Videoansprache von Präsident Selenskyj »Wir geben keinen Zentimeter unseres Landes auf«

Die Kämpfe im Osten der Ukraine gehen mit unverminderter Heftigkeit weiter. Die russische Armee fahre täglich Dutzende Angriffe, sagt Wolodymyr Selenskyj. Die Ukrainer würden aber nicht weichen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj

Präsident Wolodymyr Selenskyj

Foto: Ukrainian Presidential Press Off / ZUMA Wire / IMAGO

Die Lage an den Kriegsfronten in der Ukraine bleibt nach Einschätzung von Präsident Wolodymyr Selenskyj weiterhin schwierig. Zwar gebe es aktuell weniger Nachrichten aus den Kampfgebieten, sagte Selenskyj am Abend in seiner täglichen Videoansprache. »Das heißt aber nicht, dass die Intensität der Kämpfe geringer geworden ist.«

»In einigen Gebieten gehen nach wie vor heftige Positionskämpfe weiter«, sagte Selenskyj. »Und es ist auch wie zuvor im Gebiet von Donezk besonders schwierig.« Am Befehl an die russischen Truppen, bis an die Grenzen des Verwaltungsgebiets vorzudringen, habe sich nichts geändert. Aber: »Wir geben dort keinen einzigen Zentimeter unseres Landes auf.«

Abseits der Kampfzonen werde intensiv daran gearbeitet, das normale Leben in den befreiten Gebieten wiederherzustellen. Dies gelte vor allem bei der Versorgung mit Gas und Strom, etwa im Gebiet um Charkiw. Denn auch heute waren laut Selenskyj wieder rund vier Millionen Ukrainer ohne Strom. Um der Bevölkerung zu helfen, die Winterzeit zu überstehen, habe die Regierung die Einfuhr von Geräten zur Energieversorgung – etwa Generatoren oder Transformatoren – von Importabgaben befreit.

Russland habe offenkundig vor, den bevorstehenden Winter zu nutzen. »Den Winter in eine Waffe zu verwandeln, das ist der Plan eines terroristischen Staates gegen unseren Staat sowie gegen ganz Europa«, sagte Selenskyj. »Aber wir tun alles dafür, dass auch dieser russische Plan scheitert, wie diverse frühere.«

Plünderungen durch russische Soldaten

Das russische Militär hat erneut eine Reihe von Zielen in der Ukraine angegriffen. Wie der ukrainische Generalstab mitteilte, seien bei den Angriffen in den Gebieten Charkiw, Donezk, Saporischschja und Cherson sowohl Raketen als auch Kampfflugzeuge zum Einsatz gekommen. »Unter Verletzung des humanitären Völkerrechts und der Regeln der Kriegsführung werden weiterhin kritische Infrastruktur und Wohnhäuser angegriffen«, schrieben die Militärs auf Facebook . Über die Auswirkungen der Angriffe wurden keine näheren Angaben gemacht.

Der Generalstab der Ukraine warf den Behörden des Nachbarlandes Belarus vor, die Angriffe Russlands gegen ukrainische Ziele weiterhin zu unterstützen, indem sie »Infrastruktur, Territorium und Luftraum« zur Verfügung stellten. »Es besteht auch weiterhin die Gefahr, dass der Feind Luftangriffe mit Kampfdrohnen vom Territorium und Luftraum dieses Landes aus startet.«

In der Region um die südukrainische Stadt Cherson registrierte der Generalstab in Kiew die fortgesetzte organisierte Plünderung durch russische Soldaten. So seien am Vortag Konvois mit gestohlenen Haushaltsgeräten und Baumaterialien beobachtet worden, zugleich werde die Demontage von Mobilfunkmasten und -anlagen fortgesetzt. Zudem seien aus dem Regionalmuseum des sowjetisch-ukrainischen Kunstmalers Olexij Schowkunenko »alle Kunstgegenstände und sogar die Möbel« von den Besatzern mitgenommen worden.

czl/dpa
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