Krieg in der Ukraine Ukrainische Behörden erwarten Massenflucht aus Mariupol

»Nehmen Sie so viele Menschen mit wie möglich«: 440.000 Menschen leben in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol. Lokale Behörden gehen davon aus, dass die Hälfte der Bevölkerung die Waffenruhe zur Flucht nutzen wird.
Zerstörtes Auto in den Straßen von Mariupol

Zerstörtes Auto in den Straßen von Mariupol

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Evgeniy Maloletka / AP

Die ukrainischen Behörden gehen davon aus, dass mehr als 200.000 Menschen die Hafenstadt Mariupol in der Region Donezk während der Waffenruhe verlassen werden. Das sagte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Samstag dem ukrainischen Portal Strana.news zufolge. Für die Stadt Wolnowacha ging sie von 15.000 Menschen aus.

Am Samstagvormittag trat eine mehrstündige Waffenruhe in Kraft. Die Einwohner sollten die beiden Städte über humanitäre Korridore verlassen können. Zuvor hatte der Bürgermeister von Mariupol, Wadym Boitschenko, von einer Blockade der Stadt mit 440.000 Menschen und unerbittlichen russischen Angriffen gesprochen.

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200 Menschen in Schutzkeller eingeschlossen

Nach Angaben der Stadt soll es Evakuierungen an mehreren Tagen geben. Es stünden Busse bereit, außerdem könnten Einwohner mit eigenen Autos die Stadt auf vorgeschriebenen Routen verlassen. »Nehmen Sie so viele Menschen mit wie möglich«, appellierte die Stadt. Die Evakuierung sei keine leichte Entscheidung gewesen, sagte Boitschenko.

Der Sprecher der Aufständischen im Gebiet Donezk, Eduard Bassurin, sagte der Agentur Interfax zufolge, ein »nationalistisches Bataillon« soll in Mariupol eine Explosion in einem mehrstöckigen Wohnhaus verursacht haben. Der Zeitpunkt des Vorfalls war zunächst unklar. Etwa 200 Menschen hätten zu der Zeit in einem Keller Schutz gesucht. Sie seien eingeschlossen worden. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite gab es zunächst nicht. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Schon vor zwei Tagen verkündete das ukrainische Innenministerium, dass Mariupol vollständig von russischen Truppen umzingelt sei. Dies teilte Anton Heraschtschenko, Berater im ukrainischen Innenministerium, nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mit.

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Heraschtschenko verglich die Situation in Mariupol mit einem extremen Szenario: »Die Besatzer wollen die Stadt in ein belagertes Leningrad verwandeln«, sagte er. Dabei bezieht er sich auf die Belagerung von Sankt Petersburg – in der Sowjetunion noch Leningrad genannt. Während der mehrjährigen Blockade der Stadt durch Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg war rund eine Million Menschen gestorben.

muk/dpa
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