei Getreideexporten sowie beim Umgang mit Kriegsgefangenen signalisiert.

  • Zwei russische Regionalabgeordnete haben öffentlich ein Ende der Offensive in der Ukraine gefordert.

  • Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber fordert von Deutschland, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln.

  • Die Gespräche zwischen der Türkei und Finnland sowie Schweden über einen Nato-Beitritt der beiden nordischen Länder machen Insidern zufolge kaum Fortschritte.

  • Seit Kriegsbeginn Ende Februar sind in der Ukraine mehr als 4000 Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben, gab das Uno-Menschenrechtsbüro bekannt.

Ukrainisch-orthodoxe Kirche sagt sich vom Moskauer Patriarchat los

22.06 Uhr: Wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats ihre »völlige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit« von Moskau verkündet. Was den Konflikt angehe, sei man uneins mit der Position des Moskauer Patriarchen Kyrill, teilte die Kirche am Freitag in Kiew mit. Man verurteile den Krieg und appelliere an die Ukraine und Russland, den Verhandlungsprozess fortzusetzen und das Blutvergießen zu stoppen, hieß es. Kyrill, Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, steht im Ukraine-Krieg fest hinter dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Zuletzt war der innerkirchliche Druck gestiegen, sich von Moskau loszusagen. Hunderte Priester hatten gar ein Kirchentribunal gegen den Patriarchen gefordert. Die ukrainisch-orthodoxe Kirche des Moskauer Patriarchats ist der Zahl der Gemeinden nach die größte der drei maßgeblichen Kirchen in der Ukraine. Trotz der bisherigen Zuordnung zu Moskau hatte Kirchenvorsteher Onufrij den russischen Angriffskrieg deutlich verurteilt.

Finnland mach Druck im Streit um Nato-Beitritt

20.55 Uhr: Finnland drängt auf eine zügige Lösung des Streits um seine Nato-Mitgliedschaft. Es sei sehr wichtig, dass die Vorbehalte der Türkei gegen einen Beitritt Finnlands zu dem Militärbündnis vor dem Nato-Gipfel Ende Juni beseitigt seien, sagt Außenminister Pekka Haavisto vor Journalisten nach einem Treffen mit seinem US-Kollegen Antony Blinken in Washington.

Der finnische Außenminister Pekka Haavisto mit seinem US-amerikanischen Kollegen Antony Blinken bei einer Pressekonferenz in Washington

Der finnische Außenminister Pekka Haavisto mit seinem US-amerikanischen Kollegen Antony Blinken bei einer Pressekonferenz in Washington

Foto: NICHOLAS KAMM / AFP

Separatisten drohen mit Tötung gefangener Ausländer in der Ukraine

18.39 Uhr: Die prorussischen Separatisten haben mit der Tötung dreier gefangen genommener Ausländer gedroht, die aufseiten der Ukraine gekämpft haben sollen. Demnach sind »Ermittlungen« gegen zwei Briten und einen Marokkaner abgeschlossen worden. »Gegen die Angeklagten kann unter Berücksichtigung des Kriegsrechts die Höchststrafe – die Todesstrafe – verhängt werden«, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Separatisten der Nachrichtenagentur Interfax zufolge am Freitag. Der Fall sei bereits an das Gericht übergeben.

Auch die russische Führung hatte ausländischen Kämpfern mit harten Strafen gedroht, wenn sie gefangen genommen würden. Sie würden nicht als Soldaten gelten, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

In Russland gibt es keine Todesstrafe. Sie gilt aber in den prorussischen Separatistengebieten. Dort sind auch die Prozesse gegen die ukrainischen Kämpfer aus dem Stahlwerk in Mariupol geplant. Viele von ihnen gehören dem Asow-Regiment an, das in russischen Medien als Nazi-Einheit bezeichnet wird.

Militärverwaltung: Ostukrainisches Sjewjerodonezk fast eingekesselt

18.18 Uhr: Die besonders schwer umkämpfte ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk ist nach Angaben der dortigen Militärverwaltung fast vollständig von russischen Truppen umzingelt. Zu zwei Dritteln sei die Großstadt im Gebiet Luhansk schon belagert, aber noch nicht komplett eingekesselt, sagte der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexandr Strjuk, am Freitag. Die Verteidiger leisteten weiter heftigen Widerstand. Der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Gaidai, schrieb in einem Beitrag über den Messengerdienst Telegram, es sei möglich, dass Kiews Streitkräfte sich zurückziehen müssten, um einer Gefangennahme zu entgehen. Dagegen behaupteten die prorussischen Separatisten der staatlichen Moskauer Nachrichtenagentur Ria Nowosti zufolge, der Ring sei komplett geschlossen um die Stadt.

Nach Angaben von Strjuk sind rund 90 Prozent der Gebäude in der Stadt beschädigt, 60 Prozent müssten völlig neu gebaut werden. Er hatte zuvor mitgeteilt, dass seit Kriegsbeginn in Sjewjerodonezk rund 1500 Menschen getötet worden seien. Darunter seien sowohl Soldaten als auch Zivilisten, sagte Strjuk. Viele Menschen seien zudem geflüchtet. Von den einst 130 000 Einwohnern lebten mittlerweile nur noch rund ein Zehntel dort.

