Ukraine-News Scholz und Macron sprechen mit Putin über Getreideexporte und Kriegsgefangene

Wladimir Putin will Deutschland und Frankreich Verhandlungen über Getreideexporte angeboten haben – gegen Lockerung der Sanktionen. Die Ukraine erhält neue Waffen aus Dänemark und den USA. Das waren die News am 28. Mai.
Wladimir Putin (Archivbild)

Wladimir Putin (Archivbild)

Foto: Sergey Guneev / SNA / IMAGO

Das war der Überblick zu den Entwicklungen im Ukrainekrieg am 28. Mai.

  • Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der französische Präsident Emmanuel Macron haben mit Wladimir Putin telefoniert. Moskau will demnach Getreidelieferungen aus ukrainischen Häfen ermöglichen – wenn im Gegenzug Agrarsanktionen gegen Russland fallen.

  • Panzerhaubitzen und Antischiffsraketen: In der Ukraine sind neue Waffen von Verbündeten eingetroffen.

  • Der ukrainische Verhandlungsführer glaubt nicht an eine friedliche Lösung des Konflikts.

  • Russische Truppen haben in der umkämpften Stadt Lyman im Donbass offenbar ukrainische Truppen zurückgeschlagen. In der Stadt Sjewjerodonezk blieben russische Angriffe laut der Ukraine dagegen »ohne Erfolg«. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die Lage im Donbass als schwierig.

  • Die staatliche ukrainische Atomaufsichtsbehörde beschuldigte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), auf russische Propaganda hereinzufallen.

Putin will Scholz und Macron Verhandlungen über Getreideexport angeboten haben – gegen Lockerung der Sanktionen

16.09 Uhr: Der russische Präsident Wladimir Putin hat mit dem französischen Regierungschef Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) telefoniert. Das Gespräch habe etwa 80 Minuten gedauert, teilte die Bundesregierung mit. Die Initiative ging demnach von Paris und Berlin aus. Unter anderem ging es um die Getreideexporte aus der Ukraine.

Russland sei zur Hilfe bei der Ausfuhr von Getreide aus ukrainischen Häfen bereit, wenn Sanktionen gegen Agrargüter aus Russland aufgehoben würden, teilte der Kreml mit. »Ein Anstieg der Lieferungen von russischen Düngemitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen wird auch zur Entspannung auf dem globalen Lebensmittelmarkt beitragen, was natürlich die Aufhebung der entsprechenden Sanktionen voraussetzt«, so der Kreml in einer Erklärung.

Weiteres Thema war der Umgang mit Kriegsgefangenen. Putin hat der deutschen Bundesregierung zufolge zugesagt, gefangenen genommene Kämpfer gemäß dem humanitären Völkerrecht zu behandeln sowie »einen ungehinderten Zugang des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz sicherzustellen«.

Deutschland und Frankreich haben von Russland die Freilassung der gefangen genommenen ukrainischen Kämpfer aus dem Asow-Stahlwerk gefordert. Macron und Scholz hätten die Freilassung von rund 2500 Kämpfern verlangt, die das Stahlwerk in der Hafenstadt Mariupol verteidigt hatten, teilte der Élysée-Palast in Paris mit.

Russland verstärkt offenbar Angriffe auf Sjewjerodonezk

14.34 Uhr: Nach Geländegewinnen in der ostukrainischen Stadt Lyman verstärkt die russische Armee offenbar ihre Angriffe auf das etwa 60 Kilometer entfernte Sjewjerodonezk. »Sjewjerodonezk befindet sich unter konstantem gegnerischen Beschuss«, schrieb der Chef der ukrainischen Polizei in einem Social-Media-Beitrag. Das britische Verteidigungsministerium geht davon aus, dass der Kreml in den kommenden Tagen versuchen dürfte, den Fluss Donezk zu überqueren.

Johnson: Suchen weiter nach Lösung für Getreidelieferungen

14.17 Uhr: Großbritannien und die anderen G7-Staaten suchen weiter nach einem Weg, mit dem sich Weizen aus der Ukraine liefern lässt. Man arbeite an »schnellem Fortschritt« innerhalb der Staatengruppe, sagte der britische Premierminister Boris Johnson am Samstag in einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Wegen der blockierten Häfen der Ukraine fürchten Experten eine globale Hungerkrise.

Ex-Präsident Poroschenko nach eigenen Angaben Ausreise verweigert

13.29 Uhr: Dem früheren ukrainischen Präsident Petro Poroschenko ist nach eigenen Angaben die Ausreise für einen Besuch in Litauen verweigert worden. Trotz einer offiziellen Reisegenehmigung sei ihm der Grenzübertritt verweigert worden, teilte sein Pressedienst mit.

Poroschenko wollte demnach in Vilnius als Mitglied der ukrainischen Delegation an der Frühjahrstagung der Parlamentarischen Versammlung der Nato teilnehmen. Zudem waren Treffen mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Neuseda und einer Gruppe europäischer Abgeordneter vorgesehen.

