+++ Krieg in der Ukraine +++ Blinken kündigt Telefonat mit Lawrow an

Erstmals seit Beginn des Krieges wollen die Außenminister der USA und Russlands wieder miteinander sprechen. Dabei soll es auch um in Russland festgehaltene US-Bürger gehen. Das waren die News 27. Juli.
Außenministerkollegen Antony Blinken, Sergej Lawrow (Ende Januar in Genf)

Außenministerkollegen Antony Blinken, Sergej Lawrow (Ende Januar in Genf)

Foto:

Pavel Bednyakov / imago images/SNA

Das Wichtigste in Kürze
  • Die für die Getreideausfuhr bestimmten ukrainischen Häfen im Schwarzen Meer gehen der Marine zufolge wieder in Betrieb.

  • Ukrainische Artillerie hat russische Nachschublinien in Cherson beschossen und unterbrochen.

  • Bundespräsident Steinmeier wurde in die Ukraine eingeladen, sagt der scheidende Botschafter Melnyk.

  • Die Menge des durch Nord Stream 1 gelieferten Gases ist wie angekündigt gesunken. Gleichzeitig soll aber mehr Gas durch die Transgas-Pipeline in der Slowakei geliefert werden.

  • Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben die Ortschaft Andrijiwka im Gebiet Cherson im Süden des Landes zurückerobert.

  • In Istanbul wird ein Zentrum zur Kontrolle von ukrainischen Getreideausfuhren über das Schwarze Meer eröffnet. Hier sollen Vertreter der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinten Nationen tätig sein.

Blinken kündigt Telefonat mit Lawrow an

20.50 Uhr: US-Außenminister Antony Blinken hat angekündigt, mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zu sprechen. Er werde in den kommenden Tagen mit Lawrow telefonieren und ihn zu einer Antwort auf ein Angebot drängen, das die US-Regierung Moskau unterbreitet habe.

Blinken sagte auf einer Pressekonferenz in Washington, man habe Russland ein »substanzielles Angebot« unterbreitet, um die in dem Land festgehaltene Basketballerin Brittney Griner und den wegen Spionage verurteilten Ex-Soldaten Paul Whelan nach Hause bringen zu können. Es wären die höchstrangigen amerikanisch-russischen Gespräche seit Beginn des Ukrainekriegs.

Separatistenführer spricht sich für russische Eroberung der ganzen Ukraine aus

20.09 Uhr: Der Chef der prorussischen Separatisten in der ostukrainischen Donezk-Region hat Russland zur Eroberung des Großteils der Ukraine aufgerufen. »Heute ist die Zeit gekommen, russische Städte zu befreien, die von Russen gegründet wurden: Kiew, Tschernihiw, Poltawa, Odessa, Dnipro, Charkiw, Saporischschja, Luzk«, schrieb Separatistenführer Denis Puschilin am Mittwoch im Onlinedienst Telegram zum Jahrestag der Befreiung der belarussischen Stadt Brest von den Nationalsozialisten.

Die von Puschilin als »russisch« bezeichneten Städte decken fast das gesamte Gebiet der Ukraine ab. Russland hat seit Ende Februar einen Großteil der Süd- und Ostukraine erobert, der Angriff auf die Hauptstadt Kiew jedoch schlug fehl.

Russischer Journalistin Owsjannikowa droht lange Haftstrafe

20.05 Uhr: Die durch ihre Live-Protestaktion im russischen Fernsehen gegen den Militäreinsatz in der Ukraine bekannt gewordene Journalistin Marina Owsjannikowa muss sich ab Donnerstag vor Gericht verantworten. Der 44-Jährigen wird vorgeworfen, die russische Armee »diskreditiert« zu haben. Bei dem Prozess in Moskau droht ihr eine lange Haftstrafe.

