Gefechte um Zwillingsstädte Ukraine ordnet Rückzug aus umkämpftem Sjewjerodonezk an

Es ergebe keinen Sinn mehr, »in zerschlagenen Stellungen auszuharren«, sagt Luhansks Gouverneur Hajdaj: Ukrainische Truppen müssen Sjewjerodonezk verlassen. Russland könnte nun die ganze Region erobern.
Feuer am Azot-Chemiewerk in Sjewjerodonezk (Foto vom 18. Juni)

Feuer am Azot-Chemiewerk in Sjewjerodonezk (Foto vom 18. Juni)

Foto: Oleksandr Ratushniak / REUTERS

Die ukrainischen Truppen sollen sich aus der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk  im Osten des Landes zurückziehen. Das sagte der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, im ukrainischen Fernsehen. Sjewjerodonezk zählte bislang zu den letzten Teilen von Luhansk, die russische und prorussische Kämpfer bislang noch nicht erobert hatten.

Hajdaj sagte laut 24tv , man dürfe nicht zulassen, dass die Streitkräfte umzingelt werden. »Es ist jetzt eine Situation, in der es keinen Sinn ergibt, in zerschlagenen Stellungen auszuharren«, so Hajdaj. Die Zahl der Toten würde dann stark steigen: »Deshalb haben unsere Verteidiger, die dort sind, bereits den Befehl erhalten, sich in neue Positionen zurückzuziehen und von dort aus normale, vollwertige Militäroperationen durchzuführen.« Ob die Truppen sofort abgezogen werden und bis wann sie die Stadt verlassen haben sollen, sagte Hajdaj nicht.

»Die Streitkräfte müssen Sjewjerodonezk verlassen«, sagte Hajdaj laut der Nachrichtenagentur Ukrinform . Die gesamte Infrastruktur der Stadt sei beschädigt worden, 80 Prozent der Wohngebäude müssten abgerissen werden.

Kampf im Kessel

Im Kampf um die Zwillingsstädte Sjewjerodonezk und Lyssytschansk, die an gegenüberliegenden Ufern des Flusses Siwerskyj Donez liegen, hatten die russischen Truppen zuletzt den Druck erhöht. Am Donnerstag übernahmen sie mehrere Siedlungen, ukrainischen Soldaten stand offenbar nur noch ein Korridor zum Rückzug offen. Von russischer Seite hieß es, mindestens 5000 ukrainische Kämpfer seien eingekesselt.

Sjewjerodonezk ist die größte Stadt der Region. Zuletzt waren nur wenige Soldaten und Freiwillige aus dem Ausland hier verblieben und verteidigten das Azot Chemiewerk. Truppen zerstörten die Brücken über den Fluss Siwerskyj Donez und machten es den Russen damit bedeutend schwieriger, auf Lyssytschansk zuzumarschieren. Ob sich die Ukraine auch aus der Zwillingsstadt zurückzieht, ist nicht bekannt.

Weder Sjewjerodonezk, noch Lyssytschansk haben großen militärischen Nutzen für Russland, es geht hier hauptsächlich um politische Ziele. Sobald die ganze Oblast Luhansk erobert ist, könnte sie auf Druck prorussischer Kräfte ihre Unabhängigkeit erklären – oder sogar ihre Zugehörigkeit zu Russland.

ptz/dpa