Ukraine-News vom 4. Juli Großbritannien kündigt neue Sanktionen gegen Belarus an

Alexander Lukaschenko soll weitere Strafmaßnahmen Großbritanniens zu spüren bekommen. Die Ukraine benötigt mehr als 750 Milliarden Dollar Aufbauhilfe. Und: Zootiere in Kiew sollen Antidepressiva bekommen haben. Die News.
Alexander Lukaschenko: Großbritannien kündigt weitere Sanktionen an

Alexander Lukaschenko: Großbritannien kündigt weitere Sanktionen an

Foto: IMAGO/Sergei Shelega / IMAGO/ITAR-TASS

Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

  • Vor Beginn einer Geberkonferenz für die Ukraine in Lugano hat Großbritannien dem Land andauernde Unterstützung zugesichert.

  • Russlands Truppen rücken nach der Einnahme von Lyssytschansk auf den Ballungsraum um Slowjansk vor.

  • Papst Franziskus plant einen Besuch zunächst in Moskau, dann in Kiew. Er hat Russlands Invasion bereits mehrfach verurteilt.

  • Die Türkei hat im Schwarzen Meer ein Schiff mit Getreide vorerst gestoppt, das unter russischer Flagge fuhr.

  • Die Ukraine benötigt zum Wiederaufbau mehr als 750 Milliarden Dollar, erklärte der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal auf der Geberkonferenz in Lugano.

Nach Fall von Lyssytschansk: Russlands Kosmonauten feiern auf ISS

17.35 Uhr: Nach der Eroberung der ostukrainischen Stadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk haben sich Russlands Kosmonauten auf der Internationalen Raumstation ISS in Feierlaune gezeigt. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos veröffentlichte ein Foto , das Denis Matwejew, Sergej Korssakow und Oleg Artemjew mit einer Flagge der selbst ernannten »Volksrepublik Luhansk« in den Händen zeigt. Russlands Truppen und prorussische Separatisten hätten Luhansk nun vollständig »befreit«, heißt es in einer angehängten Mitteilung. »Wir feiern auf der Erde und im Weltraum.« Ein zweites Foto zeigt die drei Raumfahrer mit einer Donezker Fahne.

Moskau will »Luhansk-Platz« vor britischer Botschaft einrichten

17.30 Uhr: Russlands Hauptstadt Moskau will einen Platz vor der britischen Botschaft zu Ehren des gerade eroberten ostukrainischen Gebiets Luhansk umbenennen. In einer Onlineumfrage hätten sich die Moskauer mehrheitlich für diesen Standort ausgesprochen, um ihn der »Volksrepublik Luhansk« zu widmen, teilt die Stadtverwaltung mit. Zur Auswahl standen demnach auch Orte unweit des deutschen Konsulats sowie ein Bereich unweit der Botschaften Litauens und Belgiens.

Moskau hatte bereits im Juni die Umbenennung eines Platzes vor der US-amerikanischen Botschaft zu Ehren der «Donezker Volksrepublik» verkündet. Auch damals gab es eine Onlineumfrage.

Großbritannien kündigt neue Sanktionen gegen Belarus an

17.10 Uhr: Großbritannien will am Dienstag ein neues Sanktionspaket gegen Belarus verhängen. Grund sei die Unterstützung des belarussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko für den russischen Angriff auf die Ukraine, teilt die Regierung in London mit. Lukaschenkos Regime hätte unter anderem Truppen eingesetzt und Raketen abgefeuert.

Das neue Paket umfasst Einfuhr- und Ausfuhrverbote für Waren im Wert von rund 60 Millionen Pfund. Betroffen sind unter anderem Erdölraffinerieprodukte, Hochtechnologiekomponenten und Luxusgüter sowie belarussisches Eisen und Stahl. Zudem wird die Emission von Schuldtiteln und Wertpapieren für weitere belarussische Unternehmen in London verboten. Großbritannien hatte zuletzt im Mai Sanktionen gegen Lukaschenko und hochrangige Regierungsvertreter verhängt.

