+++ Krieg in Osteuropa am Samstag +++ Prorussische Separatisten melden Einnahme der Lyssytschansker Stadtverwaltung

In der Ostukraine ist die Großstadt Lyssytschansk angeblich unter russischer Kontrolle. Und: Der belarussische Präsident wirft der Ukraine Raketenangriffe auf sein Land vor – ohne Beweise zu nennen. Das waren die News am 2. Juli.
Zerstörte Gebäude in Lyssytschansk

Zerstörte Gebäude in Lyssytschansk

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Efrem Lukatsky / picture alliance/dpa/AP

+++ Das Wichtigste in Kürze +++
  • Nach Raketenangriffen auf Wohngebiete in einer Küstengemeinde nahe der Hafenstadt Odessa mit mindestens 21 Toten hat die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa von einem Kriegsverbrechen gesprochen.

  • Prorussische Kämpfer haben nach eigenen Angaben die Stadtverwaltung der umkämpften Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes unter ihre Kontrolle gebracht.

  • Großbritannien hat nach Berichten über die Gefangennahme zweier weiterer Briten im Osten der Ukraine gegen die Behandlung Kriegsgefangener durch Russland protestiert.

Russland birgt von ukrainischen Raketen getroffenes Landungsschiff

23.02 Uhr: Russland hat nach eigenen Angaben ein großes Landungsschiff geborgen, das nach einem ukrainischen Raketenangriff von seiner Besatzung versenkt wurde. Das berichtet die »BBC«. In einem Telegrampost  des von Russland ernannten Beamten in der Südukraine, Wladimir Rogow, heißt es demnach, ballistische Raketen vom Typ Tochka-U hätten den von Russland gehaltenen Hafen getroffen. Die Besatzung habe das Schiff versenkt, »um zu verhindern, dass die Munition an Bord durch das ausgebrochene Feuer zur Explosion gebracht wird«, so Rogow. Die Ukraine hatte damals erklärte, sie habe das Schiff getroffen. Erst jetzt hat Russland dies bestätigt.

Selenskyj fordert internationale Hilfe für Wiederaufbau der Ukraine

22.42 Uhr: Angesichts der massiven Zerstörungen in der Ukraine hat Präsident Wolodymyr Selenskyj nach mehr als vier Monaten Krieg internationale Hilfe beim Wiederaufbau seines Landes gefordert. »Es ist notwendig, nicht nur alles zu reparieren, was die Besatzer zerstört haben, sondern auch eine neue Grundlage für unser Leben zu schaffen: sicher, modern, komfortabel, barrierefrei«, sagte er in einer Ansprache.

Dies erfordere »kolossale Investitionen, Milliarden, neue Technologien, bewährte Verfahren, neue Institutionen und natürlich Reformen«. Der ukrainische Staatschef verwies in diesem Zusammenhang auch auf ein Treffen von 40 potenziellen Geberländern an diesem Montag im schweizerischen Lugano. Die ukrainische Regierung will bei der Veranstaltung erstmals ihre Prioritäten für den Wiederaufbau des kriegszerstörten Landes vorstellen.

Lukaschenko droht dem Westen

21.28 Uhr: Mehr als vier Monate nach Beginn des Kriegs in der Ukraine hat der russlandtreue Machthaber der Ex-Sowjetrepublik, Alexander Lukaschenko, dem Westen gedroht. Sollte es einen Angriff auf Belarus geben, werde sein Land sofort reagieren, sagte Lukaschenko der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge in einer Rede zum bevorstehenden Unabhängigkeitstag des Landes.

»Vor weniger als einem Monat habe ich den Einheiten der Streitkräfte den Befehl gegeben, die – wie man jetzt sagen kann – Entscheidungszentren in ihren Hauptstädten ins Visier zu nehmen«, sagte der 67-Jährige. Was genau er damit meinte, erläuterte er nicht. Er fügte hinzu: »Fassen Sie uns nicht an – und wir werden Sie nicht anfassen.« Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Habeck hält Preisexplosion bei einigen Stadtwerken möglich

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht von einer »quasi wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung« mit Russland

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck spricht von einer »quasi wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung« mit Russland

Foto: ADAM BERRY / AFP

21.13 Uhr: Der befürchtete Stopp sämtlicher russischer Gaslieferungen könnte nach Angaben von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eine Preisexplosion bei einigen Stadtwerken zur Folge haben. Habeck und der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller fürchten einen Totalausfall der Lieferungen über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1.