Mehr als drei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs zählt die Großstadt Sjewjerodonezk zu den letzten Teilen von Luhansk, die noch von der ukrainischen Armee kontrolliert werden. Unweit der Stadtgrenze wird aber bereits heftig gekämpft. Beobachter erwarten seit Tagen, dass ukrainische Brigaden in Sjewjerodonezk von russischen und prorussischen Militärs eingekesselt werden könnten.

Britische Außenministerin fordert Ukraine-Unterstützung »auf lange Sicht«

18.11 Uhr: Die britische Außenministerin Liz Truss sieht kein baldiges Ende der russischen Aggression gegen die Ukraine. »Wir müssen bereit sein, die Ukraine auf lange Sicht zu unterstützen«, sagte die konservative Politikerin am Freitag nach einem Treffen mit ihrem tschechischen Kollegen Jan Lipavsky in Prag. Jetzt sei nicht die Zeit für Selbstzufriedenheit. Man müsse sicherstellen, dass die Ukraine den Krieg gewinnt und Russland sich zurückzieht. Gespräche über einen Waffenstillstand oder Zugeständnisse an den russischen Präsidenten Wladimir Putin lehnte Truss ab.

Die britische Chefdiplomatin äußerte sich anerkennend über die bisherigen Rüstungslieferungen Prags an Kiew. Tschechien sei das erste Land gewesen, dass Panzer an die Ukraine geliefert habe. Nach Medienberichten handelte es sich um T-72-Panzer sowjetischer Bauart. Truss bestritt, dass es innerhalb der Nato Abmachungen gebe, keine schweren Waffen an die Ukraine zu liefern. Entsprechende Berichte beruhten nicht auf der Realität, betonte Lipavsky. Die militärische Unterstützung für die Regierung in Kiew gehe von einzelnen Staaten aus und sei kein gemeinsames Programm des westlichen Verteidigungsbündnisses.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gibt es unter den Nato-Staaten informelle Absprachen zum Verzicht auf die Lieferung bestimmter Waffensysteme an die Ukraine. Wie der dpa am Mittwoch in Bündniskreisen in Brüssel bestätigt wurde, soll dadurch das Risiko einer direkten militärischen Konfrontation zwischen Nato-Staaten und Russland möglichst gering gehalten werden. Befürchtet wird etwa, dass Russland die Lieferung westlicher Kampfpanzer und Kampfflugzeuge offiziell als Kriegseintritt werten könnte und dann militärische Vergeltungsmaßnahmen ergreift. Waffensysteme dieser Art wurden bislang nicht in die Ukraine geliefert.

Slowakei verringert Erdgas-Abhängigkeit von Russland

17.42 Uhr: Die Slowakei hat ihre Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen beträchtlich verringert. Das gaben Ministerpräsident Eduard Heger und Wirtschaftsminister Richard Sulik am Freitag bekannt. Heger verkündete an einer neu errichteten Kompressorstation für Erdgas in der ostslowakischen Gemeinde Vyrava den Beginn des Testbetriebs einer Gaspipeline, die Polen und die Slowakei verbindet. Die mit EU-Förderungen gebaute Leitung werde der Slowakei ermöglichen, Gas auch aus Norwegen und Übersee zu beziehen.

Wirtschaftsminister Richard Sulik gab in Bratislava die Unterzeichnung von mehreren Gaslieferverträgen bekannt. Eine Vereinbarung mit Norwegen könne ab Juni 32 Prozent des slowakischen Bedarfs abdecken. Weitere 33 Prozent seien durch gleichzeitig abgeschlossene andere Vereinbarungen zur Lieferung von Flüssiggas mittels Tankern über die Ostsee und Polen gesichert.

Um die Verhandlungen nicht zu gefährden, habe er über die Details bisher Stillschweigen bewahrt. »Heute kann ich Ihnen mitteilen, dass wir unsere Abhängigkeit von russischem Gas um 65 Prozent reduziert haben«, sagte Sulik. Bisher bezog die Slowakei mehr als 80 Prozent ihres Erdgasbedarfs aus Russland.

Österreichs Kanzler: Putin bei Getreide-Exporten verhandlungsbereit

17.16 Uhr: Russlands Präsident Wladimir Putin hat nach Ansicht von Österreichs Kanzler Karl Nehammer im Ukrainekrieg ein Entgegenkommen bei Getreideexporten sowie beim Umgang mit Kriegsgefangenen signalisiert. So habe Putin zugesichert, mit Kiew wieder über die Frage des Gefangenenaustauschs zu verhandeln, sagte Nehammer nach einem 45-minütigen Telefonat mit dem russischen Präsidenten am Freitag. Das Internationale Rote Kreuz werde laut Putin Zugang zu den Kriegsgefangenen erhalten, so der Regierungschef in Wien. Darüber hinaus orte er eine gewisse Beweglichkeit Moskaus beim Problem des aktuell extrem erschwerten Getreide-Exports der Ukraine.

