Angriff in der Ostukraine Ukraine meldet Beschuss eines nuklearen Forschungszentrums in Charkiw

Der Atomkomplex Tschernobyl ist von der Außenwelt abgeschnitten, das AKW in Saporischschja von russischen Truppen besetzt. Nun ist nach ukrainischen Angaben eine weitere Atomanlage erneut beschossen worden.
Ein nach Angriffen zerstörtes Gebäude im ostukrainischen Charkiw

Ein nach Angriffen zerstörtes Gebäude im ostukrainischen Charkiw

Foto: Dmitri Kotjuh / Scanpix / IMAGO

Bereits am vergangenen Sonntag schlugen Grad-Raketen in ein nukleares Forschungszentrum in Charkiw ein. Nun soll die sensible Anlage im Osten der Ukraine erneut beschossen worden sein. Das teilte die ukrainische staatliche Atomaufsichtsbehörde in der Nacht zum Freitag mit.

Demnach soll Russland am Donnerstagabend zweiten Mal dieselbe Atomforschungsanlage am nördlichen Stadtrand unter Beschuss genommen haben. Den Angaben zufolge ist die Anlage nun ohne Strom, am Gebäude soll es oberflächliche Schäden geben. Man versuche nun genauer zu bestimmen, welche Folgen diese womöglich haben.

Am Charkiwer Institut für Physik und Technologie befindet sich ein Forschungsreaktor, der mit schwach angereichertem Uran betrieben wird. Laut der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) wurden beide ukrainischen Forschungsreaktoren – ein zweiter befindet sich in Kiew – bereits Ende Februar heruntergefahren. Lokale Medien berichteten, dass mehrere Zimmer eines Studentenwohnheims in der Nähe des Instituts durch den Beschuss in Brand geraten seien. Verletzt wurde demnach niemand.

Kritische Lage in Saporischschja und Tschernobyl

Der ukrainische Inlandsgeheimdienst SBU hatte am vergangenen Sonntag mitgeteilt, das Forschungszentrum sei mit Grad-Raketenwerfern beschossen worden. Ein Treffer in der Forschungsanlage, in der sich demnach 37 atomare Brennelemente befinden, hätte im schlimmsten Fall eine Umweltkatastrophe auslösen können, warnte die Behörde. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Russland hatte vor gut zwei Wochen einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine begonnen. Uno-Angaben zufolge wurden bereits über 500 Zivilisten getötet, unter anderem bei einem Angriff auf ein Geburtskrankenhaus in Mariupol. Die ukrainische Regierung geht von weitaus höheren Opferzahlen aus. Mehrere ukrainische Großstädte werden von Russland belagert. Auch das AKW Saporischschja wurde von russischen Truppen besetzt, das Atomkraftwerk Tschernobyl wurde von der Stromversorgung getrennt.

Laut dem nationalen Betreiber Energoatom laufen die ukrainischen Atomkraftwerke jedoch weiterhin stabil. Es gebe keine veränderten Strahlenwerte, teilt die staatliche Firma mit. Die Mitarbeiter des AKW Saporischschja, das von russischen Truppen eingenommen wurde, würden von diesen aber psychologisch unter Druck gesetzt. »Alle Mitarbeiter werden bei ihrer Ankunft von bewaffneten Terroristen gründlich kontrolliert. Das beeinträchtigt die Arbeit und gefährdet die Sicherheit.«

mrc/dpa/Reuters
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