Antidepressiva für die Tiere im Zoo von Kiew

16.53 Uhr: Nach Angaben der Tageszeitung »taz« haben die Tiere im Kiewer Zoo stark unter der Invasion der russischen Truppen gelitten. Dem Elefanten Choras und der Zebrafamilie mischten die Tierpfleger sogar Antidepressiva ins Trinkwasser, damit sie den Stress aushalten, heißt es in einer Reportage . Zudem hätten die Mitarbeiter einen Monat lang bei dem 17-jährigen Elefanten übernachtet. Inzwischen habe er sich aber an Luftalarm und das Feuern der ukrainischen Luftabwehr gewöhnt.

So berät die Welt über den Wiederaufbau der Ukraine

16.17 Uhr: Eine Art Marshallplan soll her: Dutzende Länder sprechen in Lugano über den Wiederaufbau der Ukraine. Wie funktioniert das? Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

Paris will vorerst keine aus der Ukraine geflohenen ausländischen Studierenden abschieben

16.13 Uhr: Bis September will Frankreich keine aus der Ukraine geflohenen ausländischen Studierenden abschieben. Das hätten die betroffenen Ministerien gemeinsam entschieden, hieß es in Regierungskreisen in Paris. In den vergangenen Wochen hatten die Behörden in mehreren Fällen die Abschiebung von ausländischen Studierenden beschlossen, die aus der Ukraine geflohen waren. Hilfsorganisationen kritisierten eine »Aufnahmepolitik mit zweierlei Maß«.

Derzeit halten sich etwa 3500 Nichtukrainer in Frankreich auf, die aus der Ukraine geflohen sind. Sie genießen denselben Schutzstatus wie Ukrainer. Sobald dieser ausläuft, sind sie jedoch verpflichtet, in ihre Heimat zurückzukehren, falls dort kein Krieg herrscht und sie nicht um ihr Leben fürchten müssen.

Ukraine hisst Flagge auf symbolträchtiger Schlangeninsel

15.42 Uhr: Die Ukraine hat nach eigenen Angaben wieder ihre Nationalflagge auf der Schlangeninsel gehisst. Die Insel im Nordosten des Schwarzen Meers sei endgültig wieder unter ukrainischer Kontrolle, sagte eine Militärsprecherin. Ob dort bereits wieder ukrainische Soldaten stationiert sind, sagte sie nicht. Am 30. Juni hatte die Ukraine die strategisch wichtige Schlangeninsel wieder übernommen – unklar, ob sich die russischen Truppen freiwillig zurückzogen oder von der Ukraine vertrieben wurden.

Von der Leyen: Wiederaufbauplattform zur Koordination

15.32 Uhr: Die EU-Kommission will eine Plattform zum Wiederaufbau der Ukraine einrichten. Darin sollten die Bedürfnisse des Landes und erforderliche Investitionen gebündelt sowie das Vorgehen koordiniert und Ressourcen kanalisiert werden, sagt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf der Konferenz zur Wiederherstellung der Ukraine in Lugano. Seit Beginn des Krieges habe die Europäische Union bereits 6,2 Milliarden Euro zur finanziellen Unterstützung der Ukraine mobilisiert. »Und es wird mehr kommen«, sagte von der Leyen und kündigte ein langfristiges Engagement der EU in der Ukraine an.

Regierungschef: Ukraine benötigt mehr als 750 Milliarden Dollar Aufbauhilfe

15.14 Uhr: Zum Auftakt der internationalen Geberkonferenz in Lugano hat der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal erklärt, dass sein Land mehr als 750 Milliarden Dollar Aufbauhilfe benötige. Er schlug vor, die rund 300 bis 500 Milliarden Dollar weltweit eingefrorene Vermögenswerte des russischen Staates und von Oligarchen dafür zu verwenden. Schmyhal vertritt die Ukraine auf dem Treffen, da Außenminister Dmytro Kuleba seine Teilnahme Berichten zufolge krankheitsbedingt kurzfristig absagen musste.

Zuvor hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die internationale Gemeinschaft eindringlich zur Unterstützung beim Wiederaufbau seines kriegsgeschädigten Landes aufgerufen. Es sei die »gemeinsame Aufgabe der gesamten demokratischen Welt«, sein vom russischen Angriffskrieg zerstörtes Land wieder aufzubauen, sagte Selenskyj in einer Videoansprache zum Auftakt der Konferenz. Die Unterstützung seines Landes sei der »wichtigste Beitrag zum Weltfrieden«.

