Krieg in der Ukraine Stoltenberg: Moskau setzt den Winter als Waffe ein

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wirft Russland vor, die kalte Jahreszeit zu nutzen, um der ukrainischen Zivilbevölkerung Schaden zuzufügen. Und: Moskau verschiebt Abrüstungsgespräche mit Washington. Das waren die News am Montag.
Kinder warten auf ihre Evakuierung aus Cherson nach Kiew, 25. November

Kinder warten auf ihre Evakuierung aus Cherson nach Kiew, 25. November

Foto: ROMAN PILIPEY / EPA
Das Wichtigste in Kürze
  • NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg wirft Russland vor, den Winter als Waffe gegen die ukrainische Zivilbevölkerung einzusetzen.

  • Geplante Abrüstungsgespräche zwischen Russland und den USA über strategische Atomwaffen sind von Moskau kurzfristig verschoben worden.

  • Nach Angaben des ukrainischen Militärs hat Russland ein Kriegsschiff mit Raketen an Bord ins Schwarze Meer verlegt.

  • Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, hat um weitere Unterstützung gebeten. Sein Land brauche Generatoren, Transformatoren und Luftabwehrsysteme.

Ukraine meldet Beschuss von 30 Orten in der Region Cherson

21.38 Uhr: Russland hat nach Darstellung der Ukraine in der vergangenen Woche die südliche Region Cherson 258 Mal unter Beschuss genommen. Dabei seien 30 Siedlungen angegriffen worden, erklärt Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. Seinen Angaben zufolge hat Russland zudem eine Pumpstation beschädigt, die die Stadt Mykolajiw nordwestlich von Cherson mit Wasser versorgt. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.

Die Ukraine ist nach den Worten von Selenskyj bestrebt, Russland für den Angriffskrieg und die daraus entstandenen Folgen international zur Verantwortung zu ziehen. In seinen Gesprächen mit ausländischen Politikern und in diversen Kontakten der ukrainischen Behörden mit westlichen Institutionen werde stets darüber gesprochen, sagte Selenskyj in seiner Ansprache. »Das Hauptthema all dieser Ereignisse ist die Verantwortung Russlands für Krieg und Terror.«

Ukrainischer Armeesprecher: Dutzende russische Angriffe im Donbass

18.42 Uhr: Auch bei Kälte, Schneeregen und Regen dauern die schweren Kämpfe im Donbass im Osten der Ukraine an. Dabei wehrten die ukrainischen Streitkräfte täglich Dutzende von Angriffsversuchen russischer Soldaten ab, sagte Serhij Tscherewatyj, Sprecher der Ostgruppe der ukrainischen Armee. Im Mittelpunkt der schwersten Kämpfe seien die Gebiete um Bachmut und Awdijiwka. Dabei setzten die russischen Streitkräfte neben Rohrartillerie auch Raketenwerfer, Minenwerfer und Panzer ein, mit Unterstützung ihrer Kampfflugzeuge.

Im Schnitt führe die russische Armee dort rund 200 Artillerieschläge täglich. »Aber trotz dieser Bemühungen schafft es der Feind schon seit Monaten nicht, unsere Verteidigung zu durchbrechen«, sagte Tscherewatyj.

Ukrainische Präsidentengattin fordert »globale Antwort« auf sexuelle Gewalt im Krieg

18.35 Uhr: Die ukrainische Präsidentengattin Olena Selenska hat eine »globale Antwort« auf den Einsatz sexueller Gewalt als Kriegswaffe gefordert. »Jeder weiß von der großen Zahl an Vergewaltigungen« durch russische Soldaten im Ukrainekrieg, sagte sie auf einer von der britischen Regierung ausgerichteten Konferenz zu sexueller Gewalt in Konflikten in London. Die russischen Soldaten »gehen sehr offen damit um«.

Sexuelle Gewalt und Sexualverbrechen zählten inzwischen zum »Arsenal« der russischen Truppen, um »die Ukrainer zu demütigen«, fügte Selenska hinzu. Die ukrainische Staatsanwaltschaft untersuche mehr als hundert solcher mutmaßlichen Verbrechen, die tatsächliche Zahl liege deutlich höher. Die Betroffenen scheuten sich jedoch oftmals davor, die Taten öffentlich zu machen, sagte die Präsidentengattin. Sie hätten Angst vor einer Stigmatisierung oder einer Rückkehr der Täter. »Deshalb ist es äußerst wichtig, dies als Kriegsverbrechen anzuerkennen und alle Täter zur Rechenschaft zu ziehen«, sagte sie.