Die Behörden in Kiew könnten mit ihrer Entscheidung den in Kriegszeiten geltenden »politischen Waffenstillstand« gebrochen haben, der einer der »Pfeiler der nationalen Einheit angesichts der russischen Aggression« sei, hieß es in der Mitteilung des Ex-Präsidenten. Der Milliardär Poroschenko hatte die Ukraine von 2014 bis 2019 regiert, bevor er die Wahl gegen den heutigen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verlor.

Neue Waffen für die Ukraine

13.02 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte erhalten neue Waffenlieferungen: Das Land habe Antischiffsraketen aus Dänemark und Panzerhaubitzen aus den USA erhalten, schreibt Verteidigungsminister Oleksij Resnikow auf Facebook. »Die Küstenverteidigung unseres Landes wird mit Harpoon-Raketen gestärkt«, so der Minister. Die Lieferungen sind Teil eines neuen Waffenpakets, auf das sich internationale Verbündete verständigt hatten.

Die Antischiffsraketen vom Typ Harpoon können auch von Land aus gestartet werden und Herstellerangaben zufolge Schiffe in mehr als 67 Seemeilen Entfernung (124 Kilometer) treffen. Zudem habe die Ukraine amerikanische Panzerhaubitzen vom Typ M109 erhalten, mit denen sich weiter entfernte Ziele an Land treffen ließen, so der Minister.

Moskau vermeldet erfolgreichen Test einer Hyperschallrakete

11.28 Uhr: Inmitten seiner verstärkten Militäroffensive in der Ukraine hat Russland nach eigenen Angaben erneut eine Hyperschallrakete getestet. Die Rakete vom Typ Zirkon sei von einer Fregatte in der Barentssee in Richtung eines Ziels im Weißen Meer in der Arktis abgefeuert worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Das Ziel in einer Entfernung von rund tausend Kilometern »wurde mit Erfolg anvisiert«.

Russland hatte erstmals im Oktober 2020 eine Zirkon-Rakete getestet, seitdem folgten mehrere weitere Versuche. Im März hatte Moskau verkündet, dass es Hyperschallraketen vom Typ Kinschal im Westen der Ukraine eingesetzt habe. Ihr Einsatz war nach Angaben der staatlichen Agentur RIA Nowosti ein Novum, zuvor waren lediglich Tests erfolgt.

Zirkon und Kinschal gehören zu einer neuen von Russland entwickelten Waffengattung, die Staatschef Wladimir Putin als unbesiegbar bezeichnet hatte.

Russisches Verteidigungsministerium: Haben Lyman unter russischer Kontrolle

10.51 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium teilt mit, dass russische Truppen und Kämpfer der Volksrepublik Donezk die vollständige Kontrolle über die Stadt Lyman übernommen haben. Zuvor hatte die Ukraine einen Rückschlag in Lyman eingeräumt. Der Ort gilt als wichtiger Eisenbahnknotenpunkt in der Ostukraine.

Habeck weist Vorwürfe zu zurückhaltenden Waffenlieferungen an die Ukraine zurück

10.48 Uhr: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hat den Vorwurf zurückgewiesen, Deutschland sei bei Waffenlieferungen an die Ukraine zu zurückhaltend. »Während wir reden, werden gerade ukrainische Soldaten an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet«, sagte Habeck der »Welt am Sonntag« mit Blick auf die geplante Lieferung der fahrbaren Artilleriegeschütze. Es sei keineswegs so, dass Deutschland nichts oder zu wenig liefere. Richtig sei, dass Berlin nicht alle Wünsche der Ukraine erfüllen könne.

Deutschland will im Juni sieben Exemplare der Panzerhaubitze 2000 an die Ukraine liefern. Seit Mitte Mai werden in der Bundeswehr-Artillerieschule im rheinland-pfälzischen Idar-Oberstein Dutzende ukrainische Soldaten an dem auf einem Panzerfahrgestell montierten Geschütz ausgebildet.

Von Russland besetztes Cherson schließt Grenze zum ukrainischen Gebiet für Flüchtlinge

10.17 Uhr: Das von russischen Truppen besetzte Gebiet Cherson im Süden der Ukraine hat die Grenze Richtung Norden für Flüchtlinge geschlossen. »Der Grenzübergang in Richtung der Gebiete Mykolajiw und Dnipropetrowsk ist angesichts des systematischen Beschusses vonseiten ukrainischer Kämpfer sehr gefährlich«, erklärte der Vizechef der prorussischen Militärverwaltung, Kirill Stremoussow zur Begründung der Entscheidung. Ausreisen aus dem Gebiet Cherson seien stattdessen über die Halbinsel Krim oder den russisch kontrollierten Teil des Gebiets Saporischschja möglich.