Owsjannikowa war international bekannt geworden, als sie am 14. März während einer Livesendung hinter der Nachrichtensprecherin auftauchte und ein Schild mit der Aufschrift »Kein Krieg« in die Kamera hielt. Danach verbrachte die Journalistin mehrere Monate im Ausland und arbeitete unter anderem kurzzeitig für die deutsche Zeitung »Die Welt«. Inzwischen ist die 44-Jährige wieder in Russland, kürzlich hatte sie nahe dem Kreml erneut gegen den Militäreinsatz in der Ukraine demonstriert.

US-Basketballerin Griner in Russland vor Gericht

18.19 Uhr: Seit Monaten sitzt US-Basketballerin Brittney Griner in einem russischen Gefängnis. Im Prozess wirft sie den Ermittlern nun vor, sie dazu gedrängt zu haben, Dokumente zu unterschreiben. Auch ihre Rechte seien ihr nicht vorgelesen worden.

Lesen Sie hier unsere Meldung dazu.

Macron nennt Russland »eine der letzten Kolonialmächte«

18.13 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Russland wegen des Ukrainekriegs die Haltung einer Kolonialmacht vorgeworfen. »Russland ist eine der letzten Kolonialmächte«, sagte Macron bei einem Besuch im westafrikanischen Benin am Mittwoch. Das habe sich gezeigt, als Russland entschieden habe, »ein benachbartes Land zu überfallen, um seine eigenen Interessen zu vertreten«, erklärte er. Russland habe einen »Territorialkrieg« wie aus dem 19. Jahrhundert angezettelt, mit dem in Europa niemand mehr gerechnet habe.

»Das ist ein Krieg des frühen 20. oder auch des 19. Jahrhunderts«, sagte Macron mit Blick auf den russischen Einmarsch in der Ukraine. »Und das sage ich auf einem Kontinent, der koloniales Machtstreben erlitten hat«, sagte er in Anspielung auf die koloniale Vergangenheit vieler afrikanischer Staaten.

Kreml droht mit Druck auf westliche Medien

17.27 Uhr: Der russische Staatsfernsehkanal RT darf nicht mehr in Frankreich senden - nun droht Moskau mit Druck gegen westliche Medien. Die Reaktion werde »ziemlich negativ« sein, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. »Der Angriff auf die Freiheit des Wortes, auf die Freiheit der Massenmedien in den europäischen Staaten, darunter in Frankreich, das ist ein Prozess, der unsere Besorgnis und unser Bedauern auslöst«, sagte Peskow. Der Kremlsprecher ging dabei nicht auf die Vielzahl verbotener Medien in Russland ein.

»Natürlich ergreifen wir ebenbürtige Maßnahmen des Drucks gegen westliche Massenmedien, die bei uns im Land arbeiten«, sagte Peskow. »Wir werden sie auch nicht in unserem Land arbeiten lassen, und hier wird es keine weiche Haltung geben.« Er erwähnte auch nicht, dass russische Korrespondenten in der EU frei arbeiten können. Dagegen dürfen westliche Korrespondenten in Russland nur mit einer Akkreditierung des Außenministeriums arbeiten.

Zuvor hatte das EU-Gericht in Luxemburg eine Klage von RT France gegen ein EU-Sendeverbot wegen des Vorwurfs der Kriegspropaganda zurückgewiesen (siehe Eintrag von 13.59 Uhr). Die Sanktion war Anfang März kurz nach Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine eingeführt worden. Betroffen davon sind auch Internetangebote des Senders wie RT Deutsch. Die EU hat mittlerweile drei weiteren Sendern die Sendefrequenzen gestrichen.

Sängerin Jamala hofft auf Eurovision Song Contest in »einer friedlichen Ukraine«

16.12 Uhr: Die frühere ukrainische Siegerin des Eurovision Song Contest (ESC) Jamala hofft darauf, dass der Wettbewerb eines Tages wieder in »einer friedlichen Ukraine« stattfinden kann. Vorerst aber sei es vernünftig, die Veranstaltung an einem Ort abzuhalten, an dem Russland nicht die Sicherheit von Teilnehmern und Gästen bedrohe, sagte die 38-Jährige der britischen Nachrichtenagentur PA.