»Putin hat Signale gegeben, dass er bereit ist, Exporte über die Seehäfen zuzulassen«, sagte Nehammer. Die dafür nötigen Häfen müssten aber wohl von zu Verteidigungszwecken ausgelegten Minen geräumt werden, was Moskau nicht ausnützen dürfe, sagte Nehammer. Von Kremlseite hieß es, Putin habe Nehammer darauf hingewiesen, dass es keinen Grund gebe, Russland die Schuld für die Probleme bei den Lebensmittellieferungen zu geben. Insgesamt sei das Telefonat »sehr intensiv und sehr ernst« gewesen. Österreich versuche in der Tradition seiner »aktiven Neutralitätspolitik« mit allen Konfliktparteien im Gespräch zu bleiben.

Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer hat am Telefon mit Wladimir Putin über Getreideexporte gesprochen

Österreichs Bundeskanzler Karl Nehammer hat am Telefon mit Wladimir Putin über Getreideexporte gesprochen

Foto: Hans Punz / dpa

Russland erlaubt Bürgern Kauf von Aktien aus »freundlichen« Ländern

17.01 Uhr: Russlands Zentralbank erlaubt russischen Bürgern den Kauf der Aktien von Unternehmen aus Ländern, die als »freundlich« eingestuft werden. Voraussetzung sei, dass die Transaktionen in Rubel stattfänden oder in der Währung des jeweiligen Landes, teilt die Notenbank mit. Einige der Beschränkungen für Auslandsinvestitionen würden aufgehoben, heißt es in einer Mitteilung. Russland bezeichnet üblicherweise Länder dann als »unfreundlich«, wenn sie Sanktionen verhängt haben.

China sperrt Luftraum für russische Boeing- und Airbus-Flugzeuge

16.59 Uhr: China sperrt nach einem Medienbericht seinen Luftraum für russische Flugzeuge vom Typ Boeing und Airbus. Das Verbot betreffe Maschinen, deren rechtlicher Status nach den westlichen Sanktionen und der Umregistrierung in Russland nicht geklärt sei, berichtete die russische Nachrichtenagentur RBK am Freitag. China habe von den russischen Fluggesellschaften einen Nachweis dafür gefordert, dass die Flugzeuge nicht mehr im Ausland registriert seien.

Hintergrund sind die westlichen Sanktionen nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Die EU und die USA haben wegen der vom Kreml befohlenen Invasion die Lieferung von Zivilflugzeugen und Ersatzteilen nach Russland sowie deren Wartung und Versicherung verboten. Ein Großteil der in Russland betriebenen Luftflotte gehört westlichen Leasingfirmen, die ihren russischen Vertragspartnern kündigten. Moskau wiederum weigert sich, die Flugzeuge zurückzugeben und hat die Maschinen kurzerhand umregistriert.

China hat nun dem Vernehmen nach im Mai eine Aktualisierung der Flugzeugdaten angefordert. Von den russischen Airlines, die nach China fliegen, habe das Land eine Bestätigung dafür verlangt, dass ihre Luftfahrzeuge offiziell nicht mehr im Ausland gelistet sind. Ein entsprechendes Dokument hätten die Fluggesellschaften nicht vorlegen können, berichtete RBK. Damit sei den entsprechenden Boeing- und Airbus-Maschinen die Lande- und Überflugerlaubnis entzogen worden.

Russische Regionalabgeordnete kritisieren öffentlich Militäreinsatz in Ukraine

16.52 Uhr: In der Region Primorje im östlichsten Teil Russlands haben zwei kommunistische Abgeordnete öffentlich ein Ende der Offensive in der Ukraine gefordert. »Wenn unser Land die Militäroperation nicht stoppt, wird es noch mehr Waisen in unserem Land geben«, sagte der Abgeordnete Leonid Wasjukewitsch am Freitag während einer Sitzung des Regionalparlaments. »Wir verlangen den sofortigen Rückzug der russischen Truppen.« Wasjukewitschs Fraktionskollege Gennadij Tschulga pflichtete ihm bei.

Nach der Rede, die auf den Youtube-Kanälen des Regionalparlaments und der Zeitung »Kommersant« übertragen wurde, war vereinzelter Applaus zu hören. Es ist das erste Mal, dass Abgeordnete der Kommunistischen Partei in Russland (KPRF) sich öffentlich derart äußern. Die KPRF unterstützt den am 24. Februar auf Befehl von Präsident Wladimir Putin begonnenen Militäreinsatz im Nachbarland.

Der bei der Parlamentssitzung anwesende Gouverneur der im Osten Sibiriens gelegenen Region Primorje, Oleg Koschemjako, warf den beiden kommunistischen Abgeordneten vor, »die russische Armee zu diskreditieren (...), die gegen den Nazismus kämpft«. Beiden Abgeordneten wurde daraufhin mit 27 zu fünf Stimmen für die Dauer des Tages ihr Stimmrecht im Regionalparlament entzogen. Der kommunistische Fraktionsvorsitzende Anatolij Dolgatschew wandte sich umgehend gegen seine Kollegen und versprach »härteste Strafmaßnahmen«.

Hofreiter für Lieferung von Marder-Schützenpanzern an die Ukraine

16.30 Uhr: Bei den Waffenlieferungen an die Ukraine mahnen auch Koalitionspolitiker zur Eile. »Wir müssen dringend mehr Tempo machen bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine«, sagte der Grünen-Abgeordnete Anton Hofreiter am Freitag dem Nachrichtenportal »t-online«. Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag machte sich zudem für die Lieferung deutscher Panzer stark: »Wieso liefern wir keine Marder-Schützenpanzer?« Das müsse geklärt werden, sagte Hofreiter.

