Krieg in Osteuropa am Mittwoch Ukrainischer Botschafter spricht von »Zeitenwende für die Ukraine«

Nach der Ankündigung neuer Waffenlieferungen könnten sich die Ukrainer endlich bei Olaf Scholz bedanken, sagt Andrij Melnyk. Und: Der Verteidigungsausschuss einigt sich beim Sonderpaket für die Bundeswehr. Das waren die News am 1. Juni.
»Wir sind glücklich darüber, dass nun endlich Bewegung in die Sache gekommen und das Eis gebrochen ist«: der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk

»Wir sind glücklich darüber, dass nun endlich Bewegung in die Sache gekommen und das Eis gebrochen ist«: der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk

Foto: IMAGO/Christian Spicker
+++ Das Wichtigste in Kürze +++
  • Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow kritisierte die Lieferung moderner US-Raketenwerfersysteme an die Ukraine: Dies erhöhe das Risiko einer direkten Konfrontation zwischen Moskau und Washington. Außenminister Lawrow warnt, dass ein »Drittland« in den Ukrainekrieg verwickelt werden könnte

  • Russlands Militär hat nach eigenen Angaben mit massierten Luft- und Artillerieschlägen unter anderem westliche an die Ukraine gelieferte Waffensysteme zerstört.

  • Die Stadt Sjewjerodonez bleibt umkämpft. Sollten die russischen Truppen das Verwaltungszentrum einnehmen, hätten sie die komplette Kontrolle über die Region Luhansk.

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der EU für das beschlossene Ölembargo gedankt. Und weitere Schritte gefordert: »Letzten Endes sollte es gar keine nennenswerten wirtschaftlichen Verbindungen mehr zwischen der freien Welt und dem Terrorstaat geben.«

  • Deutschland plant Waffenlieferungen an die Ukraine. Durch einen Ringtausch mit Griechenland sollen Waffen sowjetischer Bauart in die Ukraine gelangen. Zudem soll Kiew Medienberichten zufolge vier Mehrfachraketenwerfer erhalten. Außerdem sagte Bundeskanzler Olaf Scholz die Lieferung eines modernen Flugabwehrsystems zu. Des wird aber wohl Monate dauern.

  • Lesen Sie hier den Überblick zu Tag 98 des Ukrainekriegs.

Dänen wollen Verteidigungsvorbehalt abschaffen

23.54 Uhr: Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs in der Ukraine und der dadurch veränderten Sicherheitslage in Europa haben sich knapp 67 Prozent der Dänen dafür ausgesprochen, den sogenannten EU-Verteidigungsvorbehalt ihres Landes abzuschaffen. Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Russischer Raketenangriff auf die Westukraine

23.26 Uhr: In der Westukraine sind am Mittwochabend mutmaßlich mehrere russische Raketen eingeschlagen. Ziel des Angriffs sei die Verkehrsinfrastruktur im Kreis Stryj gewesen, teilte der Chef der Militärverwaltung im Gebiet Lwiw, Maxym Kosyzkyj, auf Telegram mit. Nach ersten Berichten seien zwei Menschen verletzt worden, Angaben über Tote habe es zunächst nicht gegeben. In allen Teilen der Ukraine wurde gegen 21.00 Uhr Luftalarm wegen befürchteter russischer Raketenangriffe ausgelöst.

Scholz setzt auf zügige Lieferung schwerer Waffen in die Ukraine

22.55 Uhr: Nach der Zusage weiterer schwerer Waffen für die Ukraine setzt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf eine schnelle Lieferung durch die deutsche Rüstungsindustrie. Die Lieferung komme »zügig zustande, sobald die Industrie ihre Lieferung entsprechend organisieren kann«, sagte Scholz auf einer Pressekonferenz mit dem kroatischen Ministerpräsidenten Andrej Plenković in Berlin. Genaue Daten wolle er nicht nennen. »Aber da ist jetzt kein Hindernis mehr«, betonte Scholz.

Polen sagt Ukraine weitere Hilfen zu

22.16 Uhr: Polen hat dem kriegsbedrängten Nachbarland Ukraine bei einem Besuch von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki in Kiew weitere Hilfen zugesagt. »Polnische Unternehmen werden am Wiederaufbau teilnehmen«, sagte Morawiecki. »Aber zuerst muss die Ukraine verteidigt werden, müssen die russischen Truppen aus der Ukraine vertrieben werden.« Dies sei Aufgabe der gesamten freien Welt.

Merkel spricht von »barbarischem Angriffskrieg Russlands«

21.48 Uhr: In ihrer ersten öffentlichen Rede seit rund einem halben Jahr hat die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel den russischen Angriff auf die Ukraine als »tiefgreifende Zäsur« bezeichnet. Sie wolle als Bundeskanzlerin außer Dienst keine Einschätzungen von der Seitenlinie abgeben, sagte Merkel. Doch zu sehr markiere Russlands Einmarsch in sein Nachbarland einen eklatanten Bruch des Völkerrechts in der Geschichte Europas nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

»Meine Solidarität gilt der von Russland angegriffenen, überfallenen Ukraine und der Unterstützung ihres Rechts auf Selbstverteidigung«

Angela Merkel

»Meine Solidarität gilt der von Russland angegriffenen, überfallenen Ukraine und der Unterstützung ihres Rechts auf Selbstverteidigung«, sagte Merkel. Sie unterstütze alle entsprechenden Anstrengungen der Bundesregierung, der EU, der USA, der Nato, der G7 und der Uno, »dass diesem barbarischen Angriffskrieg Russlands Einhalt geboten wird«.

Merkel ging auf Menschenrechtsverletzungen gegenüber der Bevölkerung ein. »Butscha steht stellvertretend für dieses Grauen«, sagte sie mit Blick auf die Erschießungen in der Stadt westlich von Kiew.

Uno-Chef Guterres kritisiert »selbstmörderische Abhängigkeit« von fossilen Brennstoffen

Fordert ein sofortiges Ende des Krieges sowie mehr Engagement für Klimaschutz: Uno-Generalsekretär António Guterres

Fordert ein sofortiges Ende des Krieges sowie mehr Engagement für Klimaschutz: Uno-Generalsekretär António Guterres

Foto: JONATHAN NACKSTRAND / AFP

21.04 Uhr: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat nach Einschätzung von Uno-Generalsekretär António Guterres eine »selbstmörderische Abhängigkeit« der Welt von fossilen Brennstoffen offengelegt. Gleichzeitig habe der Krieg vom Fokus auf die Bekämpfung der Klimakrise abgelenkt, sagte Guterres vor dem Auftakt der Uno-Umweltkonferenz Stockholm+50. Guterres forderte erneut ein sofortiges Ende des Krieges und mehr Engagement der internationalen Gemeinschaft beim Kampf gegen die Klimakrise.

