Krieg in der Ukraine Kreml wirft dem Westen »Banditentum« vor

Die Sanktionen treffen die russische Wirtschaft und die Bevölkerung hart, doch der Kreml spielt das herunter. Er erhebt Vorwürfe gegen den Westen.
Wladimir Putin: Binnen weniger Tage wurde Russland wegen des Ukrainekriegs mit harten Sanktionen belegt

Wladimir Putin: Binnen weniger Tage wurde Russland wegen des Ukrainekriegs mit harten Sanktionen belegt

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Andrei Gorshkov / picture alliance / AP

Russland sieht sich durch die Sanktionen zahlreicher Länder nicht bedroht. »Russland ist nicht isoliert«, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. »Russland ist zu groß, als dass es durch die USA und die Europäische Union isoliert werden könnte.«

Die Welt sei viel größer als nur der Westen, so Peskow weiter. Westlich orientierte Staaten verhielten sich gegenüber Russland wie Banditen. Auf dieses »wirtschaftliche Banditentum« werde Russland reagieren. Russland hoffe, dass seine Position eines Tages von der EU, den USA und der Nato verstanden werde. Und das Land wolle attraktiv für Anleger sein. Die Zeiten änderten sich auch wieder, sagt Peskow, und die Firmen und Investoren kehrten zurück.

Binnen weniger Tage hatten sich internationale Unternehmen aus Russland zurückgezogen. Kulturinstitutionen und Universitäten wenden sich von ihren russischen Partnern ab. Internationale Turniere finden nur noch ohne russische Sportlerinnen und Athleten statt. Die russische Währung befindet sich im freien Fall. Vor Geldautomaten bildeten sich lange Schlangen. Menschen versuchten, ihre Konten zu leeren; oftmals ohne Erfolg.

Ein großer Teil der Devisenreserven ist derzeit unerreichbar

Der Crash befeuert die ohnehin hohe Inflation. Unter normalen Umständen könnte Putins Zentralbank gegensteuern. Sie hat Devisenreserven im Wert von rund 630 Milliarden Dollar angehäuft, mit deren Verkauf der Rubelkurs stabilisiert werden könnte. Doch die Allianz der Putin-Gegner hat die russischen Auslandsmilliarden eingefroren – über wie viel Geld die Regierung noch verfügen kann, ist unklar. (Lesen Sie hier  und hier mehr dazu, wie die Sanktionen wirken.)

Tatsächlich treffen die Sanktionen gegen Russland aber nicht nur russische, sondern zahlreiche Firmen rund um den Globus. Bei internationalen Unternehmen, Banken und Investoren stehen Milliarden im Feuer.

  • Aktien und Anleihen: Allein internationale Fonds sind laut Daten des Finanzanalysehauses Morningstar mit Aktien und Anleihen im Wert von mindestens 60 Milliarden Dollar in Russland engagiert. Am stärksten betroffen sind US-Vermögensverwalter wie die Capital Group, Blackrock und Vanguard. Wie aus Veröffentlichungen im Zeitraum September 2021 bis Ende Februar 2022 hervorgeht, summieren sich die Engagements der 100 größten Fonds auf mehr als 60 Milliarden Dollar.

  • Schuldverschreibungen: Einer Analyse der US-Investmentbank JPMorgan zufolge besitzen Ausländer rund 79 Milliarden Dollar an russischen Schuldverschreibungen.

  • Banken: Ausländische Geldhäuser haben laut Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ein Russland-Risiko von etwa 120 Milliarden Dollar. In Europa sind italienische und französische Banken am stärksten betroffen – jeweils mit etwas über 25 Milliarden Dollar. Das Engagement von US-Banken summiert sich auf 14,7 Milliarden Dollar. Von den Einzelinstituten ist die österreichische Raiffeisen Bank International besonders stark im Risiko – mit 22,85 Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf das Geschäft mit privaten Firmenkunden. Bei der französischen Société Générale, die die russische Rosbank kontrolliert, sind es 18,6 Milliarden Euro. Die italienische UniCredit hatte Mitte 2021 ein Russland-Risiko von 14,2 Milliarden Euro. Von den US-Instituten ist die Citigroup mit fast zehn Milliarden Dollar in Russland engagiert.

  • Weitere Unternehmen: BP will seine Beteiligung am russischen Ölriesen Rosneft aufgeben. Auf Rosneft entfallen rund die Hälfte der Öl- und Gasreserven von BP und ein Drittel der Produktion. Die Veräußerung der Beteiligung von 19,75 Prozent wird nach Angaben des britischen Unternehmens zu Belastungen führen und bis zu 25 Milliarden Dollar kosten. ExxonMobil zieht sich aus dem russischen Öl- und Gasgeschäft zurück. Dieses wurde bislang mit mehr als vier Milliarden Dollar bewertet. Shell gibt alle Tätigkeiten in Russland auf. Die Entscheidung, russische Gemeinschaftsunternehmen zu verlassen, werde zu Abschreibungen führen. Der Ölkonzern hatte dort Ende 2021 rund drei Milliarden Dollar an Vermögenswerten.

  • Norwegens Staatsfonds: Der norwegische Staatsfonds – der größte der Welt – hat den Wert seiner in Russland gehaltenen Vermögenswerte in Höhe von rund drei Milliarden Dollar überwiegend abgeschrieben. Der Fonds war Ende 2021 in Russland über Aktien an 51 Unternehmen beteiligt. Die wertvollsten davon waren Gazprom, Sberbank und Lukoil, also eine Bank und zwei Energiekonzerne.

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jul/rts
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