Krieg in der Ukraine Selenskyj kündigt Rückeroberung aller Städte an

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will die territorialen Verluste an Russland wie Sjewjerodonezk, Donezk und Luhanskan nicht hinnehmen. Und: Ein Zentrum für Nuklearforschung in Charkiw soll beschossen worden sein. Das waren die News am 25. Juni.
Gibt sich erneut kämpferisch: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Aufnahme vom 14. Juni)

Gibt sich erneut kämpferisch: der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (Aufnahme vom 14. Juni)

Foto: IMAGO/Ukrainian Presidential Press Off / IMAGO/ZUMA Wire
+++ Das Wichtigste in Kürze +++
  • Von Belarus aus sind offenbar am Morgen Raketen in Richtung des Grenzgebiets bei Tschernihiw abgefeuert worden.

  • Russische Raketen schlugen auch in den Gebieten Chmelnyzkyj, Lwiw, Mykolajiw und Schytomyr ein.

  • Russische Behörden haben die polnische Flagge von einer Gedenkstätte entfernt, die an die Ermordung von rund 25.000 polnischen Militärangehörigen erinnert.

  • Das russische Militär hat nach eigenen Angaben im Osten der Ukraine 80 polnische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Armee getötet. Deren Verluste bezifferten sich laut dem Verteidigungsministerium in Moskau auf fast 800 Kämpfer in 24 Stunden.

  • Im Streit über die Ostsee-Exklave Kaliningrad bestreitet der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Dmitri Rogosin, die Rechtmäßigkeit der litauischen Grenze.

US-Präsident Biden zu G7-Gipfel in Deutschland eingetroffen

23.02 Uhr: Vor Beginn des G7-Gipfels in Bayern ist US-Präsident Joe Biden zu seinem ersten Besuch in Deutschland seit seinem Amtsantritt eingetroffen. Die Air Force One mit dem Präsidenten an Bord landete am späten Samstagabend in München. Biden wollte von dort aus weiter nach Schloss Elmau, wo an diesem Sonntag der Gipfel der sieben führenden westlichen Industriestaaten beginnt. Noch davor will Biden zu einem bilateralen Gespräch mit Bundeskanzler Olaf Scholz zusammenkommen. Das G7-Spitzentreffen in Bayern dauert bis Dienstag.

Mindestens drei Tote bei Angriff in westukrainischer Stadt

22.44 Uhr: Bei einem Raketenangriff auf die westukrainische Stadt Sarny sind nach Behördenangaben mindestens drei Menschen getötet worden. Vier weitere wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Es seien eine Autowaschanlage und eine Werkstatt getroffen worden, teilte der zuständige Chef der Militärverwaltung am Samstagabend der Nachrichtenagentur Unian zufolge mit. Er machte Russland dafür verantwortlich. Das ließ sich nicht überprüfen. Unter den Trümmern könnten noch weitere Opfer liegen.

Selenskyj: »Wir werden alle unsere Städte zurückbekommen«

22.10 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geht davon aus, alle Städte zurückzubekommen, die an Russland verloren wurden. Als Beispiele nannte Selenskyj in seiner nächtlichen Videobotschaft Sjewjerodonezk, Donezk und Luhansk. Die Ukraine sei in den vergangenen 24 Stunden von 45 russischen Raketen getroffen worden. Das Land befinde sich moralisch und emotional in einer schwierigen Phase des Krieges. Er wisse nicht, wie viele weitere Verluste es geben werde, bevor die Ukraine spüre, dass der Sieg näher komme. Die wochenlang heftig umkämpfte Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine ist am Samstag gefallen. Die Stadt steht nun unter der vollständigen Besatzung Russlands.

Nukleares Forschungszentrum in Charkiw unter Beschuss

21.48 Uhr: Die nukleare Forschungseinrichtung »Neutronenquelle« in der ostukrainischen Stadt Charkiw ist nach ukrainischen Angaben erneut unter Beschuss geraten. Dabei seien Gebäude und Infrastruktur wie Lüftungskanäle beschädigt worden, teilte die Nuklearaufsichtsbehörde des Landes am Samstag mit. Der Teil der Anlage, wo der Kernbrennstoff gelagert wird, wurde nicht in der Auflistung der Schäden erwähnt. Es sei keine erhöhte Strahlung festgestellt worden. Die Ukraine machte Russland für den Angriff verantwortlich. Das ließ sich aber nicht überprüfen.