Wie sehr hilft Ungarn Putin?

20.56 Uhr: Viktor Orbán nervt die EU, verärgert Polen und wirkt wie ein Spaltpilz auf europäische Solidaritätsbemühungen. Will er nur Ungarn beschützen oder zielt er auf eine günstige Position, falls Russland den Krieg gewinnt? Hören Sie dazu die aktuelle Folge von »Acht Milliarden«.

Verteidigungsausschuss einigt sich über Sonderpaket für Bundeswehr

20.51 Uhr: Fachpolitiker von Union und Ampel-Koalition haben in einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses offene Fragen zur Verwendung des 100-Milliarden-Euro-Pakets für die Bundeswehr ausgeräumt. Dabei seien klärende Unterlagen zu den Beschaffungsvorhaben geliefert worden, sagten Politiker von CDU und CSU. Auch aus den Reihen der Ampel-Parteien hieß es, die Sache sei durch. Damit muss sich nun noch der Haushaltsausschuss mit dem Sonderpaket befassen.

Ungarn blockiert erneut EU-Sanktionen gegen Russland

20.41 Uhr: Ungarn verlangt weitere Änderungen an dem neuen EU-Sanktionspaket gegen Russland und blockiert damit erneut dessen Inkrafttreten. Konkret fordert das Land, auf die geplanten Strafmaßnahmen gegen das russisch-orthodoxe Kirchenoberhaupt Patriarch Kirill zu verzichten, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Ukraine-Botschafter begrüßt Waffen-Ankündigungen aus Deutschland

20.36 Uhr: Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat die Ankündigung neuer deutscher Waffenlieferungen an sein Land begrüßt. »Wir sind glücklich darüber, dass nun endlich Bewegung in die Sache gekommen und das Eis gebrochen ist«, sagte Melnyk der »Stuttgarter Zeitung« und den »Stuttgarter Nachrichten«. »Gerade um das System Iris haben wir uns hinter den Kulissen seit fast drei Monaten bemüht, nun hoffen wir, dass es im Sommer fertig produziert ist, im August die Ausbildung starten und im Oktober der Einsatz beginnen kann.«

»Jetzt kann man wirklich von einer Zeitenwende für die Ukraine sprechen.«

Andrij Melnyk, ukrainische Botschafter

Gegenüber der »Wirtschaftswoche« sprach Melnyk von einem »echten Durchbruch«. »Endlich können wir dem Bundeskanzler Scholz von Herzen sagen: Danke!«, so Melnyk weiter. »Jetzt kann man wirklich von einer Zeitenwende für die Ukraine sprechen. Wir hoffen auf weitere moderne Waffensysteme aus Deutschland

20 Ortschaften bei Cherson ukrainischem Militär zufolge zurückerobert

20.29 Uhr: Die ukrainische Armee hat nach Militärangaben im Süden des Landes 20 besetzte Ortschaften von russischen Truppen zurückerobert. Aus diesen Dörfern im Verwaltungsgebiet Cherson sei etwa die Hälfte der Bevölkerung geflüchtet, sagte der Leiter der regionalen ukrainischen Militärverwaltung, Hennadij Lahuta. Der Angriff werde von Norden aus dem ukrainischen Gebiet Dnipropetrowsk geführt, die ukrainischen Truppen rückten weiter nach Süden vor. Unabhängig überprüfbar waren die Angaben nicht.

Gemeinsame Gas-Bohrungen von Niederlande und Deutschland in der Nordsee

19.56 Uhr: Deutschland und die Niederlande werden in der Nordsee gemeinsam Bohrungen auf einem neuen Gasfeld vornehmen. Wie die Nachrichtenagentur AFP mitteilte, gab der niederländische Staatssekretär für Bergbau, Hans Vijlbrief, bekannt, er habe »die Erlaubnis für den niederländischen Teil heute erteilt«. In Deutschland sei bereits ein »beschleunigtes Genehmigungsverfahren« eingeleitet.

Der Mitteilung der niederländischen Regierung zufolge soll ab 2024 Gas über die geplante Bohrinsel gefördert werden. Die Energie für die Förderung soll aus Windkraft gewonnen werden. Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Kiew berichtet von »Erfolg« des Feindes in Sjewjerodonezk

19.45 Uhr: Bei Gefechten in der umkämpften ostukrainischen Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk haben die russischen Truppen nach Angaben des Generalstabs in Kiew »teilweise Erfolg«. Der Feind habe die Kontrolle über den östlichen Teil der Stadt, teilte die ukrainische Militärführung mit. Der Sturm auf die Großstadt dauere an, hieß es. Die prorussischen Separatisten behaupteten, sie hätten bereits mehr als 70 Prozent der Stadt unter ihre Kontrolle gebracht.

Lettland setzt 34 weitere Russen auf schwarze Liste

19.06 Uhr: Zahlreiche Kulturschaffende aus Russland galten in Lettland bereits als unerwünschte Personen. Nun hat das baltische EU- und NATO-Land weitere 34 Russen wegen ihrer Unterstützung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine auf eine schwarze Liste gesetzt. Bei den Betroffenen handelt es sich nach Angaben des Außenministeriums in Riga vorwiegend um Kulturschaffende. Sie dürfen auf unbestimmte Zeit nicht mehr ins Land einreisen.

Friedensnobelpreisträger Muratow versteigert Medaille für Ukrainer

18.45 Uhr: Der russische Journalist Dmitri Muratow lässt die Medaille seines Friedensnobelpreises zugunsten von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine versteigern. Gebote würden seit Mittwoch und bis zum 20. Juni online angenommen, teilte das Auktionshaus Heritage Auctions im texanischen Dallas mit. Der Erlös solle über das Uno-Kinderhilfswerk Unicef Flüchtlingen aus dem von Russland angegriffenen Land zugutekommen. Muratow, Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung »Nowaja Gaseta«, hatte bereits im März angekündigt, seine Alfred-Nobel-Medaille versteigern lassen zu wollen.

