Britischer Geheimdienstbericht Armee-Aufstockung wird Russland im Ukrainekrieg offenbar kaum helfen

Wladimir Putin will die russische Armee weiter ausbauen. Im Ukrainekrieg wird ihm das dem britischen Geheimdienst zufolge aber kaum etwas bringen.
Russischer Soldat in Mariupol (April 2022): Verstärkung im kommenden Jahr?

Russischer Soldat in Mariupol (April 2022): Verstärkung im kommenden Jahr?

Foto: Alexander Nemenov / AFP

Großbritannien bezweifelt, dass die angekündigte Aufstockung der russischen Armee um knapp 140.000 Kräfte den Truppen bei der Invasion der Ukraine helfen wird.

»Auf jeden Fall dürfte die Anordnung nach den derzeit geltenden Rechtsvorschriften keine wesentlichen Fortschritte bei der Stärkung der russischen Kampfkraft in der Ukraine bringen«, teilt das Verteidigungsministerium in London mit: »Das liegt daran, dass Russland Zehntausende Soldaten verloren hat«, heißt es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse. Zudem würden derzeit nur sehr wenige neue Vertragssoldaten eingestellt. Und Wehrpflichtige seien nicht verpflichtet, außerhalb des russischen Territoriums zu dienen.

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Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am 25. August per Dekret eine Aufstockung im kommenden Jahr um 137.000 Soldaten auf rund 1,15 Millionen Kräfte befohlen. »Es bleibt unklar, ob Russland versuchen wird, diese Erhöhung durch die Rekrutierung von mehr freiwilligen Vertragssoldaten oder durch die Erhöhung der jährlichen Ziele für die Einziehung Wehrpflichtiger zu decken«, heißt es dazu aus London.

Keine offizielle Mobilisierung

Den offiziellen Angaben zufolge kommen in der Ukraine nur Vertragssoldaten zum Einsatz, eine breit angelegte Mobilisierung gibt es demnach nicht. Allerdings hatte die Armee bereits zuletzt mit offensiven Werbekampagnen für den Eintritt in die Armee geworben. Zudem soll Russland Söldner der berüchtigten Wagner-Gruppe im Nachbarland einsetzen.

Experten bezweifeln laut der Nachrichtenagentur AP, dass die derzeitige Zahl von mehr als 400.000 Vertragssoldaten und rund 270.000 Wehrpflichtigen ausreicht, um den Krieg in der Ukraine auf Dauer fortzusetzen.

Laut AP müssen in Russland alle Männer zwischen 18 und 27 Jahren ein Pflichtjahr beim Militär ableisten. Viele Männer müssten den Dienst aber aus gesundheitlichen Gründen nicht antreten oder machten Ausnahmen etwa für Universitätsstudenten geltend. Der Anteil derer, die den Militärdienst nicht antreten, ist laut AP in Moskau und anderen Großstädten besonders hoch.

ptz/dpa/AP
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