Europol sorgt sich um Verbleib von Waffen nach dem Ukrainekrieg

10.14 Uhr: Die europäische Polizeibehörde Europol ist besorgt über den Verbleib der Waffen, die aus der EU in die Ukraine geliefert werden. »Irgendwann ist der Krieg vorbei. Wir wollen eine Situation verhindern wie vor 30 Jahren im Balkankrieg«, sagte Europol-Direktorin Catherine De Bolle der »Welt am Sonntag«. »Die Waffen aus diesem Krieg werden noch heute von kriminellen Gruppen genutzt.«

Europol plant daher, eine internationale Arbeitsgruppe einzurichten, um Strategien für einen Umgang mit der Situation zu entwickeln. Europol beobachte zudem verdeckte Aus- und Einreiseaktivitäten bekannter terroristischer und gewaltbereiter Extremisten zwischen der Ukraine und der EU.

Ukrainischer Verhandlungsführer: Einigung mit Russland wäre »keinen Penny wert«

09.43 Uhr: Der ukrainische Verhandlungsführer Mykhailo Podolyak glaubt nicht an eine Verhandlungslösung mit Russland. Einer Einigung könne nicht vertraut werden, und Russland lasse sich nur mit Gewalt stoppen, so der Berater des ukrainischen Präsidenten. »Eine Einigung mit Russland ist keinen Penny wert«, schrieb Pdolyak auf dem Messengerdienst Telegram. »Kann man mit einem Land verhandeln, das stets zynisch und propagandistisch lügt?«

Die Ukraine und Russland beschuldigen sich gegenseitig, seit Friedensverhandlungen ausgesetzt wurden. Die letzten persönlichen Gespräche fanden am 29. März statt. Dem Kreml zufolge zeige die Ukraine kein Interesse daran, die Gespräche fortzusetzen – die Ukraine gibt dagegen Russland die Schuld daran, dass die Gespräche nicht vorankommen.

Rückschlag für Ukraine in Lyman

09.11 Uhr: Das ukrainische Militär hat einen Rückschlag im Kampf um die strategisch wichtige Stadt Lyman im Donbass eingeräumt. Der Feind »versucht sich im Raum Lyman festzusetzen« und beschieße bereits Ortschaften außerhalb der Stadt, heißt es im Lagebericht des ukrainischen Generalstabs. Am Vortag hatte der Generalstab noch von Kämpfen in Lyman berichtet und mitgeteilt, die russischen Truppen versuchten, die ukrainischen Verteidiger aus der Stadt zu drängen. Die prorussischen Separatisten hatten am Freitag die Eroberung Lymans gemeldet.

Nun teilte der Generalstab mit, dass die russischen Truppen die Ortschaften Oserne und Dibrowa mit Granat- und Raketenwerfern beschießen. Beide Dörfer liegen südöstlich von Lyman. Das deutet darauf hin, dass die Front nun südlich der Stadt verläuft. Das russische Militär hatte Lyman von Norden her angegriffen. Die Stadt liegt strategisch wichtig an einer Kreuzung, von wo aus sowohl der Ballungsraum um die Großstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk als auch der Ballungsraum um Slowjansk und Kramatorsk attackiert werden kann.

Ukrainisches Militär: Russische Angriffe auf Sjewjerodonezk »ohne Erfolg«

07.30 Uhr: Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in den vergangenen 24 Stunden im Osten acht russische Angriffe abgewehrt. Betroffen seien die Regionen Donezk und Luhansk, teilt der Generalstab der Streitkräfte mit. Russische Artillerie habe unter anderem das Gebiet um die Stadt Sjewjerodonezk attackiert – »ohne Erfolg«.

Selenskyj bezeichnet Lage im Donbass als »schwierig«

03.05 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die derzeitige Lage seiner Truppen im Donbass als sehr schwierig. In seiner abendlichen Ansprache erklärt der Präsident, dass die Russen ihre Kräfte weiter konzentrierten und schwere Artillerie und Flugzeuge einsetzten, um die ukrainischen Stellungen zu beschießen. »Wir schützen unser Land so gut wie es unsere derzeitigen Verteidigungsressourcen erlauben. Wenn die Besatzer denken, dass Lyman und Sjewjerodonezk ihnen gehören werden, dann irren sie sich. Der Donbass wird ukrainisch bleiben«, so Selenskyj.

Ukrainischer Nuklearinspektor wirft Atomenergiebehörde Parteinahme vor

00.05 Uhr: Die staatliche ukrainische Atomaufsichtsbehörde beschuldigte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA), auf russische Propaganda hereinzufallen, und forderte sie auf, die Bemühungen Kiews zu unterstützen, Moskaus Streitkräfte aus einem großen Kraftwerk zu vertreiben.

Oleg Korikov, der amtierende Leiter der Atomaufsichtsbehörde, erklärte, der Generaldirektor der IAEO, Rafael Grossi, habe in dieser Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erklärt, dass in der Anlage große Mengen an Plutonium und angereichertem Uran gelagert würden, die zur Herstellung von Atomwaffen verwendet werden könnten. Korikow sagte, dies sei völlig unwahr.

»Es ist sehr traurig, dass die dreisten Lügen der russischen Propaganda auf hoher Ebene von einem Spitzenbeamten der IAEO verbreitet werden«, sagte er in einer Erklärung, die auf der Facebook-Seite des Inspektorats veröffentlicht wurde.

mrc/til/sep/dpa/Reuters/AFP
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