Rätselhafte Anschläge in abtrünniger Moldau-Republik Ukraine warnt vor russischen Truppen in Transnistrien

Droht eine Ausweitung von Putins Krieg? Im prorussischen Separatistengebiet in der Republik Moldau sind mehrere Bomben explodiert. Was über die Vorfälle bekannt ist – und was die Ukraine fürchtet.
Grenzpolizist in Transnistrien (Archivbild): Die Region gehört völkerrechtlich zu Moldau, hat sich aber für unabhängig erklärt

Grenzpolizist in Transnistrien (Archivbild): Die Region gehört völkerrechtlich zu Moldau, hat sich aber für unabhängig erklärt

Foto: DANIEL MIHAILESCU/ AFP

Das ukrainische Militär hat vor einer Aktivierung russischer Truppen in der selbst ausgerufenen Republik Transnistrien in Moldau gewarnt. »Die Einheiten der russischen Streitkräfte sind in volle Gefechtsbereitschaft versetzt worden«, heißt es in einem am Dienstagabend auf Facebook veröffentlichten Bericht des ukrainischen Generalstabs. Zudem seien auch die Sicherheitskräfte der moldauischen Separatisten in erhöhte Bereitschaft versetzt worden.

In der seit 1992 von Moldau abtrünnigen Region hatten sich zuvor mehrere Explosionen ereignet. Das Regime in der transnistrischen Hauptstadt Tiraspol wirft der Regierung in Kiew vor, die »Anschläge« organisiert zu haben. Kiew weist die Vorwürfe zurück und spricht davon, dass der russische Geheimdienst FSB Transnistrien in den russischen Krieg gegen die Ukraine hineinziehen wolle.

Damit spitzt sich die Lage an der Südwestflanke der Ukraine zu.

Transnistrien ist ein schmaler, von vielen Russen bewohnter Landstreifen am Fluss Dnjestr. Die Region gehört völkerrechtlich zu Moldau, hat sich aber unter einer prorussischen Führung für unabhängig erklärt. International ist Transnistrien als Staat nicht anerkannt.

In Transnistrien wurde seit Montag das Gebäude der regionalen Staatssicherheit beschossen, zwei Rundfunksendemasten wurden gesprengt. Explosionen gab es angeblich auch in einer Kaserne nahe dem Militärflugplatz von Tiraspol. Der Präsident Transnistriens, Wadim Krasnoselski, sprach am Dienstag von »Terroranschlägen«. Verletzt wurde den Angaben zufolge niemand.

Die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, deutet die Unruhe als Ausdruck innerer Konflikte in dem seit 1992 abgespaltenen Separatistengebiet. »Wir sind daran interessiert, dass an den Ufern des Dnjestr Frieden und Ruhe herrschen«, sagte sie in Moldaus Hauptstadt Chişinău nach Beratungen ihres Sicherheitsrats. Die arme Ex-Sowjetrepublik Moldau orientiert sich unter Sandus Führung in Richtung EU.

Rückhalt der Separatisten in Transnistrien ist ein Kontingent russischer Soldaten, das dort stationiert ist. Der Waffenstillstand mit Moldau wird von einer Mission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) überwacht. Diese rief alle beteiligten Seiten zu Zurückhaltung und Ruhe auf.

Zumindest in Kiew fürchtet man jedoch eine andere Entwicklung. »Russland will die Region Transnistrien destabilisieren«, schreibt der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak auf Telegram. »Die schlechte Nachricht: Wenn die Ukraine fällt, werden russische Truppen morgen vor Chişinău stehen.«

In Kiew wurde an die Äußerung eines russischen Befehlshabers vergangene Woche erinnert, wonach Moskau die ganze Südukraine bis nach Transnistrien unter Kontrolle bringen wolle.

Bislang hat die Ukraine die Kontrolle über die Hafenstadt Odessa und den Küstenstreifen am Schwarzen Meer. Ein russischer Raketenangriff beschädigte am Dienstag aber die Eisenbahnbrücke über die Dnjestr-Mündung am Schwarzen Meer. Damit reißt eine wichtige Nachschubstrecke für Treibstoff und andere Güter aus dem EU-Land Rumänien ab.

Tatsächlich klingen Äußerungen aus Moskau nicht nach Deeskalation. Man sei beunruhigt wegen der Nachrichten aus Transnistrien, sagte Kremlsprecher Dmitrij Peskow. Der ranghohe russische Parlamentarier Leonid Kalaschnikow sagte: »Die Vorgänge in Transnistrien sind eine Provokation mit dem Ziel, Russland noch tiefer in die Kriegshandlungen in der Region hineinzuziehen.« Die Spuren der »Anschläge« führten in die Ukraine, sagte Separatistenführer Krasnoselski.

wal/dpa