Ukrainekrieg Sirenenalarm und Explosionen in Kiew und Lwiw

In zwei ukrainischen Großstädten scheinen sich die russischen Bombardements zu verstärken. Die örtlichen Behörden vermuten einen Vergeltungsschlag für die Zerstörung des russischen Kriegsschiffs »Moskwa«.
Zerstörtes Gebäude in Wyschnewe, einem Vorort von Kiew (Foto vom 15. April)

Zerstörtes Gebäude in Wyschnewe, einem Vorort von Kiew (Foto vom 15. April)

Foto: FADEL SENNA / AFP

Nach dem Untergang  des russischen Kriegsschiffs »Moskwa« haben die russischen Streitkräfte offenbar ihre Angriffe in der Ukraine verstärkt. Nahe Kiew und Lwiw sind Berichten örtlicher Medien zufolge Explosionen zu hören. In weiten Teilen der Ukraine geben Sirenen Luftalarm.

In Kiew wurde am Samstag eine Rüstungsfabrik bombardiert. Über dem Gelände, das von zahlreichen Polizisten und Soldaten abgeriegelt wurde, stieg laut dem Bericht eines AFP-Korrespondenten Rauch auf. In der Fabrik wurden insbesondere Panzer hergestellt. Das russische Verteidigungsministerium sprach vom Einsatz »hochpräziser Langstreckenwaffen«.

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko berichtete in Onlinenetzwerken von mehreren Explosionen im Stadtteil Darnyrskyj. Über mögliche Opfer lägen noch keine Informationen vor. Der ukrainische Gouverneur Olexander Pawljuk berichtete derweil von drei Luftangriffen in der Region um die Hauptstadt, hinzu kamen Bombardements im Osten des Landes.

Die »Moskwa« ist höchstwahrscheinlich nach Beschuss von ukrainischen Raketen havariert. Das russische Verteidigungsministerium hatte kurz danach angekündigt, »Anzahl und Umfang der Raketenangriffe auf Ziele in Kiew« zu erhöhen.

Die »Moskwa« war laut einem Sprecher der ukrainischen Armee von Neptun-Raketen getroffen worden. Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums, der anonym bleiben wollte, bestätigte dies am Freitag. Eine ukrainische Militärsprecherin sagte zudem, dass die Besatzung des Kriegsschiffs – etwa 500 Menschen – entgegen der russischen Darstellung nicht gerettet werden konnte, diese Angaben wurden aber von unabhängiger Seite nicht bestätigt.

Russland hatte mitgeteilt, dass an Bord des Schiffs Munition explodiert sei. Während die »Moskwa« dann in Richtung eines Hafens abgeschleppt worden sei, habe sie ihr »Gleichgewicht« verloren und sei bei starkem Seegang untergegangen.

Die »Moskwa« war das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte. Das zu Sowjetzeiten gebaute Schiff hatte zusammen mit anderen russischen Schiffen die südukrainische Hafenstadt Mariupol blockiert. Eine Sprecherin der südlichen Streitkräfte der Ukraine sagte: »Wir sind uns bewusst, dass die Angriffe gegen uns zunehmen werden und dass der Feind Rache nehmen wird.«

Selenskyj fordert erneut rasches Ölembargo

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte erneut schärfere Sanktionen gegen Moskau. »Das nächste Sanktionspaket muss einen Verzicht auf russisches Öl beinhalten«, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache. Geld für Energie aus Russland sei in Wirklichkeit Geld für die Zerstörung der Demokratie. Der Krieg könne zudem verkürzt werden, wenn Kiew rasch alle geforderten Waffen erhalte.

Die ukrainische Großstadt Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk ist inzwischen offenbar weitgehend zerstört. Laut dem Chef der Militärverwaltung ist die Stadt zu rund siebzig Prozent zerstört. Die wichtigsten Straßen seien erheblich beschädigt, die Wasserversorgung eingestellt. Von den normalerweise rund 130.000 Bewohnerinnen und Bewohnern seien nur noch etwa 20.000 vor Ort. Die Behörden arbeiteten daran, weiter Menschen aus der Stadt in Sicherheit zu bringen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig geprüft werden.

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Bei einem russischen Angriff auf Busse, die Zivilisten aus dem Kriegsgebiet in der Ostukraine in sichere Gebiete bringen wollten, wurden nach ukrainischen Angaben mindestens sieben Zivilisten getötet. Zudem seien mindestens 27 weitere Menschen bei einem Vorfall in der Region Charkiw verletzt worden, teilte das Büro des ukrainischen Generalstaatsanwalts im Onlinedienst Telegram mit.

Die Bundesregierung will ihre Militärhilfen an die Ukraine noch einmal aufstocken. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) schrieb auf Twitter, im Ergänzungshaushalt werde die sogenannte Ertüchtigungshilfe — eine Initiative zur Stärkung der Sicherheit ausländischer Partner — auf zwei Milliarden Euro erhöht. »Die Mittel kommen weit überwiegend der Ukraine zugute.«

Der Kreml schickte US-Medienberichten zufolge eine diplomatische Note an die USA, in der vor »unvorhersehbaren Konsequenzen« aufgrund der stark gestiegenen Militärhilfe der Nato-Länder für die Ukraine gewarnt wird.

ssu/AFP/dpa/Reuters
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