Waffenlieferungen sollen Ukraine laut US-Außenminister bei möglichen Verhandlungen stärken

18.13 Uhr: Die Lieferung moderner Mehrfachraketenwerfer  an die Ukraine dient nach den Worten von US-Außenminister Antony Blinken auch zur Stärkung der Verhandlungsposition der Regierung in Kiew. »Ich würde sagen, dass es im Moment nicht so sehr darum geht, Russland abzuschrecken, denn es hat die Aggression begangen und setzt sie fort«, sagte Blinken. Man wolle sicherstellen, dass die Ukraine sich verteidigen könne. Außerdem müsse garantiert werden, dass die Ukrainer am Verhandlungstisch eine möglichst starke Hand habe, sagte Blinken – denn es sei wahrscheinlich, dass dieser Krieg am Verhandlungstisch enden werde.

Duma-Abgeordneter rechnet mit baldigen »Referenden« in besetzten Gebieten

17.52 Uhr: In den von Russland kontrollierten Gebieten im Osten und Süden der Ukraine könnten nach den Worten eines ranghohen russischen Abgeordneten schon im kommenden Monat »Referenden« über eine Aufnahme in die Russische Föderation abgehalten werden. Er schätze, dass die Gebiete mehr oder weniger zur gleichen Zeit »ein Referendum« abhalten werden, sagte der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses der Duma, Leonid Sluzki, der Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Er rechne damit, dass die »Referenden« im Juli stattfinden könnten, fügte Sluzki hinzu, der auch der russischen Delegation bei den seit Wochen auf Eis liegenden Friedensverhandlungen mit der Ukraine angehört.

Stoltenberg weiter zuversichtlich bei Nato-Norderweiterung

17.50 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gibt sich weiter optimistisch, dass Schweden und Finnland trotz Bedenken der Türkei bald in die Nato aufgenommen werden können. »Ich bin zuversichtlich, dass wir einen Weg nach vorne finden werden«, sagte Stoltenberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit US-Außenminister Antony Blinken in Washington. Es sei nicht das erste Mal, dass es in der Nato Differenzen und Meinungsverschiedenheiten gebe. »Aber wir können auf eine lange Erfolgsgeschichte zurückblicken und sind auch in der Lage, diese Differenzen zu überwinden und uns darauf zu einigen, wie wir vorankommen können«, so Stoltenberg.

Ukrainischer Fußball-Nationalspieler kämpft bei Pressekonferenz mit den Tränen

17.45 Uhr: Fußballstar Alexander Zintschenko sollte erklären, wie die Ukraine am Abend gegen Schottland spielen will. Als der Manchester-City-Spieler auf den Krieg in seiner Heimat zu sprechen kommt, übermannen ihn die Emotionen.

DER SPIEGEL

Ukrainische Getreideernte fällt diese Saison vermutlich deutlich geringer aus

17.32 Uhr: Die Getreideernte in der Ukraine dürfte in dieser Saison nach Branchenangaben wegen des russischen Angriffskriegs um 40 Prozent niedriger ausfallen. Diese Einschätzung gab die Getreidevereinigung der Ukraine, die Produzenten und Exporteure vereint, für die laufende Saison 2022/2023 heraus. Demnach dürfte zudem der Getreideexport um 50 Prozent einbrechen.

Insgesamt rechnet die Branche mit einer Ernte von 19,2 Millionen Tonnen Getreide, in der vorherigen Saison waren es rund 33 Millionen Tonnen. Gleichwohl werde das Land trotz blockierter Lieferwege, besetzter Gebiete und verminter Felder mit Getreide versorgt und auch in der Lage sein, einen Teil zu exportieren, so die Vereinigung. Die Exporte könnten sich in dieser Saison allerdings auf nur zehn Millionen Tonnen belaufen – nach 20 Millionen Tonnen in der vergangenen Saison.

Ukrainisches Militär soll mit US-Raketensystem nicht auf russisches Territorium feuern

17.10 Uhr: Das ukrainische Militär soll die von den USA versprochenen Raketensysteme nicht gegen Ziele auf russischem Boden einsetzen. US-Außenminister Antony Blinken sagte, das habe Kiew versichert. Zuvor hatte US-Präsident Joe Biden bekannt gegeben, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine modernere Raketensysteme liefern werden.

Spanien will Entlastungsmaßnahmen verlängern

17.00 Uhr: Die spanische Regierung will mehrere Maßnahmen des Entlastungspakets zur Abfederung der Folgen des Ukrainekriegs und der stark steigenden Energiepreise um drei Monate bis zum 30. September verlängern. »Wir werden die Familien und die Unternehmen unseres Landes schützen, solange die Auswirkungen des Krieges anhalten«, kündigte Ministerpräsident Pedro Sánchez in Madrid an. Das Vorhaben der linken Minderheitsregierung muss jedoch vom Parlament gebilligt werden.

»Putins Koch« scheitert mit Klage gegen EU-Sanktionen

16.53 Uhr: Das Gericht der Europäischen Union hat eine Klage des prominenten russischen Geschäftsmannes Jewgeni Prigoschin gegen EU-Sanktionen abgewiesen. Die Richter sahen es dem Urteil zufolge als nicht erwiesen an, dass die Strafmaßnahmen gegen den Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin unzureichend begründet sind und auf unzulässigen Beweisen beruhen. Dies hatte Prigoschin in einer Klage vorgebracht.

Der 61 Jahre alte Prigoschin, der auch unter dem Beinamen »Putins Koch« bekannt ist, steht auf der EU-Sanktionsliste, weil er nach Auffassung der EU ein wichtiger Geldgeber und der inoffizielle Leiter der Söldner-Gruppe Wagner ist. Ihm werden seit 2020 Verstöße gegen das Uno-Waffenembargo gegen Libyen vorgeworfen. Seit April dieses Jahres gehört er zudem auch zur Gruppe derjenigen Russen, die von der EU sanktioniert sind, weil sie Putins Ukraine-Politik unterstützen. Nach Ansicht der EU ist Prigoschin unter anderem auch für die Entsendung von Söldnern der Wagner-Gruppe in die Ukraine verantwortlich.

Jewgeni Prigoschin (l.) neben Wladimir Putin (2010)

Jewgeni Prigoschin (l.) neben Wladimir Putin (2010)

Foto:

Alexei Druzhinin / AP

Verwundete Soldaten werden nach Bayern gebracht

16.50 Uhr: Verwundete Soldaten aus der Ukraine werden am Donnerstag zur medizinischen Versorgung nach Bayern gebracht. Am Nachmittag würden die Verwundeten an Bord eines Airbus A310 der Bundeswehr über Polen nach Nürnberg geflogen und dann auf Krankenhäuser in ganz Bayern verteilt, teilt der Flughafen Nürnberg mit. Zu diesem Zwecke werde eine größere Anzahl an Krankentransportern zum Flughafen fahren.

