Schnappschüsse von Militärgerät Verraten Krim-Urlauber aus Versehen russische Verteidigungspositionen?

Flugabwehr ist am effizientesten, wenn ihr Standort verborgen bleibt. Unbedarft aufgenommene Fotos vor Militärausrüstung schaden hier nur. Sie rufen findige Standort-Rechercheure auf den Plan – und die Behörden.

Es herrscht Krieg in der Ukraine, auch auf der russisch annektierten Krim kommt es immer wieder zu Explosionen – was Touristinnen und Touristen trotzdem nicht davon abhält, auf der beliebten Schwarzmeer-Halbinsel, die Moskau sich 2014 einverleibt hat, Urlaub zu machen.

Ein ganz spezielles Erinnerungsfoto, das ein Urlauber auf dem sozialen Netzwerk vk.com veröffentlicht haben soll, könnte nun weitreichende Folgen gehabt haben. Denn: Der Mann in Badehose posierte nicht nur am Strand, sondern auch stolz vor russischen Flugabwehrsystemen. Ein Motiv, das sofort die sogenannte Osint-Gemeinschaft auf den Plan rief.

»Osint« (Open Source Intelligence) steht für das Sammeln öffentlich zugänglicher Informationen. Hinter den Bemühungen stehen sowohl lose weltweite Kollektive Tausender Enthusiasten mit unterschiedlichstem Nischenwissen, die transparent und gemeinschaftlich Informationen auswerten und verifizieren, als auch hoch spezialisierte Experten etwa von Thinktanks. Ein großer Vorteil der Schwarmintelligenz ist die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der Medien ausgewertet werden können.

In diesem besonderen Fall haben Twitternutzende anhand von geografischen Merkmalen die genaue Position der leistungsstarken S-400 ausfindig gemacht, wie der Journalist Markus Krutov für das russische Portal svoboda.org nachvollzogen hat .

Und es sei nicht schwer gewesen, die Position zu ermitteln, da weitere Fotos »recht einfach zu finden/bestätigen waren und die Flugabwehrsysteme überhaupt nicht versteckt und nicht weit vom Strand aufgestellt sind«, schrieb Krutov.

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Er bezog sich dabei auf Markierungen des Urlaubers in anderen Fotos, Satellitenbilder aus der Region sowie auf den Osint-Experten Benjamin Pittet, der weitere Fotos aus der Umgebung des Dorfes Molochnoye in Bezug zu dem Urlaubsfoto setzen konnte.

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Einzelfälle? Offenbar nicht, denn Krutov zufolge sollen die russischen Behörden ihre Landsleute nun zur Umsicht aufgefordert haben. Im Telegram-Kanal des Verwaltungschefs  der Stadt Sewastopol, in dem er am Sonntagabend mitteilte, dass die Flugabwehr »ein weiteres Objekt« auf dem Weg zum Militärflughafen Belbek abgewehrt habe, hieß es: »Und ich erinnere Sie daran: Machen Sie weniger Fotos und laden Sie keine Videos von unseren Flugabwehrsystemen hoch. Und wenn Sie es machen, dann wenigstens ohne Bezug auf den Standort.«

sak
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