Landgewinne Kiews Truppen rücken in Ost- und Südukraine weiter vor

Die ukrainischen Streitkräfte verbuchen weiter Geländegewinne. Sollten sich Meldungen über Fortschritte am Ufer des Dnjepr bestätigen, könnten Tausende russische Soldaten in der Falle sitzen.
Ein verbrannter russischer Panzer in der Region Charkiw

Ein verbrannter russischer Panzer in der Region Charkiw

Foto: Oleg Petrasyuk / EPA

Im Zuge ihrer Gegenoffensive haben ukrainischen Truppen im Osten und Süden des Landes offenbar weitere Erfolge verzeichnet. Im Bezirk Luhansk hätten sich ukrainische Soldaten bei der Stadt Lyssytschansk bereits festgesetzt, schrieb ein Militärsprecher der von Moskau gelenkten Luhansker Milizen im Nachrichtendienst Telegram. Die ukrainischen Einheiten seien jedoch unter dem ständigen Feuer der russischen Armee. Ukrainischen Quellen zufolge ist das Dorf Bilohoriwka bereits seit Längerem unter ukrainischer Kontrolle.

Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj auch ein Vorrücken seiner Streitkräfte im südukrainischen Gebiet Cherson sowie die Rückeroberung der dortigen Ortschaften Archanhelske und Myroljubiwka bestätigt. »Die Geschichte der Befreiung von Lyman in der Donezk-Region ist zur populärsten in den Medien geworden«, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. »Aber die Erfolge unserer Soldaten sind nicht auf Lyman begrenzt.«

Noch nicht offiziell bekannt gegeben wurde ein ukrainisches Vorrücken entlang des Dnjepr. Ein Berater des Kiewer Innenministeriums, Anton Geraschtschenko, veröffentlichte ein Video, auf dem ukrainische Soldaten ihre Nationalflagge in der Ortschaft Solota Balka hissten. Das Gebiet liegt zwischen den Städten Cherson und Saporischschja, deren Regionen Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag für annektiert erklärt hat.

Der Vertreter der russischen Besatzungsverwaltung des Gebiets Cherson, Kirill Stremoussow, sprach außerdem über einen ukrainischen Vorstoß in Richtung des rund 30 Kilometer weiter südlich gelegenen Dudtschany. Rob Lee von der US-Denkfabrik Foreign Policy Research Institute wiederum zitierte russische Blogger, die berichteten, dass ihre Truppen sich bis nach Dudtschany zurückgezogen hätten. »Wenn so viele russische Kanäle Alarm schlagen, heißt das gewöhnlich, dass sie in Schwierigkeiten sind«, schrieb Lee auf Twitter.

Sollten die ukrainischen Streitkräfte weitere Fortschritte am Ufer des Flusses machen, könnten Tausende russische Soldaten in der Falle sitzen. Der Dnjepr ist stellenweise sehr breit, und die Ukraine hat die meisten Brücken zerstört, um die Nachschubwege der russischen Armee abzuschneiden.

Mehr als sieben Monate nach Kriegsbeginn hatte Russland am vergangenen Freitag die nur teilweise eroberten Gebiete Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson annektiert. Ungeachtet dessen setzt die ukrainische Armee ihre Gegenoffensive fort. Seit Anfang September hat sie bereits das östliche Gebiet Charkiw größtenteils befreit und zuletzt auch in Donezk den strategisch wichtigen Ort Lyman zurückerobert . Dadurch könnten die ukrainischen Verbände im Osten weiter tief in russisch besetztes Gebiet vorrücken.

sak/dpa/Reuters
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