Olena Selenska (rechts) trifft in London Akshata Murty, die Frau des britischen Premiers

Olena Selenska (rechts) trifft in London Akshata Murty, die Frau des britischen Premiers

Foto: Yui Mok / AP

An der Konferenz »Initiative zur Verhinderung sexueller Gewalt in Konflikten« nahmen Vertreter aus rund 70 Ländern teil. Auch Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie forderte in einer Botschaft an die Konferenzteilnehmer »eine entschlossene globale Antwort« auf solche Übergriffe. Andernfalls werde »sowohl den Opfern als auch den Tätern signalisiert, dass wir dies nicht wirklich als ein bedeutendes Verbrechen ansehen, das bestraft und verhindert werden muss«, erklärte sie.

Selenskyj würdigt Außenministerbesuch als »wichtiges Signal«

18.26 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Gruppenreise von sieben Außenministern der baltischen und nordischen Staaten nach Kiew als Zeichen der Solidarität begrüßt. »Ihr Besuch ist ein wichtiges Signal der Unterstützung und Solidarität von befreundeten Partnerländern der Ukraine, gerade in Zeiten der ernsthaftesten Herausforderungen«, erklärte Selenskyj über Telegram. Die Chefdiplomaten von Norwegen, Schweden, Finnland, Island, Estland, Lettland und Litauen waren gemeinsam in die ukrainische Hauptstadt gekommen.

Kiew wirft Moskau vor, zu 97 Prozent zivile Ziele anzugreifen

17.37 Uhr: Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow beschuldigt Russland, in den vergangenen neun Monaten mehr als 16.000 Raketenangriffe auf die Ukraine durchgeführt zu haben. Diese seien zu 97 Prozent auf zivile Ziele gerichtet gewesen. »Wir kämpfen gegen einen terroristischen Staat«, schrieb Resnikow auf Twitter . »Die Ukraine wird sich durchsetzen und die Kriegsverbrecher vor Gericht bringen.«

Stoltenberg: Moskau setzt den Winter als Waffe ein

17.19 Uhr: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wirft Russland vor, die bevorstehende kalte Jahreszeit auszunutzen, um der ukrainischen Zivilbevölkerung Schaden zuzufügen. »Präsident Putin versucht jetzt, den Winter als Kriegswaffe gegen die Ukraine einzusetzen, und das ist schrecklich, und wir müssen auf weitere Angriffe vorbereitet sein«, sagte Stoltenberg am Vorabend eines zweitägigen Treffens der Nato-Außenminister in Bukarest, Rumänien.

Es sei zu erwarten, dass Russland seine Angriffe auf das ukrainische Strom- und Gasnetz fortsetze, führte Stoltenberg aus. »Das ist der Grund, warum die Nato-Verbündeten ihre Unterstützung für die Ukraine verstärkt haben.« Der Nato-Generalsekretär rechnet auch mit neuen Gesprächen über die Lieferung zusätzlicher Flugabwehrsysteme an die Ukraine. Auch bei der Unterstützung mit Ersatzteilen und Munition müsse noch mehr getan werden, ebenso bei der Ausbildung von Soldaten.

Energienotstand im Kriegswinter: Muss Deutschland der Ukraine mit Gas aushelfen, Frau Sabadus?

16.34 Uhr: Russland greift gezielt die Stromindustrie in Kiew und anderen Orten an. Analystin Aura Sabadus zur Frage, ob das Land bald Hilfslieferungen braucht – und was Gazprom alles über den ukrainischen Energiesektor weiß. Lesen Sie hier das gesamte Interview .

Russische Städte stellen Wegweiser zu Schutzkellern auf

16.17 Uhr: Wladimir Putin überzieht die Ukraine mit Raketen. Es landen aber auch immer wieder Geschosse in Russland. In grenznahen Städten weisen nun Schilder den Weg zum nächsten Schutzkeller. Aber nicht nur dort. Lesen Sie hier den gesamten Text.