Anfang der Woche hatte die Europäische Rundfunkunion (EBU) als ESC-Ausrichter mitgeteilt, dass der Wettbewerb 2023 aus Sicherheitsgründen nicht im Siegerland Ukraine stattfinden wird, sondern in Großbritannien. Jamala dazu: »Ich freue mich, dass Großbritannien für mein Land den Contest ausrichtet, aber ich hoffe auch, dass wir ihn auch sehr bald wieder zuhause feiern können.«

Weiter sagte die Sängerin: »Der Eurovision Song Contest, der nach dem Zweiten Weltkrieg erfunden wurde, hat Europa für Jahrzehnte vereint.« Ein ESC in der Ukraine wäre daher »symbolisch«, denn die Ukraine sei derzeit für ganz Europa der Schutzschild für Freiheit und Demokratie. Jamala, die den ESC 2016 mit ihrem Song »1944« gewonnen hatte, war im März kurz nach Ausbruch des Krieges aus der ukrainischen Hauptstadt Kiew geflohen.

Berlin genehmigt Verkauf von 100 Panzerhaubitzen an die Ukraine

15.55 Uhr: Wegen der zögerlichen Waffenlieferungen an die Ukraine steht die Ampelkoalition unter Druck. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Regierung nun hinter den Kulissen den Milliardenkauf von 100 Panzerhaubitzen abgesegnet. Lesen Sie hier die gesamte Meldung .

Speicherbetreiber halten über 90 Prozent Füllstand für möglich

15.52 Uhr: Obwohl Russland die Gaslieferungen nach Deutschland erneut deutlich reduziert hat, hoffen die Betreiber der Gasspeicher, diese weiter füllen zu können. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgungslage aktuell für stabil. Lesen Sie hier die gesamte Meldung.

Moskau will Mariupol mit einer Fähre an Russland binden

15.45 Uhr: Die von russischen Truppen besetzte und schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine soll mit einer Fähre stärker an das russische Kernland angebunden werden. Das teilte das russische Verteidigungsministerium in seinem Telegram-Kanal mit. »Die Route wird für die Anlieferung verschiedener Güter genutzt, die für den Wiederaufbau der Infrastruktur von Mariupol und anderer Ortschaften in den Volksrepubliken Donezk und Luhansk nötig sind«, heißt es dort.

Die Fähre mit einer Nutzlast von 700 Tonnen soll eine Tour pro Tag machen, teilte das Verteidigungsministerium mit. Der Hafen wurde inzwischen von Minen geräumt. Zuvor war bereits bekannt geworden, dass die moskautreue Verwaltung über den Hafen in Mariupol Getreide aus der Region exportieren will. Die Ukraine wirft Russland diesbezüglich Getreidediebstahl vor.

Die Ukraine hat einen neuen Generalstaatsanwalt

15.36 Uhr: Das ukrainische Parlament hat einen neuen Generalstaatsanwalt eingesetzt. Eine knappe Zwei-Drittel-Mehrheit stimmte für die Ernennung von Andrij Kostin, den Präsident Wolodymyr Selenskyj nominiert hatte. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit. Kostins Vorgängerin Iryna Wenediktowa war vor knapp anderthalb Wochen entlassen worden. Der 43-Jährigen wurde aus dem Umfeld des Präsidenten Unprofessionalität vorgeworfen.

Der 49-jährige Kostin leitete vorher den Rechtsausschuss im Parlament. Der aus der Hafenstadt Odessa stammende Jurist war über die Parteiliste der Präsidentenpartei Diener des Volkes in die Oberste Rada gelangt. Kostin ist bereits der dritte neue Generalstaatsanwalt seit dem Amtsantritt von Selenskyj im Mai 2019.