Nach SPD-Angaben gibt es in der Nato eine informelle Verabredung, keine schweren Kampf- oder Schützenpanzer westlicher Bauart unabgesprochen in die Ukraine zu liefern. Der Rüstungskonzern Rheinmetall hatte angeboten, gebrauchte Marder zur Verfügung zu stellen. Die Bundesregierung sagte bislang öffentlich nur die Lieferung von Gepard-Luftabwehrpanzer und Panzerhaubitzen zu, während die Ukraine auch Kampf- und Schützenpanzer fordert.

Deutschland soll Gasfluss durch Nord Stream 1 stoppen

16.17 Uhr: Der staatliche ukrainische Gaskonzern und Netzbetreiber fordert von Deutschland, die Erdgas-Lieferung über die Pipeline Nord Stream 1 einzustellen oder stark zu drosseln. Eine entsprechende Bitte sei der deutschen Regierung zugestellt worden, erklärt Serhij Makogon im ukrainischen Fernsehen. Deutsches Recht erlaube einen Betrieb der Pipeline unter der Bedingung, dass dadurch die Gasversorgung Europas gesichert werde. Russland habe jedoch »diese Prinzipien verletzt«. Nord Stream 1 ist seit etwa einem Jahrzehnt ein wichtiger Strang für die deutsche Gasversorgung. Die Pipeline läuft von Russland aus durch die Ostsee bis Mecklenburg-Vorpommern. Russland drohte Anfang März, die Leitung zu kappen.

Ukrainerinnen protestieren auf Friedenskundgebung für mehr Waffen

15.30 Uhr: Am Rande der zentralen Friedenskundgebung des Katholikentags haben in Stuttgart rund 200 Menschen aus der Ukraine für Waffenlieferungen an das angegriffene Land demonstriert. Mit einer überdimensionalen blau-gelben Ukraineflagge und zum Teil in blutgetränkt wirkenden T-Shirts forderten die Frauen und Kinder am Freitag lautstark militärische Hilfe und mehr Tempo in der deutschen Bürokratie.

Im Mittelpunkt der von mehreren Hundert Menschen besuchten Solidaritätskundgebung mit dem Motto »Leben teilen heißt Trauer und Hoffnung teilen« standen die emotionalen Schilderungen einer Frau, die mit ihrer Tochter aus dem Kiewer Vorort Butscha fliehen konnte. In dem Ort waren Anfang April nach dem Abzug der Russen Hunderte von Leichen gefunden worden. Die Berichte und Bilder der Gräueltaten hatten weltweit Entsetzen ausgelöst.

»Ich habe ein normales Leben geführt wie Millionen von anderen Menschen in unserem Land«, sagte Inna Wjzelewa. Nach dem russischen Überfall habe sie zunächst zwei Wochen in einem Keller in der von Russen besetzten Stadt ausgeharrt. »Dann haben meine Tochter und ich unser Schicksal in die Hand genommen und sind selbst gelaufen. Wir haben nur gehofft, dass uns auf der Flucht niemand in den Rücken schießt.« Ihre 14 Jahre alte Tochter habe zwischen den Leichen laufen müssen, um aus ihrer Heimat zu fliehen. »Jetzt will ich, dass die ganze Welt hört und sieht, was dort geschieht«, sagte Wjzelewa. »Denn mit Waffen hätte man die Toten von Butscha verhindern können.«

Kaum Fortschritte bei Nato-Beitrittsgesprächen in der Türkei

15.08 Uhr: Die Gespräche zwischen der Türkei und Finnland sowie Schweden über einen Nato-Beitritt der beiden nordischen Länder machen Insidern zufolge kaum Fortschritte. »Es ist nicht einfach«, sagt ein Vertreter der Türkei. Es müssten konkrete Schritte unternommen werden, die schmerzhaft sein dürften. Die Gespräche würden fortgesetzt, ein Datum gebe es aber noch nicht. Delegationen von Finnland und Schweden waren in dieser Woche in der Türkei, um Bedenken der Türkei zu zerstreuen. Für einen Nato-Beitritt müssen alle 30 Länder zustimmen. Die Türkei stellt sich jedoch dagegen.

Antisemitismusbeauftragter kritisiert »SZ« wegen Selenskyj-Karikatur

15 Uhr: Der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, Ludwig Spaenle, hat die »Süddeutsche Zeitung« (SZ) wegen einer umstrittenen Karikatur kritisiert. Diese stellt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als übergroße Figur beim Weltwirtschaftsforum in Davos dar.

Spaenle erklärte am Freitag in München, Karikaturen seien eine besondere Form der Meinungsäußerung und von künstlerischer Kreativität – und da müsse es auch große Freiheit geben. »Diese Karikatur allerdings werte ich als üble Verzeichnung des Präsidenten der Ukraine und das ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel.« Die Darstellungsform lasse bei vielen Menschen weit weg von der Realität antisemitische Klischees wach werden. Der ukrainische Präsident hat jüdische Wurzeln. Spaenle betonte, das Ganze sei auch deshalb für ihn persönlich verstörend, da er die Zeitung in der Berichterstattung über antisemitische Strömungen, Vorfälle und Straftaten schätze.

