Krieg an der Südfront Wichtige Brücke laut ukrainischer Armee für russische Truppen nicht mehr befahrbar

Seit Wochen versuchen ukrainische Truppen, die Nachschubwege der Russen westlich des Dnjepr zu kappen. Jüngste Angriffe könnten die Besatzer nun in Bedrängnis bringen.
Ukrainische Artilleristen (Symbolbild)

Ukrainische Artilleristen (Symbolbild)

Foto: Evgeniy Maloletka / AP

Im Süden der Ukraine ist die Autobrücke des Staudamms Nowa Kachowka im Gebiet Cherson nach ukrainischen Angaben nicht mehr zu befahren. Die Brücke sei von Raketen- und Artillerieeinheiten gezielt unbrauchbar gemacht worden, teilte das ukrainische Armeekommando Süd bei Facebook mit. Die Verwaltung der russischen Besatzer bestätigte den Beschuss. Zugleich warnte sie vor Schäden an der Staumauer, die zu einer Katastrophe führen könnten. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben zunächst nicht.

Die Betreiber haben nach eigenen Angaben die Leistung des angeschlossenen Wasserkraftwerks auf Notbetrieb heruntergefahren. »Wir arbeiten in einem sehr gefährlichen Modus«, sagte der Vizechef des Kraftwerks, Arsenyj Selenskyj, der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge. Der staatliche Fernsehsender RT berichtete über regelmäßigen Beschuss der Brücke über den Schiffskanal und den Staudamm selbst.

Zu Beginn des Angriffskriegs auf das Nachbarland Ende Februar hatte Russland das südukrainische Gebiet Cherson am Unterlauf des Flusses Dnjepr weitgehend erobert. Mittels weitreichender Raketensysteme arbeitet die ukrainische Armee daran, die drei einzigen Flussquerungen dort zu zerstören. Damit soll der Nachschub der russischen Armee auf dem rechten Ufer verhindert und eine Rückeroberung ermöglicht werden.

Die Eisenbahnbrücke und die Straßenbrücke bei Cherson hatten die Ukrainer zuvor schon unbrauchbar gemacht. Deshalb errichteten die russischen Truppen über den etwa einen Kilometer breiten Fluss eine Fährverbindung für Zivilisten sowie Berichten zufolge auch mehrere Pontonbrücken fürs Militär.

Die Attacken auf die Flussquerungen bringen nach Einschätzung des britischen Geheimdiensts die russischen Truppen am Westufer des Dnjepr in Bedrängnis. Selbst wenn es Russland gelingen sollte, die Brücken in größerem Umfang zu reparieren, blieben sie eine bedeutende Schwachstelle. »Der Nachschub für die Tausende russischen Soldaten am Westufer hängt mit ziemlicher Sicherheit von den beiden Pontonbrücken ab«, teilte das britische Verteidigungsministerium mit.

Russland will Donezker Vorort erobert haben – Ukrainer widersprechen

Das ukrainische Militär widerspricht russischen Angaben über die angebliche Eroberung der Ortschaft Pisky am Rande der ostukrainischen Stadt Donezk. Dort werde weiter heftig gekämpft, teilt der ukrainische Generalstab mit. »Die Besatzer versuchen die Verteidigungslinien unserer Truppen in Richtung Oleksandropol, Krasnohoriwka, Awdijwka, Marjinka und Pisky zu durchbrechen«, heißt es.

Russische Streitkräfte hatten zuvor die Eroberung der Ortschaft Pisky am Rande der ostukrainischen Stadt Donezk für sich reklamiert. Man habe die volle Kontrolle über den Vorort Pisky übernommen, zitiert die russische Nachrichtenagentur Interfax das Verteidigungsministerium in Moskau.

Russische und prorussische Kräfte hatten schon vor gut einer Woche erklärt, dass sie die vollständige Kontrolle über das Dorf übernommen hätten. Nach der Einnahme der Region Luhansk versucht Russland, auch die Nachbarregion Donezk zu erobern. Beide Regionen bilden den Donbass, in dem das Zentrum der ukrainischen Kohle- und Stahlindustrie liegt.

asa/dpa/Reuters
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