Derzeit untersuche das Personal die Schäden. Dies werde aber wegen der Gefahr neuer Angriffe erschwert, hieß es. Bei einem neuen Beschuss durch russische Truppen könne nicht ausgeschlossen werden, dass die nukleare Sicherheit beeinträchtigt werden könne, teilte die Behörde weiter mit. Die »Neutronenquelle« ist in der Datenbank für Forschungsreaktoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gelistet, es handelt sich nach Angaben der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) in Köln jedoch nicht um einen klassischen Reaktor. Die Anlage ist seit Kriegsbeginn Ende Februar wiederholt unter Beschuss geraten.

Biden und G7 einigen sich wohl auf Importverbot für russisches Gold

19.48 Uhr: US-Präsident Joe Biden und die G7-Staatschefs werden sich einem Insider zufolge auf ein Importverbot von Gold aus Russland verständigen. Das Einfuhrverbot soll am Dienstag bekannt gegeben werden, man wolle damit Russland vom Goldmarkt abschneiden und international weiter isolieren, heißt es. Am Sonntag treffen sich die G7-Staatschefs in Elmau.

Russland will Belarus atomwaffenfähige Raketen liefern

19.40 Uhr: Kremlchef Wladimir Putin hat dem belarussischen Diktator Alexander Lukaschenko das Raketensystem Iskander-M zugesagt. Dieses kann auch mit nuklearen Sprengköpfen bestückt werden und soll in den kommenden Monaten geliefert werden. Lesen Sie hier mehr darüber.

Bürgermeister meldet Rückzug von Truppen aus Sjewjerodonezk

17.20 Uhr: Im Osten der Ukraine haben sich regierungstreue Truppen zu großen Teilen aus der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk zurückgezogen. »Nach dem Rückzug von unseren Einheiten hat sich der Feind in Sjewjerodonezk festgesetzt«, teilte der Generalstab in Kiew mit.

Die ukrainischen Truppen hätten andere Stellungen bezogen, sagte Bürgermeister Oleksandr Strjuk der ukrainischen Nachrichtenseite 24tv zufolge. Die Stadt sei nun vollständig von russischen Soldaten besetzt. »Sie versuchen, ihre eigene Ordnung herzustellen. Soweit ich weiß, haben sie eine Art Kommandanten ernannt«, sagte Strjuk.

Von russischer Seite hieß es, man habe einen Versuch der Ukrainer vereitelt, das Industriegebiet der Stadt in ein Zentrum des Widerstands zu verwandeln. Das Industriegelände werde derzeit von Einheiten der Luhansker Separatisten kontrolliert.

Sjewjerodonezk zählte bislang zu den letzten Teilen von Luhansk, die noch nicht von russischen und prorussischen Kämpfern erobert worden waren.

Separatisten: Russische Armee dringt nach Lyssytschansk vor

16.10 Uhr: Russische Truppen sind nach Angaben der prorussischen Separatisten in die ostukrainische Stadt Lyssytschansk vorgedrungen. Die russische Armee und die Miliz der selbst ernannten Volksrepublik Luhansk seien in die Stadt einmarschiert, teilte Andrej Maroschko, ein Vertreter der prorussischen Separatisten, über den Onlinedienst Telegram mit. »Derzeit gibt es Straßenkämpfe.«

Die Angaben, die von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüft werden konnten, erfolgten, nachdem die ukrainischen Streitkräfte am Freitag den Befehl erhalten hatten, sich aus der benachbarten, wochenlang umkämpften Stadt Sjewjerodonezk zurückzuziehen. Fällt auch Lyssytschansk in die Hände der Angreifer, kontrollieren Putins Truppen sämtliche Städte der Region Luhansk.

Anschließend könnten sie das weiter westlich gelegene Kramatorsk und Slowjansk ins Visier nehmen, um schließlich die gesamte Donbassregion, das industrielle Herzstück der Ukraine, zu erobern. Der Donbass steht bereits seit 2014 teilweise unter der Kontrolle prorussischer Separatisten.

Neue Spannungen zwischen Moskau und Warschau

15.00 Uhr: Russische Behörden haben die polnische Flagge von einer Gedenkstätte entfernt, die an die Ermordung von rund 25.000 polnischen Militärangehörigen erinnert. Sie wurden 1940 von der sowjetischen Polizei auf Befehl Stalins in einem Wald in der Nähe von Smolensk ermordet.

