Beschuss von Hochhaus in Kiew Ukrainischer Außenminister fordert Isolation Russlands

»Stoppt russische Kriegsverbrecher!« Mit einem emotionalen Aufruf hat der ukrainische Außenminister gefordert, Russland politisch und wirtschaftlich auszuschließen. Er reagierte damit auf den Beschuss eines Wohngebäudes in Kiew.
Rettungskräfte vor dem beschädigten Hochhaus in Kiew: Noch keine Informationen über Tote

Rettungskräfte vor dem beschädigten Hochhaus in Kiew: Noch keine Informationen über Tote

Foto: AYTAC UNAL / Anadolu Agency via AFP

Bei den schweren Angriffen russischer Truppen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew ist offenbar ein Hochhaus getroffen worden. Von der Zivilschutzbehörde veröffentlichte Bilder zeigten deutlich sichtbar einen Einschlag in oberen Stockwerken eines Gebäudes. Auf der Straße vor dem Haus lagen Trümmer. Es stieg Rauch auf.

Eine Rakete habe das Gebäude zwischen dem 18. und 21. Stockwerk getroffen, teilte die Zivilschutzbehörde mit. Demnach handelt es sich um einen Wohnblock. Die Evakuierung der Bewohner sei »im Gange«, teilte die Behörde mit.

Die Nachrichtenagentur AP zitierte einen Rettungssanitäter, wonach mindestens sechs Zivilisten verletzt wurden. Ein Feuerwehrmann sagte AP, die Wohnungen in zwei Stockwerken seien durch das Feuer zerstört worden. Die Rettungskräfte hätten 80 Menschen evakuiert.

Aufruf an die Welt

Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte ebenfalls, das Gebäude sei von einer Rakete getroffen worden. Das Geschoss sei am Samstag in das Hochhaus am südwestlichen Stadtrand von Kiew in der Nähe des Flughafens Schuljani eingeschlagen.

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba veröffentlichte bei Twitter ein Foto des getroffenen Hochhauses. »Kiew, unsere schöne, friedliche Stadt hat eine weitere Nacht unter Beschuss von russischen Bodentruppen und Raketen überlebt«, schrieb er dazu. »Ich fordere die Welt auf: Russland vollständig isolieren, Botschafter ausweisen, Ölembargo, die russische Wirtschaft zerstören«, schrieb Kuleba. »Stoppt russische Kriegsverbrecher!«

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Laut Anton Heraschtschenko, Berater des ukrainischen Innenministers, wurde niemand bei dem Beschuss des Hauses getötet. Heraschtschenko sagte, die russische Führung lüge, wenn sie behaupte, keine zivile Infrastruktur zu beschießen. Dem Berater zufolge wurden mindestens 40 solcher Einrichtungen getroffen.

Russland hat wiederholt behauptet, sein Angriff auf die Ukraine richte sich nur gegen militärische Ziele. »Ich möchte noch einmal betonen, dass nur die Infrastruktur der ukrainischen Streitkräfte angegriffen wird, sodass Schäden an der Wohn- und sozialen Infrastruktur ausgeschlossen sind«, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag bei einer Pressekonferenz.

Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geht es mittlerweile um die Kontrolle der Hauptstadt Kiew. Die ukrainische Armee erklärte am frühen Samstagmorgen, einen Angriff russischer Streitkräfte auf eine wichtige Stellung in der Hauptstadt abgewehrt zu haben.

Die folgende Karte zeigt die Gefechtslage in Kiew:

Der Präsident will bleiben, Zehntausende fliehen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor vor einem Großangriff der russischen Kräfte auf Kiew gewarnt. In einem Video versicherte er, er werde im Land bleiben, und versuchte, den Bürgerinnen und Bürgern Mut zu machen.

Auch in vielen anderen Landesteilen wurde gekämpft. Zehntausende flohen angesichts der Gewalt in die Nachbarstaaten – vor allem Frauen und Kinder. Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen und sollen bei der Verteidigung helfen.

Am Samstag veröffentlichte das ukrainische Gesundheitsministerium neue Zahlen zu Toten und Verletzten. Mindestens 198 Ukrainer, darunter drei Kinder, wurden infolge des russischen Einmarsches in der Ukraine getötet, sagte der Leiter des Ministeriums laut der Nachrichtenagentur Interfax.

1115 Menschen seien verwundet worden, darunter 33 Kinder. Es war unklar, ob er sich nur auf die zivilen Opfer bezog. Die Angaben lassen sich von unabhängiger Seite kaum überprüfen.

mmq/Reuters/dpa/AFP/AP