Finnlands Premierministerin Sanna Marin lobt »heroischen Geist« der Ukraine

Finnland will in die Nato – und nun ist Sanna Marin nach Kiew, Irpin und Butscha gereist. Die finnische Premierministerin sagte dort, die Beziehungen zu Russland könnten nicht mehr so werden wie vor dem Angriffskrieg.
Sanna Marin und Wolodymyr Selenskyj

Sanna Marin und Wolodymyr Selenskyj

Foto: Uncredited / dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich bei der finnischen Premierministerin Sanna Marin für die Hilfe ihres Landes bedankt. Marin war am Donnerstag in Kiew zu Besuch, wie zuvor schon EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola.

»Finnlands militärische Unterstützung ist für uns sehr wertvoll«, schrieb Selenskyj im Anschluss auf Facebook. »Waffen, Sanktionen und die Einheit unserer Partner in Bezug auf den Anschluss der Ukraine an die EU – das kann unserem Land Stärke für die Verteidigung geben.« Aus Selenskyjs Büro hieß es, Marin haben die Ukrainerinnen und Ukrainer für ihren »heroischen Geist« gelobt, den sie im Krieg zeigten.

Sanna Marin (Mitte) in Irpin

Sanna Marin (Mitte) in Irpin

Foto: STRINGER / REUTERS

Die finnische Regierungschefin sagte, Russlands Taten in der Ukraine seien ein Wendepunkt für die Welt, und die Beziehungen zu Moskau könnten nicht mehr so werden wie vor der Invasion.

Marin besuchte auch die Städte Irpin und Butscha, wo russische Truppen mutmaßlich Kriegsverbrechen begangen haben. »Wir, Finnland, unterstützen jedes Vorgehen des Internationalen Strafgerichtshofs, diese Verbrechen zu untersuchen, Beweisen zu sammeln und Russland zu verurteilen«. Russlands Führung hatte die Vorwürfe als »monströse Fälschung« zurückgewiesen.

Finnland und Schweden haben die Aufnahme in das westliche Verteidigungsbündnis Nato beantragt. Unmittelbar danach hat Gazprom nach Angaben des staatlichen finnischen Gasunternehmens Gasum angekündigt, Gasimporte aus Russland zu stoppen.

Nach Angaben des ukrainischen Militärs treiben die russischen Streitkräfte unterdessen ihre Großoffensive im Donbass voran. »Die Besatzer beschossen mehr als 40 Städte in den Regionen Donezk und Luhansk und zerstörten oder beschädigten 47 zivile Einrichtungen, darunter 38 Häuser und eine Schule. Infolge dieses Beschusses starben fünf Zivilisten und 12 wurden verwundet«, teilten die ukrainischen Streitkräfte auf Facebook mit.

Die ukrainische Armee habe zehn feindliche Angriffe abgewehrt, vier Panzer und vier Drohnen zerstört und 62 »feindliche Soldaten« getötet. Selenskyj sagte, die russischen Truppen seien in einigen Teilen des Ostens »zahlenmäßig weit überlegen«. Die Berichte über die Kampfhandlungen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Britische Außenministerin wirft Putin Erpressung mit Getreide vor

Der Krieg trägt derweil zu einer wachsenden globalen Nahrungsmittelkrise bei: Die Schwarzmeerhäfen der Ukraine sind seit dem Einmarsch Russlands im Februar blockiert, und mehr als 20 Millionen Tonnen Getreide stecken in ukrainischen Lagern fest. Auf Russland und die Ukraine entfällt fast ein Drittel der weltweiten Weizenlieferungen.

Die britische Außenministerin Liz Truss wirft dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vor, die Welt mit der Lieferung von Lebensmitteln zu erpressen. Es sei entsetzlich, wie er Hunger und Nahrungsmangel unter den ärmsten Menschen der Welt als Waffe einsetze, sagt sie bei einem Besuch in Bosnien. »Das dürfen wir einfach nicht zulassen. Putin muss die Blockade des ukrainischen Getreides aufheben.«

Nach russischer Darstellung ist der Westen dafür verantwortlich, indem er Sanktionen gegen Russland verhängt hat. Vorwürfe, dass Russland die Ausfuhren blockiere, weise die Regierung in Moskau kategorisch zurück, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. »Im Gegenteil, wir beschuldigen westliche Länder, Maßnahmen ergriffen zu haben, die dazu geführt haben.«

Putin selbst sagte nach Kremlangaben am Donnerstag bei einem Telefonat mit dem italienischen Regierungschef Mario Draghi, Russland sei bereit, durch den Transport von Getreide und Dünger einen großen Beitrag zu leisten für die Überwindung der Lebensmittelkrise – »unter der Bedingung eines Endes der politisch motivierten Beschränkungen seitens des Westens«. Das lehnt Truss ab: »Was wir nicht haben können, ist eine Aufhebung der Sanktionen, eine Beschwichtigung, die Putin langfristig nur stärker macht.«

Durch die gestiegenen Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten geraten immer mehr Länder nach Angaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Schwierigkeiten. »Inzwischen haben fast 30 Länder wegen der Nahrungsmittelpreise Probleme mit ihrer Zahlungsbilanz bekommen«, sagte IWF-Chefin Kristalina Georgiewa dem SPIEGEL. »Einige von ihnen haben uns um Unterstützung gebeten. Ihnen helfen wir mit einem speziellen Fonds für arme Länder zu null Prozent Zinsen.« Zudem werde geprüft, was internationale Institutionen tun könnten, um die Nahrungsmittelproduktion effizienter zu machen: »Wir müssen das Angebot ausweiten.«

pbe/Reuters/dpa
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