USA wollen Mehrfachraketenwerfer an Ukraine liefern

14.50 Uhr: Die US-Regierung zieht einem Medienbericht zufolge in Erwägung, fortschrittliche Mehrfachraketenwerfer mit hoher Reichweite in die Ukraine zu schicken. Die in den USA hergestellten Artilleriesysteme MLRS und HIMARS könnten Geschosse über bis zu 300 Kilometer abfeuern, berichtete der Sender CNN am Donnerstag unter Berufung auf mehrere Beamte. Ein neues militärisches Hilfspaket könnte bereits in der kommenden Woche angekündigt werden. Die Ukraine habe um diese Art von Waffen gebeten, hieß es weiter. Allerdings sei die US-Regierung zögerlich gewesen, da befürchtet werde, dass die Ukraine die Raketensysteme für Angriffe auf russisches Gebiet nutzen könnte. Es stelle sich die Frage, ob dies eine russische Vergeltungsmaßnahme gegen die USA zur Folge haben könnte, so CNN.

Der Schwerpunkt der US-Waffenlieferungen für die Ukraine lag bislang auf Panzerabwehrraketen vom Typ Javeline, schultergestützten Stinger-Flugabwehrraketen, Schusswaffen und Munition. Die USA haben aber bereits damit begonnen, der Ukraine Haubitzen vom Typ M777 zu liefern, deren Reichweite mit rund 25 Kilometern angegeben wird. Die jetzt diskutierten Systeme könnten also erheblich weiter schießen. Der Kongressabgeordnete Jason Crow, der kürzlich mit einer Delegation Kiew besuchte, sagte, diese Artilleriesysteme könnten der Ukraine einen bedeutenden Vorteil verschaffen. Sie könnten dazu beitragen, russische Artillerie, die eine viel geringere Reichweite habe, von urbanen Zentren in der Ukraine fernzuhalten.

Uno zählt mehr als 4000 getötete Zivilistinnen und Zivilisten

14.21 Uhr: Seit Kriegsbeginn Ende Februar sind in der Ukraine mehr als 4000 Zivilistinnen und Zivilisten ums Leben gekommen. Insgesamt 4031 Menschen seien in den Konflikt getötet worden, gab das Uno-Menschenrechtsbüro bekannt . Unter den Opfern sind demnach knapp 300 Kinder. Die meisten Menschen wurden durch Luftschläge oder Artillerieangriffe getötet.

Im gleichen Zeitraum wurden mindestens 4735 Zivilistinnen und Zivilisten bei den Angriffen verletzt. Die Uno zählt darunter mehr als 2100 Verletzte in der Ostukraine, gut 500 Verletzte in den dortigen russisch kontrollierten Gebieten und etwas mehr als 2000 weitere Verletzte im Rest des Landes. Das Menschenrechtsbüro geht davon aus, dass die realen Opferzahlen noch mal deutlich höher sind.

Nach Ernteprognose: Moskau sagt 50 Millionen Tonnen Getreideexport zu

13.24 Uhr: Das russische Landwirtschaftsministerium hat die vorläufige Prognose für die Getreideernte bestätigt und zugesagt, bei diesem Ergebnis mindestens 50 Tonnen Getreide zu exportieren. Derzeit prognostiziere das Ministerium eine Ernte von 130 Millionen Tonnen. Bei diesem Ergebnis »können wir 50 Millionen Tonnen für den Export ausführen«, sagte Vizelandwirtschaftsministerin Oxana Lut laut der Nachrichtenagentur Interfax bei einem Auftritt auf dem russischen Getreideforum am Freitag. Der Export könne sich auch auf mehr als 50 Millionen belaufen, fügte sie hinzu.

Im Gegensatz dazu wird das derzeit geltende Exportverbot für Sonnenblumen über den August hinaus verlängert. Lut begründete dies mit mangelnden Reserven im eigenen Land für die Herstellung von Sonnenblumenöl. Russland ist wie die Ukraine einer der größten Getreideexporteure weltweit. Der von Russlands Präsident Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg gegen das Nachbarland hat auf den Weltmärkten zu einem deutlichen Anziehen der Lebensmittelpreise geführt.

Mehrere Tote bei russischem Angriff auf Militärstützpunkt in Dnipro

13.00 Uhr: Bei russischen Angriffen auf einen Militärstützpunkt in der ukrainischen Stadt Dnipro sind nach ukrainischen Angaben »rund zehn Menschen« getötet worden. »Ein Truppenübungsplatz der Nationalgarde ist heute Morgen von Iskander-Raketen getroffen worden«, sagte der Regionalleiter der Nationalgarde, Gennady Korban, dem Fernsehsender Dnipro TV. Weitere 30 bis 35 Menschen seien verletzt worden.

Der Gouverneur der Region, Valentin Resnitschenko, hatte zuvor erklärt, dass durch die Angriffe »schwere Schäden« entstanden seien und Rettungskräfte unter den Trümmern nach Opfern suchten. Dnipro ist eine große Industriestadt im Zentrum der Ukraine. Sie war bislang von größeren Kriegsschäden verschont geblieben und diente als Drehscheibe für Binnenflüchtlinge aus dem Osten des Landes.