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Bundesregierung wirft Russland beim Gas Machtspiel vor

14.21 Uhr: Die Bundesregierung hat Russland wegen der Drosselung der Gaslieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 ein Machtspiel vorgeworfen. »Wir sehen dafür wie schon zuvor keine technischen Ursachen«, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch. »Was wir hier sehen, ist tatsächlich ein Machtspiel, und davon lassen wir uns nicht beeindrucken.« Eine gewartete Turbine sei bereit, an den russischen Energiekonzern Gazprom übergeben zu werden, damit sie eingesetzt werden könne.

Die Sprecherin machte klar, Deutschland könne sich nicht mehr auf Russland als Gaslieferant verlassen. Die Bundesregierung habe viele Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Energieinfrastruktur zu diversifizieren und den Verbrauch zu reduzieren. »Wir arbeiten kontinuierlich an weiteren Maßnahmen.«

EU-Gericht bestätigt Verbot des russischen Staatssenders RT in Frankreich

13.59 Uhr: Das EU-Gericht in Luxemburg hat das Sendeverbot für den russischen Staatssender RT – vormals Russia Today – in Frankreich bestätigt. Das Gericht wies einen Einspruch von RT ab. Die EU hatte den russischen Staatsmedien RT und Sputnik Anfang März wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine verboten, sowohl im Fernsehen als auch im Internet ihre Inhalte zu verbreiten.

Das EU-Gericht argumentierte unter anderem, bei dem Verbot handele es sich um eine vorübergehende Maßnahme, die in Anbetracht des »außergewöhnlichen Kontexts angemessen und für die verfolgten Ziele erforderlich« sei. Anders, als es das russische Staatsmedium in seinem Einspruch angegeben hatte, stelle das temporäre Verbot die Meinungsfreiheit »als solche« nicht infrage, erklärte das Gericht.

Video zeigt mutmaßliche Schäden an der Antoniwskyj-Brücke in Cherson

13.38 Uhr: Ein Video, das unter anderem vom »Guardian« und der ukrainischen Tageszeitung »Ukrainska Pravda« verbreitet wird, zeigt angeblich die Schäden an der Antoniwskyj-Brücke in Cherson. Verbreitet wurde das Video ursprünglich über den Telegram-Kanal  »Armed Forces of Ukraine StratCom«. Die Echtheit lässt sich nicht zu hundert Prozent überprüfen.

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Ukrainische Marine: Häfen nehmen Arbeit wieder auf

13.15 Uhr: Die für die Getreideausfuhr bestimmten ukrainischen Häfen im Schwarzen Meer gehen der Marine zufolge wieder in Betrieb. »Im Zusammenhang mit der Unterzeichnung des Abkommens über die Freigabe der ukrainischen Häfen für den Getreideexport wurden die Arbeiten in den Häfen von Odessa, Tschornomorsk und Piwdenny wieder aufgenommen«, schreibt die Marine bei Facebook . Für die Sicherheit der Konvois sei aber noch Einiges zu tun.

Russland warnt vor Scheitern des Getreideabkommens

12.32 Uhr: Das russische Außenministerium hat vor einem Scheitern des Getreideabkommens gewarnt. Der Export von Getreide aus Russland und der Ukraine müsse gleichzeitig beginnen, forderte der stellvertretende russische Außenminister Andrej Rudenko der Agentur Interfax zufolge. Daher müssten die Hindernisse zum Export russischen Getreides schnell beseitigt werden. Am Mittwoch sollte in Istanbul ein Zentrum zur Koordination der Getreideexporte eröffnet werden. Es ist Teil des unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei geschlossenen Abkommens, mit der die Blockade ukrainischer Häfen aufgehoben werden soll. Russland hatte in der Vereinbarung etwa zugesichert, Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und diese sowie beteiligte Häfen nicht anzugreifen.

