Russlands Krieg in der Ukraine Putin ordnet sofortige Teilmobilmachung an

Putin reagiert auf die militärischen Erfolge der Ukraine: Der Kreml-Machthaber hat eine unverzügliche Teilmobilmachung für Russland angeordnet. Seinem Verteidigungsminister zufolge sollen schrittweise 300.000 Reservisten eingezogen werden.
Wladimir Putin

Wladimir Putin

Foto: KONSTANTIN ZAVRAZHIN / SPUTNIK / KREMLIN / EPA

Der russische Präsident Wladimir Putin hat eine Teilmobilisierung der Streitkräfte angekündigt. Ein entsprechendes Dekret sei unterzeichnet, sagt Putin in einer Rede. »Um unsere Heimat und unsere Integrität zu schützen, halte ich es für notwendig, eine Teilmobilisierung zu unterstützen«, sagte der Präsident in seiner Fernsehansprache. Er folge damit dem Vorschlag des Verteidigungsministeriums.

In seiner Rede betonte Putin, dass es sich um eine Teilmobilmachung handele. Diese betreffe Reservisten und Personen, die früher in der Armee gedient haben. Die Teilmobilisierung beginne noch an diesem Mittwoch.

DER SPIEGEL

Es gehe darum, russische Gebiete zu verteidigen, sagte Putin in seiner Fernsehansprache weiter. Ziel sei es, die ostukrainische Region Donbass "zu befreien". Der Westen habe keinen Frieden zwischen der Ukraine und Russland gewollt, vielmehr wolle er Russland zerstören. Russland werde alle seine Ressourcen nutzen, um "sein Volk zu verteidigen".

Putin verkündete zudem, die heimische Waffenproduktion verstärken zu wollen. Dafür habe er angeordnet, die dafür notwendigen Finanzmittel zu erhöhen.

Verteidigungsminister spricht von bislang knapp 6000 toten russischen Soldaten

Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu konkretisierte Putins Ankündigungen in einem ausgestrahlten Interview. Die Teilmobilisierung betrifft demnach nur Leute, die bereits gedient oder militärische Erfahrung haben. Insgesamt handle es sich um 300.000 Personen, sagte Schoigu. Studierende sollten nicht eingezogen werden. Auch reguläre Rekruten, die ihren Wehrdienst leisten, sollen laut Schoigu nicht von der Teilmobilmachung betroffen sein.

Der Verteidigungsminister nannte zudem zum ersten Mal seit Monaten eine neue Zahl gefallener russischer Soldaten. Laut Schoigu sind bislang 5937 Soldaten in dem Konflikt gestorben. Laut der ukrainischen Gegenseite und internationalen Beobachtern ist diese Zahl aber deutlich zu niedrig.

Pseudoreferenden in der Ostukraine

Russland war zuletzt in der Ukraine zunehmend unter Druck geraten. Der Kreml reagiert auf die ukrainischen Erfolge mit einer Eskalation des Krieges.  Moskau will die Annexion ukrainischer Gebiete vorantreiben. Dafür wurden Referenden angekündigt, deren Rechtmäßigkeit allerdings von Russland-Kritiker bestritten wird.

Am Dienstag haben die Separatistenführungen in den umkämpften Regionen Donezk und Luhansk in der Ostukraine ein umstrittenes Referendum für einen Beitritt zu Russland angesetzt. Die Abstimmung werde vom 23. bis 27. September abgehalten, sagte der Chef des Separatistenparlaments in Luhansk, Denis Miroschnitschenko, am Dienstag der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Auch die Besatzungsverwaltung in der Region Cherson in der Südukraine kündigte eine zeitgleiche Abstimmung für die von Russland kontrollierten Gebiete an, ebenso wie jene im besetzten Teil der südukrainischen Region Saporischschja. »Die Entscheidung, die die Mehrheit der Bürger in den Volksrepubliken Luhansk und Donezk, in den Gebieten Cherson und Saporischschja treffen, unterstützen wir«, sagte Putin dazu nun.

Die Referenden gelten als Inszenierung und als Reaktion auf die aktuelle ukrainische Gegenoffensive im Osten des Landes. Auf ähnliche Weise annektierte Russland 2014 die ukrainische Halbinsel Krim. International wurde die Abstimmung nicht anerkannt.

heb/asc/Reuters/dpa
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