Jamala kritisiert Austragung des Eurovision Song Contest in Großbritannien

14.51 Uhr: Die frühere Siegerin des Eurovision Song Contest (ESC) Jamala aus der Ukraine kritisiert Pläne, den ESC 2023 nicht in der Ukraine stattfinden zu lassen, sondern in Großbritannien. Dies sei voreilig und für die Ukrainerinnen und Ukrainer »sehr schmerzhaft«, sagte die 38-jährige Musikerin der BBC. Eigentlich müsste die Ukraine Veranstalter sein, da in diesem Jahr der ukrainische Teilnehmer Kalush Orchestra den ESC gewonnen hatte.

Sie verstehe aber, dass die Schau an einem sicheren Ort stattfinden müsse, und sagte, an die Briten gewandt: »Großbritannien ist Zweiter geworden, daher wäre es fair, den Wettbewerb in einer eurer Städte auszutragen, wenn die Ukraine aus irgendeinem Grund nicht bereit ist, die Veranstaltung auszurichten.«

Kiew erneuert Einladung an Papst Franziskus

14.29 Uhr: Die ukrainische Regierung lädt Papst Franziskus erneut zu einem Besuch ein. Ein Sprecher des Außenministeriums reagiert damit auf einen entsprechend geäußerten Wunsch des Papstes (siehe unten). »Es ist an der Zeit, die Verbindungen zu denen zu vertiefen, die es aufrichtig wünschen. Wir erneuern die Einladung an Papst Franziskus, unser Land zu besuchen, und fordern Sie auf, weiterhin für das ukrainische Volk zu beten«, sagt Sprecher Oleg Nikolenko.

Klingbeil: »Wir stehen vor dramatischen Monaten«

14.10 Uhr: SPD-Chef Lars Klingbeil hat vor drastischen Folgen für den Industriestandort Deutschland gewarnt, sollte der russische Präsident Wladimir Putin die Gaspipeline Nord Stream 1 dauerhaft abschalten. »Wir stehen vor dramatischen Monaten«, sagte er in der Sendung »Frühstart« von RTL und ntv. Viele Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen litten schon jetzt unter einer hohen Belastung.

Am 11. Juli starten die jährlichen Wartungsarbeiten an Nord Stream 1. In der Regel fließt dann für zehn Tage kein Gas. Man müsse bei Putin mit dem Schlimmsten rechnen, warnte Klingbeil. »Es gibt eine Wahrscheinlichkeit, dass Putin nach der Wartung den Gashahn nicht wieder aufdreht.« Klingbeil appellierte an die Bürger, selbst Energie zu sparen. Gas in der Industrie solle nicht rationiert werden. »Das hätte dramatische Auswirkungen auch für den Arbeitsmarkt. Diese Situation müssen wir vermeiden. Und dazu können alle beitragen, indem sie auch einsparen.«

Söder: »Es droht ein eiskalter Winter«

13.56 Uhr: CSU-Chef Markus Söder hat der Bundesregierung eine falsche Strategie im Umgang mit Russland vorgeworfen. Es bestehe die Gefahr, dass Deutschland »Stück für Stück« von den russischen Gaslieferungen abgekoppelt werde, sagte Söder nach einer gemeinsamen Präsidiumssitzung der CSU und des bayerischen Industrie- und Handelskammertags. »Es droht ein eiskalter Winter«, warnte Söder. Lesen Sie hier die gesamte Meldung.

Deutsche Exporte nach Russland sind zuletzt wieder gestiegen

13.30 Uhr: Der Außenhandel mit Russland erholt sich leicht: Im Mai haben die deutschen Exporte nach Russland gegenüber dem Vormonat wieder zugelegt – um 29,4 Prozent auf eine Milliarde Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gestiegen sei vor allem der Export pharmazeutischer Produkte, sagte ein Sprecher. Im März waren die Exporte nach Russland wegen der Sanktionen der westlichen Staaten um fast 60 Prozent eingebrochen. Auch im April waren sie zurückgegangen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Türkei hält russischen Getreidefrachter an

12.55 Uhr: Die Türkei hat am Schwarzmeerhafen Karasu nach Angaben der Betreiberfirma ein unter russischer Flagge fahrendes Schiff mit Getreide angehalten. Der Zoll habe dem Frachter »Zhibek Zholy« vor der türkischen Schwarzmeerstadt die Weiterfahrt vorerst verweigert, sagte ein Verantwortlicher der Hafenfirma IC Ictas.