Selenskyj über seine Frau Selenska: Vorbild für ukrainische Frauen

12.26 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist stolz auf den Umgang seiner Frau Olena Selenska mit dem russischen Angriffskrieg. »Ich glaube, dass sie eine sehr wichtige Rolle für die Ukraine, für unsere Familien und für unsere Frauen spielt«, sagte Selenskyj der »Vogue«. Seine Frau sei ein Vorbild für Frauen und Kinder, die noch in der Ukraine seien. »Erst einmal hat sie eine starke Persönlichkeit. Und wahrscheinlich ist sie stärker, als sie dachte. Und dieser Krieg – nun ja, jeder Krieg bringt wahrscheinlich Qualitäten zum Vorschein, die man nie von sich erwartet hätte.«

Aus Sicherheitsgründen hat Selenskyj nach Angaben der »Vogue« seine zwei Kinder seit Kriegsbeginn nicht mehr gesehen. »Er hat es in dieser Hinsicht viel schwerer. Er leidet. Und dann leiden auch meine Kinder, weil sie sich nicht sehen können«, sagte Selenska über die Trennung.

Ukrainische Artillerie attackiert strategisch wichtige Brücke in Cherson

11.14 Uhr: Bei ihrer Gegenoffensive in Cherson hat die ukrainische Armee offenbar eine strategisch wichtige Brücke unter Feuer genommen. Das ukrainische Militär veröffentlichte am Mittwochmorgen ein Video, das offenbar zeigt, wie Raketen auf die Antoniwskyj-Brücke abgefeuert werden. Russische Quellen bestätigen den Angriff. Die 1,4 Kilometer lange Autobrücke in der Gebietshauptstadt Cherson sei weiter intakt, teilte ein Sprecher der von Russland eingesetzten Verwaltung zunächst mit.

Später räumte der stellvertretende Leiter der Regionalverwaltung Kirill Stremussow ein, dass die Brücke beschädigt und für den Verkehr geschlossen worden sei. Die Attacke werde den Ausgang der Kämpfe in der Region aber »in keiner Weise« beeinflussen, sagte er in einer Videobotschaft.

Die Brücke ist strategisch wichtig, da der Dnipro viel Wasser führt und somit schwer zu überqueren ist. Vordringlichstes Ziel des ukrainischen Militärs ist es, die russischen Besatzungstruppen wieder auf die Linie hinter den Dnipro zurückzudrängen. Dazu versuchen sie unter anderem mithilfe der von den USA gelieferten Raketenwerfer Himars, die Nachschublinien auszuschalten.

Botschafter Melnyk: Steinmeier wurde erneut in die Ukraine eingeladen

11.01 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschlands Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier eingeladen, in die Ukraine zu reisen. Das erklärte der scheidende ukrainische Botschafter Andrij Melnyk gegenüber der Wochenzeitung »Die Zeit« . »Wir warten noch auf seinen Besuch in Kiew. Im letzten Telefonat hat Präsident Selenskyj ihn zum zweiten Mal persönlich eingeladen«, wird der ukrainische Botschafter zitiert.

Europäischer Gaspreis steigt deutlich über 200 Euro

10.28 Uhr: Die ungewisse Versorgungslage treibt den europäischen Erdgaspreis hoch. Der Preis für eine Megawattstunde niederländisches Erdgas stieg im Vergleich zum Vortag um etwa zehn Prozent auf 224 Euro. Der Betrag gilt für die Lieferung im August und bezieht sich auf den Terminkontrakt TTF, der in Europa als Richtschnur für das Gaspreisniveau angesehen wird.

Lubmin bestätigt: Weniger Gas in Nord Stream 1

9.58 Uhr: Netzdaten der Pipeline-Anschlusspunkte im vorpommerschen Lubmin zeigen, dass die Menge des durch Nord Stream 1 gelieferten russischen Erdgases tatsächlich gesunken ist. Das bestätigt Aussagen des Chefs der Bundesnetzagentur, Klaus Müller (siehe frühere Meldung). In Lubmin kamen demnach zwischen acht und neun Uhr etwa 17 Millionen Kilowattstunden an. Zwischen sechs und sieben Uhr waren es mehr als 27 Millionen.