Habeck sagte bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung »Die Zeit«, man habe es vor dem Hintergrund des russischen Überfalls auf die Ukraine mit »einer quasi wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung« zu tun. Das russische Kalkül sei es dabei, über hohe Preise in Deutschland »die Einheit und Solidarität des Landes zu zerstören«. Unklar ist laut Habeck aber noch, ob Russlands Präsident Wladimir Putin das Gas tatsächlich abdreht.

Lyssytschansker Stadtverwaltung laut prorussischen Separatisten unter Kontrolle

19.58 Uhr: Prorussische Separatisten haben eigenen Angaben zufolge gemeinsam mit russischen Soldaten das Gebäude der Stadtverwaltung im schwer umkämpften ostukrainischen Lyssytschansk unter ihre Kontrolle gebracht. Das sagte der Separatistenvertreter Andrej Marotschko der russischen Agentur Interfax.

Ähnliche Mitteilungen über die strategisch wichtige Stadt im Gebiet Luhansk gab es auch von der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti und vom Präsidenten der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow. Eine offizielle Stellungnahme des russischen Verteidigungsministeriums gab es zunächst nicht. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Ohne Beweise: Lukaschenko wirft Kiew Raketenangriffe auf Belarus vor

19.14 Uhr: Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat der Ukraine Raketenangriffe auf sein Land vorgeworfen. »Vor rund drei Tagen, vielleicht mehr, wurde von der Ukraine aus versucht, militärische Ziele in Belarus anzugreifen«, sagte Lukaschenko laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta. »Gott sei Dank haben unsere Luftabwehrsysteme alle Raketen abgefangen, die von den ukrainischen Truppen abgefeuert wurden«, sagte er demnach.

Beweise für seine Behauptungen lieferte Lukaschenko nicht. Er betonte, Belarus wolle keinen Krieg mit der Ukraine, würde aber kämpfen, wenn sein eigenes Gebiet angegriffen würde.

Ukraine ermittelt wegen Kriegsverbrechen nahe Odessa

16.05 Uhr: Nach Raketenangriffen auf Wohngebiete in einer Küstengemeinde nahe der Hafenstadt Odessa mit mindestens 21 Toten hat die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa von einem Kriegsverbrechen gesprochen. »Wir ergreifen alle notwendigen Ermittlungsmaßnahmen, um die konkreten Personen zu ermitteln, die sich dieses schrecklichen Kriegsverbrechens schuldig gemacht habe«, sagte sie.

Ermittler würden in den Trümmern Fragmente der Raketen sicherstellen, die ein Wohngebäude in der Küstenstadt Serhijiwka getroffen hätten. Es würden auch Messungen vorgenommen, um die Flugbahn der Geschosse zu bestimmen.

Claudia Roth hält Boykott russischer Kultur für falsch

15.59 Uhr: Kulturstaatsministerin Claudia Roth plädiert für einen offenen Umgang mit russischer Kultur. Zur »Augsburger Allgemeinen« sagte die Grünen-Politikerin, ein Boykott sei deshalb falsch, weil es oft gerade die Künstlerinnen und Künstler seien, »die versuchen, die letzten Freiräume aufrechtzuerhalten«.

Zudem sei die russische Musik und Literatur großartig. Mit Blick auf den bekannten russischen Dramatiker Anton Tschechow (1860-1904) bemerkte die Kulturstaatsministerin: »Ich lass mir doch den Tschechow nicht von Putin wegnehmen.« Lesen Sie hier mehr dazu.

Kommunale Unternehmen warnen wegen Gaskrise vor Turbulenzen bei Stadtwerken

14.50 Uhr: Angesichts der Turbulenzen beim größten deutschen Gasversorger Uniper hat der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vor einer Kettenreaktion gewarnt, die auch die Stadtwerke erfassen könnte. Es sei richtig, dass die Bundesregierung bei Uniper handlungsbereit sei, sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing der »Rheinischen Post«. »Was jetzt dringend folgen muss, ist eine Anpassung des Energiesicherungsgesetzes mit besseren Instrumenten, um die Preisspirale zu dämpfen und die Versorgungssicherheit zu erhalten.« Lesen Sie hier die ausführliche Meldung.

