An finnischem Staudamm Russische Touristen werden mit ukrainischer Nationalhymne begrüßt

Viele Russen machen derzeit Urlaub in Finnland. Ein Staudamm gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Dort müssen sie sich teilweise mehr mit dem Angriff auf die Ukraine auseinandersetzen als in der Heimat.
Touristen auf einer Brücke nahe dem Staudamm am Fluss Vuoksi

Touristen auf einer Brücke nahe dem Staudamm am Fluss Vuoksi

Foto: Alessandro Rampazzo / AFP

An einer der meistbesuchten Naturattraktionen Finnlands werden Touristen aus Russland von der Nationalhymne der Ukraine begrüßt.

Jeden Tag zur gleichen Zeit wird die Öffnung des fast hundert Jahre alten Staudamms des Flusses Vuoksi nahe der Stadt Imatra üblicherweise von Klängen des finnischen Komponisten Jean Sibelius begleitet. Auf der Brücke in der Stadt Imatra versammeln sich hierzu meist Hunderte Schaulustige, um zuzusehen, wie das Wasser unter ihnen vorbeirauscht.

Seit Ende Juli beginnt die Stadt die Show mit dem Abspielen der ukrainischen Nationalhymne.

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Es ist in der Gegend nicht der einzige Protest gegen den russischen Angriffskrieg. Auch in der nahe gelegenen Stadt Lappeenranta wird jeden Abend die ukrainische Nationalhymne über dem Rathaus gespielt, mit Blick auf die bei russischen Touristinnen und Touristen beliebten Einkaufszentren.

»Das Ziel ist es, die starke Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck zu bringen und den Angriffskrieg zu verurteilen«, sagte Lappeenrantas Bürgermeister Kimmo Jarva der Nachrichtenagentur AFP.

Finnland erwägt Verbot von Visa für Russen

In den vergangenen Wochen hat die Debatte über ein mögliches Verbot von Touristenvisa in Finnland an Fahrt aufgenommen. Die politischen Vertreterinnen und Vertreter in Helsinki scheinen dabei überwiegend der Argumentation der Befürwortenden zu folgen. Bereits Ende Juli legte eine Umfrage unter Politikerinnen und Politikern nahe, dass die vier größten Parteien des Landes einen solchen Schritt unterstützen würden.

Eine vergangene Woche vom öffentlich-rechtlichen finnischen Fernsehsender Yle veröffentlichte Umfrage ergab, dass 58 Prozent der Menschen in Finnland für eine Beschränkung der russischen Touristenvisa sind.

Finnland ist derzeit für viele Russinnen und Russen das Tor nach Europa. Zwar ist als Folge des Ukrainekriegs der EU-Luftraum für russische Maschinen gesperrt. Wer jedoch die nötigen Dokumente hat, kann weiterhin über die etwa 1300 Kilometer lange Grenze von Russland nach Finnland reisen.

In der Europäischen Union ist zuletzt eine Diskussion über ein Einreiseverbot für russische Touristen entbrannt. Die tschechische Regierung hat ein EU-weites Verbot von Einreisevisa für russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger vorgeschlagen.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich hingegen bereits gegen ein Verbot von Touristenvisa für Menschen aus Russland ausgesprochen. »Das ist Putins Krieg, und deshalb tue ich mich mit diesem Gedanken sehr schwer«, sagte Scholz vor Journalistinnen und Journalisten in Berlin. Scholz verwies auf die »sehr weitreichenden Sanktionen« gegen Russland.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass die Menschen sich am Fluss Imatrankoski versammeln würden. Dies ist allerdings der Name des Staudamms. Der Fluss heißt Vuoksi.

svs/AFP
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