Tödlicher Raketenschlag Bericht über Angriff in Makijiwka weckt Zweifel an bislang genannten Opferzahlen

Die Ukraine fügte russischen Truppen in Makijiwka schwere Verluste zu. Laut BBC starben dabei mehr Soldaten als von Moskau offiziell bestätigt. Doch auch Kiews Darstellung war demnach ungenau – und stark übertrieben.
Überreste der zerstörten Berufsschule in Makijiwka, in der sich zum Zeitpunkt des Raketentreffers zahlreiche russische Soldaten aufgehalten haben sollen

Überreste der zerstörten Berufsschule in Makijiwka, in der sich zum Zeitpunkt des Raketentreffers zahlreiche russische Soldaten aufgehalten haben sollen

Foto: PAVEL KLIMOV / REUTERS

Für die ukrainischen Streitkräfte war es ein wichtiger Erfolg, für Russland dagegen ein schwerer Schlag: Bei einem Raketenangriff der Ukraine auf eine Berufsschule in der Stadt Makijiwka kamen in der Silvesternacht viele russische Soldaten ums Leben. Zur genauen Zahl der Toten gab es jedoch bereits unmittelbar nach der Attacke widersprüchliche Angaben.  

So hieß es etwa aus Kiew, 400 russische Soldaten seien mit Himars-Raketen getötet worden, bis zu 300 weitere russische Militärangehörige seien zudem verletzt worden. Demnach wäre es der mit Abstand tödlichste Einzelschlag seit Beginn des russischen Angriffskrieges gewesen. Inoffizielle Angaben zu hohen Opferzahlen kamen teils auch von russischer Seite.

Russland bestätigte nach der Attacke allerdings offiziell nur 63 Tote. Später räumte das russische Verteidigungsministerium dann den Tod von 89 Soldaten ein. Bei den Getöteten handelte es sich offenbar überwiegend um frische Rekruten aus der Region Samara, die erst in der Vorwoche nach Makijiwka in der Region Donezk verlegt worden waren.

Ein Bericht der BBC  weckt nun Zweifel sowohl an den russischen als auch den ukrainischen Angaben. Der Sender ermittelte demnach die Namen von 92 Soldaten, die bei dem Beschuss ums Leben kamen. Familien von mehr als einem Dutzend weiteren Soldaten hätten zudem keine Informationen über deren Verbleib. Dem Sender zufolge erfolgte die Recherche auf Basis offener Quellen.

Die BBC veröffentlichte dazu eine Liste der toten russischen Soldaten mit Namen sowie Fotos. Der Sender betonte, es handle sich jedoch weiterhin um eine vorläufige Aufstellung der Soldaten, die definitiv in Makijiwka ums Leben gekommen seien. Sie sei möglicherweise nicht vollständig und müsse aktualisiert werden.

Der tödliche Beschuss in Makijiwka hatte international Aufsehen erregt und innerhalb Russlands massive Kritik an der militärischen Führung ausgelöst. Berichten zufolge war es der ukrainischen Armee gelungen, die russischen Soldaten zu orten, weil diese ihre Handys benutzten. Auch die Entscheidung, zahlreiche Soldaten in wenigen Gebäuden und womöglich in unmittelbarer Nähe zu gelagerter Munition zu stationieren, war als unprofessionell kritisiert worden.

fek
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