Abrüstungsgespräche zwischen Moskau und Washington verschoben

16 Uhr: Geplante Abrüstungsgespräche zwischen Moskau und Washington zu strategischen Atomwaffen sind kurzfristig verschoben worden. »Russland hat einseitig das Treffen verschoben und erklärt, neue Daten vorzuschlagen«, teilte die US-Botschaft in Moskau der Tageszeitung »Kommersant« zufolge mit. Das Außenministerium in Moskau bestätigte die Verschiebung der geplanten Konsultationen.

Der ursprünglich noch zwischen US-Präsident Ronald Reagan und dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow unterzeichnete »New Start«-Vertrag zur Reduktion strategischer Atomwaffen war zuletzt im Februar 2021 um fünf Jahre verlängert worden. Eigentlich sollten in Kairo vom 29. November bis 6. Dezember Gespräche über die Zukunft des Vertrags laufen. Geplant war, dass beide Seiten während der Konsultationen die jeweiligen Vorwürfe der Gegenseite anhören.

Das betrifft vor allem die Frage der gegenseitigen Inspektionen von strategischen Waffen. Russland hatte im August, wenige Monate nach Kriegsbeginn gegen die Ukraine, die Kontrolle seines Atomwaffenarsenals durch die USA gestoppt. Die Begründung war, dass eine russische Überprüfung amerikanischer Atomwaffen durch die westlichen Sanktionen behindert werde.

Steinmeier begrüßt geplante Einstufung ukrainischer Hungersnot als Völkermord

15.50 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Planungen des Bundestags begrüßt, die historische ukrainische Hungersnot »Holodomor« als Völkermord einzustufen. Für die gemeinsame Resolution der Ampelfraktionen und der Union sei er »sehr, sehr dankbar«, sagte Steinmeier der Deutschen Welle . Über die Resolution soll am Mittwoch im Bundestag abgestimmt werden.

Das ukrainische Wort »Holodomor« bedeutet »Mord durch Hunger«. Dem Holodomor fielen 1932 und 1933 bis zu vier Millionen Ukrainer zum Opfer. Der sowjetische Machthaber Josef Stalin ließ damals im Zuge der Zwangskollektivierung auf dem Land massenhaft Getreide, Vieh und Lebensmittel in der Ukraine konfiszieren.

Mehr als die Hälfte der Kiewer Haushalte teilweise ohne Strom

15.25 Uhr: Fünf Tage nach massiven russischen Raketenangriffen hat die ukrainische Hauptstadt Kiew weiter mit unangekündigten Notabschaltungen bei der Stromversorgung zu kämpfen. 55 Prozent der Haushalte seien davon betroffen, teilte die Militärverwaltung der Dreimillionenstadt auf Telegram mit. Die Notabschaltungen sollten dabei nicht länger als fünf Stunden dauern. Vorher hatte der örtliche Versorger angekündigt, jedem Kunden zumindest vier Stunden Strom täglich zu ermöglichen. Die Reparaturen der Schäden dauern an.

Ukrainischer Autor Kurkow vermisst russischen Widerstand

15.17 Uhr: Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow vermisst in Russland den Widerstand gegen Präsident Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine. »Es gibt keine laute Stimme gegen Putins Politik, gegen diese Aggression«, weder von den Menschen in Russland, noch außerhalb von Emigranten, sagte der 61-Jährige laut der Nachrichtenagentur dpa in München, wo ihm am Abend der Geschwister-Scholl-Preis überreicht werden soll. »Das ist unglaublich. Wie kann eine große Gesellschaft mit einer so reichen Widerstandskultur jetzt einfach schweigen?«

Kurkow erhält den Geschwister-Scholl-Preis für sein »Tagebuch einer Invasion«, das demnächst auch auf Ukrainisch erscheinen soll. Der Autor vermutet aber, dass die Menschen in seinem Heimatland sein Buch wohl erst nach dem Krieg lesen werden. Es herrsche Nervosität und jeder frage sich, was morgen passieren werde. »Das ist kein guter Zustand, um Bücher zu lesen«, sagte Kurkow laut dpa. »Ich selber lese mit vielen Schwierigkeiten, ich will die ganze Zeit Nachrichten gucken, ich will meine Frau und meine Kinder anrufen und meine Freunde kontaktieren.«