Der Bürgermeister der westrussischen Stadt Smolensk, Andrej Borissow, schrieb im Onlinedienst VKontakte, es könne keine polnische Flagge auf russischen Denkmälern geben, »erst recht nicht nach den offen russlandfeindlichen Äußerungen polnischer Verantwortlicher«.

Die Spannungen zwischen Moskau und Warschau haben sich seit Beginn der russischen Offensive gegen die Ukraine Ende Februar massiv verschärft. Polen ist Mitglied der Nato und unterstützt die Ukraine unter anderem mit Waffenlieferungen.

Große Teile der Ukraine unter Beschuss

14.45 Uhr: Nach Angaben aus Kiew sind in den letzten Stunden russische Raketen in den Gebieten Chmelnyzkyj, Lwiw, Mykolajiw, Schytomyr und Tschernihiw eingeschlagen. Der Bürgermeister von Schytomyr, einer Großstadt westlich von Kiew, zählte 24 Raketenangriffe und mindestens einen Toten.

Auch aus dem Gebiet Mykolajiwka im Süden der Ukraine wurden schwere Angriffe gemeldet. »Das Ausmaß der Schäden und mögliche Opferzahlen werden noch geprüft«, sagte eine Sprecherin der Verwaltung. »Aber wir wissen, dass die Hafeninfrastruktur, Wohnviertel und Erholungsgebiete von Zivilisten angegriffen wurden.«

Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, binnen eines Tages seien in der Stadt Mykolajiw »mehr als 300 ukrainische Soldaten und ausländische Söldner« getötet und »35 schwere Waffen« zerstört worden.

Dem ukrainischen Generalstab zufolge feuerte Russland die Raketen auf Schytomyr und Tschernihiw aus Belarus ab. Die Region Dnipropetrowsk sei mit Artillerie beschossen worden.

Im Gebiet Chmelnytzkyj konnte die ukrainische Luftabwehr nach eigenen Angaben zwei Raketen abschießen. Deren Trümmer sollen keine Schäden angerichtet haben.

Ukraine meldet Erfolge mit US-Raketensystemen

13.35 Uhr: Die Ukraine meldet militärische Erfolge mit von den USA gelieferten Himars-Raketensystemen. Die Streitkräfte hätten damit Ziele des russischen Militärs auf ukrainischem Territorium getroffen, schreibt der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, auf dem Kurznachrichtendienst Telegram.

Selenskyj: Ukraine hat keine Angst auf Weg zu EU-Mitgliedschaft

13.25 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zuversichtlich, dass sein von Russland angegriffenes Land die Kriterien für einen EU-Beitritt erfüllen wird. Die Ukraine konzentriere sich nun auf die Anforderungen der EU, sagte das Staatsoberhaupt in seiner abendlichen Videoansprache. »Aber macht uns das Angst? Nein. Weil wir davor Hunderte erfolgreich abgeschlossen haben.« Zu den Kriterien für einen Beitritt gehören unter anderem Rechtsstaatlichkeit, Kampf gegen Korruption, Garantie der Grundrechte und eine funktionierende Marktwirtschaft.

Selenskyj verglich den Weg hin zu einer Mitgliedschaft mit dem Besteigen des Mount Everests. Wer auf den letzten 1848 Metern darüber rede, wie schwierig die weitere Strecke werde, entwerte seinen Erfolg, den Berg bereits auf 7000 Metern bezwungen zu haben.

Die Ukraine habe den Kandidatenstatus erworben, sagte Selenskyj. »Das ist nicht vom Himmel gefallen. Dafür hat die Ukraine viel getan.«

Gastbeitrag: Wie Deutschland Putin das Gasspiel verderben kann

Russlands Gasfluss folgt der ökonomischen Kriegsführung – und bisher wirkt Deutschland schwach. Doch mit einem Einkaufsverbot von russischem Gas für hiesige Firmen und einem europäischen Kartell dürfte sich das ändern. Lesen Sie hier den Gastbeitrag der Experten Axel Ockenfels und Georg Zachmann.

Russisches Militär meldet Tötung von 80 polnischen Kämpfern

11.05 Uhr: Das russische Militär hat nach eigenen Angaben im Osten der Ukraine 80 polnische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Armee getötet. Durch einen Raketenangriff auf das Zinkwerk »Megatex« in der Stadt Kostjantyniwka seien 80 polnische »Söldner« liquidiert worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, in Moskau. Russland bezeichnet alle aufseiten der Ukraine kämpfenden Freiwilligen als Söldner. Konaschenkow berichtete zudem über einen Raketenangriff auf Mykolajiw im Süden der Ukraine, bei dem 300 Soldaten getötet worden seien.