Entwicklungsministerin Schulze sagt bei Ukraine-Reise zivile Hilfe zu

12.10 Uhr: Entwicklungsministerin Svenja Schulze ist als zweites Mitglied der Bundesregierung seit Beginn des russischen Angriffskrieges in die Ukraine gereist. Bei einem Besuch des schwer zerstörten Kiewer Vororts Borodjanka am Freitag sicherte sie den Menschen zivile Hilfe aus Deutschland zu. 185 Millionen Euro für Soforthilfemaßnahmen seien bereits genehmigt, sagte Schulze am Freitag vor Journalisten in Borodjanka. Konkret sollen etwa Wohnungen und Stromleitungen gebaut werden. »Die Ukrainerinnen und Ukrainer brauchen einfach Wasser und Strom. Die, die innerhalb der Ukraine geflohen sind, brauchen ein Dach über dem Kopf, die Kinder müssen wieder in die Schule gehen können und für all das braucht es Unterstützung.«

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in Kiew

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) in Kiew

Foto: Natacha Pisarenko / dpa

Russland will seine Getreideexporte erhöhen

11.56 Uhr: Russland will seine Getreideexporte nach den Worten von Landwirtschaftsminister Dmitri Patruschew deutlich steigern. In diesem Getreidejahr habe Russland bereits mehr als 35 Millionen Tonnen ausgeführt, darunter 28,5 Millionen Tonnen Weizen, sagte Patruschew auf einer Getreidemesse. Bis Ende des Getreidejahrs Ende Juni werde das Volumen 37 Millionen Tonnen übersteigen. Im kommenden Getreidejahr »schätzen wir unser Exportpotenzial auf 50 Millionen Tonnen«.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte laut Kreml am Donnerstag in einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi erklärt, Moskau sei bereit, »durch den Export von Getreide und Düngemitteln einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der Nahrungsmittelkrise zu leisten, sofern die politisch motivierten Beschränkungen des Westens aufgehoben werden«.

Selenskyj: Russland noch nicht bereit für Friedensgespräche

11.45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Worten bereits mehrfach versucht, ein direktes Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu organisieren, um den Krieg zu beenden. Russland sei aber anscheinend noch nicht bereit für ernsthafte Friedensgespräche, sondern stelle nur Ultimaten. »Wir wollen unser Leben zurück«, sagt Selenskyj. »Wir wollen das Leben eines souveränen Landes auf seinem eigenen Territorium zurückerobern.«

Premier Johnson warnt vor »langsamem, aber spürbarem« Vorankommen der Kremlarmee

11.25 Uhr: Seit mehr als drei Monaten behauptet sich die ukrainische Armee gegen die russische Invasion, vielerorts konnte die Kremlarmee zurückgedrängt werden. Aus Sicht des britischen Premierministers Boris Johnson macht Russland jedoch nun stetige Zugewinne in der Ostukraine. »Ich fürchte, dass sich Putin – unter großen Verlusten für sich und die russische Armee – Stück für Stück durch den Donbass beißt«, sagte er Bloomberg TV. Er mache einen »langsames, aber spürbares« Vorankommen der Kremlarmee in der Region aus. Die Unterstützung der Ukraine durch Großbritannien sei entsprechend weiterhin wichtig.

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Selenskyj spricht von rund zwölf Millionen Vertriebenen

11.24 Uhr: Durch Russlands Krieg gegen die Ukraine sind nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj rund zwölf Millionen Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Rund 5,5 Millionen Menschen hätten das Land verlassen, sagt er in einer Ansprache für ein indonesisches Forschungsinstitut.

Scholz: Putins Krieg richtet sich gegen das »Nie wieder«

11.20 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat beim Katholikentag in Stuttgart betont, dass Deutschland zur Unterstützung der Ukraine verpflichtet sei. »Wir haben uns entschieden, dem Opfer dieses Angriffskriegs beizuspringen«, sagte Scholz in einer Rede bei dem Kirchenfest. Putin dürfe mit seinem »zynischen, menschenverachtenden Krieg« nicht durchkommen. Der Krieg richte sich nicht allein gegen die Ukraine, sondern allgemein gegen die Werte der westlichen Demokratie. »Putins Krieg richtet sich gegen eine Friedensordnung, die aus dem Bekenntnis ›Nie wieder‹ nach zwei verheerenden Weltkriegen entstanden ist. Er will zurück zum Recht des Stärkeren.« Das dürfe auf keinen Fall zugelassen werden.

Melnyk kritisiert Scholz-Rede in Davos als »extrem enttäuschend«

10.44 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat die Rede von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) beim Weltwirtschaftsforum in Davos als Enttäuschung kritisiert. Die Ukraine habe gehofft, aus der Rede »herauszuhören, mit welchen ganz konkreten Schritten die Ampel uns massiv unterstützen wird, damit die Ukraine diesen Krieg gewinnt«, sagte Melnyk der »Bild«. »Leider war das eine Fehlanzeige, vor allem in Bezug auf (die) sofortige Lieferung von schweren Waffen aus Deutschland, um die Riesenoffensive der Russen im Donbass zu ersticken.«

Der Diplomat warf dem Kanzler vor, ukrainische Interessen zu missachten: »Militärisch wird die Ukraine von Berlin schlicht und einfach im Stich gelassen.« Melnyk griff den Bundeskanzler dabei auch direkt an: »Dazu fehlen wohl die Führungskraft und Courage.« Die Rede sei »extrem enttäuschend« gewesen.

