Ukrainische Offensive in Lyman Soldaten schwenken ukrainische Flagge in strategisch wichtiger Stadt

Die Truppen der Ukraine rücken auf Lyman vor. Kiew sieht darin den nächsten Schritt zur Kontrolle über den Donbass. Wie viele russische Soldaten noch in der Stadt sind, ist unklar.

Sie strahlen in die Kamera – und als sie beide auf der Motorhaube ihres Fahrzeugs stehen und einer die ukrainische Flagge schwenkt, jubeln sie. Diese Szenen sind aus einem Video, das zwei ukrainische Soldaten am Stadtrand von Lyman zeigt.

Gepostet hat es der Stabschef des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Andrij Jermak, auf Twitter – wenige Stunden, nachdem Kiew erstmals die Einkesselung Tausender russischer Soldaten in der strategisch wichtigen Stadt vermeldet hatte.

In russischen Pro-Kriegskanälen auf Telegram heißt es, die russischen Soldaten seien schon abgezogen. Überprüfen lassen sich all die Angaben bisher nicht unabhängig.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Die russische Gruppe in der Umgebung von Lyman ist umzingelt«, sagte ein Sprecher der Streitkräfte der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Man habe fünf Ortschaften in der Nähe der Stadt zurückerobert. Russland habe dort bis zu 5500 Soldaten stationiert. Auch der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj, sprach von »rund 5000 russischen Soldaten«, die eingekesselt seien. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben bisher nicht.

Auf Telegram kursieren Luftaufnahmen aus der Gegend, die angeblich vom Freitag stammen, und eine russische Fahrzeugkolonne zeigen, die dem Anschein nach nicht angegriffen wurde.

DER SPIEGEL

Russland hatte Lyman, wo vor Kriegsausbruch 20.000 Menschen lebten, im Mai eingenommen. Seitdem hat Moskau die Stadt zu einem militärischen Logistik- und Transportzentrum ausgebaut. Der prorussische Anführer der Region Donezk hatte am Freitag erklärt, die russischen Truppen und ihre Verbündeten würden mit »letzter Kraft« an Lyman festhalten.

Sollte die Stadt wieder an die Ukraine fallen, stünde den ukrainischen Truppen der Weg frei bis tief in die übrigen Teile der Region Donezk, die neben der Region Luhansk liegt. Donezk und Luhansk bilden zusammen den Donbass.

Schon seit 2014 kontrollieren kremltreue Milizen Teile der Gebiete. Erst am Freitag hatte Russlands Präsident Wladimir Putin die Annexion von Donezk und dreier weiterer ukrainischer Gebiete an Russland verkündet.

»Lyman ist wichtig, weil es der nächste Schritt zur Befreiung des ukrainischen Donbass ist«, sagte der ukrainische Sprecher: »Es ist eine Gelegenheit, weiter nach Kreminna und Sjewjerodonezk zu ziehen und ist psychologisch sehr wichtig.«

Aus Moskau hatte es bereits Mitte der Woche geheißen, man werde noch mindestens bis zur Eroberung des gesamten Gebiets Donezk kämpfen. Wegen der heftigen Gegenwehr und erfolgreichen Vorstößen ukrainischer Truppen kontrolliert Moskau bei Weitem nicht alle Teile jener Gebiete, die es sich nun rechtswidrig nach Scheinreferenden einverleibt hat. Selbst das russische Verteidigungsministerium hatte eingeräumt, in der Region Donezk viel langsamer vorangekommen zu sein als geplant.

sak/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.