Lawrow warnt: »Drittland« könnte in Ukrainekrieg verwickelt werden

16.01 Uhr: Russland warnt davor, dass ein »Drittland« in den Ukrainekrieg verwickelt werden könnte. Die Lieferung moderner US-Raketenwerfer an die Ukraine erhöhe das Risiko dafür, dass ein weiteres Land in den Konflikt hineingerate, sagte Außenminister Sergej Lawrow auf einer Pressekonferenz in Saudi-Arabien. Die USA planen, der Ukraine fortschrittliche Raketensysteme zur Verfügung zu stellen.

Lambrecht: »Wer in Freiheit leben will, braucht militärische Stärke«

15.55 Uhr: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) hat im Bundestag für Steigerungen des Wehretats geworben. »Es muss Schluss sein mit der Vernachlässigung der Bundeswehr. Und es muss Schluss sein mit Zögern und Zaudern«, sagte Lambrecht bei Beratungen ihres Haushaltstitels. Es sei ein wichtiges Zeichen, dass der diesjährige Verteidigungshaushalt um rund 3,5 Milliarden Euro gegenüber dem Plan und dem ursprünglichen Entwurf steigen werde. »Mit diesen jetzt rund 50,4 Milliarden haben wir eine solide Grundlage für den Betrieb unserer Bundeswehr und gerade auch dafür, wichtige Rüstungsgüter anzuschaffen«, sagte Lambrecht. Und: »Der brutale russische Angriffskrieg führt uns schmerzhaft eine lange verdrängte Tatsache vor Augen. Wer in Freiheit leben will, braucht militärische Stärke, um diese Freiheit zu verteidigen.«

Bergung von Bombenopfern in Charkiw: »Es ist so traurig, jemanden zu verlieren, den man kennt, den man liebt«

15.33 Uhr: Die Rakete traf das Hochhaus im März. Erst jetzt können Retter die Leichen aus dem Gebäude in Charkiw bergen. Lidya und Oksana haben bei dem russischen Angriff Angehörige verloren. Nun können sie endlich Abschied nehmen.

DER SPIEGEL

Kreml reagiert gelassen auf Öl-Boykott der EU

15.17 Uhr: Moskau hat entspannt auf den in der EU geplanten weitreichenden Boykott von russischem Öl reagiert. Die frei werdenden Mengen würden in andere Richtungen umgeleitet, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. »Diese Sanktionen wirken sich natürlich negativ auf den gesamten Kontinent aus – auf die Europäer und auf uns und auf den gesamten globalen Energiemarkt.« Russland werde die negativen Folgen durch systematische Handlungen minimieren, sagte Peskow.

Aufrüstung: Lambrecht plant Kauf von 60 schweren Transporthubschraubern

15.14 Uhr: Tandem-Rotoren und Luftbetankung: Der CH-47 Chinook gilt als Multitasking-Helikopter. Nun plant Verteidigungsministerin Lambrecht die Anschaffung des Boeing-Modells. Deutschland wäre nicht das erste Nato-Land.

Baerbock: Lieferung von Luftabwehrsystem dauert Monate

14.50 Uhr: Die Bundesregierung hat Erwartungen gedämpft, dass das von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) angekündigte Luftverteidigungssystem Iris-T schnell an die Ukraine geliefert wird. »Ja, das dauert und zwar Monate«, sagte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) im Bundestag. Demnach sollte das vom Rüstungskonzern Diehl hergestellte System eigentlich »an ein anderes Land gehen«. Auf Bitten der Bundesregierung werde es nun an die Ukraine geliefert.

Deutschland muss sich laut Baerbock auf eine längerfristige Unterstützung der Ukraine einstellen. Notwendig seien ein »langer Atem« und weitere Waffenlieferungen, sagte sie. Der russische Präsident Wladimir Putin habe seine Strategie geändert. Statt auf einen schnellen militärischen Sieg setze er jetzt auf die Entvölkerung der Donbass-Region und die Auslöschung der dortigen Zivilisation.

Ukraine hält offenbar nur noch 20 Prozent von Sjewjerodonezk

14.43 Uhr: Trotz der russischen Überlegenheit hofft der Leiter der Stadtverwaltung von Sjewjerodonezk noch auf einen Erfolg der ukrainischen Kämpfer. Die russischen Streitkräfte kontrollieren seinen Angaben zufolge derzeit 60 Prozent der Stadt, die Ukraine 20 Prozent, der Rest sei Niemandsland, sagte Oleksandr Stryuk laut Reuters. »Die 20 Prozent werden von unseren Streitkräften erbittert verteidigt«, sagte Stryuk. Es würden Versuche unternommen, die Russen zu vertreiben. »Wir haben die Hoffnung, dass wir trotz allem die Stadt befreien und nicht zulassen werden, dass sie vollständig besetzt wird«, sagte Stryuk.

Nimmt Russland Sjewjerodonezk sowie die Stadt Lyssytschansk ein, haben seine Truppen die Kontrolle über die gesamte Region Luhansk.

Neben versprochenem Luftabwehrsystem: Deutschland will auch Mehrfachraketenwerfer in die Ukraine schicken

14.31 Uhr: Er verschießt zwölf Flugkörper in 60 Sekunden: Der Raketenwerfer Mars II gehört seit Jahrzehnten zum Bundeswehrbestand. Jetzt sollen laut Medienberichten vier Modelle an die Ukraine geliefert werden. Es bleibt nicht dabei.

Peskow: USA gießen mit Waffen für Ukraine »Öl ins Feuer«

14.03 Uhr: Russland hat den Westen und insbesondere die USA erneut eindringlich vor der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine gewarnt. Die Vereinigten Staaten gießen mit ihren modernen Raketensystemen »Öl ins Feuer«, wie Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge sagte. »Die USA behalten ihre Linie bei, mit Russland bis zum letzten Ukrainer zu kämpfen«, sagte Peskow. Die Lieferung von Mehrfachraketenwerfern werde die Ukraine nicht dazu bringen, die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen. Zuvor hatte sich auch der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow in ähnlicher Weise geäußert.

