Sanktionierte russische Rohstoffe Kiew kritisiert Ölpreisdeckel als zu »komfortabel« für Moskau

Keine »ernsthafte Entscheidung«: Kiew ist nicht zufrieden mit der von G7- und EU-Staaten auf den Weg gebrachten Preisobergrenze für russisches Öl. Die Ukraine will die russische Wirtschaft »zerstören«.
G7- und EU-Staaten wollen die russische Erdölproduktion (Archivfoto) weiter sanktionieren. Kiew gehen die Beschlüsse nicht weit genug

G7- und EU-Staaten wollen die russische Erdölproduktion (Archivfoto) weiter sanktionieren. Kiew gehen die Beschlüsse nicht weit genug

Foto: Dmitry Lovetsky / dpa

Die Ukraine hat den Preisdeckel für russisches Öl, den die G7- und EU-Staaten beschlossen haben, als »zu komfortabel« kritisiert. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Samstag, die Maßnahme sei keine »ernsthafte Entscheidung«. Ein Preisdeckel von 60 Dollar pro Barrel Öl ermögliche Russland immer noch Einnahmen von etwa hundert Milliarden Dollar pro Jahr. Selenskyjs Berater Andrij Jermak erklärte, um die russische Wirtschaft noch schneller zu »zerstören«, wäre eine Obergrenze von 30 Dollar nötig gewesen.

Die G7- und die EU-Staaten hatten am Freitag nach langem Ringen eine Obergrenze von 60 Dollar (57 Euro) pro Barrel für russische Öllieferungen per Schiff festgelegt, um die Finanzierung des Kriegs gegen die Ukraine zu erschweren. Die G7-Staaten kündigten an, die Wirksamkeit des Preisdeckels zu beobachten und die Obergrenze »gegebenenfalls anzupassen«.

Sanktionen sollen für Russland härter zu umgehen sein

Durch den Preisdeckel soll es Moskau erschwert werden, die wegen des Ukrainekriegs verhängten Sanktionen durch Verkäufe außerhalb der EU oder der G7 zu umgehen.

China und Indien beispielsweise werden weiterhin russisches Öl importieren können, aber nur zu dem nun beschlossenen Maximalpreis. Denn Unternehmen aus G7- und EU-Staaten und auch Australien dürfen nach Inkrafttreten des Preisdeckels nur noch Geschäfte rund um den Schiffstransport von russischem Öl an Drittstaaten abwickeln, wenn beim Verkauf des Öls die Obergrenze von 60 Dollar eingehalten wird.

Derzeit stellen Unternehmen aus G7-Staaten rund 90 Prozent der Transportversicherungen weltweit und die EU ist ein wichtiger Akteur im Seefrachtgeschäft.

Kreml droht mit Lieferstopps

Der Kreml kündigte an, den Preisdeckel nicht zu akzeptieren. Moskau hatte im Vorfeld gewarnt, dass es kein Öl mehr an Länder liefern würde, die eine Obergrenze einführen.

Die sieben großen Industriestaaten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA hatten den Preisdeckel bereits Anfang September auf den Weg gebracht. Um ein gemeinsames Vorgehen des Westens zu garantieren, musste aber auf eine Einigung innerhalb der EU gewartet werden. Vor allem Polen hatte zunächst eine niedrigere Obergrenze gefordert, Berichten zufolge um die 30 Dollar.

Am Freitagabend verkündete der polnische EU-Botschafter Andrzej Sados dann aber die Einigung. Da der Marktpreis voraussichtlich steigen werde, seien 60 Dollar in Ordnung, sagte er. Derzeit liegt der Marktpreis von russischem Öl der Sorte Urals pro Barrel bei rund 65 Dollar.

Wenig später folgte die gemeinsame Erklärung der G7-Staaten und Australiens, in der sie ankündigten, dass die 60-Dollar-Obergrenze am Montag – wenn das EU-Embargo für per Schiff transportiertes russisches Rohöl in Kraft tritt – »oder sehr bald danach« in Kraft treten werde.

ktz/afp
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