Ukrainische Lehrkräfte sollen nach russischem Lehrplan unterrichten

14.46 Uhr: Sie werden gedrängt, eine Erklärung zu unterzeichnen – sonst könnten sie ihre Häuser verlieren: Lehrer in den besetzten Teilen der Südostukraine geraten einem Bericht zufolge massiv unter Druck. Lesen Sie hier mehr dazu.

Prorussische Kämpfer vermelden Umzingelung von Lyssytschansk

13.51 Uhr: Die prorussischen Kämpfer haben nach eigenen Angaben die umkämpfte Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes vollständig umzingelt. Zusammen mit russischen Truppen seien »heute die letzten strategischen Hügel« erobert worden, sagte ein Vertreter der Separatisten der russischen Nachrichtenagentur Tass. »Damit können wir vermelden, dass Lyssytschansk vollständig eingekreist ist.«

Lyssytschansks Nachbarstadt Sjewjerodonezk war nach wochenlangen Gefechten vor einer Woche von russischen Truppen erobert worden. Beide Städte gehören zur Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbasses. Sollten die russischen Truppen auch Lyssytschansk einnehmen, könnten sie anschließend Kramatorsk und Slowjansk in der zweiten Donbass-Teilregion Donezk ins Visier nehmen.

Satellitenbilder zeigen mutmaßlichen Angriff auf Schlangeninsel

Es sollte angeblich ein »Zeichen des guten Willens« sein, als sich Putins Armee von der Schlangeninsel zurückzog. Jetzt haben die russischen Truppen den strategisch wichtigen Ort offenbar bombardiert:

DER SPIEGEL

London protestiert in Moskau gegen Behandlung Kriegsgefangener

12.55 Uhr: Großbritannien hat nach Berichten über die Gefangennahme zweier weiterer Briten im Osten der Ukraine gegen die Behandlung Kriegsgefangener durch Russland protestiert. »Wir verurteilen die Ausbeutung von Kriegsgefangenen und Zivilisten für politische Zwecke und haben dies gegenüber Russland angesprochen«, teilte das Außenministerium in London mit. »Wir stehen in ständigem Kontakt mit der ukrainischen Regierung wegen der Fälle und unterstützen die Ukraine vollumfänglich dabei, sie freizubekommen.« Konkreter wollte sich das Ministerium nicht äußern.

Zuvor hatte die russische Staatsagentur Tass unter Berufung auf prorussische Separatisten gemeldet, dass zwei Briten wegen »Söldneraktivitäten« angeklagt worden seien. Dabei soll es sich um einen 22-Jährigen handeln, der in der selbst ernannten »Volksrepublik Donezk« humanitäre Hilfe leisten wollte, sowie einen Freiwilligen, der sich der ukrainischen Armee angeschlossen hat. Wegen desselben Vorwurfs waren bereits zwei Briten und ein Marokkaner, die für die ukrainischen Streitkräfte gekämpft hatten, in dem Separatistengebiet zum Tode verurteilt worden. Sie haben Berufung eingelegt.

Russlands Militär meldet Zerstörung von Waffenlagern

12.30 Uhr: Die russische Armee hat nach eigenen Angaben bei Luftangriffen zahlreiche militärische Ziele getroffen. Unter anderem seien zwei Waffenlager nahe der Großstadt Mykolajiw im Süden des Landes zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau der Agentur Tass zufolge. Im Osten sei ein Waffenlager in einem Traktor-Depot bei Charkiw getroffen worden, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die Ukraine habe »hohe Verluste an Menschen und Material« erlitten, behauptete Konaschenkow.

Auf ukrainische Vorwürfe, Russland habe über der inzwischen geräumten Schlangeninsel im Schwarzen Meer Phosphorbomben abgeworfen, ging der Ministeriumssprecher dem Tass-Bericht zufolge nicht ein. Auch zu Vorwürfen, mit verbotener Streumunition Wohnhäuser zu beschießen, äußerte er sich demzufolge nicht.