Scholz hatte in seiner Davoser Rede am Donnerstag die Ukrainepolitik seiner Regierung erklärt und dazu aufgerufen, sich dem Machtanspruch des russischen Präsidenten Wladimir Putin entgegenzustellen. Konkrete neue Ankündigungen machte er aber nicht.

Lokalpolitiker meldet Fund weiterer 70 Leichen in Mariupol

10.42 Uhr: In der mittlerweile von russischen Truppen eingenommenen ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind Angaben eines Lokalpolitikers zufolge Dutzende weitere Leichen von Bewohnern gefunden worden. Rettungskräfte hätten insgesamt rund 70 leblose Körper auf einem ehemaligen Fabrikgelände entdeckt, schrieb der Mariupoler Stadtratsabgeordnete Petro Andrjuschtschenko auf Telegram. Die Menschen seien unter den Trümmern begraben worden, als russische Besatzer das Gebäude beschossen, schrieb er. Überprüfen ließen sich diese Angaben zunächst nicht.

Mariupol, das wochenlang von russischen Truppen belagert war und schließlich eingenommen wurde, ist international zu einem Symbol für die Brutalität des russischen Angriffskriegs geworden. Für besonderes Entsetzen sorgten in den Wochen nach Kriegsbeginn Angriffe auf eine Geburtsklinik sowie auf ein Theater, das Zivilisten als Luftschutzkeller diente.

Prorussische Separatisten verkünden Einnahme von ostukrainischer Stadt Lyman

10.23 Uhr: Prorussische Separatisten haben ihre Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Lyman im Osten der Ukraine verkündet. Mit Unterstützung der russischen Streitkräfte hätten sie »die vollständige Kontrolle« über Lyman erlangt, teilte der Generalstab der Separatisten in der Region Donezk im Messengerdienst Telegram mit. Die Stadt ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für die Verbindung zu den Großstädten Slowjansk und Kramatorsk.

Gouverneur: Mindestens fünf Tote bei russischen Angriffen in Region Luhansk

9.51 Uhr: In der Region Luhansk im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben durch russische Angriffe mindestens fünf Menschen getötet worden. In der Regionalhauptstadt Sewerodonezk seien in den vergangenen 24 Stunden vier Zivilisten getötet und 50 Gebäude beschädigt worden, teilte Regionalgouverneur Serhij Gajdaj am Morgen im Onlinedienst Telegram mit. Im 50 Kilometer entfernten Komyschuwacha sei ein Mann durch eine Granate getötet worden.

London: Russland greift in Ukraine auf 50 Jahre alte Panzer zurück

9.17 Uhr: Die russische Armee greift nach Ansicht britischer Regierungsexperten bei ihrer Invasion der Ukraine inzwischen auf veraltetes Gerät zurück. Moskau habe wahrscheinlich in den vergangenen Tagen 50 Jahre alte T-62-Panzer aus Lagerbeständen geholt und in den Einsatzbereich des südlichen Streitkraftverbands gebracht, hieß es in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London.

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»Die T-62-Panzer werden beinahe mit Sicherheit besonders gefährdet sein durch Panzerabwehrwaffen und ihre Anwesenheit auf dem Schlachtfeld wirft ein Schlaglicht auf Russlands Mangel an modernem, einsatzbereitem Gerät«, so die Mitteilung weiter. Der südliche Streitkraftverband der Russen dürfte nach Ansicht der britischen Experten weiterhin mit der Besetzung von Gebiet in der Südukraine beauftragt sein.

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Militärverwaltung: 1500 Tote in ostukrainischer Stadt Sjewjerodonezk

9.07 Uhr: In der besonders schwer umkämpften ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk sind offiziellen Angaben zufolge seit Kriegsbeginn rund 1500 Menschen getötet worden. Darunter seien sowohl Soldaten als auch Zivilisten, sagte der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexandr Strjuk, am Freitag. Viele Menschen seien zudem geflüchtet. Von den einst 130.000 Einwohnern sei mittlerweile nur noch rund ein Zehntel da. Der Gouverneur des Luhansker Gebiets, Serhij Hajdaj, berichtete zudem von vier Toten durch russischen Beschuss auf Sjewjerodonezker Wohnviertel am Vortag.