Die US-Regierung liefert der Ukraine als Teil eines neuen Sicherheitspakets moderne Mehrfachraketenwerfer zur Verteidigung gegen den russischen Einmarsch. Aus dem Weißen Haus hieß es, die Ukraine habe zugesichert, mit dem in den USA hergestellten Artilleriesystem HIMARS keine Ziele auf russischem Territorium anzugreifen.

M142-HIMARS-Mehrfachraketenwerfer der USA

M142-HIMARS-Mehrfachraketenwerfer der USA

Foto: Fayez Nureldine / AFP

Kremlsprecher Peskow sagte, dass Moskau dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nicht glaube, dass das System nicht gegen russisches Gebiet gerichtet werde. Das russische Militär sehe darin vielmehr eine direkte Bedrohung und werde entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen, sagte Peskow. Details nannte er nicht. Moskau warnt den Westen immer wieder, dass die gelieferten schweren Waffen Angriffsziele für die russischen Truppen seien.

Finnland und Schweden setzen Gespräche mit Türkei über Nato-Beitritt fort

13.43 Uhr: Die Gespräche mit der Türkei über einen Nato-Beitritt Finnlands gehen dem finnischen Außenminister Pekka Haavisto weiter. Finnland und Schweden würden ihre Hausaufgaben machen. Er gehe nach wie vor von positiven Nachrichten bei dem Nato-Gipfel Ende Juni in Madrid aus. Haavisto äußerte Erstaunen darüber, dass die Türkei ihre Bedenken zu einem Nato-Beitritt der beiden nordischen Länder nicht schon vor der Abgabe der Aufnahmeanträge geäußert habe. Auch die schwedische Ministerpräsidentin Magdalena Andersson sagt, die Gespräche mit der Türkei würden fortgesetzt. Missverständnisse würden ausgeräumt.

Podoljak: EU und USA haben »irrationale Angst vor Russland«

13.35 Uhr: Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak hat der EU und den USA eine »irrationale Angst vor Russland« vorgeworfen. Die politischen Eliten im Westen wollen zur Vorkriegszeit zurückkehren und keine Probleme lösen, sagte Podoljak in einem Interview der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine. Ihre finanziellen Prioritäten hätten Vorrang vor dem Fällen von Entscheidungen.

Schweiz blockiert Weitergabe von dänischen Panzern an Ukraine

13.05 Uhr: Dänemark darf seine in der Schweiz hergestellten Schützenpanzer nicht der Ukraine zur Verfügung stellen. Das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hat ein entsprechendes Ansuchen aus Kopenhagen verweigert, wie ein Sprecher der Behörde in Bern bestätigte. Der öffentlich-rechtliche Schweizer Rundfunk SRF  hatte zuerst von der Entscheidung berichtet. In einem ähnlichen Fall hatte die Behörde im April verboten, dass Deutschland Munition aus Schweizer Produktion an das von Russland angegriffene Land weitergibt.

Dänemark wollte Radschützenpanzer des Typs Piranha III an die Ukraine liefern. Das Seco begründete sein Nein mit der Neutralität der Schweiz und mit dem Kriegsmaterialgesetz, das die Ausfuhr von militärischen Gütern in Kriegsgebiete verbietet.

Polen, Ungarn und das Ölembargo gegen Russland: Das Ende des Ostblocks

13.00 Uhr: Der Streit über das europäische Ölembargo hat die Gegensätze zwischen den östlichen EU-Ländern deutlich gemacht: Besonders die alten Partner Ungarn und Polen sind immer öfter unterschiedlicher Meinung.

Kreml schließt Treffen zwischen Putin und Selenskyj nicht aus

12.50 Uhr: Russland schließt ein Treffen zwischen Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj nach eigenen Angaben nicht aus. Solche Gespräche müssten aber vorbereitet werden, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Arbeit an einem Friedensvertrag mit der Ukraine sei schon vor langer Zeit eingestellt und nicht wieder aufgenommen worden.

Peskow sagte, die Menschen in den von Russland besetzten ukrainischen Regionen Cherson, Saporischschja und Donbass müssten selbst über ihre Zukunft entscheiden. Die Ukraine hatte zuvor erklärt, die Annexion der Regionen durch Russland würde die Friedensgespräche zwischen beiden Seiten beenden.

Papst besorgt über Blockade von Getreideexporten aus der Ukraine

12.31 Uhr: Papst Franziskus hat sich besorgt gezeigt über die in Folge des russischen Angriffskriegs gestoppten Getreideexporte aus der Ukraine. »Die Blockade der Exporte von Getreide aus der Ukraine, von denen das Leben von Millionen von Menschen abhängt, besonders in den ärmsten Ländern, löst große Sorge aus«, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche während der traditionellen Generalaudienz vor zahlreichen Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom. Es müsse alles unternommen werden, um dieses Problem zu lösen und das Menschenrecht auf Nahrung zu garantieren. »Man nutze bitte nicht das Getreide, ein Grundnahrungsmittel, als Kriegswaffe«, erklärte der 85 Jahre alte Argentinier.

Wirtschaftsministerium: Versorgungssicherheit bei Gas gewährleistet

12.17 Uhr: Die Versorgungssicherheit mit Gas in Deutschland ist dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge weiterhin gewährleistet. Das sagte eine Sprecherin in Berlin. Sie reagiert damit auf jüngste Lieferstopps des russischen Staatskonzerns Gazprom etwa nach Dänemark und in die Niederlande. Die Sprecherin betont, die Bundesregierung beobachte die Entwicklung sehr genau. Zur Zukunft der Raffinerie in Schwedt sagt sie, es werde mit Hochdruck an einer Lösung gearbeitet. Ziel sei, dass auch diese Raffinerie bis Jahresende ohne russisches Öl auskomme.

Russische Truppen im Donbass: Sie zielen auf einen einzelnen Gegner – und zerstören ganze Straßenzüge

12.08 Uhr: Das Feuer der russischen Artillerie war offenbar zu stark: Die ukrainische Armee hat die strategisch bedeutsame Stadt Sjewjerodonezk im Osten weitgehend aufgegeben. Was bedeutet der Geländegewinn für Putin?

Deutschland will angeblich Mehrfachraketenwerfer in die Ukraine liefern

11.58 Uhr: Deutschland will offenbar vier Mehrfachraketenwerfer aus Beständen der Bundeswehr in die Ukraine liefern. Das geschehe in enger Abstimmung mit den USA, die auch die Ausbildung ukrainischer Soldaten an den Systemen übernehmen würden, berichtet die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen. Geplant sei, die schweren Waffen, die Ziele in großer Entfernung treffen können, bis Ende des Monats zu liefern.