Ukraine sieht veränderte Kriegsführung russischer Armee

11.53 Uhr: Gut vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs sieht der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak eine veränderte Kriegsführung der russischen Armee. »Es ist eine neue Taktik Russlands: Wohnviertel zu attackieren und Druck auf westliche politische Eliten auszuüben, um die Ukraine zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen«, sagte Podoljak nach Berichten verschiedener Medien in Kiew. Moskau nehme keine Rücksicht darauf, wie die Welt auf »unmenschliche Angriffe« mit Marschflugkörpern auf Wohnviertel reagiere. Diese Taktik werde aber nicht aufgehen.

Russland kämpfe nicht, um Gebietsgewinne zu erzielen, sondern um die Ukraine zu zerstören und eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa zu schaffen, sagte der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er verstehe nicht, »warum es im Westen immer noch einflussreiche Politiker gibt, die glauben, dass man mit Russland sprechen kann. Das ist Unsinn.« Moskaus Taktik bestehe darin, die Welt so zu erschrecken, dass sie sich vom Krieg in der Ukraine abwende und sage: »Tut alles, was sie wollen. Hauptsache, dieser Horror geht nicht weiter, damit wir ihn nicht jeden Tag auf den Seiten unserer Zeitungen oder im Fernsehen sehen.«

London: Zivile Opfer in Ukraine wegen ungenauer russischer Raketen

10.55 Uhr: Russland setzt nach britischer Einschätzung bei seinen Angriffen zunehmend auf ungenaue Raketen. Grund sei vermutlich, dass die Vorräte an modernen, zielgenauen Waffen schwinden, teilte das Verteidigungsministerium in London mit. Analysen von Überwachungsaufnahmen hätten ergeben, dass das Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk sehr wahrscheinlich von einer Rakete des Typs Ch-32 getroffen worden sei, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse.

Dabei handele es sich um eine Weiterentwicklung der sowjetischen Rakete Ch-22 (Nato-Code: AS-4 Kitchen), die aber noch immer nicht dafür optimiert sei, Bodenziele genau zu treffen, vor allem in Städten. »Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden beim Zielen auf bebaute Gebiete erheblich«, hieß es weiter.

Bei Angriffen auf das südwestukrainische Gebiet Odessa am 30. Juni seien vermutlich Raketen vom Typ Ch-22 eingesetzt worden. »Diese Waffen sind sogar noch ungenauer und ungeeignet für zielgenaue Angriffe und haben in vergangenen Wochen so gut wie sicher zu wiederholten zivilen Opfern geführt.«

DER SPIEGEL

Kiew: Russische Angriffe auf breiter Front

10.12 Uhr: Im Osten der Ukraine setzt Russland nach Angaben aus Kiew seine Angriffe auf breiter Front fort. Im Raum Charkiw versuche die russische Armee, mit Unterstützung der Artillerie verlorene Positionen zurückzuerobern, teilte der ukrainische Generalstab mit. Zahlreiche Orte würden beschossen, um die ukrainische Armee dort zu binden. In der Region Donezk sei eine russische Attacke abgewehrt worden, hieß es. Aus dem Raum Awdijiwka wurden russische Luftangriffe gemeldet. Im Schwarzen Meer wiederum blockiere Russland weiterhin die Seeverbindungen der Ukraine.

Bürgermeister: Russisches Militär benutzt bei Angriffen Streumunition

9.51 Uhr Russland soll bei Raketenangriffen auf die Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine mit mindestens vier Toten nach ukrainischen Angaben verbotene Streumunition eingesetzt haben. Dabei seien in der Nacht zum Samstag zivile Bereiche getroffen worden, in denen es keine Militäranlagen gebe, berichtete Bürgermeister Wadym Ljach am Samstag im Online-Messengerdienst Telegram. Vier Menschen seien getötet, sieben Menschen verletzt worden.

Als Streumunition werden Raketen und Bomben bezeichnet, die in der Luft über dem Ziel bersten und viele kleine Sprengkörper freisetzen. Ihr Einsatz ist völkerrechtlich geächtet.

Netzagentur fürchtet Totalausfall russischer Gaslieferungen

7.05 Uhr: Der Präsident der Netzagentur richtet einen dramatischen Appell an die Deutschen. Ein Staatssekretär fordert Firmen auf, Notstromaggregate anzuschaffen. Und Hamburg erwägt, Warmwasser für private Haushalte zu rationieren. Lesen Sie hier mehr dazu.