Anders sei das mit der Poesie. »Die Leute brauchen jetzt Gedichte.« Sie kämen zu Hunderten zu Lyrikabenden in Luftschutzbunkern oder U-Bahnstationen. »Das ist eine sehr emotionale Zeit.«

Papst hält Nennung von Russland in Reden für »nicht nötig«

13.48 Uhr: Papst Franziskus hat sich gegen Kritik gewehrt, in seinen Ansprachen Russland oder Präsident Wladimir Putin nicht als Aggressor im Krieg gegen die Ukraine zu benennen. »Warum ich Putin nicht nenne? Weil es nicht nötig ist«, sagte das katholische Kirchenoberhaupt im Interview der US-amerikanischen Jesuiten-Zeitschrift »America Magazine «. Russland sei natürlich das Land, das die Invasion betreibe, sagte der 85-Jährige weiter. »Manchmal versuche ich, nicht zu spezifizieren, um niemanden zu beleidigen, und verurteile lieber allgemein, obwohl es bekannt ist, wen ich verurteile«, begründete der Argentinier.

Franziskus sagte, er sei schon am zweiten Kriegstag zum russischen Botschafter am Heiligen Stuhl gegangen, um seine Bereitschaft zu signalisieren, in dem Konflikt zu vermitteln. »Eine ungewöhnliche Geste« nannte Franziskus das, »weil ein Papst nie zu einer Botschaft geht«. Daraufhin habe er einen »sehr netten Brief« des russischen Außenministers Sergej Lawrow erhalten, »dem ich entnehmen konnte, dass dies vorerst nicht notwendig sei«.

Baltische und nordische Minister reisen nach Kiew

13.21 Uhr: Sieben Außenminister aus den baltischen und nordischen Ländern sind am Montag nach Kiew gereist. Sie wollen damit ein Zeichen der Unterstützung für die Ukraine setzen, die mit Stromausfällen wegen russischer Luftangriffe gegen die Energieinfrastruktur zu kämpfen hat. »Wir, die Außenminister Estlands, Finnlands, Islands, Lettlands, Litauens, Norwegens und Schwedens, sind heute in voller Solidarität mit der Ukraine in Kiew«, schrieb der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis auf Twitter. Trotz Russlands »Bombenregen und barbarischer Brutalität« werde die Ukraine gewinnen.

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Russland soll Kriegsschiff mit Raketen ins Schwarze Meer verlegt haben

13.02 Uhr: Die Ukraine hat am Montag davor gewarnt, dass Russland eine neue Angriffswelle auf die Energieinfrastruktur des Landes vorbereite. Nach Angaben einer Armeesprecherin wurde kürzlich ein russisches Kriegsschiff mit Raketen an Bord ins Schwarze Meer verlegt. »Dies deutet darauf hin, dass Vorbereitungen im Gange sind«, teilte die Sprecherin laut der Nachrichtenagentur AFP mit. »Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Beginn der Woche von einem solchen Angriff geprägt sein wird.« Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Ukrainer bereits am Sonntagabend in seiner Fernsehansprache vorgewarnt, dass Russland neue Luftangriffe vorbereite.

Nach Angaben der ukrainischen Marine befinden sich derzeit insgesamt elf russische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer vor der Küste der Ukraine, weitere seien im Asowschen Meer und im Mittelmeer stationiert.

Klitschko ruft im Streit mit Selenskyj zur Einheit auf – und verspricht den Kiewern Weihnachtsbäume

12.27 Uhr: Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko hat im Konflikt mit Präsident Wolodymyr Selenskyj erneut zur Einheit aufgerufen. »Wenn der Krieg vorbei ist, dann kann man Innenpolitik spielen«, sagte der 51-Jährige in einem Interview  mit der Nachrichtenagentur RBK-Ukraine. Die Einigkeit aller sei jedoch für den ukrainischen Sieg nötig. Vergangene Woche hatte Selenskyj die Kiewer Stadtverwaltung wegen angeblich nicht funktionierender Aufwärmpunkte kritisiert. Klitschko wurde dabei nicht namentlich genannt.