Russland berichtet über Abschuss westlicher Waffentechnik

11.38 Uhr: Russlands Militär hat nach eigenen Angaben mit massierten Luft- und Artillerieschlägen unter anderem westliche an die Ukraine gelieferte Waffensysteme zerstört. 24 Waffensysteme seien zerstört worden. »Darunter auch eine Batterie von 155-Millimeter-Haubitzen vom Typ M777, das 203-Millimeter-Geschütz 2S7 ›Pion‹, ein Mehrfachraketenwerfer ›Grad‹ und zwei Munitionsdepots«, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums , Igor Konaschenkow. Die Ukraine hat laut Medienberichten von Australien und den USA M777-Haubitzen erhalten.

Die Abschüsse wurden laut Konaschenkow von den Raketen- und Artillerietruppen erzielt. Daneben zählte er den Beschuss von Gefechtsständen, Truppenansammlungen und Militärkonvois durch die Luftwaffe auf. Zudem habe die russische Luftabwehr einen Kampfjet vom Typ Su-25 sowie einen Mi-8-Militärhubschrauber im Raum Charkiw abgeschossen. Die meisten der übrigen Ziele wurden demnach im Donbass-Gebiet im Osten der Ukraine getroffen. Dort haben die russischen Streitkräfte den derzeitigen Fokus ihrer Angriffsbemühungen hinverlegt. Unabhängig konnten die Angaben aus Moskau nicht überprüft werden.

Appell von Fußball-Profi Zinchenko: »Morgen könnt ihr es sein«

11.30 Uhr: Unter Tränen hat der ukrainische Fußball-Nationalspieler Oleksandr Zinchenko vor dem WM-Play-off-Spiel gegen Schottland einen flammenden Appell zur Beendigung des Krieges gegen sein Heimatland geäußert. »Wir müssen die Aggression alle zusammen stoppen, die Ukraine ist ein Land des Friedens. Wir werden nie aufgeben«, sagte der Spieler des englischen Meisters Manchester City auf einer Pressekonferenz in Glasgow. Er betonte: »Heute ist es die Ukraine, morgen könnt ihr es sein. Wir müssen zusammenstehen und die russische Aggression zusammen beenden.«

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Estlands Regierungschefin Kallas: »Hitzige Debatte« bei EU-Gipfel über Putin-Anrufe

10.37 Uhr: Beim EU-Gipfel hat es nach Angaben von Estlands Regierungschefin Kaja Kallas intensive Diskussionen über die Telefonate von Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin gegeben. »Wir hatten eine sehr hitzige Debatte darüber, Putin anzurufen«, sagte Kallas im estnischen Fernsehen. Sie habe dabei ihre Ansicht darüber geäußert, was »die sogenannten Vorteile« der Telefonate seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gewesen sind. Kallas hatte sich wiederholt kritisch gegenüber Gesprächen mit Putin gezeigt.

Seit Kriegsbeginn hat Scholz mehrfach mit Putin telefoniert. Als wenige Tage nach einem Telefonat Ende März das Massaker im Kiewer Vorort Butscha bekannt wurde, herrschte sechs Wochen lang Funkstille. Am Samstag sprachen Scholz und Macron zuletzt mit Putin und forderten ein Ende des Krieges.

Wohlwollende Worte hatte Kallas für den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán übrig, der wochenlang einen EU-Boykott gegen russisches Öl blockierte, sich in den Verhandlungen aber konstruktiv gezeigt habe. »Er hat ein Bild, das er in den Medien präsentiert, und ein anderes Bild in diesen Diskussionen. Wir haben nach einer Lösung für seine Anliegen gesucht. Er hat seine Anliegen geschildert und schließlich wurde eine Lösung gefunden«, sagte Kallas.

Scholz sagt Ukraine Flugabwehrsystem zu

10.04 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat der Ukraine die Lieferung eines modernen Flugabwehrsystems zugesagt. Außerdem werde den ukrainischen Streitkräften ein Ortungsradar zur Verfügung gestellt, das Artillerie aufklären könne, sagte Scholz im Bundestag. Lesen Sie hier die ganze Meldung.

Russland: US-Waffenlieferungen an die Ukraine erhöhen Konfrontationsrisiko

9.42 Uhr: Russland hat die Entscheidung der USA, fortschrittliche Raketensysteme und Munition an die Ukraine zu liefern, scharf kritisiert. Sie würde das Risiko einer direkten Konfrontation erhöhen. Der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur RIA Novosti, dass Moskau die US-Militärhilfe für die Ukraine als »extrem negativ« sehe. Im Mittelpunkt seiner Kritik standen die Pläne der USA, Kiew mit dem High Mobility Artillery Rocket System (HIMARS) auszustatten – einem Mehrfachraketenwerfersystem, das Washington im Rahmen seines jüngsten Militärhilfepakets an die Ukraine liefern will.

Gouverneur: Russische Truppen festigen ihre Stellungen im Zentrum von Sjewjerodonezk

9.33 Uhr: Die russischen Streitkräfte haben sich nach Angaben der Regionalregierung im Zentrum der strategisch wichtigen Stadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine festgesetzt. »Die Russen setzen ihren Angriff fort und festigen ihre Positionen im Zentrum von Sjewjerodonezk«, schrieb der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, im Onlinedienst Telegram. Die russischen Streitkräfte setzten demnach auch ihre Angriffe auf die nördlichen, südlichen und östlichen Stadtteile fort.

Gajdaj hatte am Dienstgasabend mitgeteilt, dass es den russischen Streitkräften inzwischen gelungen sei, Sjewjerodonezk in weiten Teilen zu erobern. 90 Prozent der seit Wochen umkämpften Stadt seien zerstört. Die durch einen Fluss getrennten Städte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind die letzten in der Region Luhansk, die zumindest teilweise noch von der Ukraine kontrolliert werden. Sjewjerodonezk hatte vor Beginn des russischen Angriffskrieges rund 100.000 Einwohner, Schätzungen zufolge harren dort noch rund 15.000 Menschen aus.

Britisches Verteidigungsministerium: Russland hat mehr als die Hälfte von Sjewjerodonezk erobert

9.02 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste soll Russland nach schweren Kämpfen mittlerweile mehr als die Hälfte der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk besetzt haben. In den vergangenen beiden Tagen hätten sich die Gefechte verstärkt und die Russen seien weiter ins Stadtzentrum vorgerückt, hieß es in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Dabei seien auch tschetschenische Kämpfer im Einsatz. In anderen Gebieten führe Moskau weiterhin Angriffe mit Langstreckenraketen gegen Infrastrukturziele in der gesamten Ukraine durch, hieß es weiter.