Insgesamt bezifferte der Generalleutnant die ukrainischen Verluste allein durch Luft-, Raketen- und Artillerieangriffe innerhalb von 24 Stunden auf 780 »Nationalisten«. Einzelheiten zur Bodenoffensive der russischen Truppen im Donbass nannte Konaschenkow nicht.

Ukrainische Armee: Raketen von Belarus in Richtung Tschernihiw abgefeuert

10.50 Uhr: Von Belarus aus sind nach ukrainischen Angaben am Samstagmorgen Raketen in Richtung des Grenzgebiets bei Tschernihiw abgefeuert worden. Gegen fünf Uhr morgens (Ortszeit) sei die Region Tschernihiw massiv mit Raketen angegriffen worden, teilte das Nordkommando der ukrainischen Armee auf Facebook mit. »20 Raketen haben auf das Dorf Desna gezielt, abgeschossen von belarussischem Territorium (und auch) aus der Luft«, hieß es in der Mitteilung, wonach es durch den Beschuss keine Opfer gab.

Moskau stellt in Kaliningrad-Streit Litauens Grenze infrage

10.10 Uhr: Wegen der Beschränkung des Transits in die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad zwischen Litauen und Polen wird in Moskau nun die Rechtmäßigkeit der litauischen Grenze bestritten. »Im Grunde genommen hat Litauen damit seine eigenen Grenzen infrage gestellt«, sagte der Chef der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, Dmitri Rogosin, im Staatsfernsehen. Der ungehinderte Transit sei Bedingung dafür, dass Russland die Grenzen der ehemaligen Sowjetrepublik Litauen anerkenne. »Litauen hat sich damit nicht nur ins Bein, sondern in den Kopf geschossen.«

Das heutige EU-Land hatte vor einer Woche den Transit von Waren gestoppt, die auf der Sanktionsliste der EU stehen. Russische Offizielle hatten bereits Gegenmaßnahmen angekündigt. So wurde der Ausschluss Litauens aus dem gemeinsamen Stromnetz vorgeschlagen.

Johnson warnt vor wachsendem Druck auf Ukraine für »schlechten Frieden«

09.10 Uhr: Der britische Premierminister Boris Johnson befürchtet wegen der wirtschaftlichen Folgen des Krieges wachsenden europäischen Druck auf die Ukraine, ein nicht in ihrem Sinne liegendes Friedensabkommen mit Russland zu schließen. »Zu viele Länder sagen, dass dies ein europäischer Krieg ist, der unnötig ist. Und so wird der Druck wachsen, die Ukrainer zu einem schlechten Frieden zu bewegen – vielleicht sogar zu zwingen«, sagt Johnson zu Fernsehsendern in der ruandischen Hauptstadt Kigali, wo er an einem Commonwealth-Gipfel teilnimmt. Sollte der russische Präsident Wladimir Putin seinen Willen durchsetzen können, seien die Folgen gefährlich für die internationale Sicherheit und »eine langfristige wirtschaftliche Katastrophe«.

Offenbar Verletzte bei Raketenangriff in Westukraine

08.30 Uhr: Bei einem russischen Raketenangriff auf eine Militäranlage in Jaworiw sind nach Angaben der Behörden vier Menschen verletzt worden. Die russischen Streitkräfte hätten sechs Raketen vom Schwarzen Meer aus abgefeuert, sagt der Gouverneur der Region Lwiw, Maxim Kosizky, in einer Videobotschaft. Vier Raketen hätten den Stützpunkt getroffen, zwei seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen und zerstört worden.

Klitschko will mit Giffey bald über »offizielle Kanäle« sprechen

08.13 Uhr: Nach einem Fake-Telefonat eines vorgeblichen Vitali Klitschko mit Berlins Regierender Bürgermeisterin Franziska Giffey hofft der echte Kiewer Bürgermeister auf ein baldiges Gespräch mit der SPD-Politikerin. Der »Bild« sagte Klitschko, nachdem er von dem Fake-Anruf bei Giffey und Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida erfahren habe: »Ich hoffe, dass wir bald über meine offiziellen Kanäle telefonieren können.« Klitschko fügte hinzu: »Ich brauche dann auch keine Übersetzer.«

Giffey hatte bei einer Videoschalte am Freitag Zweifel bekommen, ob sie tatsächlich wie geplant mit Kiews Bürgermeister verbunden war. Das Gespräch endete dann vorzeitig. Die Senatskanzlei geht von einer digitalen Manipulation aus: »Allem Anschein nach war es ein Deep Fake«, sagte eine Sprecherin dem SPIEGEL.