DER SPIEGEL

Explosionen in Mykolajiw

5.24 Uhr: Am frühen Samstagmorgen sind in der ukrainischen Stadt Mykolajiw Detonationen zu hören. »Es gibt starke Explosionen in der Stadt! Bleibt in den Schutzräumen!«, schreibt Bürgermeister Oleksandr Senkevich in der Messaging-App Telegram. Die Ursache der Explosionen ist noch nicht bekannt.

Selenskyj spricht von »russischem Terror«

3.00 Uhr: Mit scharfen Worten hat die Ukraine einen russischen Raketenangriff mit mindestens 21 Toten und 39 Verletzten auf ein Wohnhaus im südukrainischen Gebiet Odessa verurteilt. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem »absichtlichen, gezielten russischen Terror«. In dem Haus seien weder Waffen noch militärische Ausrüstung versteckt gewesen – »wie russische Propagandisten und Beamte immer über solche Angriffe erzählen«, sagte er am Freitag in einer Videobotschaft. Der Einschlag der drei Raketen sei kein Versehen gewesen.

Grüne für weitere Entlastungen

2.55 Uhr: Grünenchef Omid Nouripour geht davon aus, dass die Bundesregierung die steigenden Preise durch weitere Entlastungsmaßnahmen für die Bürger abfangen muss. »Gerade im Herbst und Winter werden die Heizkosten voraussichtlich stark steigen. Und dann werden wir auch über Entlastungen sprechen«, sagt Nouripour dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ukrainische Stellungen unter schwerem Beschuss

1.10 Uhr: In der Ost- und in der Südukraine sind Stellungen der ukrainischen Armee entlang der ganzen Frontlinie von russischen Truppen mit Artillerie beschossen worden. Dutzende Orte in den Gebieten Charkiw, Donezk, Luhansk, Saporischschja, Mykolajiw und Cherson wurden am Freitag in dem bei Facebook veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs aufgezählt. Vereinzelt seien auch Angriffe von Flugzeugen und Hubschraubern geflogen worden, hieß es. Ukrainische Einheiten hätten einen russischen Angriff bei einem Gelatine-Werk bei der Industriestadt Lyssytschansk im Gebiet Luhansk abgewehrt. Die Berichte können nicht unabhängig geprüft werden.

Gauck: Kanzler Scholz handelt langsam, aber er handelt

1.00 Uhr: Der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck sieht die von Kanzler Olaf Scholz (SPD) nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine angekündigte Zeitenwende in wesentlichen Punkten eingeleitet. Der »Neuen Osnabrücker Zeitung« sagte Gauck: »Bundeskanzler Scholz handelt vielleicht langsam, aber er handelt.« Wenn Deutschland etwa in Litauen die Nato-Kräfte unter deutscher Führung verstärke, »dann ist es nicht nur ein Symbol, sondern sehr konkret die Stärkung der Verteidigungsbereitschaft«. Auch die Lieferung von schweren Waffen an die Ukraine sei »ein deutliches Signal dafür, dass der Wandel ernst gemeint ist und wir nicht wieder zurückfallen in eine Phase des Wunschdenkens.«

Kiew wirft Moskau Attacke mit Phosphorbomben vor

0.00 Uhr: Die Ukraine wirft Russland den Abwurf von Phosphorbomben auf die Schlangeninsel im Schwarzen Meer vor. Mit Kampfflugzeugen des Typs Su-30 seien von der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim zwei Angriffe mit Phosphorbomben geflogen worden, teilte der Oberkommandierende der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, mit. Dazu präsentierte der 48-Jährige ein Video, das die Bombardierung belegen soll.

Tags zuvor war das russische Militär von der Insel abgezogen. Moskau hatte das als »Geste des guten Willens« dargestellt. Kiew betrachtet den Abzug von dem am zweiten Kriegstag durch die Russen eroberten Eiland als Sieg infolge häufiger Angriffe.

Auch die US-Regierung sieht die Rückeroberung der Schlangeninsel als Erfolg für das ukrainische Militär an. Die Behauptung Russlands, der Abzug sei eine Geste des guten Willens gewesen, sei unglaubwürdig, sagte ein ranghoher Vertreter des US-Verteidigungsministeriums.

wal/svs/tfb/AFP/dpa/Reuters
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