Der ukrainische Botschafter in der Türkei, Wassyl Bodnar, hatte am Sonntag im ukrainischen Fernsehen gesagt, dass die Ukraine hoffe, dass das Schiff beschlagnahmt und das Getreide konfisziert werde. Die internationale Gemeinschaft fordert von Russland seit Wochen, den Export von ukrainischem Getreide zu ermöglichen. Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Russischer Eishockeyspieler soll Wehrdienst wohl in Nordrussland ableisten

12.50 Uhr: Der wegen angeblicher Wehrdienstverweigerung festgenommene russische Eishockeynationalspieler Iwan Fedotow soll für den Dienst offenbar in den Norden des Landes gebracht werden. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete am Sonntagabend, Fedotow solle auf eine Militärbasis auf der Arktis-Insel Nowaja Semlja strafversetzt werden. Das habe ein anonymer Sprecher der russischen Sicherheitsorgane gesagt. Bisher gibt es keine offizielle Bestätigung für diese Information. Nowaja Semlja ist auch als ehemaliges sowjetisches Atomtestgelände bekannt.

Fedotow wollte seinen bisherigen Club ZSKA Moskau verlassen, um in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL zu spielen. Er wurde am Freitag in Sankt Petersburg nach dem Training von Unbekannten festgehalten und in einen Kleinlaster verfrachtet.

Gouverneur von Luhansk erwartet nun Russlands Vormarsch auf Donezk

11.31 Uhr: Der Gouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, rechnet damit, dass sich nach deren Einnahme die russischen Truppen nun auf die Nachbarregion Donezk konzentrieren. Vor allem die dortigen Städte Slowjansk und Bachmut würden voraussichtlich angegriffen, sagte Hajdaj der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte sich der ukrainische Generalstab in Kiew ähnlich geäußert.

Gouverneur Hajdaj sagte, die Aufgabe von Lyssytschansk sei schmerzhaft, aber nicht kritisch. »Wir müssen den Krieg gewinnen, nicht die Schlacht um Lyssytschansk.« Der Rückzug aus der einstigen Großstadt sei »zentralisiert« gewesen, sagte Hajdaj. Damit deutete er an, dass der Rückzug geplant und ordentlich vonstattengegangen sei. Die ukrainischen Soldaten seien aber Gefahr gelaufen, eingekesselt zu werden.

In dem wochenlangen Kampf um Lyssytschansk seien russische Truppen zusammengezogen worden, die an anderen Fronten hätten eingesetzt werden können, sagte Hajdaj. Das habe den ukrainischen Streitkräften die Möglichkeit gegeben, sich in der Region Donezk zu verschanzen, um es dort »den Russen schwerer zu machen«. Die russische Taktik werde dieselbe sein wie andernorts. »Sie werden mit ihrer Artillerie auf alles schießen, aber es wird schwierig für sie sein, vorwärtszukommen.«

Der Gouverneur bekräftigte die Forderung nach mehr Waffen von westlichen Verbündeten. Diese hätten zu spät verstanden, was in der Ukraine geschehe.

Gouverneur: Nur noch etwa 10.000 Zivilisten in Lyssytschansk

10.45 Uhr: In der von Russland eroberten Stadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine sind nach ukrainischen Angaben von einstmals mehr als 100.000 Einwohnern nur noch wenige Tausend übrig geblieben. Der Militärgouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, nannte im ukrainischen Fernsehen eine Größenordnung von etwa 10.000. In der Nachbarstadt Sjewjerodonezk, die sich ebenfalls unter russischer Kontrolle befindet, seien nur noch etwa 8000 Menschen verblieben. Auch dort lebten vor Beginn des Kriegs mehr als 100.000.

