Ukrainischer Präsident Selenskyj feuert Topsicherheitsbeamte – und nennt sie »Verräter«

Bisher tritt die ukrainische Staatsführung demonstrativ geschlossen auf. Nun jedoch hat Präsident Selenskyj zwei hochrangige Offizielle entlassen. Zum Abschied wählte er deutliche Worte.
Ukrainischer Präsident Selenskyj bei Videoansprache (am 30. März)

Ukrainischer Präsident Selenskyj bei Videoansprache (am 30. März)

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Ukrainian Presidential Press Office / AP

Seit dem Ausbruch des Krieges wendet sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nahezu in jeder Nacht – und manchmal sogar mehrfach pro Nacht – per Videobotschaft an sein Volk und den Rest der Welt. Meist berichtet er über die Erfolge der eigenen Armee, richtet Appelle an den Westen oder schildert das Verhalten der russischen Invasoren.

In seiner aktuellen Botschaft ging er auf die weiterhin höchst angespannte Lage im Süden und Osten seines Landes ein. Und dann lieferte Selenskyj noch einen ungewohnten Einblick in die inneren Abläufe des ukrainischen Regierungsapparats: Der Präsident hat nach eigenen Angaben zwei hochrangige Mitglieder des Sicherheitsdienstes entlassen.

Wie er in dem Video erklärte, handelt es sich dabei um den Gesamtleiter der inneren Sicherheit sowie den Leiter der Zweigstelle der Behörde in der Region Cherson.

Der Präsident wählte in seiner Ansprache sehr klare Worte: »Ich habe nicht die Zeit, mich mit allen Verrätern zu befassen, aber sie werden nach und nach alle bestraft werden.« Die beiden Männer hätten ihren Eid, die Ukraine zu verteidigen, gebrochen. Genaue Einzelheiten nannte er nicht.

Mit Blick auf die Lage im Osten und Süden des Landes äußerte sich neben dem Präsidenten auch der Generalstab in der Nacht. Es gebe russische Versuche, eine Verwaltung in den besetzten Regionen der Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson aufzubauen, hieß es in der Mitteilung.

Ukraine: keine russischen Geländegewinne

Selenskyj hatte bereits gewarnt, Russland plane im südukrainischen Gebiet Cherson ein Pseudoreferendum über die Bildung einer »Volksrepublik« wie in den ostukrainischen Separatistengebieten. Ob die Entlassung des Beamten in der Region mit dieser Entwicklung zusammenhängt, ist unklar.

Nach Angaben des Generalstabs in Kiew konnten russischen Einheiten an keiner Stelle Geländegewinne verzeichnen. Die ostukrainische Großstadt Charkiw werde weiter beschossen, ein Durchbruchsversuch nahe der Stadt Isjum sei aber gescheitert. Auch ein russischer Vorstoß im südukrainischen Gebiet Mykolajiw sei nicht erfolgreich gewesen.

Im Norden hätten sich einige russische Einheiten zurückgezogen. Moskau hatte angekündigt, die Angriffe auf Kiew zu reduzieren und sich auf die Offensive im ostukrainischen Kohlerevier Donbass zu konzentrieren.

jok/Reuters
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