Ukrainekonflikt Selenskyj korrigiert Biden nach Aussage zu »kleinerem Eindringen« Russlands

US-Präsident Biden hatte im Ukrainekonflikt zwischen einer möglichen »Invasion« und einem »kleinerem Eindringen« Russlands unterschieden. In Kiew zeigte man sich irritiert – Präsident Selenskyj erwiderte via Twitter.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj

Foto: Efrem Lukatsky / dpa

Die Ukraine kann sich angesichts des russischen Truppenaufmarschs für gewöhnlich der Unterstützung des Westens sicher sein. Nun hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj allerdings indirekt den US-Präsidenten Joe Biden zurechtgewiesen.

Dieser hatte bei einer Pressekonferenz gesagt, Russland könne ein »kleineres Eindringen« in die Ukraine vollziehen – das wurde vielfach so gedeutet, als wolle Biden angedrohte Sanktionen der Nato vom Ausmaß eines potenziellen russischen Einmarschs abhängig machen.

Rasche Korrektur

Bidens Stab war hinterher bemüht, dies geradezurücken: »Wenn militärische Einheiten Russlands die Grenze zur Ukraine überschreiten, ist das eine erneute Invasion und es wird eine schnelle, ernste und vereinte Antwort der USA und unserer Verbündeten geben.«

Selenskyj ging auf den Vorfall nun aber noch auf Twitter ein: So etwas wie ein »kleineres Eindringen« in ein anderes Land »gibt es nicht«, schrieb er. »So wie es auch keine kleinen Opfer und keine kleine Trauer über den Verlust von geliebten Menschen gibt.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Biden äußerte sich am Donnerstag eindeutiger: Er habe dem russischen Präsidenten Wladimir Putin deutlich gemacht, dass jede Bewegung russischer Truppen in die Ukraine als Invasion angesehen werde und Russland in dem Fall einen hohen Preis bezahlen werde. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg widersprach der Aussage, Bidens erste Äußerung gebe Russland grünes Licht für eine Invasion. »Überhaupt nicht«, sagte er dem Sender CNN.

Russland hat in den vergangenen Wochen an der ukrainischen Grenze rund 100.000 Soldaten zusammengezogen. Im Westen wird deshalb ein bevorstehender Angriff Russlands auf das Nachbarland befürchtet. Biden hatte gewarnt, dass Russlands Präsident Wladimir Putin in die Ukraine »einrücken wird«. Seinen russischen Kollegen warnte er daher vor einer »Katastrophe« für sein eigenes Land, sollte es eine weitgehende Invasion in das Nachbarland geben.

Moskau wies die Anschuldigung zurück und warf Biden vor, mit seinen Worten die Lage eskalieren zu lassen.

Russland hatte 2014 bereits die ukrainische Krim-Halbinsel annektiert. In der Ostukraine kämpft die ukrainische Armee zudem seit 2014 gegen prorussische Separatisten. Kiew und der Westen werfen Moskau vor, die Separatisten militärisch zu unterstützen.

mrc/AFP