Ungarn Budapest ärgert China und Orbán mit Straßennamen

Die Uiguren, Hongkong und der Dalai Lama: In Ungarns Hauptstadt Budapest gibt es jetzt Straßennamen, die China nicht gefallen dürften – und dem Rechtsnationalisten Orbán ebenso wenig.
Aktivisten zeigen in Budapest die tibetische Fahne vor der neuen Dalai-Lama-Straße

Aktivisten zeigen in Budapest die tibetische Fahne vor der neuen Dalai-Lama-Straße

Foto: ATTILA KISBENEDEK / AFP

Die Straße der Uigurischen Märtyrer, Freies-Hongkong-Straße oder Dalai-Lama-Straße – diese neuen Namen für Straßen vergab die Verwaltung von Ungarns Hauptstadt Budapest. Ein Sprecher der ungarischen Regierung bezeichnete das umgehend als »Witz« und »Provokation«.

Denn die Straßenzüge in einem unbebauten Gelände führen zu dem Grundstück, auf dem die Regierung des Rechtsnationalisten Viktor Orbán einen Ableger der chinesischen Fudan-Universität errichten will (lesen Sie hier mehr). Die Shanghaier Universität gilt zwar als eine globale Elite-Universität, ist aber zugleich auch der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas unterworfen. In Europa hat sie bisher keine Ableger.

Budapests Oberbürgermeister Gergely Karácsony und Bezirksbürgermeisterin Krisztina Baranyi weihten am Mittwoch im Süden der Stadt die frisch aufgestellten Straßenschilder ein.

Die Opposition, die seit dem Jahr 2019 in der Budapester Stadtverwaltung tonangebend ist, lehnt den Bau des Fudan-Ablegers ab. Nach einer jüngsten Umfrage sind auch 66 Prozent der Ungarn dagegen. Die Baukosten in Höhe von insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro übernimmt der ungarische Staat, während die Universität unter der politischen Kontrolle der Volksrepublik China stehen wird. Orbán machte Peking zuletzt immer wieder Avancen, sein Land legte gegen Peking-kritische EU-Beschlüsse Vetos ein.

Kritiker befürchten, dass Peking über eine finanziell bestens ausgestattete Budapester Fudan-Universität Einfluss auf das akademische Leben in Ungarn und darüber hinaus nehmen wird. Außerdem wird die Hochschuleinrichtung auf einem attraktiven Gelände am Donauufer errichtet, das ursprünglich für den Bau von kostengünstigen Heimen für ungarische Studenten vorgesehen war. Die »Studentenstadt« soll nun auf einem kleineren Baugrund weiter weg von der Donau entstehen.

als/dpa
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