Auch in Madrid wurde Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida bei dem Videotelefonat mit dem vorgeblichen Bürgermeister Klitschko schnell misstrauisch und brach das Gespräch ab, wie der Sprecher des Bürgermeisteramtes bestätigte. Es sei Anzeige wegen Vorspiegelung einer falschen Identität gegen Unbekannt erstattet und das Bürgermeisteramt in Kiew informiert worden.

Münchner Staatsballett-Chef Hilaire: Krieg wirft um Jahrzehnte zurück

08.00 Uhr: Der Ukrainekrieg wirkt sich aus Sicht des neuen Direktors des Bayerischen Staatsballetts auch auf die Tanzwelt gravierend aus. »Der Krieg wirft uns um Jahrzehnte zurück«, sagte Laurent Hilaire in einem Gespräch mit dem SPIEGEL. »Das ist vor allem für russische Compagnien tragisch. In den vergangenen Jahren gab es einen regen Austausch, Choreografen aus der ganzen Welt gingen zum Arbeiten nach Russland. Das ist nun vorbei.« Niemand aus dem Westen wolle mehr mit russischen Compagnien arbeiten – und sie seien im Westen unerwünscht. »Es muss sich wie ein Gefängnis anfühlen.«

Dass viele russische Künstlerinnen und Künstler nun nicht mehr engagiert werden, findet Hilaire falsch. »Wenn sich ein russischer Künstler noch nie politisch geäußert hat, ergibt es für mich keinen Sinn, jetzt nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten«.

Das Interview mit dem neuen Chef lesen Sie hier: »Wir können doch nicht alle rausschmeißen, bloß weil sie russisch sind.« 

Präsidentengattin Selenska wirft Russland Sexualverbrechen vor

07.45 Uhr: Die Frau des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat die russischen Truppen in ihrem Land mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verglichen und ihnen Sexualverbrechen vorgeworfen. Olena Selenska verwies in der »Welt am Sonntag«  auf die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad, die vom IS versklavt worden war und sagte: »Es ist furchtbar, das auszusprechen, aber viele ukrainische Frauen erleben unter der Besatzung dasselbe.« Selenska fügte hinzu: »Weil die russischen Besatzer nicht besser als IS-Terroristen sind.« Ukrainische Frauen erlebten den Horror gerade jetzt.

Murad hat Verbrechen der Terrororganisation Islamischer Staat an Jesiden im Irak überlebt. Sie ist seit 2016 Uno-Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel. 2018 erhielt sie gemeinsam mit dem kongolesischen Arzt und Menschenrechtsaktivisten Denis Mukwege den Nobelpreis.

Ukrainer halten offenbar Nachschubweg Richtung Lyssytschansk

07.23 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben Angriffe auf eine wichtige Nachschubroute für die Großstadt Lyssytschansk im Osten des Landes abgewehrt. »In Richtung Bachmut haben die ukrainischen Kämpfer den Angriff feindlicher Infanterie zwischen den Ortschaften Wolodymyriwka und Pokrowske gestoppt«, teilte der Generalstab mit. Von Bachmut aus führt eine wichtige Versorgungsstraße an den genannten Ortschaften vorbei nach Lyssytschansk.

Die Stadt selbst, die nach dem weitgehenden Rückzug der Ukrainer aus dem benachbarten Sjewjerodonezk zum nächsten strategischen Angriffsziel der Russen geworden ist, stehe weiter unter Beschuss. Sowohl Artillerie als auch die russische Luftwaffe hätten Lyssytschansk unter Feuer genommen. Zudem hätten russische Truppen »versucht, die Stadt von Süden her zu blockieren«, berichtete der Generalstab. Das russische Militär hatte zuvor mitgeteilt, dass Lyssytschansk von Süden aus blockiert worden sei.

Angriffe hat es demnach auch auf den Ballungsraum Slowjansk – Kramatorsk – Kostjantyniwka gegeben. Sowohl von Norden als auch von Süden her seien die russischen Sturmversuche aber zurückgeschlagen worden, heißt es im Lagebericht.

ktz/vet/sak/mgo/AFP/dpa/Reuters
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