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Nato rechnet mit monatelangem Krieg im Donbass

8.50 Uhr: Die Nato rechnet einem Medienbericht zufolge noch mit einem monatelangen Krieg in der Ukraine. »Während die Kämpfe im Donbass wahrscheinlich noch einige Monate andauern, ist die intensivste Phase – und Russlands beste Chance, seine erklärten Ziele kurzfristig zu erreichen – in den nächsten zwei Monaten«, zitiert »Business Insider« aus einem Lagebericht der Nato von Anfang dieser Woche. In internen Militäranalysen käme auch die Bundesregierung zu einer ähnlichen Einschätzung, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Niedersächsischer Innenminister fordert Enteignung von russischen Oligarchen

8.48 Uhr: Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat gefordert, sich beim Umgang mit den Vermögen russischer Oligarchen an Kanada zu orientieren und diese zu enteignen. »Wir sollten dessen Beispiel folgen und bei Oligarchen, die auf der Sanktionsliste der EU gegen Russland stehen, das Vermögen nicht nur einfrieren, sondern einziehen und für humanitäre Hilfe und beim Aufbau der Ukraine einsetzen«, sagte Pistorius dem Portal »t-online«.

Dieses Vorgehen sollte dabei nicht nur für Oligarchen gelten, sondern auch für alle, die ihnen beim Umgehen der Sanktionen helfen, forderte der SPD-Politiker. Pistorius verteidigte zugleich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gegen Kritik, im Krieg Russlands gegen die Ukraine zu zögerlich vorzugehen. Scholz mache einen guten Job, das setze sich am Ende immer durch.

SPD-Außenpolitiker Roth: Ukraine kann und muss diesen Krieg gewinnen

8.16 Uhr: Für den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Michael Roth, bedeutet ein Sieg der Ukraine im Krieg mit Russland vor allem eine Wahrung der Souveränität des Landes. »Die Ukraine kann und muss diesen Krieg gewinnen«, sagte der SPD-Politiker im ZDF. Das heiße, dass die Ukraine frei, demokratisch, souverän und ihre territoriale Integrität gewahrt bleibe und dass sie eine Chance habe, Mitglied der Europäischen Union zu werden. »Das wäre ein Sieg für die Ukraine. Es geht nicht darum, dass die Ukraine russisches Territorium angreift«, sagte er.

Russische Truppen setzen sich im Zentrum von Sjewjerodonezk fest

7.47 Uhr: Das russische Militär hat sich nach ukrainischen Angaben beim Sturm des Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk im Stadtzentrum festgesetzt. »Der Aggressor hat Angriffe in den nördlichen, südlichen und östlichen Stadtgebieten von Sjewjerodonezk durchgeführt, mit einzelnen Einheiten Erfolg gehabt und nistet sich nun im Stadtzentrum ein«, teilte der ukrainische Generalstab in seinem morgendlichen Lagebericht mit.

Westlich der Stadt, im Raum Bachmut, versuchten die Russen, die ukrainischen Verteidiger aus ihren Positionen bei Bilohoriwka und Wrubiwka zu drängen. Angriffe gab es zudem bei Komyschuwacha, Berestowe und Nyrkowe. Alle diese Ortschaften befinden sich im westlichen Rückraum von Sjewjerodonezk. Die russischen Angriffe zielen wohl darauf ab, den Ukrainern einen geordneten Rückzug aus der früheren Großstadt zu verwehren. Diese ist seit 2014 Verwaltungszentrum der Region Luhansk im Osten der Ukraine.

Russische Kommunisten schließen kriegskritische Abgeordnete aus

7.07 Uhr: Die Kommunistische Partei Russlands hat zwei Parlamentsabgeordnete der Fernostregion Primorje um den Hafen Wladiwostok aus der Fraktion ausgeschlossen, weil sie zur Beendigung des Kriegs gegen die Ukraine aufgerufen hatten. »Diese Abgeordneten haben unsere Partei diskreditiert mit ihrem Vorstoß, daher ist für sie kein Platz in unseren Reihen«, sagte der Fraktionschef der Kommunisten im Regionalparlament, Anatoli Dolgatschow, laut der Tageszeitung »Kommersant«. Der Aufruf der beiden Abgeordneten hatte international Aufsehen erregt, weil er zeigte, dass es in der russischen Politik Widerstand gegen den Krieg gibt.

Ukraine warnt vor giftigen Dämpfen nach russischem Angriff auf Chemieanlage

6.48 Uhr: Russische Truppen haben in der schwer umkämpften Industriestadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine offenbar einen Salpetersäuretank getroffen. Der Regionalgouverneur Serhij Gajdaj rief die Bevölkerung am Dienstagabend auf, »in Sodalösung getränkte Gesichtsmasken bereitzuhalten«, um sich gegen giftige Dämpfe zu wappnen. »Angesichts der Tatsache, dass es in Sjewjerodonezk eine groß angelegte Chemieproduktion gibt, sind die Schläge der russischen Armee in dieser Stadt mit wahllosen Luftangriffen einfach verrückt«, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft.

Die russischen Streitkräfte haben Sjewjerodonezk Gajdaj zufolge mittlerweile in weiten Teilen erobert. Zusammen mit der durch einen Fluss getrennten Stadt Lyssytschansk handelte es sich um die letzten Zentren in der Region Luhansk, die bislang noch teilweise von der Ukraine kontrolliert wurden.

Polens Vizeaußenminister nennt Scholz' Telefonate mit Putin »sinnlos«

6.25 Uhr: Die polnische Regierung hat die Telefonate von Bundeskanzler Olaf Scholz und Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin kritisiert. »Die halten wir absolut für sinnlos«, sagte Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sęk am Dienstag in der ARD-Sendung »Maischberger«. Statt nach Kiew zu reisen, rufe Scholz den Kremlchef »ziemlich regelmäßig« an – das bringe der Ukraine aber nichts. Im Gegenteil helfe dies Russland. Die Gespräche brächten nichts weiter als Putin neue Glaubwürdigkeit.