Nach Hajdajs Angaben gab es im Westen Lyssytschansks weitere Gefechte. In dem Ballungsraum sei inzwischen fast alles zerstört: Die Infrastruktur sei zu 90 Prozent beschädigt, 60 Prozent der Wohnhäuser seien zerstört. Unabhängig sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Papst Franziskus will nach Kiew – und vorher nach Moskau

10.21 Uhr: Papst Franziskus plant offenbar eine Reise nach Moskau. Es habe Kontakte zwischen dem vatikanischen Staatssekretär Kardinal Pietro Parolin und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow über einen möglichen Besuch gegeben, sagte Franziskus in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Der Vatikan habe bereits vor einigen Monaten zum ersten Mal nach einer möglichen Reise nach Moskau gefragt. Damals sei die russische Antwort gewesen, dass dies nicht der richtige Zeitpunkt sei. Aber Franziskus deutete nun an, dass sich in letzter Zeit etwas geändert haben könnte.

»Ich würde gern (in die Ukraine) reisen, und ich wollte zuerst nach Moskau«, sagte er. »Wir haben darüber Nachrichten ausgetauscht, denn ich dachte, wenn der russische Präsident mir ein kleines Zeitfenster gibt, fahre ich dorthin, um der Sache des Friedens zu dienen.« Nach seiner Rückkehr aus Kanada, wo er vom 24. bis 30. Juli erwartet wird, sei ein Besuch in der Ukraine denkbar. »Zuerst möchte ich nach Russland reisen, um zu versuchen, etwas zu helfen«, sagte Franziskus. »Aber ich würde gern in beide Hauptstädte reisen.«

Seit dem Beginn der russischen Invasion am 24. Februar hat Franziskus den Konflikt mehrfach verurteilt und Russland implizit kritisiert. Dabei verwendete er in der Vergangenheit Begriffe wie »grausamer und sinnloser Angriffskrieg«.

Schulze: Ukraine-Wiederaufbau »eine immense Aufgabe«

10.06 Uhr: Vor der um 14.30 Uhr in Lugano beginnenden Konferenz über den Wiederaufbau der Ukraine sprach Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) von »einer immensen Aufgabe«, vor der man stehe. Sie nimmt für Deutschland an dem zweitägigen Treffen teil.

Es sei wichtig, dass schon jetzt »die Weichen für einen nachhaltigen, reformorientierten Wiederaufbau der Ukraine« gestellt würden, erklärte Schulze. »Die Menschen in der Ukraine brauchen ein Dach über dem Kopf, eine Schule zum Lernen, intakte Stromnetze, eine sichere Wasserversorgung und vieles mehr«, fügte sie hinzu. Sie wolle in Lugano dafür werben, dass es eine aktive Beteiligung aller Teile der Gesellschaft beim Wiederaufbau gebe.

Deutschland hat laut Schulze für die weitere Unterstützung des Wiederaufbaus 426 Millionen Euro aus dem Ergänzungshaushalt zugesagt. Zusätzlich stelle die Bundesregierung bereits über einer Milliarde Euro Budgethilfe bereit.

Womöglich mehr Staatshilfe für Gas notwendig

8.13 Uhr: Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller warnt, dass die vom Bund bereitgestellten 15 Milliarden Euro nicht ausreichen könnten, um Gas einzukaufen und zu speichern. Weitere Staatshilfen könnten nötig werden. »Je weiter der Gaspreis steigt, desto teurer wird es, die gesetzlichen Speicherziele für den Oktober und den November zu erreichen«, sagt Müller der »Wirtschaftswoche« . Laut Gesetz sollen die Speicherstände zu den jeweiligen Monaten 80 und 90 Prozent betragen. Als das kalkuliert wurde, lag der Gaspreis bei einem Niveau von 80 bis 85 Euro für die Megawattstunde. Inzwischen wurde aber der Gasfluss durch die Pipeline Nord Stream 1 reduziert, nun liegt er bei rund 130 Euro pro Megawattstunde.

