Russischer Truppenaufmarsch Moskau wirft Biden »destabilisierende« Äußerungen vor

Russland zieht Truppen nahe der ukrainischen Grenze zusammen, US-Präsident Biden fürchtet einen Einmarsch – und warnt vor »ernsten« Konsequenzen. Das hält der Kreml für die eigentliche Eskalation.
Russlands Präsident Wladimir Putin

Russlands Präsident Wladimir Putin

Foto: Pavel Bednyakov / Kremlin / SPUTNIK / EPA

Die russische Regierung hat US-Präsident Joe Biden nach dessen Äußerungen zu Russlands Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze »destabilisierende« Äußerungen vorgeworfen. In dem Konflikt würden dieselben Äußerungen »immer wieder wiederholt«, sagte Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow in Moskau. »Sie tragen nicht dazu bei, die Spannungen abzubauen. Vielmehr können sie dazu beitragen, die Situation zu destabilisieren.«

Biden hatte bei einer Pressekonferenz am Mittwoch im Weißen Haus erneut vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine gewarnt und Moskau für diesen Fall »ernste« Konsequenzen angedroht.

In der Ostukraine herrscht seit 2014 Krieg zwischen prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee. Kiew und der Westen werfen Moskau vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen, was der Kreml bestreitet. Russland hat in den vergangenen Wochen an der ukrainischen Grenze Zehntausende Soldaten zusammengezogen. Im Westen wird deshalb ein bevorstehender Angriff Russlands auf das Nachbarland befürchtet.

Den russischen Präsidenten Wladimir Putin warnte Biden nun, dass eine Invasion in das Nachbarland eine »Katastrophe« auch für Russland nach sich ziehen würde: »Unsere Verbündeten und Partner sind bereit, Russland und der russischen Wirtschaft schwere Kosten und bedeutsamen Schaden aufzuerlegen.« Außerdem würde Russlands Armee »schwere« Verluste erleiden.

Peskow sagte, Bidens Äußerungen könnten »in den Hitzköpfen einiger ukrainischer Vertreter« »völlig falsche Hoffnungen wecken«. Der ukrainischen Seite warf er vor, »das Problem im Südosten der Ukraine« möglicherweise »mit Gewalt lösen zu wollen«.

DER SPIEGEL

Mit Blick auf den russischen Truppenaufmarsch nahe der ukrainischen Grenze argumentiert Moskau, dass dieser auf eigenem Staatsgebiet stattfinde und deshalb »niemanden« bedrohe. Zugleich gibt der Kreml an, sich von der Nato bedroht zu fühlen und fordert von dem Westbündnis »Sicherheitsgarantien«, darunter einen Verzicht auf eine weitere Osterweiterung. Dies lehnt die Nato ab.

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Blinken auf Krisentour

Wegen der Krise hält sich derzeit US-Außenminister Antony Blinken zu Gesprächen mit europäischen Kollegen in Berlin auf. Am Donnerstagvormittag wurde er von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) empfangen, die beiden wollten mit Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian und Großbritanniens Vizeaußenminister James Cleverly über den Konflikt mit Russland beraten.

Am Nachmittag kommt Blinken mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zusammen. Am Mittwoch hatte Blinken politische Gespräche in Kiew geführt. Am Freitag trifft Blinken in Genf seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow.

mrc/AFP
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