Ungeachtet der anhaltenden russischen Raketenangriffe und der andauernden Stromausfälle hat Klitschko den Bürgerinnen und Bürgern in dem Interview außerdem die Aufstellung von Weihnachtsbäumen versprochen. »Wir dürfen Putin nicht erlauben, unser Weihnachten zu stehlen«, sagte Klitschko. Zwar werde auf Weihnachtsmärkte und Ähnliches in Kriegszeiten verzichtet, aber festlich geschmückte Tannenbäume sollen die Kiewer bekommen. Bezahlt würden diese von Unternehmern, sagte Klitschko.

Russland hält Vermittlung durch den Vatikan laut Medienbericht für nicht realistisch

12.18 Uhr: Das russische Präsidialamt begrüßt nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters das Angebot des Vatikans, im Ukrainekrieg als Vermittler zu fungieren – teilte aber gleichzeitig mit, dass die Haltung der Ukraine dies verhindere. »Natürlich begrüßen wir einen solchen politischen Willen, aber angesichts der faktischen und rechtlichen Situation, die wir jetzt auf ukrainischer Seite haben, können solche Plattformen nicht verlangt werden«, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow demnach gegenüber Reportern.

Papst Franziskus hatte vor zehn Tagen in einem Interview mit der italienischen Zeitung »La Stampa« erneut den Vatikan als Vermittler angeboten sowie Russland und die Ukraine aufgefordert, den Konflikt zu beenden.

Deutsches Rotes Kreuz startet Winterhilfe in der Ukraine

11.55 Uhr: Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat mit der Winterhilfe in der Ukraine begonnen und unterstützt die Menschen vor Ort nach eigenen Angaben  unter anderem mit 7000 Heizöfen zum Wärmen und Kochen, 100 Generatoren und mehr als 20 mobilen Tankanlagen. Auch Material und Gelder für Reparaturen würden in Zusammenarbeit mit dem Ukrainischen Roten Kreuz bereitgestellt. Bei der Verteilung konzentriert sich das DRK auf stark von russischen Angriffen betroffene und sehr entlegene Regionen.

Gazprom kürzt Gaslieferungen nach Moldau vorerst doch nicht weiter – hält sich Option aber offen

11.45 Uhr: Entgegen vorheriger Drohungen wird der russische Staatskonzern Gazprom seine Gaslieferungen an die Republik Moldau vorerst eigenen Angaben zufolge nicht weiter kürzen. Das moldauische Energieunternehmen Moldovagaz habe »Zahlungsrückstände« beseitigt, hieß es – darunter auch für größere Gasmengen, die nach Moskauer Darstellung zu Unrecht im Transitland Ukraine einbehalten worden seien. Zugleich drohte Gazprom damit, die Lieferungen durch die Ukraine in Richtung Moldau doch noch zu kürzen oder sogar komplett einzustellen, sollte es zu weiteren Zahlungsausfällen kommen.

Russland hatte die Lieferungen an Moldau Anfang Oktober gedrosselt. Statt der bestellten 8,06 Millionen Kubikmeter pro Tag liefert der Konzern nur 5,7 Millionen, angeblich aufgrund von Transitproblemen durch die Ukraine. Moskau warf Kiew auch vor, für Moldau vorgesehenes Gas einbehalten  zu haben, was Kiew zurückwies. Sowohl die ukrainische als auch die moldauische Seite betonen, es handele sich um einen völlig legalen »virtuellen Reverse Flow«. Dabei werde in gegenseitigem Einverständnis ein Teil der Lieferungen als ukrainische Gasreserve für den Winter eingespeichert.

Färöer-Inseln verlängern Fischereiabkommen mit Russland

11.35 Uhr: Die Färöer-Inseln haben ihr 1977 erstmals geschlossenes Fischereiabkommen mit Russland um ein Jahr verlängert. Das teilte die färöische Regierung  mit. Die Vereinbarung werde die Fangquoten auf beiden Seiten reduzieren, hieß es.

Fisch ist das wichtigste Exportgut der Färöer-Inseln. Die Inselgruppe zwischen Island und Schottland gehört zum Königreich Dänemark, ist aber weitgehend autonom. Durch das Abkommen dürfen Schiffe von den Färöern in der Barentssee fischen und russische in färöischen Gewässern. Dänemark und die EU hatten kritisiert, dass die Vereinbarung trotz des Ukrainekriegs fortgeführt wird.