Wenn nach der planmäßigen Wartung im Juli durch Nord Stream 1 kein Gas mehr fließe, könne es im Herbst, im Winter, Anfang des Frühlings in Deutschland eine Gasmangellage geben. »Aufgrund unserer jüngsten Erfahrungen im Umgang mit Russland wäre es unverantwortlich, davon auszugehen, dass alles von allein gut wird.«

Antisemitismusbeauftragter kritisiert ukrainischen Botschafter Melnyk

7.15 Uhr: Die Haltung von Botschafter Andrij Melnyk zum ukrainischen Nationalhelden Stepan Bandera steht seit Tagen in der Kritik. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein will die Diskussion nun vor eine internationale Holocaust-Allianz bringen. Lesen Sie hier die ganze Meldung.

Russen rücken nach Einnahme von Lyssytschansk auf nächstes Ziel vor

6.58 Uhr: Nach der Einnahme der einstigen Großstadt Lyssytschansk im Osten der Ukraine rücken die russischen Truppen auf das nächste Ziel vor, den Ballungsraum um Slowjansk. »In Richtung Slowjansk versuchen die Russen, die Kontrolle über die Ortschaften Bohorodytschne, Dolyna und Masaniwka herzustellen«, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew mit. Die drei Ortschaften liegen weniger als 20 Kilometer im Norden und Nordosten von Slowjansk, auf der Südseite des Flusses Siwerskyj Donez.

Von Osten her haben die russischen Truppen nach diesen Angaben ebenfalls den Siwerskyj Donez überquert, der in der Region in einem Bogen verläuft. Dort versuche der Feind die ukrainischen Kräfte auf eine neue Verteidigungslinie zwischen Siwersk, Soledar und Bachmut zurückzudrängen, hieß es in dem Lagebericht. Diese drei Städte liegen etwa 30 bis 40 Kilometer östlich vom Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk, der als Hauptquartier der ukrainischen Verteidigungskräfte im Donbass gilt.

An anderen Frontabschnitten, sowohl im Norden um die Millionenstadt Charkiw als auch im Süden in den Schwarzmeerregionen Saporischschja, Cherson und Mykolajiw, gab es nach ukrainischen Angaben trotz schwerer Artilleriegefechte keine nennenswerten Truppenbewegungen. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen. Russland hatte am Sonntag nach wochenlangen Kämpfen erklärt, die Stadt Lyssytschansk eingenommen zu haben. Die Ukraine bestätigte am Abend, dass sich ihre dortigen Truppen zurückziehen.

Ukraine macht Teilnahme am G20-Gipfel von Kriegsverlauf abhängig

5.54 Uhr: Die Ukraine macht ihre Teilnahme am G20-Gipfel im November in Indonesien von der Situation im Land und von Kriegsgegner Russland abhängig. »Unsere Teilnahme hängt von der Russischen Föderation ab, ob sie dort anwesend sein wird«, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew. »Ich habe dem indonesischen Präsidenten (Joko Widodo) gesagt, dass wir für die Einladung dankbar sind, aber wir haben eine Sicherheitslage.« Russland hatte die Ukraine vor gut vier Monaten überfallen.

Er habe Zweifel, ob viele Staaten am Gipfel teilnehmen werden, falls Vertreter Russlands dort hinfahren, sagte Selenskyj. Falls es gar zu weiterer Gewalt russischer Soldaten gegen ukrainische Zivilisten komme, wie die Ermordung von Einwohnern im Kiewer Vorort Butscha, müsse Russland mit einer »vollständigen Isolation« rechnen.

Beim geplanten G20-Gipfel in Bali dürfte neben dem Ukrainekrieg das Thema Lebensmittelsicherheit eine wichtige Rolle spielen. Russland ist Teil der G20 und hat bestätigt, teilnehmen zu wollen. Noch ist unklar, ob Präsident Wladimir Putin vor Ort sein oder online zugeschaltet wird. Widodo hatte auch Selenskyj eingeladen.

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Ukraine stellt Wiederaufbauplan vor – Geberländer in Lugano

4.30 Uhr: Die ukrainische Regierung will heute erstmals ihre Prioritäten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes präsentieren. Rund 40 potenzielle Geberländer sind bei dem Treffen im schweizerischen Lugano vertreten, ebenso wie internationale Organisationen und Finanzinstitutionen.