Die Liefermenge dürfte weiter sinken. Für den weiteren Tag waren laut Nord-Stream-1-Website gut 14 Millionen Kilowattstunden pro Stunde angekündigt. Russland macht wie bei der Drosselung technische Probleme im Zusammenhang mit Sanktionen dafür verantwortlich, die der Westen nach Russlands Angriff auf die Ukraine gegen Moskau verhängt hatte. Unter anderem die Bundesregierung hält das für vorgeschoben und sieht politische Gründe. Lesen Sie hier die gesamte Meldung.

Kaum noch freie Plätze für Geflüchtete in Berlin

9.23 Uhr: In den Berliner Aufnahmezentren für Flüchtlinge wird es offenbar eng: Weil nur noch wenige Plätze zu Verfügung stehen, soll nun ein Notfallplan in Kraft gesetzt werden. Das erklärte Integrationssenatorin Katja Kipping (Linke) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Geplant sei unter anderem, ein großes Zelt mit rund 900 Schlafplätzen zu öffnen, das bislang als Reserve auf dem Gelände des Ukraine- Ankunftszentrums in Tegel steht. Geprüft werde auch die Anmietung von Übernachtungsplätzen in Hostels oder die Aufstellung weiterer Zelte.

Nach den Worten Kippings muss Berlin seit einiger Zeit mehr Asylbewerber aufnehmen, weil »fast alle anderen Bundesländer« aus dem bundesweiten Verteilsystem erst einmal ausgestiegen seien. »Dort gibt es faktisch einen Aufnahmestopp für Menschen, die Erstanträge auf Asyl stellen.« Laut Kipping haben die anderen Länder dies damit begründet, dass sie durch die Aufnahme ukrainischer Geflüchteter, die keinen Asylantrag stellen müssen, stark belastet seien. »Berlin muss das nun abfedern.«

Russische Wagner-Söldner rücken wohl auf Wuhlehirska vor

8.59 Uhr: Die russische Söldnergruppe Wagner hat nach Informationen des britischen Geheimdienstes wahrscheinlich taktische Geländegewinne im Donbass erzielt. Die Söldner seien in der Umgebung des Kraftwerkes Wuhlehirska und beim dort in der Nähe liegenden Dorf Nowoluhanske vorgerückt, teilt das britische Verteidigungsministerium auf Twitter mit . Es zitiert aus dem aktuellen Bericht des militärischen Geheimdienstes. Danach haben sich einige ukrainische Truppen in der Gegend vermutlich zurückgezogen.

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Gazprom drosselt Lieferungen durch Nord Stream 1 wie angekündigt

8.48 Uhr: Der russische Gaskonzern Gazprom liefert wie angekündigt weniger Gas durch die Pipeline Nord Stream 1. Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte im Deutschlandfunk, »zurzeit sehen wir die nominierte Drosselung«. Gazprom liefert demnach 20 Prozent der Kapazität. »Wir werden im Laufe des Tages sehen, ob es dabei bleibt.«

Der Präsident der Netzagentur rief zu mehr Einsparungen auf. Zwar verbrauchten private Haushalte und die Industrie bereits »temperaturbereinigt fünf, sechs, sieben Prozent weniger Gas«. Das sei aber nicht genug: »Im Herbst ändert sich die Situation, der Gasverbrauch steigt«, warnte Müller. Er kritisierte, Gas sei inzwischen Teil der russischen Außenpolitik und der russischen Kriegsstrategie.

Selenskyj nominiert neuen Generalstaatsanwalt

8.12 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nominiert den Abgeordneten Andrij Kostin als nächsten Generalstaatsanwalt. Er reichte beim Parlament einen formellen Antrag ein, die Ernennung zu bestätigen. Kostin gehört Selenskyjs Partei »Diener des Volkes« an und soll Iryna Wenediktowa ersetzen. Ihr hatte Selenskyj vorgeworfen, zu wenig gegen russische Spionage getan zu haben und sie suspendiert.

