Einstündiges Telefonat Scholz drängt Putin zur Waffenruhe, Kreml verwahrt sich gegen Einmischung

Kanzler Scholz soll mit Kremlchef Putin laut Kanzleramt erneut über eine Waffenruhe gesprochen haben. Auch russische Nachrichtenagenturen berichteten über das Telefonat – allerdings mit anderer Deutung.
Der russische Präsident Wladimir Putin (Archivbild von 2017)

Der russische Präsident Wladimir Putin (Archivbild von 2017)

Foto: AFP

Bundeskanzler Olaf Scholz hat rund eine Stunde mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert – und ihn zu einem möglichst schnellen Waffenstillstand in der Ukraine aufgefordert. Scholz habe zudem darauf gepocht, dass die humanitäre Lage verbessert werden müsse und man sich um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemühen solle, teilte ein Regierungssprecher in Berlin mit.

Auch russische Nachrichtenagenturen berichteten über das Telefonat, setzten jedoch andere Schwerpunkte zum Inhalt des Gesprächs. Putin habe Scholz demnach gesagt, dass die Ukraine versuche, die Gespräche mit Russland zu verlangsamen. Die Regierung in Kiew habe unrealistische Vorschläge unterbreitet. Die russische Führung sei bereit, nach Lösungen zu suchen, die ihren grundsätzlichen Einstellungen entsprechen.

Zugleich verwahrte sich Kremlsprecher Dmitri Peskow zufolge gegen Einmischungen von außen. Es sei nicht am deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz zu entscheiden, wer Russland führen sollte, erklärte Peskow. Das entscheide das russische Volk.

Ukraine wirft Scholz Herunterspielen des Krieges vor

Kritik erhielt Scholz in seinen diplomatischen Bemühungen von der Ukraine. Der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak warf Scholz vor, mit seinen Äußerungen das russische Volk der Verantwortung für den Krieg zu entbinden. Scholz wolle damit nur seine Unentschiedenheit rechtfertigen, schrieb Podoljak auf Telegram. Der Kanzler hatte am Vorabend gemahnt, Russland nicht mit Präsident Wladimir Putin gleichzusetzen. »Nicht das russische Volk hat die fatale Entscheidung des Überfalls auf die Ukraine getroffen. Dieser Krieg ist Putins Krieg«, sagte er.

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Diese Unterscheidung verbreite sich in Europa, sei aber falsch, schrieb Podoljak. Nach Umfragen befürworte eine Mehrheit der russischen Bevölkerung den Krieg und damit das Töten von Ukrainern. Der Berater ist zuständig für außenpolitische Stellungnahmen des ukrainischen Präsidialamtes und informiert auch über die laufenden Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau.

In einer Videoansprache vor dem Bundestag hatte Staatschef Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag von Scholz mehr Unterstützung für die Ukraine gefordert. Nach dem Telefonat zwischen Putin und Scholz ist zudem für diesen Freitag auch ein Telefongespräch Putins mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron geplant.

mrc/dpa/Reuters
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