Unionspolitiker Frei kritisiert Regierungs-Wortwahl zu Ukrainekrieg

5.50 Uhr: Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei, hat Teilen der Bundesregierung zu große Zurückhaltung bei Äußerungen zum Ukrainekrieg vorgeworfen. »Die Aussagen der grünen und sozialdemokratischen Minister, dass Russland nicht gewinnen dürfe, sind enttäuschend und ungenügend«, sagte der CDU-Politiker der »Bild«-Zeitung. Die Union hoffe und wolle mehr: »Dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt.«

Auch der CDU-Abgeordnete Armin Schwarz sagte der Zeitung: »Die Ukraine muss den Krieg gewinnen.« Er habe »keinerlei Verständnis für die SPD und für Herrn Scholz« in dieser Sache. »Warum können sie so einen simplen Satz nicht formulieren? Sie blamieren uns durch ihr Herumschwurbeln.«

Das geschah in der Nacht

5.44 Uhr: Die Menschen in Cherson können momentan offenbar weder telefonieren noch online gehen. Polens Vizeaußenminister kritisiert Deutschland. Und: 5,2 Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen. Lesen Sie hier die Zusammenfassung aus der Nacht.

Selenskyj dankt EU für Sanktionen gegen Russland – und fordert mehr

5.15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat der EU für das sechste Sanktionspaket im Zuge des russischen Angriffskriegs gedankt und zugleich neue Strafmaßnahmen gefordert. Es sei ein siebtes Paket notwendig, sobald die Schritte in dem sechsten Paket umgesetzt seien, sagte er in seiner am Dienstagabend veröffentlichten Videoansprache. »Letzten Endes sollte es gar keine nennenswerten wirtschaftlichen Verbindungen mehr zwischen der freien Welt und dem Terrorstaat geben«, betonte er. »Wir werden an neuen Einschränkungen gegen Russland für diesen Krieg arbeiten.«

Dank des geplanten Ölboykotts der EU verliere Russland »Dutzende Milliarden Euro«, die nun nicht mehr für die Finanzierung des Terrors genutzt werden könnten. Der Verzicht auf russisches Öl helfe auch beim Übergang auf erneuerbare Energien in der Europäischen Union, meinte Selenskyj. Russland hingegen werde insgesamt wirtschaftlich verlieren und weiter isoliert.

Russische Atomstreitkräfte halten Militärübungen ab

5.00 Uhr: Die russischen Atomstreitkräfte führen nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax in der nordöstlich von Moskau gelegenen Provinz Iwanowo Truppenübungen durch. Etwa 1000 Soldaten würden umfangreiche Manöver mit über 100 Einsatzfahrzeugen abhalten, darunter auch Trägerraketen für ballistische Interkontinentalraketen vom Typ Jars, berichtet Interfax unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium. Der Bericht konnte von Reuters zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Dänen stimmen über Teilnahme an EU-Verteidigungspolitik ab

4.23 Uhr: Die Dänen entscheiden am Mittwoch in einer Volksabstimmung darüber, ob ihr Land an der gemeinsamen EU-Verteidigungspolitik teilnimmt. Bisher kann sich Nato-Gründungsmitglied Dänemark aufgrund einer Sonderregel unter anderem aus der Verteidigungspolitik der EU heraushalten. Durch Russlands Angriff auf die Ukraine hat sich die Stimmung im Land verändert: Zuletzt sprachen sich über 65 Prozent der Befragten für eine Abschaffung des Verteidigungsvorbehalts aus. Ein Ja beim Referendum gilt aber nicht als sicher: Es wird mit einer niedrigen Beteiligung gerechnet.

Scholz empfängt kroatischen Regierungschef Plenković im Kanzleramt

4.21 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) empfängt am Mittwoch den kroatischen Regierungschef Andrej Plenković im Kanzleramt. Nach dem Treffen (18.00 Uhr) ist eine gemeinsame Pressekonferenz geplant. Im Mittelpunkt der Gespräche dürfte die Reaktion der EU-Partner auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stehen. Zudem wollen Scholz und Plenković über die EU-Perspektive der Westbalkanstaaten sowie andere europäische, außenpolitische und wirtschaftliche Themen sprechen.

Unicef: Fünf Millionen Kinder aus Ukraine brauchen humanitäre Hilfe

2.01 Uhr: Mehr als fünf Millionen Kinder aus der Ukraine sind nach Angaben des Kinderhilfswerks Unicef wegen des Krieges in ihrem Heimatland auf humanitäre Hilfe angewiesen. In der Ukraine selbst bräuchten nach dem russischen Angriff etwa drei Millionen Kinder Unterstützung, teilte die UN-Organisation am Mittwoch in New York mit. Hinzu kämen etwa 2,2 Millionen Kinder, die inzwischen in andere Länder geflohen seien. Unicef zufolge wurden seit Beginn des Krieges am 24. Februar mindestens 262 Kinder getötet. Hunderte Schulen seien beschädigt.

Biden verspricht der Ukraine moderne Raketensysteme

1.56 Uhr: Die US-Regierung wird der Ukraine als Folge des russischen Angriffskriegs nach Angaben von Präsident Joe Biden moderne Raketensysteme liefern. Biden schrieb in einem Gastbeitrag für die »New York Times« , damit solle das angegriffene Land in der Lage versetzt werden, »wichtige Ziele auf dem Schlachtfeld in der Ukraine« präziser zu treffen. Biden machte keine Angaben dazu, um welche Systeme es sich konkret handelt. Davor hatte die US-Regierung mitgeteilt, sie erwäge die Lieferung der in den USA hergestellten Artilleriesysteme MLRS und HIMARS.

Deutsche Wirtschaft: »Russland-Comeback nicht in Sicht«

0.19 Uhr: Viele deutsche Unternehmen werden laut dem Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft auf absehbare Zeit ihre Geschäfte in Russland nicht wieder aufnehmen. »Ein baldiges Russland-Comeback ist überhaupt nicht in Sicht«, sagt Geschäftsführer Michael Harms dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland« (RND). »Die Unternehmen fahren gerade alle auf Sicht.« Nicht alle hätten aber den Markt verlassen. »Einige Unternehmen haben ihr Geschäft zurückgefahren, halten sich aber eine Rückkehroption offen. Denn wenn man vollständig den russischen Markt verlässt, ist es später schwer, zurückzukommen.« Der Rückzug aus Russland sei juristisch sehr komplex und könne Monate, wenn nicht Jahre dauern. Die Einbußen im Russlandgeschäft seien im Vergleich zu den globalen Lieferkettenproblemen und Preissteigerungen für die meisten Unternehmen schmerzhaft, aber nicht gravierend.

mrc/col/ptz/tfb/dpa/AFP/Reuters
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