Udo Lindenberg bezeichnet Putin als »weggetretenen Kriegsverbrecher«

8.57 Uhr: Rockmusiker Udo Lindenberg ist nach eigenen Worten überzeugt, dass sich Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht mehr lohnen. »Ich glaube, mit diesem weggetretenen Kriegsverbrecher kann man nicht mehr reden«, sagte Lindenberg der »Stuttgarter Zeitung« und den »Stuttgarter Nachrichten«. »Man kann nur hoffen, dass es Lösungen gibt, vielleicht aus seinem direkten Umfeld, dass er endlich abtritt, beziehungsweise abgetreten wird.«

Er sei selbst überrascht, dass sein Song »Wozu sind Kriege da« aus dem Jahr 1981 heute wieder »von erschreckender Aktualität« sei. »Der brutale Krieg in der Ukraine, mitten in Europa, das hätte sich niemand mehr vorstellen können. Wir dürfen aber auch all die anderen Kriege nicht vergessen, im Jemen, Sudan, Mali, Syrien. Die Menschheit muss bald mal die Kriege beenden, sonst beenden die Kriege die Menschheit«, sagte Lindenberg.

Ex-General: »Die Zeit spielt für die Ukraine, wenn sie durchhält«

8.45 Uhr: Der frühere Bundeswehr- und Nato-General Hans-Lothar Domröse geht davon aus, dass die Ukraine dem russischen Vormarsch im Donbass in den kommenden Wochen nicht vollständig standhalten kann. »Jetzt kommt der große Schwung der Weltmacht Russland zum Tragen. (...) Sie sind reichweiten- und zahlenmäßig überlegen«, sagte Domröse am Freitag dem Nachrichtenradio MDR Aktuell. Die ukrainischen Kräfte könnten den Vormarsch maximal hier und da verzögern.

Ab Herbst könnten die Ukrainer aber wieder mehr Widerstand leisten, so Domröse. In etwa einem halben Jahr werde das Land viel mehr westliche Waffensysteme haben und die Soldaten viel besser an diesen ausgebildet sein. »Bis dahin werden sie aber noch schwere Schläge hinnehmen müssen«, sagte Domröse. Die Zeit spiele etwas für die Ukraine, »wenn sie durchhält«.

Großes Interesse von Ukraine-Flüchtlingen an Integrationskursen

8.30 Uhr: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellt unter den Ukraine-Flüchtlingen ein großes Interesse an Integrationskursen zur Sprach- und Kulturvermittlung fest. Innerhalb weniger Wochen seien »bereits mehr als 80.000 Teilnahmeberechtigungen erteilt« worden, teilte die Behörde der Zeitung »Welt« mit. Das Bundesamt rechnet demnach in den kommenden Wochen mit einem starken Anstieg der beginnenden Kurse.

Aktuell nähmen »17.000 Ukrainer und Ukrainerinnen an einem Integrationskurs teil«, erklärte die Behörde laut »Welt«. Nach Erhalt der Berechtigung müsse ein Einstufungstest absolviert werden, um das zum Bildungsniveau passende Kursangebot zu ermitteln. Daher vergingen »naturgemäß einige Wochen bis zum tatsächlichen Kursbeginn«.

»Wir haben gut ausgebildete Teilnehmende, die mit großem Elan lernen«, sagte Benjamin Beckmann, Leiter der BAMF-Integrationskursabteilung. Aus der Ukraine komme »zwar die ganze Bandbreite der Gesellschaft«, von der Akademikerin bis zum Ungelernten. »Sie verfügen aber fast alle über gute Lernvoraussetzungen, vor allem eine gute Schulbildung. Wir benötigen für sie keine Alphabetisierungs- und praktisch keine Zweitschrift-Lernerkurse.«

Laut Beckmann können 95 Prozent der Ukrainer ihren Integrationskurs direkt mit dem normalen Sprachkurs beginnen. Die rund 1500 zugelassenen Integrationskursträger haben demnach in der kurzen Zeit seit dem russischen Angriff ihr Kursangebot verdoppelt.

Russland wird in Richtung Zahlungsunfähigkeit getrieben

7.11 Uhr: Russland entgeht am Freitag zwar der Zahlungsunfähigkeit, doch die immer enger werdende Schlinge der westlichen Sanktionen wegen des Einmarsches in der Ukraine treibt das Land unaufhaltsam auf einen Zahlungsausfall zu.

Eine am Freitag fällige Zahlung in Höhe von 71 Millionen US-Dollar habe bereits geleistet werden können, bevor die US-Behörden diese Woche eine Ausnahmeregelung aufhoben, die es Russland erlaubte, seine Schulden in Dollar zu begleichen und dafür Devisen zu verwenden, die es außerhalb der US-Finanzinstitute hielt.

Da jedoch noch weitere Zahlungen fällig werden, dürfte es bald wahrscheinlich den ersten Fall eines Landes geben, das aufgrund internationaler Sanktionen unfreiwillig in Verzug gerät und nicht das Geld hat, um zu zahlen.

Das Weiße Haus erklärte, es erwarte nur minimale Auswirkungen auf die US- und die Weltwirtschaft.

Das geschah in der Nacht

4.55 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland Völkermord im Donbass vor und fragt, warum die EU so lange brauche, um ein sechstes Sanktionspaket zu verabschieden. Bei Raketenangriffen auf die ostukrainische Stadt Charkiw seien neun Menschen getötet worden, darunter ein fünf Monate altes Kind mit seinem Vater, sagte Selenskyj. Russische Truppen beschossen am Donnerstag weiter die Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk. Was sonst noch in der Nacht geschah, können Sie hier nachlesen.

mrc/til/dpa/Reuters/AFP