Die färöische Regierung betonte, bei der Verlängerung gehe es um die weitere nachhaltige Bewirtschaftung und Kontrolle der aus wirtschaftlicher wie sozialer Sicht wichtigen Fischbestände. Die Entscheidung dazu ändere nichts an der färöischen Position, dass man Russlands Vorgehen gegen die Ukraine verurteile.

Ukrainische Truppen bei schwerem Busunfall in Lettland verletzt

9.40 Uhr: Bei einem schweren Verkehrsunfall in Lettland sind am Wochenende mehrere Angehörige der ukrainischen Streitkräfte verletzt worden. Sie befanden sich in einem Bus, der nahe der Grenze zu Estland frontal mit einem Lastwagen zusammenstieß. Dabei starb der estnische Busfahrer. Drei Personen wurden in ernstem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert, 23 Personen erlitten weniger schlimme Verletzungen, wie der lettische Rettungsdienst bekannt gab . Nach Angaben  der estnischen Armee befindet sich unter den Verletzten ein estnischer Soldat. Bei den übrigen verletzten Businsassen handle es sich um ukrainische Truppen.

Aktuelle Leseempfehlungen und Videos auf SPIEGEL.de

9.35 Uhr: Hier sind die aktuellen Lese- und Videoempfehlungen vom Wochenende:

  • Hacktivisten oder GRU? Warum russische Hacker das ukrainische Finanzministerium angreifen .

  • Video über Kinder in der Ukraine: »Jetzt habe ich mich ein bisschen an den Krieg gewöhnt«. Ein Unicef-Team hat Kinder in einem Schutzraum einer U-Bahn-Station besucht – wo während Angriffen gezaubert und gemalt wird.

  • Irans Drohnen fliegen mit Westtechnik : Viele Teile in den Drohnen stammen aus dem Westen – und fanden trotz Sanktionen den Weg ins Land.

  • Wie hält es SPD-Fraktionschef Mützenich mit der Unterstützung der Ukraine? Im SPIEGEL  sagt Mützenich zu der Debatte darüber: »Sie haben einen falschen Eindruck von mir.«

Russische Artillerie beschießt Cherson laut britischen Angaben täglich

9.15 Uhr: Nach dem Rückzug aus Cherson beschießen russische Truppen die südukrainische Großstadt nach britischen Angaben täglich mit Artillerie. Am Sonntag sei die Rekordzahl von 54 Angriffen gemeldet worden, teilte das Verteidigungsministerium in London am Montag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. Allein am vergangenen Donnerstag seien zehn Menschen getötet worden.

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»Die Stadt ist verwundbar, weil sie in Reichweite der meisten russischen Artilleriesystem liegt, die nun vom Ostufer des Flusses Dnjepr aus von der Rückseite neu konsolidierter Verteidigungslinien feuern«, hieß es in London. Die meisten Schäden richteten Mehrfachraketenwerfer etwa vom Typ BM-21 Grad an.

Ukrainischer Botschafter bittet um Generatoren und Waffensysteme

8.54 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Oleksij Makejew, hat um weitere Unterstützung aus Deutschland gebeten. Sein Land benötige wegen der gezielten russischen Angriffe auf die Stromversorgung Generatoren und auch Transformatoren, sagte Makejew am Montag im ZDF-»Morgenmagazin«. In der Hauptstadt Kiew gebe es derzeit nur wenige Stunden Strom am Tag. Transformatoren werden benötigt, um aus dem Hochspannungsnetz niedrigere Spannungen für die Elektrizitätsversorgung zur Verfügung zu stellen.

Daneben gehe es aber auch weiter darum, den Grund der Zerstörung – die russischen Angriffe – zu bekämpfen. »Deswegen bräuchten wir Luftabwehrsysteme und Waffen, um uns und den Frieden in Europa zu schützen.« Makejew lobte das von Deutschland bereitgestellte Flugabwehrsystem Iris-T , das bereits viele russische Raketen abgefangen hätte. »Deutsche Waffen retten Leben«, sagte er.