Ukrainer melden Rückeroberung einer Ortschaft im Süden des Landes

7.41 Uhr: Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben die kleine Ortschaft Andrijiwka im Gebiet Cherson im Süden des Landes vollständig erobert. »Andrijiwka ist befreit und endgültig von den russischen Okkupationstruppen gesäubert«, sagte der Sprecher der Kommandozentrale »Süd« der ukrainischen Truppen, Wladyslaw Nasarow, am Dienstagabend in einer Videobotschaft. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen. Während im Osten des Landes weiterhin die moskautreuen Truppen die Initiative haben, ist Kiew im Süden inzwischen zu Gegenangriffen übergegangen.

Türkei eröffnet Kontrollzentrum zur Getreideausfuhr

5.45 Uhr: In der Millionenmetropole Istanbul wird am Mittwoch ein Zentrum zur Kontrolle von ukrainischen Getreideausfuhren über das Schwarze Meer eröffnet. An der Feier in der Nationalen Verteidigungsuniversität in Istanbul soll unter anderem der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar teilnehmen. Das Zentrum ist Teil eines am Freitag in Istanbul unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei geschlossenen Abkommens, mit der die Blockade ukrainischer Häfen aufgehoben wurde. Russland hatte in der Vereinbarung etwa zugesichert, Schiffe über einen Seekorridor fahren zu lassen und diese sowie beteiligte Häfen nicht anzugreifen.

Die durch Istanbul verlaufende Meerenge Bosporus ist der einzige Seeweg vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer. Die Türkei hat die Hoheit über den Bosporus. Schiffe sollen laut Vereinbarung bei der Ein- und Ausfahrt ins Schwarze Meer kontrolliert werden, um sicherzustellen, dass sie keine Waffen oder Ähnliches geladen haben. In dem Kontrollzentrum sollen Vertreter der Ukraine, Russlands, der Türkei und der Vereinten Nationen tätig sein. Russland schickt dazu eine Delegation unter Leitung von Konteradmiral Eduard Lujk. Auf hoher See sollen nach russischen Angaben Streitkräfte der Türkei und Russlands für die Sicherheit der Schiffe sorgen.

Im Hafen von Odessa stecken seit Kriegsbeginn Tonnen von Getreide fest – das soll sich nun ändern

Im Hafen von Odessa stecken seit Kriegsbeginn Tonnen von Getreide fest – das soll sich nun ändern

Foto: NurPhoto / Getty Images

Johnson zu Selenskyj: »Churchill hätte applaudiert«

5.15 Uhr: Der scheidende britische Premier Boris Johnson hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit seinem Idol Winston Churchill verglichen. »Churchill hätte applaudiert und wahrscheinlich auch geweint«, als Selenskyj zu Beginn des Krieges gesagt habe, er »brauche Waffen, keine Mitfahrgelegenheit«, sagte Johnson am Dienstag in London. Er verlieh dem per Video zugeschalteten Ukrainer einen Preis der International Churchill Society.

Selenskyj habe großen Mut bewiesen und sich trotz der russischen Aggression entschieden, in Kiew an der Seite seines Volkes zu bleiben. Auch Churchill habe sich 1940 im Zweiten Weltkrieg für den Verbleib in London entschieden. Der Geist des Kriegspremiers sei an Selenskyjs Seite, so Johnson.

USA billigt wohl Behandlung ukrainischer Truppen in US-Krankenhaus in Deutschland

1.27 Uhr: Die USA geben einem Insider zufolge grünes Licht für die medizinische Versorgung verletzter Soldaten aus der Ukraine in Deutschland. Das Pentagon habe bereits im Juni zugestimmt, ukrainische Truppen im Landstuhl Regional Medical Center (LRMC) zu behandeln, sagte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums unter der Bedingung der Anonymität. Bislang seien dort noch keine verletzten ukrainischen Soldaten versorgt worden. Auch würden US-Truppen keine Verwundeten aus der Ukraine herausholen. Das LRMC liegt neben dem Luftwaffenstützpunkt Ramstein südwestlich von Frankfurt und ist das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb des amerikanischen Kontinents.

muk/mgo/fpu/kko/sol//AFP/dpa/Reuters
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