Konflikt mit Russland Klitschko drängt Bundesregierung zum Abschied von Nord Stream 2

Vitali Klitschko kritisiert die Zurückhaltung Deutschlands gegenüber der Ukraine. Der Ex-Boxer und jetzige Bürgermeister von Kiew verlangt eine Entscheidung über die Gaspipeline Nord Stream 2.
Vitali Klitschko: »Man muss strategisch denken«

Vitali Klitschko: »Man muss strategisch denken«

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Hennadii Minchenko / Ukrinform / IMAGO

Vitali Klitschko fordert, Deutschland müsse sich von der umstrittenen Gaspipeline Nord Stream 2 verabschieden. Die Bundesregierung müsse in dieser Frage zu einer Entscheidung kommen, sagte der Bürgermeister von Kiew der »Zeit«. »Wenn Deutschland die Ukraine unterstützen will, dann muss es sich von Nord Stream 2 verabschieden«, drängte der frühere Boxweltmeister. »Das wäre ein wichtiges Instrument. In so einem schwierigen Moment muss Deutschland handeln. Natürlich verstehe ich, dass Nord Stream 2 gut für die deutsche Wirtschaft wäre. Aber Abhängigkeit von Russland ist gefährlich. Es ist doch kein Geheimnis, dass die Russen nicht nur die Ukraine wieder in ihre Einflusszone bringen wollen.«

2014 war Klitschko zum Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt gewählt worden – im dritten Anlauf. 2006 und 2008 hatte er jeweils die Abstimmung verloren.

Den Vorwurf des ehemaligen Kanzlers Gerhard Schröder, die Ukraine beitreibe »Säbelrasseln«, konterte Klitschko: »Bei Schröder frage ich mich wirklich, für welches Land er eigentlich spricht als deutscher Politiker. Wohl eher für Russland und seinen Freund Putin als für Deutschland, oder?«

Die Zurückhaltung der deutschen Regierung bei der militärischen Unterstützung der Ukraine könne er nicht nachvollziehen, sagte Klitschko – auch nicht aufgrund der deutschen Geschichte. »Es geht doch hier nicht nur um die Ukraine. Es geht um die Stabilität ganz Europas. Da kann man doch nicht Entscheidungen mit der Vergangenheit erklären, sondern sollte die Zukunft sichern und gestalten.«

Hilfe für die Ukraine würde nicht nur die Region hier stabilisieren, sondern ganz Europa. Klitschko sagte: »Man muss strategisch denken. Ich verstehe, dass Deutschland keine Waffen an ein aggressives Land liefert. Aber es ist doch etwas ganz anderes, wenn man sich verteidigen will.«

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