Truppenübungsplatz Jaworiw Attacke auf Militärareal nahe der polnischen Grenze – mindestens 35 Tote

Bei einem russischen Raketenangriff auf ein Militärgelände im äußersten Westen der Ukraine sind Dutzende Menschen getötet worden. Auf dem Übungsplatz hielten sich in der Vergangenheit auch Nato-Ausbilder auf.
Rettungskräfte helfen einem Verletzten nahe der Militärbasis Jaworiw

Rettungskräfte helfen einem Verletzten nahe der Militärbasis Jaworiw

Foto: Dan Kitwood / Getty Images

Russland nimmt bei seinen Attacken gegen die Ukraine nun offenbar verstärkt den Westen des Landes ins Visier: Bei einem Raketenangriff auf den Militärübungsplatz Jaworiw sind nach offiziellen Angaben mindestens 35 Menschen getötet worden. 134 weitere seien verletzt worden und würden in Kliniken behandelt, sagte der Gouverneur des westukrainischen Gebiets Lwiw, Maxym Kosyzkyj. Zuvor war von neun Todesopfern die Rede gewesen.

Ukrainischen Angaben zufolge wurden mehr als 30 Raketen auf das Übungsgelände abgefeuert. Dort befindet sich auch das Ausbildungszentrum »International Center for Peacekeeping & Security«. Es liegt rund 25 Kilometer von der Grenze zum Nato-Staat Polen entfernt. Der Kreml äußerte sich auf Nachfrage der Nachrichtenagentur Reuters zunächst nicht zu dem Angriff.

Laut der Nachrichtenagentur AP hielten sich in dem Zentrum in der Vergangenheit regelmäßig Ausbilder der Nato und der USA auf, um ukrainisches Militär zu schulen. Auch mehrere gemeinsame Übungen mit der ukrainischen Armee und der Nato wurden demnach auf der Basis Jaworiw durchgeführt. Auch von der Nato gab es laut Reuters zunächst kein Statement zu dem Angriff.

Ob auch Nicht-Ukrainer unter den Opfern waren, war zunächst nicht bekannt. Der ukrainische Verteidigungsminister Olexij Resnikow teilte mit, der Angriff habe einem Ausbildungszentrum nahe der polnischen Grenze gegolten, in dem auch Blauhelmkräfte für Friedensmissionen geschult werden. »Dies ist eine neue terroristische Attacke auf Frieden und Sicherheit in der Nähe der Grenze von EU und Nato«, twitterte Resnikow und drängte auf eine Flugverbotszone über der Ukraine.

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Die Nato hatte Forderungen nach einer solchen Zone zuletzt strikt abgelehnt. Die westlichen Verbündeten befürchten, dass dies zu einer offenen Auseinandersetzung mit Russland führen könnte. Russlands Präsident Wladimir Putin drohte in der vorigen Woche, eine Flugverbotszone würde als Teilnahme an einem militärischen Konflikt bewertet.

Attacke auf Luftwaffenstützpunkt in Iwano-Frankiwsk

Im Südwesten der Ukraine geriet in der Nacht zum Sonntag Berichten zufolge ein Militärflughafen unter Beschuss. Der Bürgermeister von Iwano-Frankiwsk schrieb bei Facebook von Angriffen auf einen Luftwaffenstützpunkt. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor.

Der Flughafen sei bereits das dritte Mal Ziel gewesen. »Ich bitte euch, seid so vorsichtig wie möglich und passt auf euch auf«, appellierte Bürgermeister Ruslan Marzinkiw an die Einwohnerinnen und Einwohner seiner Stadt. Er hatte bereits vorher die Anwohner des Flughafens gedrängt, das Gebiet möglichst zu verlassen. Die Stadt liegt etwa 250 Kilometer von der Grenze zu Ungarn und der Slowakei entfernt. Beide Staaten sind Nato-Mitglieder.

Offenbar erneut Bürgermeister im Osten der Ukraine verschleppt

Im Osten der Ukraine dauert die russische Belagerung und der Beschuss der Hafenstadt Mariupol an. Nach Angaben des Bürgermeisters sind seit Beginn der Kämpfe dort mindestens 1500 Menschen getötet worden. Versuche, Zivilisten über Fluchtkorridore aus der Stadt zu bringen, scheiterten wiederholt.

Nördlich der Stadt Melitopol, die sich bereits unter russischer Kontrolle befindet, wurde offenbar erneut ein Bürgermeister verschleppt. »Der Bürgermeister von Dniprorudne, Jewhenij Matwjejew, wurde entführt«, schrieb der Chef der Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, Olexander Staruch, bei Facebook. Dniprorudne ist eine Kleinstadt mit knapp 20.000 Einwohner am Fluss Dnipro, der an dieser Stelle zum Kachowkaer Stausee gestaut ist. »Kriegsverbrechen werden immer systematischer«, schrieb Staruch.

Auch der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba schrieb auf Twitter, der Bürgermeister sei entführt worden. »Da sie vor Ort null Unterstützung bekommen, setzen die Invasoren auf Terror«, so Kuleba. Unabhängige Bestätigungen der Entführung gab es zunächst nicht.

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Kiew hatte zuletzt mitgeteilt, dass der Bürgermeister von Melitopol verschleppt worden war. An seiner Stelle setzten die russischen Truppen eine moskauhörige Politikerin als Statthalterin ein.

fek/dpa/Reuters/AP
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