Bei der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz geht es noch nicht darum, Geld einzusammeln. Der Bedarf wird auf Hunderte Milliarden Euro geschätzt.

Zunächst sollen die dringendsten Aufgaben identifiziert werden, und Vertreter der ukrainischen Regierung und Geber wollen absprechen, wer welches Projekt finanzieren und organisieren kann. Die Investitionen sollen möglichst bald fließen, um zu verhindern, dass die ukrainische Wirtschaft kollabiert oder die Regierung stürzt, weil dann Millionen Flüchtlinge keine Rückkehrperspektive mehr haben.

An der Konferenz nehmen unter anderem der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal, die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen (CDU), und Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) teil. Präsident Wolodymyr Selenskyj soll live aus Kiew zugeschaltet werden.

IOC-Präsident Bach versichert Ukraine weitere Hilfe

0.34 Uhr: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Athleten aus der Ukraine weitere Hilfe versichert. Dies bestätigte IOC-Präsident Thomas Bach bei einem Besuch in Kiew, wo er mit dem ukrainischen Staatspräsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammentraf.

»Wir unterstützen sie so, dass wir sie bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris und bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina-Milano sehen können. Die ukrainische Flagge wird hoch fliegen«, sagte Bach: »Das IOC wird den Fonds, den wir gleich zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine eingerichtet haben, von 2,5 Millionen Dollar auf 7,5 Millionen Dollar verdreifachen.«

Selenskyj zeigte sich dankbar für die zusätzliche Unterstützung. »Die russische Invasion ist für den ukrainischen Sport ein schwerer Schock«, so der 44-Jährige. Athleten hätten sich »den ukrainischen Streitkräften angeschlossen, um unser Land zu verteidigen«.

An der zu Beginn des Angriffskriegs ausgesprochenen IOC-Empfehlung an die internationalen Sportverbände, russische und belarussische Sportler und Sportlerinnen zu sperren, möchte Bach weiter festhalten. Dies habe das IOC gegenüber Staatspräsident Selenskyj »versichert«. Es sei »noch nicht an der Zeit, diese Empfehlung aufzuheben«, so Bach.

London sagt Kiew dauerhafte Unterstützung auch für Wiederaufbau zu

0.11 Uhr: Vor Beginn einer Geberkonferenz für die Ukraine in Lugano hat Großbritannien dem Land andauernde Unterstützung zugesichert. Außenministerin Liz Truss werde heute ankündigen, dass London »alles Mögliche tun wird, um sicherzustellen, dass die Ukraine den Krieg gewinnt und sich erholt«. Wie das britische Außenministerium weiter mitteilte, bat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj das Vereinigte Königreich, sich für den Wiederaufbau der Hauptstadt Kiew und des gleichnamigen Gebiets einzusetzen.

»Die Erholung der Ukraine vom russischen Angriffskrieg wird ein Symbol der Macht der Demokratie über die Autokratie sein«, zitierte das Außenministerium Truss weiter. Damit werde bewiesen werden, dass die Versuche von Kremlchef Wladimir Putin, die Ukraine zu zerstören, nur eine stärkere, wohlhabendere und geeintere Nation geschaffen hätten. »Großbritannien hält an seiner Unterstützung der territorialen Integrität der Ukraine fest und wird an der Seite der Ukraine stehen, wenn sie sich zu einer starken, blühenden und hochmodernen Demokratie entwickelt.«

Selenskyj: Ukrainische Streitkräfte werden nach Lyssytschansk zurückkehren

23.45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eingeräumt, dass sich die Streitkräfte seines Landes aus der Stadt Lyssytschansk im Donbass zurückgezogen haben. In seiner nächtlichen Videobotschaft versprach er jedoch, die Kontrolle über das Gebiet wiederherstellen zu wollen. Dazu würden die Taktik der Armee und neue, verbesserte Waffen beitragen. Die Militärführung hatte zuvor mitgeteilt, dass die ukrainischen Streitkräfte aus Lyssytschansk abziehen mussten. Eine weitere Verteidigung der Stadt hätte fatale Konsequenzen gehabt.

col/mgo/kko/ptz/AFP/dpa/Reuters
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