Das Land brauche auch weitere Schützenpanzer und Panzer. »Wir sind jetzt mit der Bundesregierung in vertrauensvollem Dialog darüber«, sagte Makejew. »Wir brauchen Waffen, um diesen Krieg zu gewinnen.« Den Krieg zu gewinnen bedeute, das ganze Territorium der Ukraine wieder unter ukrainische Kontrolle zu bekommen – inklusive der 2014 annektierten Krim, stellte er klar.

Ukrainisches Militär berichtet von zurückgeschlagenen russischen Angriffen in Donezk

8.40 Uhr: Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden russische Angriffe in der im Osten gelegenen Region Donezk zurückgeschlagen. Dies betreffe unter anderem die Städte Bachmut und Awdijiwka, teilt der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte in seinem täglichen Lagebericht mit. Dem ukrainischen Militäranalysten Oleg Schdanow zufolge halten die schweren Kämpfe auch in der im Nordosten gelegenen Region Charkiw an. Umkämpft sind demnach Gebiete, die die ukrainischen Truppen im September und Oktober zurückerobert hatten.

Russische Besatzer weisen Berichte über möglichen Rückzug aus AKW Saporischschja zurück

8.15 Uhr: Die von Russland eingesetzte Verwaltung in Enerhodar hat Berichte zurückgewiesen, denen zufolge sich die russischen Truppen aus dem von ihnen besetzten Atomkraftwerk Saporischschja zurückziehen könnten. Die Medien verbreiteten die falsche Information, dass Russland angeblich plane, sich aus Enerhodar zurückzuziehen und das AKW zu verlassen, schrieb die Besatzungsverwaltung auf Telegram.

Sie reagierte damit auf Äußerungen des Chefs des ukrainischen Energieversorgers Energoatom. Dieser hatte am Sonntag gesagt, seit einigen Wochen erhalte man Informationen, wonach es Anzeichen dafür gebe, dass sich die russischen Truppen möglicherweise auf einen Rückzug vorbereiten. Er verwies auf russische Medienberichte, in denen eine mögliche Übergabe der Kontrolle über das AKW an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA als lohnenswert bezeichnet wurde. »Diese Informationen sind nicht wahr«, erklärte dazu die Besatzungsverwaltung. Russland hat das AKW Saporischschja im März unter seine Kontrolle gebracht. Betrieben wird es weiterhin von ukrainischem Personal.

Selenskyj schwört auf harten Winter ein, Klitschko wehrt sich gegen Kritik – das geschah in der Nacht

6.45 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Landsleute auf einen harten Winter mit heftigen russischen Angriffen eingestellt. »Solange sie Raketen haben, werden sie nicht ruhen«, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache am Sonntagabend über die russischen Soldaten. Die ukrainische Armee bereite sich auf die Abwehr von weiterem Beschuss vor. »Russland versucht in diesem Winter, die Kälte gegen die Menschen einzusetzen«, sagte Selenskyj zudem mit Blick auf die gezielten Angriffe Moskaus auf ukrainische Strom- und Wärmekraftwerke.

Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, wehrte sich gegen Vorwürfe von Präsident Selenskyj, nicht genug zum Schutz der Bürger angesichts von Energieausfällen und winterlichen Temperaturen zu tun. Es gebe 430 sogenannte Wärmezentren für die Kiewer, weitere hundert seien geplant, falls sich die Lage weiter zuspitzen sollte, erklärte Klitschko. »Ich will nicht in politische Streitereien verwickelt werden«, schrieb er im Kurznachrichtendienst Telegram. »Das ist sinnlos. Ich habe Dinge in der Stadt zu erledigen.«

Außerdem gibt es Fortschritte bei der Stromversorgung der kürzlich befreiten Gebietshauptstadt Cherson. Die Ukraine wirft Russland zudem vor, weiterhin Schiffskontrollen zu verzögern und so die Getreideausfuhren zu beschränken. Und: Der britische Premierminister Rishi Sunak will offenbar keine Abstriche an den von seinen Vorgängern der Ukraine gewährten Hilfen vornehmen. Lesen Sie hier alle Neuigkeiten aus der Nacht.

kko/asa/mgo/kfr/AFP/dpa/Reuters
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